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Der lange Weg zum Europameistertitel

Meine Geschichte mit Peter Penner begann am 7. März 1997, als ich zum erstenmal für die Deutsche Schützenzeitung über die Deutschen Meisterschaften im Hallenbogenschießen in Koblenz berichtete. Es war für mich noch eine ungewohnte Umgebung und noch viel ungewohnter waren die Bogenschützen, die mit dem Compoundbogen auf die Titeljagd gingen. Folgen Sie nun meiner Geschichte um und mit Peter Penner durch die Jahre, die mir das Bogenschießen näher brachten. Immer wieder werde ich dabei auf meine Berichte, die ich für die Deutsche Schützenzeitung schrieb zurückgreifen.

Revanche für fünf Jahre Zweiter

Seit 1992 zählt Axel Langweige vom BC Gelsenkirchen zu den besten Compoundschützen in Deutschland....im Finale traf er auf seinen Freund Peter Penner aus Herne: "Wir sind aus einem Stall", so Langweige nach dem denkbar spannenden Finale. Peter Penner hatte im Finale überzeugende Leistungen gezeigt.....In der 12-Pfeile-Entscheidung um den Einzelsieg lagen die beiden Konkurrenten ständig gleichauf. Langweige konnte nur einmal mit 56:55 Ringen die Führung übernehmen, doch am Ende hieß es 113:113. In der Drei-Pfeile-Verlängerung schaffte Axel Langweige endlich seinen lange erhofften Sieg.

"Das ist die Revanche für fünf Jahre Zweiter", freute sich Langweige nach seinem denkbar knappen 29:28 Sieg.

 

Im Bild links sehen Sie das Finale zwischen Peter Penner (links) und Axel Langweige.

Compounder träumen von Olympia

Zwei Wochen nach den Deutschen Meisterschaften in Koblenz bekam ich kurzfristig den Auftrag für die Deutsche Schützenzeitung (DSZ) über die Hallen-Weltmeisterschaften in Istanbul zu berichten. Mein Abenteuer "Türkei" habe ich noch lange in Erinnerung behalten, besonders meine Irrfahrt mit dem Taxi durch die riesige Stadt, in der versehentlich auch mal in Asien gelandet bin. Letztlich war der dreitägige Istanbul-Trip in der Erinnerung fast wie eine Reise in "Tausend und eine Nacht". Neben vielen anderen Erlebnissen lernte ich erstmals auch die deutsche Mannschaft der Compoundbogenschützen (bei einigen Bieren am Abend) besser kennen. Nachfolgend einige Auszüge aus meinem Interview mit den drei deutschen "Compoundern".

Mit großen Aufwand sorgte die türkische Fernsehgesellschaft TRT für die Übertragung der Entscheidungen bei den Weltmeisterschaften im Hallenbogenschießen. Bei den Olympicfinals hatte TRT bis zu sieben Kameras im Einsatz. Im Schatten dieses Medieninteresses ermittelten die Compoundschtzen ihre Medaillengewinner. "Unser Traum ist es, olympisch zu werden", so Thomas Sarnau vom deutschen Compoundteam, das bei der WM in Istanbul für einen neuen Rekord gesorgt hatte. "Wir gehören zu den Pionieren im Compoundsport", erzählte der 31-jährige Thomas Sarner am Rande der Weltmeisterschaft.....

Als bester deutscher Akteur bei den Weltmeisterschaften erreichte Peter Penner bei seiner zweiten Hallen-WM das Viertelfinale im Einzel. Der 36-jährige Werkzeugmacher vom BSV Hemer ist seit zehn Jahren im Bogensport aktiv und hat zunächst im Olympicstil begonnen. Bei einem Kaderlehrgang des Deutschen Schtzenverbandes probierte er das Compoundbogenschießen und fand auf Anhieb gefallen an dieser neuen Disziplin. Seitdem gehört er zum ständigen Kader der deutschen Nationalmannschaft. "Die erste WM im französischen Perpignan war noch zum Lernen", erzählte Peter Penner, der für sich die Weltrekordmarke von 596 Ringen ins Visier genommen hat. "Im Training bin ich schon bis auf zwei Ringe herangekommen".

Im Bild links - Peter Penner während der Weltmeisterschaften in Istanbul.

