Silberglanz unter dem Kreuz des Südens
18. Feldbogen-Weltmeisterschaften in Canberra / Australien vom 9. bis 15. September 2002
Auszüge aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Unterschiedlicher hätten die Aussagen nicht sein können. "Die stärkste WM, die wir je hatten", oder: "die ersten Tage waren einer WM nicht würdig". So der deutsche Feldbogentrainer Karlheinz Bode in seiner Bilanz über die 18. Feldbogen-Weltmeisterschaften, die vom 9. bis 15. September 2002 in Canberra ausgetragen wurden. Die Organisatoren hatten in der australischen Hauptstadt drei viel diskutierte Wettkampfstätten vorbereitet, von denen die Vorrunde in den mit Eukalyptusbäumen bewaldeten Bergen an der Majura Road ausgetragen wurde. Etwa zehn Kilometer außerhalb am nördlichen Ende von Canberra gelegen, blieben die 154 Teilnehmer aus 22 Nationen zunächst unter sich. Lediglich eine Vielzahl von Känguruhs beobachteten die Vorentscheidungen auf zwei Parcours, der von den Aktiven stark kritisiert wurde. "Der Kurs ist zu leicht", meinte nicht nur der italienische Weltmeister Michele Frangilli. "Die Distanzen waren nicht weit und wir hatten keine besondere Schwierigkeiten", Europameister Peter Penner sah es ähnlich wie André Grawinkel:"der steilste Schuss hat vielleicht 15 Grad, normal wären 30 Grad, hier sind zuwenig schwere Scheiben". Dem Ärger über die Abgeschiedenheit der Wettkampfstätte und der mangelhaften Organisation wich im deutschen Lager bald die Freude über die sich einstellenden Erfolge und der Freundlichkeit der Australier, deren Hauptstadt unter dem berühmten Sternbild "Kreuz des Südens" sich dem blauen Himmel präsentierte, der den beginnenden Frühling auf der südlichen Erdkugel mit täglich steigenden Temperaturen ankündigte. "Dreimal Silber, das ist für eine Weltmeisterschaft außergewöhnlich", analysierte Karl-Heinz Bode die deutsche Medaillenbilanz, damit haben wir die Leistung der erfolgreichen Europameisterschaft im Vorjahr bestätigt".
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Mit dem Vize-Weltmeistertitel durch Sebastian Rohrberg und dem vierten Platz von Henning Lüpkemann etablierten sich die beiden deutschen Recurvebogenschützen in der Weltelite. Rohrberg gewann überraschend die 72-Pfeile-Vorrunde in den Majura-Mountains vor dem italienischen Favoriten Michele Frangilli.
In der ersten Qualifikationsrunde kam Sebastian Rohrberg als Zweiter hinter Michele Frangilli problemlos weiter, während Henning Lüpkemann ins Shoot-Off um den achten Platz für das Viertelfinale gegen die beiden US-Schützen Joseph McGlyn und Gerard Raymond mußte. Der Deutsche hatte schon alle Erwartungen übertroffen ("ich wollte unter die besten 16") und bestand unbekümmert das Stechschießen gegen seine beiden Konkurrenten. "Erstmal gucken was die anderen schießen und dann nachlegen", beschrieb er das zweimalige Stechen, das er mit einer optimalen Fünf zu seinen Gunsten entschied.
Damit war der Weg frei für das deutsche Halbfinale, dass Rohrberg mit 57:52 Ringen klar dominierte. Auf dem attraktiven Vier-Scheiben-Kurs im Lennox Garden, direkt am Lake Burley in der Nähe des australischen Parlaments, entschied eine "Zwei" von Lüpkemann das Duell. "Da hatte ich keine Chance mehr", so Lüpkemann, "ich konnte nur noch auf einen Fehler von Rohrberg hoffen". Diesen Fehler erlaubte sich der 23-jährige nicht und stand im Goldfinale gegen Frangilli: "Ich wollte unter die ersten Acht und danach kommt es, oder es kommt nicht", beschrieb er seine WM-Erwartungen und Rohrberg wurde erst mit den letzten Pfeilen von dem Italiener gestoppt. Trotz der 55:57 Finalniederlage ließ sich Rohrberg von den deutschen Fans als Sieger feiern. "Seine Leistung kam zum richtigen Zeitpunkt", freute sich Karl-Heinz Trainer sowohl über Rohrberg´s Silbermedaille.
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Nach dem dritten Platz in Cortina D´Ampezzo hatte sich Peter Penner in Canberra den Gewinn seines ersten Weltmeistertitels vorgenommen. "Ich will einfach die Bestätigung, das ich der Beste bin", so der 42-jährige Sauerländer aus Menden. Der Parcour in den Majura-Mountains bereiteten dem Compoundbogenschützen keine Schwierigkeiten. Nur fünf der 72 Pfeile trafen nicht ins optimale Gold der in bekannten und unbekannten Entfernungen stehenden Scheiben und damit ging Penner als Vorrundenerster in die erste Qualifiaktionsrunde.
Der Deutsche verpaßte die direkte Qualfikation für das Halbfinale und mußte im Shoot-Off mit dem Franzosen Stephane Dardenne. Beide Konkurrenten trafen mit ihren drei Pfeilen auf der 60-Meter Scheibe jeweils die optimale Fünf, so dass der Abstand des letzten Pfeils zur Scheibenmitte um den Einzug in die Finalrunde entschied. Nach 1998 in Obergurgl hatte Penner wieder Pech, um einem Zentimeter war der Pfeil des Franzosen besser platziert und für den zehnfachen Deutschen Meister blieb nur der fünfte Rang.
Dem Ärger über das Scheitern im Einzel folgte einen Tag später die Freude über den größten deutschen Mannschaftserfolg bei Weltmeisterschaften, an dem Peter Penner maßgeblichen Anteil hatte. Auf dem Sportplatz-Parcour im Southwell-Park war der Compoundbogenschütze die Stütze des deutschen Teams und schoss alle seine Pfeile in die optimale Fünf. "Er ist ein Profi, auch wenn er damit kein Geld verdient", lobte Ladislav Voboril die Leistung von Penner, der damit bester Akteur des Mannschaftsfinals war.
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Während die deutschen Männer den Gewinn der Silbermedaille feierten, waren die Frauen bereits in der ersten Runde gegen Italien ausgeschieden.
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Den vollständigen Bericht und viele Bilder von den Feldbogen-Weltmeisterschaften in Canberra lesen Sie in der Oktober-Ausgabe der Deutschen Schützenzeitung.