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Melanie und die wilden Wasser

mit Kollegen der Sparkasse unterwegs in Straßburg

Es war schon immer mein Traum, einmal in einem richtigen Märchenschloss zu wohnen. Mit meinen Kollegen von der Sparkasse in Nauheim sollte dieser Traum in Erfüllung gehen, doch ganz anders, als ich mir das vorgestellt habe.

Es war Melanie und die wilden Wasser, die mir an einem Wochenende im Mai 2003 einen völlig neuen Eindruck von der Stadt Straßburg im Elsaß vermittelten. Weder habe ich das großartige 142 Meter hohe Münster besichtigt, noch war ich in irgentwelchen Museen noch kümmerten wir uns um die europäischen Institutionen mit dem 1995 eingeweihten Gebäude des Europaparlaments. Nein, unser Ziel war das Schloss von Melanie de Pourtales, mitten in einem wunderschönen Park in den Auen des Altrheins, etwa drei Kilometer von der Innenstadt Straßburgs entfernt.

Bevor wir acht Nauheimer Kollegen in das im Jahr 1750 von der Straßburger Familie Bussiere erbaute "Chateau de Pourtales" einzogen, waren schon berühmte Vorgänger da gewesen. Comtesse Melanie war eine wunderschöne Frau und wurde von Frauenkenner Napoleon III. gern besucht. Franz Liszt spielte vierhändig Klavier und König Ludwig von Bayern hörte zu. Albert Schweitzer war ebenso zu Gast wie Kaiser Wilhelm, der Fürst von Metternich.....und jetzt wir.

Wo Liszt vierhändig Klavier spielte

Das Klavier steht noch immer da mit einem herrlichen Blick in den Park, doch statt Franz Liszt spielte am Samstagmorgen Anita einige Takte von Claydermann zur Verblüffung ihrer Kollegen. Einigen brummte noch ganz schön der Schädel, denn kaum hatten wir am Freitagmittag um vier Uhr unsere Sparkasse abgeschlossen waren wir schon nach Straßburg unterwegs. Wir waren alle gespannt auf unser gemeinsames Wochenende, das sich von unseren bisherigen Trips nach München und Düsseldorf erheblich unterscheiden sollte.

Als wir durch eine lange Allee das Chateau de Pourtales in einem großzügigen Park sahen, schlugen die Herzen höher und welch ein Empfang. Sicher war es nicht Melanie (sie starb 1914), doch sie war jung, blond und schön. Mit einem wunderschönen Lächeln übergab die Empfangschefin uns die Zimmer - laut Beschreibung: einfache Zimmer! Es waren tatsächlich einfache Zimmer in den verschiedenen Etagen des Schlosses - für mich blieb ein kleines Zimmer unter dem Dach. Kein Problem, der Ausblick (durch die kleine Dachluke) war prächtig. Der Glanz des 19. Jahrhunderts hatte wohl nicht die Zimmer im Dachgeschoss erhalten. Von oben war erkennbar, warum das Schloss sogar einmal abgerissen werden sollte, als es nach dem zweiten Weltkrieg leer stand und schon Bäume aus den Holzfußböden wuchsen. Schulkinder sangen Protestlieder und verhinderten den Abriss des "alten Kasten", der daraufhin vom deutschen Professor Walter Leibrecht gekauft und in eine Privatuniversität für amerikanische Studenten verwandelt wurde. Übrigens, als wir ankamen, waren die jungen Amerikaner noch da. So wurde das Schloss zur Uni, hat aber seinen Glanz mit den Sälen, Salons und zwei Konzertflügeln erhalten.

Einstimmung mit Flammkuchen

Viel Zeit blieb uns im Schloss nicht, denn noch am ersten Abend stand ein Flammkuchenessen auf dem Programm. Die Empfehlung unserer blonden Fee war goldrichtig - im "Cour des Chasseurs" in La Wantzenau feierten wir den richtigen Auftakt unseres Sparkassen-Wochenendes. Flammkuchen gab es auch, doch die Einstimmung für unsere Kanutour am Samstagmorgen wurde flüssig in Form von Wein und Bier verabreicht.

 

Der Unterschied zwischen Yukon und Straßburg

Kanufahren in Straßburg, was soll denn dieser Unsinn? Vor zehn Jahren war ich mal mit dem Kanu auf dem Yukon unterwegs, also war ich der erfahrenste unseres achtköpfigen Teams, dem sich neben einem Guide noch zwei Animateure des Veranstalters SIU Travel anschlossen. "Wir haben einfach Spaß am Kanufahren", erklärten uns die beiden Frauen...warum nur fragte ich mich - schließlich regnete es am Samstagmorgen, bei uns herrschte alles andere als Begeisterung. Irgentwie war mir nicht so richtig wohl - aber es hellte sich langsam auf, sowohl in meinem Kopf wie auch am Himmel. Perfekt vorbereitet mit Ersatzkleidung (warum eigentlich ?) wurden wir außerhalb von Straßburg gefahren.

