Juni 1998 - Waldemar Schanz enttrohnt den Titelverteidiger -
Europameisterschaften der Wurfscheibenschützen in Zypern
(Auszug aus einem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung)
"Das war die erfolgreichste EM aller Zeiten", feierte
Bundesreferent Klaus-Dieter Lange das glänzende Abschneiden der
deutschen Wurfscheibenschtzen bei den Europameisterschaften in
Zypern. Auf der "Olympic Shooting Range" in Latsia bei Nicosia
holten die Deutschen neun Medaillen, davon dreimal Gold. Damit
belegte Deutschland hinter Italien den zweiten Rang. "Wir schiessen
gerne in Zypern", so der frischgebackene Europameister Waldemar
Schanz, "dort fliegen die Scheiben wie an der Schnur gezogen".
Nicht nur der Vizeweltmeister zeigte sich begeistert von den
optimalen Bedingungen auf der Insel der Aphrodite. So freute sich
Susanne Kiermayer ber zwei Silbermedaillen bei ihren Einzelstarts
und die Skeetschützin Gabriele Michel überraschte die deutsche
Delegation mit einer Bronzemedaille. Neben den Erwachsenen, für
die der Wettbewerb in Zypern hauptsächlich als Vorbereitung auf
die Weltmeisterschaften in Barcelona diente, zeigten sich die
Nachwuchstalente des DSB in Bestform. Die Schützlinge von
Junioren-Bundestrainer Wilhelm Metelmann brachten allesamt eine
Medaille von den Wettk"mpfen in den drei Disziplinen mit. "Das war
der Saisonhöhepunkt für die Junioren", unterstrich Metelmann die
Bedeutung der EM für seine Nachwuchstalente.
Erster EM-Titel für Waldemar Schanz
Drei Medaillen am ersten Wettkampftag beim "Doppeltrap" waren ein
optimaler Auftakt für das DSB-Team. "Für die Weltmeisterschaften
bin ich zuversichtlich" freute sich Bundestrainer Rudi Hager ber
die Leistungen seiner Topschützen. Der Mörfelder Vizeweltmeister
Waldemar Schanz holte sich seinen ersten Europameistertitel nach
einem spannenden Kampf gegen den Titelverteidiger Richard Faulds.
Zunächst sah es bei den Herren nach einem Erfolg des Italieners
Luca Morini aus. Nur ein Fehler bei den ersten 100 Scheiben und
die Einstellung des Weltrekordes nach 150 Schüssen brachten Morini
in Front, der im Finale sein hohes Leistungsniveau nicht halten
konnte. Mit neun Fehlschüssen wurde der Italiener auf Rang fünf
durchgereicht. Im Vorkampf steigerte Waldemar Schanz nach
verhaltenen Beginn den Deutschen Rekord um einen Treffer und ging
als Zweiter ins Finale: "Es war spannend bis zum letzten Treffer,"
kommentierte der 29-jährige Hesse, "ich hatte halt zum Schluss das
notwendige Quentchen Glück". Das Quentchen Glück hatte Schanz im
Duell gegen den Titelverteidiger Richard Faulds. Der Engländer
hatte mit dem besten Finale (48 Treffer) zu dem Deutschen
aufgeschlossen. Die hoch eingeschätzten Italiener Daniele Dispogno
und Luca Morini fielen mit 44 und 41 Treffer deutlich ab. Das
Stechen um den Europameistertitel eröffnete Schanz mit zwei
Treffer, doch danach unterlief ihm der erste Fehlschuss: "Um Faulds
zu beeindrucken, bin ich gleich einen Stand weitergegangen",
erzählte Schanz ber diese entscheidende Phase. Prompt verfehlte
der Engländer ebenfalls eine Scheibe, so dass die dritte Doublette
um den Sieg entschied. Schanz traf wieder optimal und Faulds schoss
an einer Scheibe vorbei. Mit seinem ersten EM-Sieg verbesserte
Waldemar Schanz gleichzeitig den deutschen Finalrekord um vier
Treffer. In seiner Spezialdisziplin freute sich der Mörfelder aber
auch über die Leistungssteigerungen seiner Teamkameraden:
"Erstmals sind wir mit dem Team in Medaillennähe gekommen".
Christian Hartmann und Franz Oliver Tiedt zeigten ein verbessertes
Leistungsniveau und gemeinsam mit Schanz erreichten sie den
fünften Mannschaftsplatz mit nur zwei Treffer Rückstand auf die
Bronzemedaille.
Europameister im Trap - von links:
Thomas Fichtner, Waldemar Schanz und Karsten Bindrich
Thomas Fichtner fällt im Finale zurck
Bei der EM 97 nur auf Rang elf, überraschte das deutsche
Herrenteam in Zypern mit dem Gewinn der Goldmedaille vor Russland.
Die hocheingeschätzten Titelverteidiger aus Italien spielten in
diesem Jahr in der Mannschafts- und Einzelwertung keine Rolle.
Die drei deutschen Trapschützen zeigten sich vom ersten Schuss an
in Topform. Allen voran glänzte Thomas Fichtner. Der Idsteiner
begann im Vorkampf mit 100 von 100 möglichen Treffern optimal und
leistete sich seinen einzigen Fehler beim dritten Schuss in der
fünften 25er Serie und stellte mit 144 Treffern den Deutschen
Rekord ein. Angespornt von der Topform seines Wiesbadener
Vereinskameraden schoss Waldemar Schanz ebenfalls in Bestform. Mit
dem Sieg beim "Doppeltrap" im Rücken lief es für den Mörfelder
prächtig und nach 125 Scheiben hatte er nur drei Fehlschüsse auf
seinem Konto. Nachdem auch Karsten Bindrich, bei der EM 97
Vierter, gute Form zeigte, feierte das deutsche Trio einen nicht
erwarteten Mannschaftssieg. Doch die brütende Hitze am Nachmittag
auf der Schiessstandanlage in Latsia forderte seinen Tribut von den
Aktiven. Zu den Leidtragenden gehörte der führende Thomas
Fichtner, der zuvor nur einen Fehlschuss hatte, aber im Finale bei
den ersten sieben Schssen drei Scheiben verfehlte. Als wenig
später zwei weitere Fehler folgten, waren alle Medaillenträume
geplatzt. Während Fichtner zum Finalbeginn erhebliche Probleme
hatte, begann Waldemar Schanz konzentriert und schob sich bis zum
siebten Schuss fehlerlos an die Spitze heran. Das plötzliche Aus im
Medaillenkampf kam durch einen anschliessenden Doppelfehler: "Da
war ich nicht mehr voll konzentiert", und das konnte Schanz nicht
mehr ausgleichen. Nach zehn Finalschüssen hatten sich alle
Konkurrenten gefangen und leisteten sich nur noch wenige
Fehlschüsse. Der Russe Igor Tschebanov schoss im Finale nur an
einer Scheibe vorbei und verdiente sich damit den EM-Titel vor dem
Tschechen David Kostelecki, der trotz drei Finalfehler das Stechen
um die Silbermedaille erreichte und mit 3 : 2 gegen den Belgier
Philipe Dupont gewann. Mit seinem Doppelfehler belastet musste sich
Waldemar Schanz mit dem undankbaren vierten Rang begnügen, den er
sich nach Stechen gegen den Russen Alexej Alibov mit 4 : 3 holte.