Zwei Siege, doch keine Quotenplätze für Deutschland -
Rekordbeteiligung beim Weltcup in München vom 9. bis 16. Juni 2003
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Mit 815 Startern aus 76 Nationen verzeichnete der Weltcup auf der Olympiaschießsportanlage in München-Hochbrück vom 9. bis 16. Juni 2003 eine neue Rekordbeteiligung. Bei hochsommerlichen Temperaturen stand die Jagd nach den Quotenplätzen für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Athen 2004 im Blickpunkt der elf Entscheidungen. Für den Deutschen Schützenbund gab es durch Sonja Pfeilschifter und Manfred Kurzer zwei Siege, doch die Hoffnungen auf den Gewinn eines weiteren Quotenplatzes erfüllten sich nicht. Die Wettbewerbe wurden beherrscht von den Schützen aus China und Russland, die zusammen fünf Entscheidungen gewannen. Neben drei Goldmedaillen holte die Chinesen eine Silber- und zwei Bronzemedaillen. Mit Lioubov Galkina stand die überragende Schützin des Münchner Weltcups im Team der Russen, das zweimal Gold, fünfmal Silber und zwei Bronzemedaillen gewann.
Als Forum für die Fortsetzung des Protest über die Streichung des Wettbewerbs Laufende Scheibe aus dem olympischen Programm nutzte Bundestrainer Reinhard Rüger den Weltcup: "Mit dem weltweiten Protest hat die ISSF nicht gerechnet", ist Rüger zuversichtlich, dass eine Änderung der Entscheidung noch herbeigeführt werden kann, "Man hat die Folgen nicht bedacht, da weltweit mehr als einhundert Trainer ihrenJob verlieren." Der Sieg von Manfred Kurzer beim Weltcup in München kam Rüger gerade recht: "Das ist die beste Antwort, Manfred kämpft mit einer Superleistung für seine Disziplin".
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er 33-jährige aus Frankfurt/Oder dominierte den Wettkampf ab der zweiten 99er Serie im Langsamlauf. Mit 294 von 300 möglichen Ringen übernahm Kurzer die Führung und holte in der schnellen 30-Schuss-Runde mit 290 Ringen zwei wichtige Ring Vorsprung gegenüber Weltmeister Lykin heraus. Im Finale konnte der 29-jährige Russe nicht mehr mithalten und fiel mit einer 8,1 im sechsten Schuss auf Rang drei zurück. Der Deutsche steckte eine 8,7 im vierten Finalschuss souverän weg und erzielte nur noch Treffer zwischen 10,2 und 10,7. "Wegen dem Heimvorteil war ich zunächst etwas nervös, doch dann gelang mit ein tolles Finale, 102,1 Ringe sind ganz selten". Mit 4,7 Ringen Vorsprung holte sich Kurzer vor dem Tschechen Janus seinen zweiten Weltcupsieg in Folge. "Alle geben noch einmal Gas", erklärte Manfred Kurzer seine Motivation, "die Konkurrenz war hochkarätiger als in Zagreb". Durch den erneuten Weltcupsieg ist sich Kurzer sicher, dass er seinen Startplatz in Athen untermauert hat. "Mein ganzes Umfeld steht aber bis 2008", hofft er das die Disziplin Laufende Scheibe im olympischen Programm bleibt. "Ansonsten hätte ich nach Athen nichts mehr zu tun." |
Zum Zweikampf zwischen Sonja Pfeilschifter und der Russin Lioubov Galkina wurden die Gewehr-Entscheidungen bei den Frauen. Die Deutsche gewann den Wettbewerb mit dem Sportgewehr und einen Tag später revanchierte sich die Russin mit ihrem Sieg mit dem Luftgewehr.