Im Bild rechts - Nach dem Ausscheiden im Mannschaftswettbewerb sind Peter Penner und Peter Wasser (links) etwas ratlos

In Istanbul standen die Recurvebogenschützen durch den Gewinn des Weltmeistertitels durch die deutschen Frauen im Mannschaft im Blickpunkt, während die "Compounder" leer ausgingen. Dafür gelang es Peter Penner, mich für das Feldbogenschießen zu begeistern. So war ich erstmals am 3. August 1998 als Berichterstatter für die DSZ unterwegs, als in Wirsberg die Deutschen Meisterschaften ausgetragen wurden. Für mich war es zu diesem Zeitpunkt eine völlig neue Welt des Schießsports, denn die Wettbewerbe fanden ausschließlich im Wald statt und die Parcours verlangten mit ihren steilen Auf- und Abstiegen auch vom Reporter eine gute Kondition. Lesen Sie nachfolgend einige Auszüge meines DSZ-Berichts.

"Hier trennt sich die Spreu vom Weizen" bekannte Peter Penner, einer der besten Feldbogenschützen während seines Wettkampfes bei den Deutschen Meisterschaften in Wirsberg (Frankenwald). Die schwierigen Parcours mit 48 Scheiben mit teilweise schwierigen Hoch- und Tiefschüssen stellten an die fast zweihundert Starter hohe Anforderungen. In den drei Disziplinen "Olympic", "Compound" und "Blank" setzten sich im zweitägigen Wettkampf (2. und 3. August) die Favoriten durch.....

......Neben Peter Penner aus Hemer, der seinen fünften nationalen Titel seit 1992 im Feldbogenschießen gewann, zählten die frischgebackenen Europameisterinnen Hedi Mittermaier aus dem bayerischen Stein mit dem Olympicbogen und Jutta Schneider aus Delmenhorst mit dem Blankbogen zu den herausragenden Akteuren.....

.....Für die Überraschung bei den Herren sorgte am ersten Wettkampftag der Siegburger Andre Grawinkel. Der 24-jährige wechselte vor zwei Jahren in den Compoundbereich und profitiert von der Trainingsgemeinschaft mit Peter Penner und Axel Langweige. Das Trio "Sherwood" war dann im Medaillenkampf bei den Herren auch unter sich. Nach dem ersten Tag führte Andre Grawinkel mit vier Ringen gegenüber dem klar favorisierten Peter Penner. Entscheidende Vorteile hatte Grawinkel bei den "Fünfern". Mit 38 "Fünfer" hatte Grawinkel mehr als die Hälfte seiner 72 Schüsse auf die bekannten Entfernungen optimal ins Ziel gebracht. Am zweiten Tag, als die Aktiven den Parcours mit den unbekannten Schußentfernungen bestritten, setzte sich die größere Erfahrung des Nationalschützen Peter Penner durch. Der 36-jährige schoß 38 optimale "Fünfer" und holte sich damit seinen fünften DM-Titel im Feldbogenschießen. "Mit den gezeigten Leistungen haben wir das internationale Niveau erreicht", freute sich Peter Penner auch über die guten Ergebnisse seiner Konkurrenten.

Ein Jahr nach den Deutschen Meisterschaften in Wirsberg fand ich mich im österreichischen Obergurgl wieder, in dem die Weltmeisterschaften in der mir noch recht unbekannten Schießsportart ausgetragen wurden. In diesen Tagen vom 7. bis 9. August 1998 begeisterte ich mich endgültig für den Feldbogensport. Ausschlaggebend waren dabei die herrlichen Bilder, die mir im Verlauf der Wettkämpfe gelangen.

Zudem lernte ich erstmals Peter´s Freundin Heike Brinkschulte kennen.

Erstmals ging ich den Parcour während der Entscheidungen mit den Aktiven mit und ich mußte erkennen, dass ein Turnschuh-Reporter hier nicht richtig ist. Peinlich, dass ich samt Fotoausrüstung im Finale den Abhang hinunterpurzelte und direkt vor dem Publikum landete. Klasse....naja, ich bin halt aus dem Rhein-Main-Gebiet

Für Peter Penner endete die WM mit einem unglücklichen vierten Rang im Einzel, nachdem er im Vorkampf noch als sicherer Medaillenfavorit galt. Doch lesen Sie einige Auschnitte aus meinem Bericht in der DSZ:

Zweimal Bronze - Es wäre mehr möglich gewesen

"Wir waren bei den Entscheidungen immer dabei, doch es wäre mehr möglich gewesen", resümierte Bundesreferent Klaus Lindau über das Abscneiden der deutschen Feldbogenschützen bei den 16. Weltmeisterchaften, die vom 3. bis 9. August 1998 in Obergurgl ausgetragen wurden. In dem idyllischen österreichischen Hochgebirgsort (1930 meter) mußte sich das elfköpfige DSB-Team mit zwei Bronzemedaillen zufrieden geben.