"Es erwartet Sie eine faszinierende Paddeltour von der Natur bis in die Straßburger Innenstadt", so steht es in der Beschreibung, "im Boot der kanadischen Ureinwohner geht es in weiten Schleifen durch Waldlandschaften und offene Täler". Der Einweisung unseres Guides hörte ich nur gelangweilt zu, schließlich hatte ich schon 400 Kilometer auf dem Yukon problemlos geschafft. Nicht so auf einem kleinen Nebenfluss vor Straßburg. Zusammen mit Renate im Boot ging´s los und da war etwas anders als am Yukon. Nicht einen Kilometer breit war der Fluss, nein teilweise nur wenige Meter. Da mußte man (und Frau) das Kanu schon geschickt steuern, um nicht an den überhängenden Ästen der Bäume am Ufer hängenzubleiben.

Genau das habe ich nicht geschafft. Kaum einen Kilometer sind wir weit gekommen und waren von Kopf bis Fuß durchnäßt. Schließlich war ich der einzige der einen Fotoapparat dabei hatte, also habe ich mir vorgenommen: Immer vorne und bei jeder Gelegenheit einen Schnappschuss. Dann kam eine kleine Stromschnelle, ein wunderschönes Motiv wenn die Anderen mit ihrem Kanu da durchfahren. Also schnell wenden und den Foto in Anschlag - so weit die Theorie. In der Praxis schaffte ich es, in Sekundenbruchteilen das Kanu zum Kentern zu bringen. Renate flog ebenso in den an dieser Stelle knietiefen Fluss - wie ich und mein Foto. Das war´s mit der Bildreportage. Ein Digitalfoto hält so eine Dusche halt nicht aus. Naja, Missgeschicke machen uns nur noch härter - auch wenn die Kollegen schmunzeln (der war am Yukon ?). Nur nix anmerken lassen, wir fahren einfach weiter, so als wäre nicht´s gewesen. Ab und zu kam noch die Frage: "Na, schon wieder trocken?"

Aus der Wildnis in die Altstadt

Ein Glück kam irgentwann die Sonne zum Vorschein und dank der mitgenommenen Ersatzkleidung konnten wir uns trockenlegen. Ohne funktionsfähigen Fotoapparat erlebte ich eine faszinierende Kanutour, die fast ein wenig Wildnischarakter hatte, bevor wir in die Straßburger Altstadt hineinpaddelten. Die 20 Kilometer auf dem Fluss brachten noch so manchen Lacher mit sich. Kanu´s verhedderten sich im Gebüsch am Ufer, es kam zu Auseinandersetzungen mit Schwänen und zum Schluss gab´s noch einen richtigen Gong. Ein Boot schaffte es tatsächlich mitten auf dem Fluss ein Warnschild frontal zu rammen - aber: Nix passiert. Fix und fertig, aber glücklich stiegen wir nach sechs Stunden in "Petite France" aus unseren Booten, das war der Höhepunkt unseres Sparkassen-Wochenendes. Unsere Begleiter von SIU -Travel bescheinigten uns eine starke Leistung "selten ist eine Gruppe so schnell unterwegs gewesen" (unsere Eskimorolle vom Anfang war da schon Geschichte). Ein gemeinsames Bier im Schlossgarten rundete die Kanutour ab, bevor am Abend in einem typisch elsässischen Lokal so manches Augenpaar ganz klein wurde. Da waren keine großen Abenteuer mehr angesagt und alle waren wohl froh, als uns das Taxi zurück in unser Schloss brachte.

Naturerlebnis als Teamförderung

"Ich habe so gut geschlafen", war der Kommentar, den jeder Sparkässler zum Frühstück am Sonntagmorgen mitbrachte. Jetzt erinnerte ich mich wieder daran, wie uns Silke Schneider von SIU Travel für dieses Wochenende begeisterte: "Unser Ziel ist es schöne, erlebnisreiche Tage in unseren Häusern mit Ambiente und einzigartiger Lage zu bieten. Outdoor-Aktivitäten als Naturerlebnis dienen der Teamförderung". Ob ich von Melanie geträumt habe, weiß ich nicht mehr, sicher aber von den wilden Wassern. Zurück in der Realität blieb am Sonntag nur noch die Rückfahrt, diesmal aber nicht über die Autobahn. Nein, wir wollten noch etwas Frankreich erleben, fuhren durch den Elsass über Lauterbourg durch die Pfalz zurück in rheinhessische Undenheim. Zielsicher hatte unser Kollege von der Hessenaue den richtigen Schlußpunkt in einem Lokal geplant. Schnitzel rund um den Teller - danach waren wir wieder müde.

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