| Sonja Pfeilschifter hatte mit 589 von 600 möglichen Ringen im Vorkampf mit zwei Ringen Vorsprung gegenüber Galkina das Finale mit dem Sportgewehr erreicht, begann aber das Finale mit den ersten fünf Schüssen mit Treffern zwischen 9,7 und 10,1. "Ich habe eigentlich gut draufgestanden", haderte die 32-jährige aus Eching mit den Schüssen, "dadurch wurde das Finale spannender als gedacht." Immer wieder legte Lioubov Galkina der Deutschen im Finale einen Schuss vor und kam ihr mit einer Serie von fünf Schüssen zwischen 10,3 und 10,6 bedenklich nah. Als die 30-jährige Olympiavierte von Sydney wieder eine 10,5 vorlegte schien sich das Finale zu ihren Gunsten zu drehen. Jetzt zeigte Sonja Pfeilschifter Nervenstärke, zielte lange und konterte mit einer 10,7. Hörbares Aufatmen ging durch die gespannten Zuschauer, die dichtgedrängt in der Finalhalle den Wettkampf verfolgten. Den vorletzten Schuss verpatzte Galkina mit einer 9,2, doch zum Entsetzen ihrer Anhänger schoss die Deutsche eine 9,0. |
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"Der ist mir versprungen. Jetzt hatte ich die Übersicht verloren, doch das Zwinkern von Stipberger bestätigte mir, das ich noch vorne war". Ihre Führung behauptete sie mit einem Sicherheitsschuss (9,7) nachdem die Russin nur eine 9,6 vorgelegt hatte. Nach dem knappen Sieg strahlte Sonja Pfeilschifter: "Alles läuft prima, mir geht´s gut. Das war mein einziger Weltcup in diesem Jahr und der Sieg reicht mir für´s Finale." Während Pfeilschifter und Galkina bereits Quotenplätze für ihre Länder gewonnen hatten, kämpften hinter dem Führungsduo drei Schützinnen um den einen zu vergebenen Platz. Das bessere Ende behielt Olena Davydova für die Ukraine, nachdem US-Schützin Amber Darland durch eine schwache 6,7 im Finale ihre Chancen vergeben hatte. Auf den Plätzen 23 konnten sich Petra Horneber und Barbara Lechner nicht in Szene setzen. Beide Deutschen vergaben ihre Finalteilnahme durch mäßige Leistungen im Kniendschießen. "Da ging´s drunter und drüber", kommentierte Bundestrainer Claus-Dieter Roth die letzten zehn Schüsse von Horneber (91 Ringe), während er mit der Leistung der krankheitsgeschwächten Lechner bei ihrem zweiten Weltcupauftritt noch zufrieden war.
Für die Niederlage mit dem Sportgewehr revanchierte sich Liobov Galkina mit einem eindrucksvollen Erfolg mit Luftgewehrwettbewerb. Mit optimalen 400 Ringen ging die Russin als Vorkampferste ins Finale und hatte damit ihren eigenen Weltrekord aus dem Vorjahr eingestellt. Mit 103,3 Ringen ließ sie sich ab dem dritten Finalschuss nicht mehr von der Spitze verdrängen. Ebenfalls 400 Ringe hatte Sun Hwa Seo vor einem Jahr beim Weltcup in Sydney erzielt und die Koreanerin bestätigte ihre Klasse in München mit 399 Ringen, mußte sich aber den zweiten Platz mit der ringgleichen Sonja Pfeilschifter und der Polin Hatalska teilen. Agata Hatalska hatte mit einer 9,9 im letzten Vorkampfschuss die optimalen 400 Ringe verpaßt. Die Koreanerin begann mit 10,5 und 10,6 und übernahm im Finale die Führung, die sie durch eine 9,8 beim dritten Schuss an die Russin wieder verlor. Zu diesem Zeitpunkt hatte Sonja Pfeilschifter bereits einen Ring auf die Koreanerin verloren und mußte im weiteren Verlauf um den dritten Rang kämpfen. Als die Echingerin im achten Schuss eine 9,3 unterlief stöhnten die Fans auf den Rängen auf. Die Koreainerin Park kam jetzt bis auf 0,2 Ringe an Deutsche heran. Doch Sonja Pfeilschifter behielt die Nerven und behielt mit 10,4 und 10,3 mit den letzten beiden Finalschüssen den Platz auf dem Siegerpodest.
