Ganz locker mit Wasi geplaudert
Am 9. März 1994 begann für mich ein Urlaub, an dessen Ende ich richtig "fix und fertig" war. Es war eine Skireise in die USA, bei der ich drei Mitglieder des Skiclubs des SV 07 Bischofsheim begleitete, um meine Erfahrungen aus meinem ersten Skiurlaub in Aspen mit einzubringen. Hauptgrund war aber die Reise zusammen mit Udo, mit dem ich schon meine Lehrzeit verbracht hatte und schon einigemal in verschiedenen europäischen Skigebieten unterwegs gewesen bin.
Die Aufzeichnungen (fast wie ein Tagebuch) von Udo sind auch die Grundlage zum nachfolgenden Reisebericht, der uns an 13 Tagen in neun Skigebiete der USA führte. So werde ich immer wieder Udo´s Reisebericht bemühen, den er wie folgt begann:
9. März - Einchecken unter typischen amerikanischen Sicherheitsvorkehrungen (ob wir die Unterwäsche auch selbst in den Koffer getan hätten und ähnliches).
Mit American Airlines ging es über Newark (bei New York) nach Denver und bevor wir unseren Hertz-Leihwagen "Aerostar" starten konnten, erinnert Udo an die ersten Probleme:
Ankunft in Denver: "Latten da! - Taschen da! - Koffer da?, einer leider nicht! Aussage am Flughafen: "Koffer wird in das Hotel nachgeliefert". Wir fahren zum "Best Western", gehen essen, ich (Udo) trinke zwei Coors um gehe um 22.00 Uhr schlafen. Kein Koffer.
10. März - 2.00 Uhr morgens, ich wache auf - kein Koffer. 5.00 Uhr - Frühstück bei "Dennis" - Allerlei und Ahornsirup. 6.00 Uhr wieder im Hotel - kein Koffer! 6.10 Uhr Einladen des "Aerostars" (beinahe kommt meine Tasche nicht mit). 6.30 Uhr im Denver Airport: Koffer steht verdreckt im "Jail". Rainer atmet auf!
Die Reise geht von Denver in Richtung Steamboat Springs. Scheint aber bei Udo´s Bericht kein besonderer Höhepunkt zu sein, denn für Ihn geht´s erst in unserem ersten Skigebiet "Steamboat Springs" richtig los.
![]() |
10.00 Uhr - wir checken ein im "Holiday Inn". 11.15 Uhr - este Bergfahrt in der 8er Gondel. 11.25 Uhr - First run, second run, bums....bumps, bumps, bumps, bumps. Schnell haben wir gemerkt in welches anspruchvolles Skigebiet wir gekommen sind. Die ersten Schwünge sind richtig anstrengend, denn wir fahren von einer Buckelpiste in die andere. Udo berichtet: Sessellifte ohne Fußstütze machen Laune und "dicke Obermänner", insgesamt weicher Schnee.
|
|
|
|
Drei Tage lang sind wir im Skigebiet "Steamboat Springs" unterwegs. Einige Höhepunkte aus Udo´s Reisebericht möchte ich an dieser Stelle noch vorstellen:
11. März - um 6.00 Uhr stehen wir aufund sitzen eine halbe Stunde später beim Frühstück. Wir sitzen knapp zwei Stunden und um uns wechselt die Frühstücksbesatzung ständig. Im Skipaßoffice wechseln wir einige Worte über Deutschland: "Heidelberg, Rothenburg u.ä".
Den ganzen Tag: bumps - bumps - bumps
12. März - Frühstück um sieben und früh in den Berg....bumps - bumps - bumps - very hard! Jürgen sticht ins Leere und stürzt ab. Werner filmt. "Twighlight" (Anmerkung: eine Waldabfahrt mit Höchstschwierigkeiten - Double Diamond) muß zum zweitenmal gefahren werden. Werner filmt.
