Provo erlebt Höhen und Tiefen der Bundesliga
Ein Auszug aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung:
Der erste Wettkampftag nährte die Hoffnungen, dass die Luftpistolen-Bundesligavereine der Südliga den Rückstand gegen die in den letzten Jahren dominierenden Nordligisten aufholen können. Mit kompakten Teamleistungen überzeugten beim Saisonstart am 13. und 14. Oktober die Teams auf Ludwigsburg und Weil am Rhein, die in beiden Begegnungen als Sieger hervorgingen und gemeinsam die Tabelle nach dem ersten Durchgang anführen.
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"Ich wollte noch einmal
absetzen"
Fassungslos starrte er ins Leere. Er hatte es in der Hand gehabt, doch ein Augenblick der Unachtsamkeit verdarb Karlheinz Provo die Stimmung. Bei seinem Bundesligadebüt für Aufsteiger Ludwigshafen hatte Provo beim überraschenden 3:2 Erfolg seiner Mannschaft über Ötlingen im Stechen den entscheidenden dritten Punkt geholt. Einen Tag später stand der Pfälzer wieder im Stand zum Shoot-Off. Stahlharte Nerven schien Provo zu haben. Gegen Ötlingens Stefan Scharpf hatte er einen Drei-Ringe-Rückstand in der Schlußphase noch ausgeglichen und das Stechen mit 10:9 gewonnen. Im Match gegen Fürth´s Larysa Usachova lag er wieder im Rückstand und zog mit drei Zehner in der Schlußphase gleich.
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Keine Regung war jetzt bei ihm zu erkennen und Provo wartete ruhige ab, bis die Weißrussin ihren ersten Stechschuß abfeuerte: Zehn!. Provo setzte seine Luftpistole ab, visierte neu: "Zehn". Beim zweiten Stechschuss stöhnten Fürth´s Anhänger auf. Die 29-jährige ehemalige Junioren-Europameisterin verpatzte ihren Schuß: "Acht". Das Stechen schien damit fast entschieden, da mußte Ludwigshafens Teamchef Dieter Gross ungläubig auf die Trefferanzeige starren: "Sieben". Karlheinz Provo hatte die sichere Siegchance vergeben: "Ich wollte noch einmal absetzen", als wollte er es nicht wahrhaben haderte der engagierte Schütze noch Minuten nach der Entscheidung mit seinem Mißgeschick.
| Es hätte das Wochenende der Aufsteiger aus Ludwigshafen werden können. In der Sporthalle Hoheneck in Ludwigsburg hatten die Pfälzer zum Auftakt den Vorjahresvierten Ötlingen unerwartet besiegt. Vor Provo´s Stechsieg über Stefan Scharpf hatten Jürgen Dosch und Gabriele Haas gepunktet. Gegen Fürth hatte am Sonntagmorgen Manfred Weber gegen Wilhelm Hämmerle die Aufsteiger in Führung gebracht. Den zweiten Punkt besorgte Jürgen Dosch auf Position eins, der mit sechs Zehnern zum Auftakt zunächst Christian Kerschbaum beeindruckte, doch danach holte der 23-jährige Fürther Ring für Ring auf. |
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Eine Acht im vorletzten Schuß von Dosch nutzte Kerschbaum zum Ausgleich. Im Stechen behielt der amtierende Vorderlader-Weltmeister aus Ludwigshafen mit 9:8 die Oberhand. Nach einer halben Stunde Schießzeit hatten die Fürther scheinbar klar mit 5:0 geführt und Ludwigshafen schien seinen fehlenden Leistungsträger Karl Hammann und den kurzfristigen Weggang von Stefan Kraus nicht ersetzen zu können. Auf den Positionen vier und fünf wirkten Gabriele Haas und Walter Hery gegen die Fürther Schalscha-Ehrenfeld und Iris Kerschbaum chancenlos, doch erst der Patzer von Karlheinz Provo im Stechen gegen Larysa Usachova besiegelte die unglückliche Niederlage.
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Rolf Bopp: "Wir sind wieder
da"
Der glückliche Sieg über Ludwigshafen rettete die Fürther Dynamitschützen vor einem Fehlstart, nachdem die Auftaktbegegnung gegen die Gastgeber aus Ludwigsburg klar mit 1:4 verloren ging. Grippegeschwächt und mit einer Ersatz-Luftpistole war Fürth´s Nummer eins Herbert Ascherl gegen Munkhbayar Dorjsuren chancenlos, obwohl die Mongolin mit drei Achter in Folge nur schwer in den Wettkampf kam. Christian Kerschbaum gelang durch einen starken Auftakt der einzige Punktegewinn für die Franken, nachdem Larysa Usachova im Stechen gegen Ludwigburg´s Jürgen Hartmann verloren hatte. "Zum Schluß wird abgerechnet", augenzwinkernd freute sich der 48-jährige Olympiavierte von 1984 über seinen geglückten Auftakt, nachdem er im Vorjahr dem Ludwigsburger nicht immer zur Verfügung stand und er den unbefriedigenden fünften Vorrundenrang miterleben mußte. Das die Württemberger sich in dieser Saison das Finale in Affalterbach nicht entgehen lassen wollen, unterstrichen sie vor eigenem Publikum eindrucksvoll. Erheblich verbessert präsentierte sich das Team von Trainer Alfons Messerschmidt auf den hinteren Mannschaftspositionen. Gegen Fürth gaben Thomas Schulz und Patrik Lengerer mit überzeugenden Siegen ihren Einstand. Die Steigerung im zweiten Wettkampf gegen Angstgegner Ötlingen ließ Sportleiter Rolf Bopp jubeln: "Wir sind wieder da".
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| Leute wie Schulz braucht´s
Besonders beeindruckte den 58-jährigen Coach die Leistung von Neuzugang Schulz: "Dem macht das Spaß, solche Leute braucht´s". Thomas Schulz war von der Landesliga in die höchste deutsche Luftpistolenliga gewechselt, nachdem sich sein Team aus Hirschlanden durch den verpaßten Zweitligaaufstieg aufgelöst hatte. "Das macht mehr Spaß als Angst", beschrieb Schulz sein Bundesligadebüt in Ludwigsburg, der als Finalteilnehmer und Rang vier bei den Deutschen Meisterschaften 1999 seinen bisher größten Erfolg gefeiert hatte, "die Bundesliga ist mehr Ansporn". Mit 392 Ringen hält Schulz den Württemberger Landesrekord, doch in der ersten Liga wurde er erstmals mit dem Zweikampf "Mann gegen Mann" konfrontiert. "Ich habe immer geschaut wie es steht und habe auch die Monitore meiner Mannschaftskollegen beobachtet". Vergeblich hoffte sein Ötlinger Gegner Michael Waibel auf einen Einbruch des Neulings: "Dumm gelaufen", kommentierte der erfahrene Waibel seine 374:380 Niederlage, "wir hatten uns zumindest einen Sieg erwartet". Nach dem mißlungenen Saisonstart mit zwei Niederlagen müssen die Ötlinger erstmals um die Finalteilnahme bangen. |
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