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Im Blickpunkt der letzten Entscheidung
beim Münchner Weltcup stand Torsten Krebs. Nach dem Gewinn des
13.Quotenplatz für den Deutschen Schützenbund beim Weltcup in Zagreb
schoss der 30-jährige Schifferstädter wieder in Bestform. Eine
Zuschauertraube hatte sich beim Vorkampf schon hinter Krebs gebildet, der
mit drei 100er Serien begonnen hatte. Eine Neun in der vierten Serie und
wieder eine 100er Serie ließen Rekordhoffnungen unter den Zuschauern
aufkommen. "Ich hatte den Rekord im Hinterkopf, das machte die
letzten zehn Schüsse schwierig", beschrieb Torsten Krebs die
Schlußphase. Der vorletzte Schuss verdarb die Rekordhoffnungen, eine 9,9
und der Deutsche mußte sich mit 598 Ringen und Rang drei für´s Finale
begnügen.
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Das er die Nummer eins der Welt ist, bewies der für den SV Waldkraiburg in der Bundesliga schießende Jason Parker eindrucksvoll. Mit schnellen Finalschüssen setzte er sich mit einer Serie von 10,3 bis 10,9 bis zum sechsten Schuss von seinen Konkurrenten ab. Auch eine 9,3 konnte die Spitzenposition nicht mehr gefährten. Während zunächst der Kampf um Platz zwei zwischen Prikhodtchenko und Torsten Krebs im Blickpunkt der Zuschauer stand, holte vom siebten Vorkampfplatz aus Abhinav Bindra stetig auf. Der Inder, der bereits in Deiringsen Bundesligaluft schnupperte, holte sich mit neun Treffern zwischen 10,3 und 10,8 völlig überraschend den dritten Platz und den Quotenplatz für die Olympiateilnahme. Moderator Ralf Horneber hatte die zahlreichen Zuschauer bestens auf das Finale eingestimmt: "Das ist ein riesiger Wettkampf, 596 Ringe mußten für das Finale erzielt werden. Für Torsten Krebs war die erneute Finalteilnahme eine Bestätigung seiner Form: "Die ist stabil steigend, es war wichtig für mich, in diesem Weltklassefeld das Finale zu erreichen". Das es im Finale nicht optimal für den Deutschen lief, analysierte Bundestrainer Roth: "Es ist nicht seine Schokoladenseite, es wichtig das Finale im Wettkampf zu trainieren". Torsten Krebs begann mit zwei 10,6 Schüssen stark und verbesserte sich unter dem Jubel der Zuschauer schnell auf Rang zwei, bevor ihm die erste 9,6 unterlief. Wenig später folgte eine Serie von 9,7, 9,9 und 9,6. "Da bin ich in ein Loch gefallen", erklärte Krebs seinen Leistungseinbruch, "ich habe zu ruhig geschossen, die Schüsse waren schlechter, als ich sie gesehen habe". Der 20-jährige Bindra zog an Krebs ebenso vorbei, wie Rajmond Debevec, der sich auf Rang vier verbesserte und den Deutschen auf den fünften Platz verdrängte.
Seine Finalstärke hatte der 40-jährige Slowene einen Tag zuvor im Finale des 120 Schuss-Dreistellungskampfes eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Zuschauer hatten sich auf ein langweiliges Finale vorbereitet, denn Thomas Farnik führte scheinbar uneinholbar mit fünf Ringen Vorsprung gegenüber dem Ukrainer Aivazian. Rajmond Debevec lag sogar noch einen weiteren Ring hinter dem Österreicher, der den Quotenplatz für sein Land bereits gewonnen hatte, da alle übrigen Finalisten ebenfalls für die Olympiateilnahme qualifiziert waren. Als Farnik mit dem dritten und fünften Schuss jeweils eine 8,6 unterlief wurde das Finale spannend, denn Debevec hatte zur Aufholjagd geblasen. Mit einer Serie von 10,3 bis 10,7 bei den ersten vier Schüssen hatte der Slowene seinen Rückstand auf 1,9 Ringe verkürzt.
| Debevec schaute nach jedem Schuss zur
Anzeigetafel und sah, wie er immer näher an den Österreicher herankam.