![]() |
Von Steamboat Springs fuhren wir
mit unserem "Aerostar" am Nachmittag des 12. März nach Aspen
und ich war der Meinung, meinen Begleitern etwas besonderes bieten zu
müssen. Udo sah´s so:
Abfahrt nach Aspen um 14.30 Uhr. Werner kennt die Abkürzung die länger ist! Wir fahren am Colorado entlang auf einer Naturpiste (Mini-Grand Canyon). Wir sehen Reh (Elk) und viele tolle Felsformationen. Werner filmt....und wir müssen öfters anhalten. Ankunft in Aspen mit staubigen Auto. Schnee ist nicht üppig, doch wir haben ein schönes Zimmer und die Vorfreude auf morgen ist riesengroß. |
Um das finanzielle Engagement in Grenzen zu halten, buchten wir fast immer Zimmer, in denen wir alle vier gemeinsam schlafen konnten. Entsprechend lernten wir uns auch immer besser kennen. Udo schreibt in seinem Bericht:
Im TV läuft Rambo III und Rainer ist hingerissen, Jürgen hat für jedes Wehwehchen ein geeignetes Sälbchen und Werner gewinnt heute den Pienslies-Cup. Um 20.00 Uhr gehen wir in Aspen auf die Piste. Toller Trubel im Ort und wir blitzen in der "Cantina" um 20.30 Uhr ab. Eine halbe Stunde später können wir essen (Anmerkung: preisgünstiges mexikanisches Restaurant in Aspen). 22.30 Uhr - Nachtruhe mit James Bond (im TV).
13. März - Schnarchkontrolle um 3.15 Uhr, Frühstück einmal anders "continental breakfast" und das Personal ist sehr unfreundlich - sie haben wohl zu viele Deutsche im Haus. Wir fahren zum Skigebiet "Aspen Highlands": Tolle Pisten und menschenleer, nach dem Mittagessen wird es noch leerer und wir gehen in die "Double Diamonds" - Kessler´s Bowl - äußerst knackig! Die Nastar-Rennstrecke ist unser nächstes Ziel - Werner ist schnell, aber er mogelt (ich habe gedacht, es merkt keiner - Anmerkung) - ein um das andere Mal fährt er unfreiwillig an einem Tor vorbei. Später cruisen wir durch Aspen. Auf dem Weg zu Martina´s (Navratilova) Haus bellt uns ein Hund an. Happy hour einmal anders: Jürgen hält den Glühwein für Kaffee, den er gewöhnlich mit Milch trinkt.
14. März - in Aspen Mountain: Die Kontrolle am Lift nennt mich Jesus. Die Erklärung kam erst später: Betsy Farney, die wir am Abend noch treffen wollte, hatte und verbilligte und teilweise sogar Freitickets besorgt. Jesus fährt wohl auch in Aspen umsonst. Heute ist es sehr heiß und es gibt Apfelstrudel bei "Bonnies". Am Nachmittag schwächelt unser Nesthäkchen Jürgen, doch bei "Shlomo´s" beim Apres Ski ist die Schwäche verflogen. Werner fotografiert Frauen. Rainer und ich treffen Betsy, wir erfahren viele nützliche Tipps zu Aspen.
Während Udo und Rainer sich mit der Skilehrerin aus St. Anton trafen, gaben Jürgen und ich in "Shlomo´s" unser Bestes. Mitten im Trubel am Endpunkt der Abfahrtspiste mitten in Aspen trifft sich alles, was gesehen werden will. Und wir mittendrin. Die vielen schönen Frauen haben mich zum Filmen angeregt, daher gibt´s davon keine Bilder (Pech Udo!).
