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Der seidene Faden von Abdullah Ustaoglu 

Vierter Wettkampftag in der Luftpistole-Bundesliga Süd

Ausschnitte aus meiner Berichterstattung für die Deutsche Schützenzeitung

Mit der Sgi Ludwigsburg, SV Heidelberg und dem ESV Weil am Rhein standen drei der vier Finalteilnehmer in der Luftpistole-Bundesliga Süd bereits vor dem letzten Wettkampftag fest. Für die drei Erstplatzierten ging es in der Oggersheimer Adolf-Diesterweg-Schule dennoch um viel und Ludwigsburg´s Sportleiter brachte es auf den Punkt: "Nur nicht Berlin im Viertelfinale". Während die drei Spitzenteams mit den Ergebnissen der Nordliga vor dem Bundesligafinale in Affalterbach ihre Rechenspiele unternahmen, blickten die Gastgeber von der SG Ludwigshafen in Richtung Fürth. In der Werkskantine von Dynamit Fürth kam es zum Fernduell zwischen dem SV Haiterbach und den Aufsteigern aus Ludwigshafen um den vierten Finalplatz.

Optimaler Start von Karl-Otto Westphalen

Mit dem Heidelberger SV und dem ESV Weil am Rhein trafen in Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim die Südmeister der vergangenen Jahren am letzten Wettkampftag aufeinander und für beide Teams ging es darum, mit einem Sieg die günstigste Ausgangsposition für die Finalteilnahme in Affalterbach zu erhalten. Die einhundert Zuschauer überraschte zunächst Karl-Otto Westphalen. Der 46-jährige ehemalige Nationalschütze legte mit 100 Ringen in der ersten Zehn-Schuß-Serie einen optimalen Start hin und schaffte sich damit die Grundlage zu seiner besten Saisonleistung. "So gut habe ich noch nicht begonnen", freute sich der WM-Vierte von 1978 und ließ seinen Weiler Gegner Christian Schebesta keine Siegchance. Die 1:0 Führung durch Westphalen machte das Fehlen von drei Leistungsträgern im Heidelberger Team wett. Neben Mannschaftsführer Jan Claussen fehlte der schwedische Meister Lennart Andersson und Alexander Riedl. So kehrte Claudia Verdicchio ins Team zurück und erstmals kam die Schweizerin Cornelia Froelich zum Einsatz. Titelverteidiger Weil schoss in der gewohnten Stammformation und glich durch Markus Abt mit 380:375 zum 1:1 aus. Der Schweizer hatte nach mäßigen Beginn den Rückstand auf Jürgen Völker nach der Hälfte des Wettkampfs aufgeholt und zog danach unwiderstehlich davon. Schnell hatte auf Position fünf Swen Jülle gegen Claudia Verdicchio begonnen, doch der Weiler ließ in der Schlußphase nach und legte vor den letzten drei Schüssen eine längere Pause ein, um seine Gegnerin zu beobachten. Die 26-jährige Nationalschützin ließ sich von Jülle´s Vorgabe nicht beeindrucken. Zwei 96er Serien von Verdicchio konnte der Weiler mit seinen letzten drei Schüssen nicht mehr kontern und Heidelberg führte 2:1. Eine leichte Aufgabe zu lösen hatte für Weil Thomas Albiez, gegen den Cornelia Froelich nur in der Anfangsphase mithalten konnte. Nach dem 2:2 Ausgleich fiel die Entscheidung im Spitzenduell zwischen Heidelbergs Gerhard Wetzler und Abdullah Ustaoglu für Weil.