 

Es sollte sein großer Tag werden: "In der Nacht bin ich schon früh aufgewacht, ich konnte den Wettkampf nicht erwarten". Als Vorkampferster war sich Peter Penner seiner Favoritenrolle bewußt und im Compoundfinale war der 37-jährige vom ersten Pfeil an hellwach. Es schien, als könnte er seine optimale Vorstellumg vom Mannschaftsfinale einen Tag später wiederholen. Die ersten sechs Pfeile landeten optimal im Gold, doch sein Konkurrent Dave Cousins hielt dagegen: 30:30. Pech für den Deutschen, dass er ausgerechnet auf den starken US-Schützen im Viertelfinale traf. Ausschlaggebend war dabei eine Unaufmerksamkeit in der zweiten Ausscheidugnsrunde. Bei auffrischenden Wind am späten Nachmittag hatte Peter Penner eine Scheibe auf die 60-Meter Distanz unterschätzt. Erst im Shoot-Off um den vierten Finalplatz setzte sich der siebenfache Deutsche Meister gegen seinen Teamkameraden Andre Grawinkel und den Schweden Lundin durch. Dave Cousins hatte die zweite Qualifikationsrunde mit 178 von 180 möglichen Ringen gewonnen. Gegen Peter Penner zeigte der Amerikaner eine fehlerfreie Runde. Im direkten Zweikampf unterlief dem Deutschen auf der dritten Scheibe über 20 Meter Entfernung ein winziger fehler. Im Geröll stehend rutschte in der Sekunde der Schussabgabe bei Peter Penner ein Kieselstein weg. Die kleine Veränderung im Stand reichte: "Vier hoch". Diesen Patzer nutzte Cousins. Als er mit dem letzten Pfeil die zwölfte "Fünf" Schoss riss er jubelnd seinen Bogen in die Höhe. Peter Penner war mit 59:60 Ringen im Kamfp um Gold gescheitert....im kleinen Finale um Bronze wartete der Däne Niels Baldur, der als Zehnter des Vorkampfes etwas überraschend das Finale der besten Vier erreicht hatte....Peter  Penner führte schnell mit 30:28 Ringen..."Beim Feldbogenschießen kannst Du nur verlieren, Fünfer sind Pflicht", hatte der Deutsche vor dem Finale die Brisanz unterstrichen.....mit optimalen Schüssen glich der Däne zum 57:57 aus....Peter Penner mußte sich als Vierter damit trösten, daß er seine bisher beste Leistung bei Weltmeisterschaften gezeigt hatte.

Bilder  - Peter Penner im Zweikampf mit Peter Andersson

Schießstand "Kanin" wurde zum "Waterloo"

Die Titelstory der Deutschen Schützenzeitung im Juli 1999 brachte mir heftige Kritik ein, doch...zu tief saß die Enttäuschung über die vergebenen Medaillenchancen. Das zwölfköpfige DSB-Team mußte sich bei den Feldbogen-Europameisterschaften im slowenischen Bovec mit einer Silbermedaille durch Jutta Schneider begnügen.

 

Für Peter Penner blieb bei dieser EM wieder nur der undankbare vierte Platz in der Einzelwertung. Doch folgen wir meinem Bericht über Peter in der Deutschen Schützenzeitung:

Penner: Nur bei Windstille optimal

Endlich seine erste internationale Medaille wolte Peter Penner holen....die schwierigen Bedingungen in der Vorbereitung mit Bestleistungen bestanden und dominierte in der Qualifikationsrunde das Feld. Nach 144 Pfeilen hatte der WM-Vierte 139mal die optimale Fünf getroffen....in schwierigem Gelände zeigte Peter Penner am dritten Tag seine Klasse und entschied die dritte Eliminationsrunde mit 177 von 180 Ringen für sich: "Ich habe meine Abzugstechnik umgestellt, bei Windstille geht es optimal"....der Schwede Peter Andersson sollte zum Alptraum für Peter Penner werden. Von dem abwechslungsreichen gebirigen Parcours in den Qualifikationsrunden wechselten die Finalistenin einen zuschauerfreundlichen flachen Parcours am Ortsrend von Bovec. Jetzt rächte sich die Vorbereitung auf windstilles Gelände. Bei böigen Wind fand der Deutsche Meister nicht zu seiner gewohnten Sicherheit....der routinierte Schwede lag stets einen Ring in Front. "Eine Medaille war mein Ziel", reagierte Penner enttäuscht auf das verpatzte Finale, "im nächsten Jahr versuche ich es erneut bei hoffentlich schwierigerem Gelände". 

