Stier: Das Glücklichste, was passieren konnte
Luftgewehr-Sportschützen schaffen Aufstiegs-Relegation zur Bundesliga
Mein Bericht für das Darmstädter Echo
(WW.) Nur noch rein rechnerisch war der dritte Tabellenplatz für die Eberstädter Luftgewehrschützen in Regionalliga West möglich. Nach den beiden Niederlagen in Gerolstein hatte das Eberstädter Team scheinbar keine Chance mehr, die Aufstiegsrelegation zur Bundesliga Nord zu erreichen. So weilte mit Rüdiger Reinsch ein Leistungsträger noch im Urlaub, als am Sonntagmorgen der letzte Wettkampftag auf der PSG-Standanlage in Darmstadt ausgetragen wurde. Nur wenige Zuschauer hatten sich zu dem dreistündigen Sportschützen-Wettkampftag eingefunden, doch die erlebten eine Spannung, die erst mit dem letzten Schuss und einem Sensationserfolg für die gastgebenden Eberstädter entschieden wurde.
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Südhessische Schützenhilfe erhielten die Eberstädter in der Auftaktbegegnung durch Diana Ober-Roden, die mit 3:2 den bisherigen Tabellendritten TuS Hilgert besiegten. Den überraschenden Diana-Erfolg hatte Alexander Hanstein mit 383:378 Ringen eingeleitet und der Dornheimer Kai Wilke erhöhte im Spitzenduell gegen Carsten Hees mit 390:387 zum wichtigen 2:0. Ina Schmidt (375:384) und Silke Schubert (389:390) verloren anschließend ihre Begegnungen, so dass alle Augen auf Jens Rössner gerichtet waren. Der ehemalige Dietzenbacher Bundesligaschütze behielt auf Position drei für Ober-Roden die Nerven und holte mit 388:384 Ringen gegen den Holländer Niels Pereboom den entscheidenden dritten Punkt. Die Niederlage von Hilgert eröffnete den Eberstädtern die Chance mit einem glatten 5:0 Sieg gegen die Gäste von PSS Inden-Altdorf, doch noch den dritten Platz zu erreichen. |
Gegen die Rheinländer, die bereits als Absteiger nach sechs Jahren in der zweiten Bundesliga feststanden, mußte Eberstadt´s Teamchef Bernd Stier durch das Fehlen von Reinsch die Mannschaft auf Position zwei umstellen. Für den zuletzt starken Reinsch kehrte Jochen Hofmann nach dreijähriger Pause ins Team zurück und begann mit guten 97 Ringen bei den ersten zehn Schüssen, die ihm einen überraschenden Sechs-Ringe-Vorsprung gegen den schwach gestarteten Jürgen Müller einbrachten. Die unerwartete Aufstiegschance vor Augen begannen Christian Lauer und Jörg Kreuzer für Eberstadt jeweils mit optimalen 100 Ringen, während Bernd Stier (95) und Joachim Gruber (96) zunächst in Rückstand lagen. Nach 40 Minuten Wettkampf leuchtete erstmals das Wunschergebnis 5:0 an der Anzeigetafel auf. Vorbildlich für sein Team schoss auf Position eins Christian Lauer eine neue persönliche Bestleistung. Mit 398:389 Ringen unterstrich der 22-jährige nach 50 Minuten seine Bundesligareife und brachte Eberstadt gegen Horst Knapp mit 1:0 in Führung.
| "Mein Ziel ist die erste Liga, ich habe in der Regionalliga alle möglichen Punkte geholt", umriss Lauer seine Ambitionen, der mit den Südhessen in die Bundesliga zurückkehren will. Das Eberstädter 2:0 holte Bernd Stier mit 385:375 Ringen auf Position vier. "Ich hatte Lauer´s Ergebnis gehört, das hat mich beflügelt", führte der 37-jährige Mannschaftsführer seine Steigerung gegen den Carsten Braun zurück. Die Schwäche des Rheinländers bei der dritten Serie (91) nutzte Stier und zog mit 96 Ringen entscheidend davon. |
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Das 3:0 besorgte Jörg Kreuzer mit 392:382 Ringen auf Position drei. Nach seinem optimalen Auftakt hatte der 35-jährige seinen Gegner Stollenwerk in jeder Phase des Wettkampfes sicher im Griff. Nach Kreuzer´s Sieg schienen die Eberstädter ihr Pulver verschossen zu haben, denn Jochen Hofmann und Joachim Gruber verloren mit 94 und 93 Ringen in der dritten Serie ihren Vorsprung. Während die wenigen Eberstädter Fans um ihr Team bangten, hellten sich die Mienen der Aktiven und Anhänger von TuS Hilgert auf den Zuschauerrängen wieder auf. Ein Verlustpunkt der Hessen hätte den Rheinländern die Aufstiegsrelegation gesichert. Besonders Jochen Hofmann schien gegen den stärker werdenden Jürgen Müller auf Position zwei überfordert zu sein. Der 30-jährige hatte vor seinem Comeback nach drei Jahren überraschend festgestellt: "Mir passt die Schießausrüstung nicht mehr, ich habe wohl einige Kilo zugelegt." Nach der 94er Serie unterbrach Hofmann seinen Wettkampf und schien am Erfolg zu zweifeln. "Aber der Kitzel war wieder da", so Hofmann, der bei den letzten Schüssen Nervenstärke bewies. Mit einer Zehn rettete er einen Ring Vorsprung zum 383:382 ins Ziel. Den Erfolg rundete Joachim Gruber, der in der letzten 10-Schuss-Serie mit 96 Ringen seine Schwäche aus der dritten Serie überwand und gegen Pelzer das umjubelte 5:0 mit 384:380 Ringen sicherte. "Jetzt kann ich meinen Urlaub abblasen", freute sich Mannschaftsführer Bernd Stier, "ich hatte nicht an die Relegation geglaubt. Das war das Glücklichste, was passieren konnte." Mit dem dritten Tabellenplatz haben die Eberstädter am 8. Februar 2003 in Dortmund die Chance, in der Aufstiegsentscheidung nach drei Jahren wieder in die Bundesliga zurückzukehren.