Ustaoglu verliert zweimal den Faden

Der 38-jährige Wetzler schien nach der Hälfte der Serie schon geschlagen, doch eine 98er Serie brachten den Heidelberger ins Match zurück. Mit seiner schnelleren Schießweise erhöhte Wetzler den Druck auf den Jungnationalschützen aus Weil. Ustaoglu hatte noch elf Schüsse zu absolvieren und jetzt erlebte der in der Türkei geborene Architekturstudent alle Höhen und Tiefen der Bundesliga: "Hier hängt alles am seidenen Faden, den habe ich zweimal verloren". Entscheidend für Ustaoglu war eine für ihn unerwartete Acht beim 33. Schuss: "Die konnte ich mir nicht erklären, der Schuss war optimal". Zuvor hatten vier 9,9er Treffer die Weiler Nummer eins verunsichert. Ustaoglu schien als letzter Aktiver im Stand die Nerven zu behalten, doch mit dem vorletzten Schuss unterlief ihm eine Acht und mit einer abschließenden Neun verlor er die Begegnung 376:377. 

 

Alfons Messerschmidt spürt den Kitzel

Vor eigenem Publikum gingen die Ludwigshafener Schützen mit der Chance in den Stand, bei einem Sieg den vierten Tabellenplatz in der Südliga verteidigen zu können. Doch Jürgen Dosch war schon vor dem Wettkampf skeptisch: "Wir schießen gegen den Tabellenführer und die Konkurrenz aus Haiterbach gegen den Letzten". Gegner Ludwigsburg wollte auf der Zielgeraden nichts mehr anbrennen lassen und sich als Spitzenreiter die beste Ausgangsposition für das Bundesligafinale vor der eigenen Haustür in Affalterbach zu schaffen. Dafür wechselte sich Trainer Alfons Messerschmidt erstmals in dieser Saison ein und löste seine Aufgabe auf Position vier bravourös: "Ich brauch den Kitzel", freute sich der 58-jährige Olympiateilnehmer von 1988, "dass wollt´ ich schießen". Messerschmidt brachte sein Team gegen die chancenlose Gabriele Haas mit 1:0 in Front.

Ludwigshafen setzte auf seine drei Vorderlader-Nationalschützen im Team, von denen überraschend Manfred Weber seine beste Saisonleistung zeigte. Gegen Jürgen Hartmann lieferte Weber eine tolle Vorstellung und steigerte seine bisherige Bestleistung um neun Ringe. Die reichte, um den stark verbesserten Hartmann mit 380:376 Ringen zu besiegen. Trotz der Niederlage wirkte Jürgen Hartmann zufrieden: "Es geht wieder", so der Olympiavierte von 1984 erleichtert, nachdem er in Haiterbach mit 360 Ringen einen Leistungseinbruch hatte, "da hatte ich schon den Glauben verloren". Den 1:1 Ausgleich konnte Ludwigsburg ohne Probleme hinnehmen, denn in den übrigen Begegnungen lagen zwei Württemberger klar in Front. 

Lee Braun hatte Karl Hammann in nur 25 Minuten 382 Ringe vorgelegt: "Das ist meine beste Saison", freute sich der 23-jährige und konnte beruhigt die Schüsse seines Gegners verfolgen. Karl Hammann hatte bis zum 18. Schuss mithalten können, da beendete Braun schon seine Serie und von da an fehlte es dem Ludwigshafener, sich entscheidend zu steigern. 13 Schüsse später konnte er das 1:3 nicht mehr verhindern, nachdem zuvor Munkhbayar Dorjsuren gegen den überforderten Karl-Heinz Provo ihr Team in Führung gebracht hatte.

 

Ein Vergnügen mit dem Aufsteiger des Jahres

Den Schlußpunkt zum 4:1 setzte Thomas Schulz. "Das ist der Aufsteiger des Jahres", freute sich Ludwigsburgs Sportleiter Rolf Bopp über die starke Vorstellung seines Neuzugangs. Mit Jürgen Dosch lieferte sich Schulz einen Zweikampf pur. "Wenn er absetzt, setze ich auch ab", beschrieb Schulz das Duell, in dem er Dosch stets beobachtete und immer einen Schuss abwartete. Der Aufholjagd des Ludwigshafener Vorderlader-Weltmeisters widerstand Schulz und brachte zwei Ringe Vorsprung ins Ziel. Unter dem Beifall der Zuschauer gratulierten sich beide Konkurrenten und trotz der Niederlage freute sich Jürgen Dosch: "Es war mir ein Vergnügen".

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