Serienmeister Penner mit bester Schussqualität

Bei den Deutschen Meisterschaften am 1. August 1999 in Freiburg bekam ich zunächst den Ärger der Feldbogen-Nationalschützen über meinen Bericht über die Europameisterschaften in Slowenien zu spüren. Die Erfolglosigkeit wollte halt keiner in der Deutschen Schützenzeitung lesen. Naja, die Wogen haben sich bald geglättet und ich konnte mich auf die Berichterstattung konzentrieren, in der Peter Penner bei seinem siebten nationalen Titel seit 1992 im Blickpunkt stand. Auszüge aus meinem Bericht:

Bei den Erwachsenen dominierten erwartungsgemäß in allen Entscheidungen die Nationalschützen, allen voran Peter Penner, der mit dem Compoundbogen bei den Herren seinen siebten nationalen Titel seit 1992 gewann. Der Westfale vom BSV Hemer bestätigte seine internationale Spitzenklasse.

"Das war meine bisher beste Schussqualität", resümierte der WM-Vierte, von den 135 Fünfern trafen 106 ins optimale X." Damit war Penner von seinem Nationalmannschaftskameraden Andre Grawinkel (Bild oben) nicht stoppen. Peter Penner, der seine Bestleistung von 1998 um fünf auf 711 von möglichen 720 Ringen verbesserte, konzentriert sich jetzt auf den Gewinn seiner ersten WM-Medaille. "Man ist halt keine Maschine", so der 38-jährige, den die internationale Konkurrenz als weltbesten Compoundschützen im Feldbogenbereich anerkennt. Doch in den internationalen Finals hatte er bisher kein Glück und belegte stets vierte Plätze.

Deutsche Meisterschaften in Krefeld - 17. März 2000

Formsache schien der dritte Titelgewinn in Folge für Peter Penner zu sein. Der 39-jährige dominierte den 60-Pfeile-Vorkampf vor seinen Feldbogen-Nationalmannschaftskameraden Axel Langweige und Andre Grawinkel. Das "Sherwood"-Trio aus Westfalen unterstrich eindrucksvoll die Klasse der deutschen Compoundbogenschützen. "So hoch war das Leistungsniveau noch nie - gigantisch!", freute sich Penner, der zuletzt 1996 für Deutschland international in der Halle schoß. 

Nach den intensiven Turnieren im Sommer schießt der sechsfache Feldbogenmeister im Winter nur die Hallenmeisterschaften. "Ich habe keine Qualifikationsturniere geschossen und es hat mich auch keiner gefragt", so der seit Jahren beste deutsche Compoundbogenschütze über sein Fehlen im Nationalteam, "es gibt halt Regeln für die Qualifikation". Seit 1998 zeigt Penner´s Formkurve nach oben: "das war die Umstellung auf das Release Backtension", erklärt er seine Leistungssteigerung. In Krefeld lief zunächst alles nach Plan, als der routinierte Westfale plötzlich verunsichert wurde: "ich hatte krumme Pfeile" die Erklärung fand Penner: "die Scheiben waren mörderisch hart". Ausschlaggebend für die Verformung der Pfeile waren 60 Pfund Zugewicht und eine Auszugslänge von 30 Zoll bei Penner´s Bogen. "Das zieht mächtig und es ist viel Dampf im Schuß". Die Verunsicherung hatte Folgen. Im Halbfinale unterliefen dem Favoriten drei Neuner in Folge und das nutzte Willem van Voorbergen. Der Holländer vom BSC Lingen stoppte mit 115:114 Ringen Peter Penner. "

Wichtig ist das gute Ergebnis", der enttrohnte Titelverteidiger ließ sich nicht beirren. Mit der Einstellung des Deutschen Rekords setzte er sich mit optimalen 120 Ringen gegen Robert Hesse (114) durch. Mit der Bronzemedaille gekürt formulierte Peter Penner sein Saisonziel: "Cortina 2000 - die erste Medaille bei den Weltmeisterschaften im Feldbogenschießen".

