Suhl - letzte Station vor der WM
Wurfscheiben-Weltcup im thüringischen Suhl
Ausschnitte meines Berichts für die Deutsche Schützenzeitung
Nach sechs Jahren kehrte der Schützen-Weltcup ins thüringische Suhl zurück. Für die Wurfscheibenschützen ist die Schießsportanlage am Friedberg die letzte Station vor Beginn der Weltmeisterschaften im finnischen Lahti. "Der Weltcup ist größer geworden als wir dachten", zeigte sich DSB-Sportdirektor Heiner Gabelmann überrascht über die Rekordmeldung von 488 Startern aus 61 Nationen, "wir hatten mit etwa 300 Teilnehmern gerechnet". So mußte der Terminplan vom 23. bis 30. Juni 2002 erweitert werden und für Aktive und Funktionäre begannen die Wettkämpfe ungewohnt früh ab 7.30 Uhr morgens. Für die Wettbewerbe entschlossen sich die Veranstalter kurzfristig "härtere" Wurfscheiben zu verwenden, um die Durchgänge nicht durch zuviel "Bruch" in Terminnot zu bringen. Die Aktiven mußten dadurch mehr Scheiben als gewohnt fliegen lassen, so dass viele Ergebnisse unter den Erwartungen blieben.
Erster Höhepunkt des Suhler Weltcups war die Doppeltrapentscheidung, die mit einer Glanzleistung von Christian Hartmann begann. Der Bäckermeister aus Dachau begann mit 49 von 50 möglichen Treffern in der ersten Runde und führte die Konkurrenz an. "Das ist eine Superleistung", freute sich Bundestrainer Wilhelm Metelmann, der Hartmann als Hoffnungsträger im Doppeltrap hinter Waldemar Schanz sieht, "die Technik hat er". In der zweiten Runde blieb Hartmann mit 43 Treffern in der Spitze dabei, doch in der Schlußrunde kam mit elf Fehlschüssen der Einbruch: "Irgentwo habe ich den Faden verloren", ärgerte sich Christian Hartmann über die verpaßte Finalchance, "international fehlt mir noch die Gleichmäßigkeit".
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Die deutschen Erwartungen erfüllte
Waldemar Schanz. Der für Diana Berlin schießende Wiesbadener eröffnete
mit 47 und 46 Treffern den Wettkampf und knüpfte an die guten Leistungen
von seinem Weltcupsieg in Shanghai an. Doch eine 43er Schlußrunde
bedeutete für Schanz die Relegation zum Einzug ins Finale der besten
Sechs. Wie der Deutsche Meister hatten der spanische WM-Sechsten Sergio
Pinero und Ahmed Almaktoum aus Saudi Arabien jeweils 136 Treffer erzielt
und das Trio mußte im Shoot-Off den sechsten Finalisten ermitteln. Die
besseren Nerven behielt Schanz, nachdem Almaktoum die dritte und Pinero
die fünfte Scheibe verfehlt hatten erreichte er fehlerlos das Finale.
"Ich hätte mich geärgert, wenn ich das Finale nicht erreicht
hätte", freute sich der 33-jährige, nachdem der amtierende
Weltmeister Hamad Alafasi aus Kuwait auf Platz 49 ebenso sang- und
klanglos ausgeschieden war wie der australische Olympiasieger Russel Mark,
der als 18. passen musste.