15. März - Koffer packen, den heute geht´s nach Avon. Vorher wollen wir noch das dritte Skigebiet in Aspen abfahren. Nach 15-minütiger Fahrt sind wir in "Snowmass" auf dem Parkplatz und um acht US $ Parkgebühren ärmer. Zwei Superlativen warten auf uns: Das bisher schönste Skigebiet und mit 12 Grad der bisher wärmste Tag. Tolle "Double Diamonds" mit der Piste "Gully" und wir schlendern anschließend über die "Mall" in der ausnahmsweise einmal schönen Retortenstadt. Später finden wir uns wenige Minuten vom Skigebiet "Beaver Creek" in Avon im Hotel "Comfort Inn" wieder. Kleiner Fauxpas im "Dennis", die Leute gehen, weil sie nach einer Stunde kein Essen bekommen. Das ist wohl ungewöhnlich und Werner verliert auch den Glauben an sein bisher in hohen Tönen gelobtes Restaurant. Morgen wollen wir nach Vail zum Weltcupfinale.
|
|
|
Das Skigebiet in Vail ist für amerikanische Skitouristen ein absoluter Höhepunkt, doch wir hatten durch die Skirennen beim Weltcupfinale nur wenig Zeit für die Skipisten und verbrachten unsere Zeit hauptsächlich damit, uns um die ganzen Stars zu kümmern. Die Stimmung im Skistadion faszinierte mich und ich drehte einen richtig schönen Film, bei dem mich besonders der Stadionsprecher begeisterte. "Here comes Tommy Moe", kreischte er ins Mikrophon als der US-Olympiasieger sich die Piste herabstürzte. Da schien der Berg zu beben, als alle Zuschauer (mit Ausnahme einiger Deutscher) aufschrien.
|
|
|
| Wir hatten nur Augen für Katja Seitzinger | Die Amerikaner waren begeistert von Tommy Moe |
Doch folgen wir dem Bericht von Udo:
16. März: Wir wachen spät auf - zu spät. Frühstück in ungewohnter Haltung im Ledersessel oder auf der Blumenbank. Kaffee und Muffins in Pappe. Abfahrt nach Vail - wir kommen doch noch rechtzeitig zum Rennen. Katja Seitzinger gewinnt und Rainer schleicht sich in die Presse- und Fahrerabsperrung. Erinnerungsfotos sind obligat. Die offizielle Siegerehrung findet einige Zeit später mitten in Vail statt - Gerald Ford und Toni Sailer sind auch dabei. Abendessen bei "Cassedies". Rainer geht nach dem Appetizer und der Rest futtert noch den "Burger". Beer und Country Music - es wurde etwas später.
Ich will noch ergänzen: Sie hieß Jennifer! Der Grund warum es "etwas später" wurde. Unsere Bedienung war so ein richtiges "all american girl" und verstand es glänzend uns die Biere schmackhaft zu machen.
17. März: Nochmals Vail - es war windig und zum Vortag deutlich kälter. Es ist Super G angesagt: 9.00 Damen und 12.30 Uhr Herren. Zwischendurch gelingt uns ein Erinnerungsfoto mit Markus Wasmaier.
![]() |
Dieses Bild glückte mir mitten
auf der Piste in Vail kurz vor dem Start zum Super-G. Markus Wasmeier war
sichtlich gut drauf (hatte wohl keine Lust zum Skirennen) und nahm sich
richtig Zeit für uns, als er gemerkt hatte, dass wir Deutsche sind.
So bekam unsere Reise auch das Motto "Locker mit Wasi geplaudert", das in einem Zeitungsbericht in der Mainspitze dokumentiert wurde. Den Zeitungsbericht finden Sie hier |
Udo (im Bild links) wirkt auf dem Bild etwas verkrampft. Den Grund dafür beschreibt er in seinem Bericht so:
Keiner hat mehr große Lust auf´s Skifahren. Dennoch geht es nach oben, denn: "Skifahren ist ja kein Spaß" (O-Ton Jürgen)...und mir hilft das Subaru-Stirnband, denn die Sturmboen werden immer heftiger. Jürgen fädelt bei mir ein und ich knalle auf den Steiß. Die Rückenlage im Bett ist damit vorerst passé. Um 14.00 Uhr fahren wir nach Silverthorn um für Tim (Udo´s Sohn) das versprochene T-Shirt zu besorgen - Fehlanzeige!. Zerknirscht gehen wir einen "delikaten" Snack im "Pizza Hut" an. Kurz vor 17.00 Uhr sind wir in Breckenridge und checken im Hotel "Hilton" (einem Riesenkasten) ein. Anschließend Happy Hour mit grünem Bier - wegen des St. Patricks day.