Die traumhafte Gebirgskulisse der Dolomiten bildete den Rahmen für die 17. Feldbogenweltmeisterschaften im italienischen Cortina D´Ampezzo, an denen sich 175 Aktive aus zwanzig Nationen beteiligten. Bei wechselnden Witterungsbedingungen und anspruchsvollen Parcours feierte das deutsche Feldbogenteam unter Leitung von Karl-Heinz Bode seine größten Erfolge seit 1994. "Wir sind mehr als zufrieden", zog der Bundesreferent die positive Bilanz zum Gewinn von drei Einzelmedaillen, "und wir haben um Haaresbreite unseren ersten Titelgewinn verpaßt".

Der erste Schritt aufs Siegerpodest

"Jetzt stehe ich schon auf dem Podest", freute sich Peter Penner über den Gewinn seiner ersten Einzelmedaille bei den Weltmeisterschaften. Nach 72 Pfeilen in der zweitägigen Qualifikationsrunde, zwei Eliminationsrunden über jeweils 36 Pfeile und dem abschließenden Finaltag hatte es der 39-jährige Compoundbogenschütze endlich geschafft. "Meine Zeit kommt noch", resümierte der Westfale den zeitweise dramatischen Wettkampfverlauf, der für Penner Bronze bedeutete. In den Vorjahren mußte er sich nach tollen Vorkampfergebnissen und unglücklichen Finalniederlagen jeweils mit vierten Rängen begnügen. Das Trauma des erneuten Scheiterns im Medaillenkampf spiegelte sich auch in Cortina wieder. Die schwierigen Bedingungen im Parcour mit Scheiben in bekannten und unbekannten Entfernungen absolvierte der siebenfache Deutsche Meister weltmeisterlich. "Über die lange Distanz ist Peter einfach der Beste, das weiss auch die internationale Konkurrenz", so Bundesreferent Karl-Heinz Bode. Mit 709 von 720 möglichen Ringen ging die Vorrunde, sowie mit 179 von 180 Ringen die erste Eliminationsrunde an den Deutschen, doch hinter ihm ließ Morgan Lundin seine glänzende Verfassung aufblitzen. Hatten in den Vorjahren die Brüder Peter und Björn Andersson die Titelambitionen von Peter Penner gestoppt, so verhinderte in Cortina der Schwede Lundin den großen Wurf. "Er war einfach nicht zu schlagen", bekannt Penner die makellose Leistung des coolen Schweden. (siehe Bild oben links) Mit optimalen 180 Ringen absolvierte Lundin das Viertelfinale, während Penner bei schwierigsten Bedingungen und einsetzenden Regen lange um den Einzug ins Halbfinale bangen mußte. Der vierte Finalplatz war mit Guido van der Bosch bis zum letzten Pfeil hart umkämpft. Zum Showdown kam es, als der Holländer mit einem Ring in Führung seinen letzten Pfeil auf einer vermeindlich leichten Bunnie-Scheibe in die Vier schoss. Diese unerwartete Chance nutzte der Deutsche, um mit einer optimalen Fünf noch den Ausgleich zu schaffen. Sichtlich entnervt ging der Holländer ins Shoot-Off, bei dem ein Pfeil um den Einzug ins Finale der besten Vier entscheiden mußte. Auf dem schrägen Hang und einer Scheibe in 60 Meter Entfernung schoss van der Bosch ohne viel Vorbereitung schnell den ersten Pfeil, doch es reichte nur zu einer Drei. Peter Penner behielt die Nerven und konnte sich mit einer Fünf zum drittenmal in Folge den Finaleinzug sichern. (siehe Bild oben rechts - als erste Gratulantin war Heike Brinkschulte sofort zur Stelle, da muß Dave Cousins mit seinen Glückwünschen noch warten).

Das Glück des Finaleinzugs endete im Halbfinale gegen Morgan Lundin, nachdem der Schwede wiederum keinen Pfeil ausserhalb der optimalen gelben Fünf auf den Scheiben platzierte. Mit 56:60 Ringen ging Penner im direkten Vergleich mit dem Schweden leer aus und mußte sich mit dem kleinen Finale um Bronze gegen seinen Teamkameraden Andre Grawinkel begnügen. Das Duell der beiden Freunde und Trainingspartner entschied Peter Penner mit einer konzentrierten Leistung 59:57 für sich.