Das Finale begann für Schanz vielversprechend, denn die besser platzierte Konkurrenz patzte früh. Marco Innocenti verlor durch vier Fehler bei den ersten zwölf Schüssen schnell den Anschluß und danach fiel der Zweitplatzierte Ungar Roland Gerebics durch eine Serie von Fehlern zurück. |
| Die Aufholjagd von Schanz stockte mit Fehlern auf die Scheiben 12 und 13, doch dann sah es nach einer Medaille für den Deutschen auf. Unbeeindruckt von den Fehlern der Konkurrenz schoss dagegen der Vorkampfführende Walton Eller. Der 22-jährige US-Student brachte mit nur drei Fehlschüssen einen sicheren Sieg ins Ziel und holte den ersten Quotenplatz für sein Land. Den zweiten Rang verteidigte der Chinese Li gegen die aufholenden Schanz und Keever, die sich letztlich im Shoot-Off um die Bronzemedaille gegenüberstanden, nachdem Roland Gerebics durch einen frühen Fehler im Stechen von Rang zwei auf fünf zurückgefallen war. Waldemar Schanz kämpfte gegen den 24-jährigen Keever bis zwölften Stechschuss um Bronze, als er die entscheidende Scheibe verfehlte. Nach Gold und Bronze jubelten die US-Schützen und gewannen dem Erfolg über Schanz noch einen Seitenhieb ab: "Das war Revanche für Soccer". |
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Ohne deutsche Beteiligung wurden die Finals in der Disziplin Trap ausgetragen, nachdem Olaf Kirchstein (im Bild links) im Shoot-Off gegen den Peruaner Boza und Jean-Pierre Chavassieux aus Frankreich scheiterte und mit Rang sieben zufrieden sein mußte. "Shoot-Off ist Glückssache", Bundestrainer Wilhelm Metelmann war dennoch mit dem 36-jährigen Kirchstein zufrieden, "Er ist in der Lage, sich ins Finale zu schießen. Vor den Weltmeisterschaften gibt es ihm Selbstvertrauen." Als einziger deutscher Aktiver hatte Kirchstein im 125-Scheiben-Vorkampf durch gleichmäßige Serien überzeugt und konnte lange Zeit mit dem direkten Einzug ins Finale rechnen, bevor der Italiener Vigano und der Peruaner Boza mit optimalen 25er Schlußrunden den Deutschen noch ins Shoot-Off zwangen. Gegen den sechsfachen Olympiateilnehmer Boza und dem französischen Meister Chavassieux verpaßte Kirchstein die zweite Scheibe und schied aus. |
| Die Hoffnungen auf einen weiteren Quotenplatz für Olympia 2004 erfüllten sich für den Deutschen Schützenbund zum Abschluß des Weltcups in der Disziplin Skeet nicht. Dafür feierten die Italiener durch Welt- und Europameister Ennio Falco und Andreas Benelli einen Doppelsieg. Die deutschen Hoffnungen hielt Axel Wegner, der nach dem ersten Wettkampftag mit 48 von 50 möglichen Treffern noch aussichtsreich auf Position zwei gemeinsam mit Benelli und vor dem Siebtplatzierten Falco lag. "Da mußt du voll drauf sein", kommentierte Wegner den ersten Wettkampftag, "dann kommt noch der böige Wind". Eine heftige Windböe sorgte auch für den zweiten Fehlschuss des Leipzigers, als die Scheibe bei seinem vierten Schuss verweht wurde. |
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Dafür konnte er sich über die unerwartet starke Leistung Christine Brinker freuen. Die 20-jährige Arzthelferin eröffnete ihren ersten Weltcup mit zwei 22er Runden und hatte vor der letzten 25er Serie auf Platz fünf eine überraschende Finalchance. Seit dem dritten Rang von Susanne Michel bei den Europameisterschaften 1998 hatte keine deutsche Skeetschützin mehr das Finale eines internationalen Wettkampfes erreicht. "Die kann´s packen", freute sich Wilhelm Metelmann, der mit einem jungen Team im Skeetbereich bei den Frauen einen Neuanfang macht. "Den 1997 gegründeten Kader haben wir 1999 aufgelöst", so der Bundestrainer über das Frauen-Skeet, das in Sydney seine Premiere als olympische Disziplin hatte. Eine 18er Schlußrunde beendete die Finalhoffnungen von Christine Brinker, doch der zehnte Einzelrang fand ebenso die Anerkennung des Bundestrainers wie der 21. Platz von Elke Schmitt: "Die beiden haben sich ordentlich gemacht, sind aber den internationalen Wettkampfanforderungen noch nicht gewachsen". |
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