Ich war zwischendurch zu einer kleinen Foto- und Filmtour durch die historische Altstadt von Breckenridge unterwegs und kam erst ein wenig später in die Hotelbar, in der ich Jürgen und Udo schon in lockerer Stimmung vorfand. Die Klaviermusik tat ihr übriges und ich gönnte mir (wohl eins zuviel) auch eine Reihe von dem grünen Bier.
18. März - ausgiebiges Frühstück - Buffet. Breckenridge ist ein Anfängergebiet, weite und flache Hänge, doch es gibt auch steilere Passagen und den höchsten Schlepplift der USA auf 4.000 Meter - eine Superlative hat jedes Skigebiet. Der Skitag endet im knöcheltiefen Sulz. Anschieben ist auf der flachen Piste angesagt. Das produziert beinahe Muskelkader in den Armen.
Sightseeing in der City. Wir fahren mit dem "Trolly" nach Downtown, dort gibt es mindestens 40 T-Shirt-Shops (für Tim ist wieder keines dabei). Happy hour und Dinner gehen ineinander über - Cheesburger in der Hotelbar und immer ein Livemusiker.
19. März - späte Abfahr nach Keystone und gleich die Backbowls hinunter. "Jeronimo" hat es in sich. Ein Lift bleibt stehen und kann nur mühsam mit dem Diesel wieder in Gang gebracht werden. Rainer hört nach dem Mittagessen auf und der Rest geht noch einmal in die "Outbacks". Es geht mit dem letzten Lift nach oben. In der Bergstation warten wir auf das angekündigte Nachtskifahren. Werner verdirbt sich den Magen und wird erst wieder fit als es dunkel wird.
Anmerkung: Von wegen Magen verdorben, das war eine richtig schöne Gallenkolik. Ich hätte mich krümmen können vor Schmerzen, doch zum Glück endete das Problem nach einiger Zeit und ich konnte einer der schönsten Skitage (als es Nacht wurde) genießen. Übrigens: Bis Weihnachten 1994 hatte Professor Kempf im Stadtkrankenhaus Rüsselsheim die Galle aus meinem Körper entfernt. Hat man nur gebraucht, als die Mentschen noch auf den Bäumen lebten, erklärte er mir! Naja!
Weiter mit Udo: Ein herrliches Gefühl unter Flutlicht Ski zu fahren. Kilometerweite Abfahrten, der beste Schnee und beste Sicht machen den Abend zum Erlebnis. Um 20.00 Uhr beenden wir glücklich den tollen Skitag.
20. März - Wir wollen ins Arapahao-Skigebiet, auf dem Weg dorthin sehen wir den ersten richtigen Schneefall. Wir entscheiden uns aufgrund der miesen Sicht weiterzufahren - über den Lovelandpaß (11.880 feet) kommen wir in ein weiteres Skigebiet. Dennoch fahren wir nach Denver weiter.
![]() |
Ein
kurzer Abstecher zum Buffalo Bill Museum.
Aber Udo, wenn du mit mir unterwegs bist, heißt es nicht das Museum zu besichtigen, sondern das Grab von Buffalo Bill Cody, der auf dem Lookout Moutain westlich von Denver begraben ist. Ein unbedingtes Muß auf dem Weg von oder nach Denver. Danach weiter in die City: Shopping und Burger sind angesagt. Schönes Wetter bestimmt den Nachmittag in Denver. Ein Spaziergang im Civic Park und schon geben wir das Fahrzeug bei Hertz ab. Der Flug nach Jackson Hole war kaum gebucht (d.h. wenig Leute im Flieger). Werner ist platt und verschläft sogar den Start, wir ernähren uns von Peanuts. |
Was uns nach dem Start in Denver erwartet, lesen sie auf der nächsten Seite