Bild links: Die erste internationale Medaille für Peter Penner - Andre Grawinkel gratuliert nach dem deutschen kleinen Finale um Bronze

Wer geglaubt hatte, dass zwei Wochen nach einer erfolgreichen Weltmeisterschaft in Cortina D´Ampezzo die Feldbogen- Nationalschützen für die Deutsche Meisterschaft nicht mehr motiviert sind, wurde bei den zweitägigen Titelkämpfen am 29. und 30. Juli 2000 in Duderstadt überrascht. Auf dem anspruchsvollen Parcours "Rund um den Euzenberg" gab es ausschliesslich Siege durch die Aktiven des Nationalteams. "Das ist Feldbogenschiessen, alle Geländemöglichkeiten wurden optimal ausgenutzt", lobte Bundesreferent Karl-Heinz Bode die Verantwortlichen für die Parcourgestaltung. Unter Leitung von Heinz Röhser war der 1981 gegründete Rosenthaler Bogensportclub erstmals Ausrichter einer Deutschen Meisterschaft, die mit ihren Geländeübergängen von Wald und Feld mit zahlreichen Hoch- und Tiefschüssen auf Scheiben in bekannte und unbekannte Entfernungen so richtig nach dem Geschmack der deutschen Feldbogenelite war.

Nach dem achten Titel zum Paddeln

"Eine schöne Mischung", lobte Peter Penner die beiden Parcours mit insgesamt 48 Scheiben und bot in Duderstadt eine Weltklasseleistung. Der WM-Dritte gab eine eindrucksvolle Vorstellung seines Könnens mit dem Compoundbogen und holte sich überlegen seinen achten Deutschen Meistertitel. Penner´s sechsten Sieg in Serie konnte auch Andre Grawinkel nicht verhindern. "Ich hatte Probleme mit dem Schätzen der Entfernungen", so Grawinkel, "auf 45 Meter habe ich mich um zwei Meter verschätzt, das kostete vier Ringe". Die Missgeschicke seines Hauptkonkurrenten nutzte Peter Penner in der ersten Runde auf Scheiben in bekannte Entfernungen zu einem Vorsprung von drei Ringen und war einen Tag später im Parcour der unbekannten Entfernungen nicht mehr zu stoppen. 71 der 72 Wertungspfeile schoss der Westfale in die optimale Fünf und erreichte mit 359 von 360 Ringen seine Topform. "Dabei hatte ich keine große Motivation nach der WM mehr", war der 39-jährige von sich selbst überrascht, "jetzt ist erstmal Pause, Zeit zum Paddeln". 

Heike Brinkschulte (im Bild rechts) zusammen mit der Deutschen Meisterin und WM-Dritten Monika Blume-Thasler aus Hamburg

Mit viel Gefühl schön schiessen

Ein vielbeachtetes Comeback gelang Heike Brinkschulte. Die Deutsche Meisterin von 1998 mit dem Compoundbogen hatte nach ihrem steilen Aufstieg ein Jahr später einen Leistungseinbruch. "Ich hatte Scheibenpanik, das war sehr lehrreich", erinnert sich die Lebensgefährtin von Peter Penner, "Hoch- und Runterschiessen habe ich nicht mehr hinbekommen". Die Krise überwandt sie mit Hilfe ihres Freundes unerwartet schnell. 

Bei der WM in Cortina war die Heike Brinkschulte als Zuschauerin dabei: "Dort haben wir einfach schön schiessen geübt", Peter Penner fand bei ihr wieder die richtige Einstellung zum Bogensport. "Von ihm habe ich viel angenommen und plötzlich war das Schiessgefühl wieder da, bei der DM war ich so ruhig wie nie". Für ihren neuen Compoundbogen erhielt sie mit Hilfe ihres Freundes "den letzten Schliff" und setzte dies eindrucksvoll um. Mit der Freude "einfach wieder dabei zu sein" hielt Heike Brinkschulte am ersten Tag auf Anhieb mit Monika Blume Thasler mit und der Titelkampf war lange offen. Erst in der Schlußphase setzte sich die WM-Dritte von ihrer unerwarteten Konkurrentin ab, die sich über ihren Vizemeistertitel riesig freute: "Damit hatte ich nicht gerechnet". Damit sprengte die 34-jährige aus dem westfälischen Menden das favorisierte Hamburger Trio um Monika Blume-Thasler. Für Martina Schacht und die erfahrene Ellen Spranger blieben nur die Ränge drei und vier.

Wie Peter Penner seinen ersten Europameistertitel gewann, lesen Sie an dieser Stelle in Kürze - die Geschichte von Peter Penner und Heike Brinkschulte wird fortgesetzt.

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