Beim achten Schuss war es dann so weit. Farnik schoss eine 8,3 und Debevec
übernahm mit einer 10,2 die Führung. Jetzt lief der Olympiasieger zur
Höchstform auf und baute seinen Vorsprung mit 10,6 und 10,4 bei den
letzten Schüssen sogar noch auf 1,6 Ringe aus. Sichtlich geschafft von
diesem Finale suchte Farnik nach Gründen für seine Niederlage: "Ich
war immer zu spät am Abzug", so der 36-jährige Österreicher,
"ich habe gemerkt, das er immer weiter aufholt, das war von Debevec
ein perfektes Finale".
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Das Christian Bauer das Finale der besten Acht bei Ringgleichheit mit dem Thailänder Majchacheeap verpaßt hatte, ärgerte Bundestrainer Claus-Dieter Roth. Noch konnten die Deutschen in diesem Wettbewerb keinen Quotenplatz für Olympia gewinnen. "Aber es sind noch persönliche Reserven da", ist Roth optimistisch und setzt dabei auf die Erfahrung von Christian Bauer, Maik Eckhardt und Johann Zähringer. Bauer hatte den Finalplatz durch eine 96er Serie im abschließenden Kniendanschlag gegenüber 100 Ringen des Thailänders Majchacheeap verloren.
"Jetzt ist Kleinkaliber Trumpf", umreißt Claus-Dieter Roth die Zielsetzungen für seine Schützlinge, nachdem mit dem Luftgewehr die Quotenplätze gewonnen wurden. "Da hat sich die Spezialisierung schon ausgezahlt". Auf Spezialisten setzt der Bundestrainer auch im Kleinkaliber-Liegendkampf, bei dem in München Swen Schuller und Bernd Rücker das Finale der besten Acht erreicht hatten. "Unterm Strich war da aber nichts zu gewinnen". Bei brütender Hitze in der Finalhalle erlebten die Zuschauer ein tolles Finale, bei dem Guy Starik aus Israel und der Russe Khadjibekov die Hauptrolle spielten. Der Russe hatte bis zwei Schüsse vor Schluß im Finale mit 0,2 Ringen geführt, da steigerte der Israeli sein bis dahin glänzendes Finale nochmals. Mit 10,9 und 10,7 schloss Starik den Wettkampf als strahlender Sieger ab. Bernd Rücker hatte seine Chancen durch zwei schwache Schüsse (9,5 und 9,6) zum Finalauftakt schnell vergeben und Swen Schuller hatte mit drei Ringen Rückstand nach dem Vorkampf keine Möglichkeit sich in der gutklassigen Konkurrenz zu verbessern. Im deutschen Zweikampf um Rang sieben behielt Schuller mit 0,3 Ringen Vorsprung knapp die Oberhand.
"Beim Weltcup habe ich alles ins Rennen geworfen, was ich habe", zog Bundestrainer Roth das Fazit für den Münchner Weltcup, der für die 16 gestarteten Männer ohne das erhoffte Erfolgserlebnis endete. Sportdirektor Heiner Gabelmann mußte sich schließlich den kritischen Fragen des bayerischen Sportfernsehens stellen, dass regelmäßig über die Weltcupveranstaltung berichtete. Die verpaßten Olympia-Quotenplätze im Kleinkaliberbereich der Herren kommentierte Gabelmann damit, dass Torsten Krebs auch ein guter KK-Schütze ist und er sich einen Doppelstart bei Olympia des Schifferstädters bei entsprechender Vorbereitung vorstellen könnte. Krebs selbst sieht das Kleinkalibergewehrschießen als zu zeitaufwendig. "Ich will nicht nur mitschießen, ich will ins Finale", so Krebs über seine Motivation, sich auf das Luftgewehrschießen zu spezialisieren.
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