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Bei böigem Wind tief in den Wald

Deutsche Meisterschaften der Feldbogenschützen in Taunusstein-Wehen vom 30. bis 31. Juli 2005

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

Zwei Wochen nach dem erfolgreichen Abschneiden bei den World Games in Duisburg stand die Nationalmannschaft bei den Deutschen Meisterschaften der Feldbogenschützen im Mittelpunkt des Interesses. Die Schützlinge von Feldbogentrainer Karlheinz Bode wurde „auf dem Halberg" in Taunusstein-Wehen ihrer Favoritenrolle unter den insgesamt 251 Startern eindrucksvoll gerecht. Rund um das Stadion des Fußball-Regionalligisten SV Wehen hatten die Verantwortlichen des 180 Mitglieder zählenden Schützenvereins Aarfalke 1962 Taunusstein-Wehen zwei interessante 24-Scheiben Parcours aufgebaut, die das ganze Können der Teilnehmer forderte. „Eine gut organisierte Veranstaltung mit anspruchsvollem Parcour", lobte Bode den ausrichteten Verein mit dessen Vorsitzenden Peter Münster und Günter Lanz. Den Rückenwind der World Games verstärkte auch der Geschäftsführer des Deutschen Schützenbundes. Jörg Brokamp zeigte sich beeindruckt von den Titelkämpfen „eine sehr interessante Sportart" und sicherte dem Nationalteam die erforderlichen Mittel für die Teilnahme an den World Games 2009 in Taiwan zu.

Nicht zum Kreis des Nationalteams, doch immer zum Kreis der Favoriten zählt André Grawinkel. Der 32-jährige hatte bereits vier Deutsche Meistertitel im Fita- und Hallenbogenschießen gewonnen, doch beim Feldbogenwettbewerb stand er lange Zeit im Schatten von Peter Penner, der das Geschehen mit dem Compoundbogen bis 2003 mehr als zehn Jahre lang bestimmt hatte.

Vor zwei Jahren legte der Sherwood-Schütze aus Herne eine internationale Pause ein. „Ich hatte keine Kaderverpflichtungen mehr und diese Pause hat mir gut getan. Jetzt macht mir das Schießen wieder richtig Spaß. Es ist der richtige Biss da und ich spüre die positive Anspannung." Prompt übernahm Grawinkel das Kommando auf dem Parcour und führte nach den ersten 36 Pfeilen mit 354 von 360 möglichen Ringen klar die Konkurrenz der Männer an. Titelverteidiger Roland Pepperl lag bereits sechs Ringe zurück und von dem deutlichen Vorsprung profitierte Grawinkel am zweiten Wettkampftag, als es in die Entscheidung auf dem scheinbar leichteren flacheren Parcour mit Scheiben in unbekannten Entfernungen ging. „Das hätte alles entscheiden können, wenn es enger zugegangen wäre", meinte Grawinkel zu einer umkämpften Scheibe, die „tief im Wald" für die Aktiven nur schwer zu sehen war. „Die war etwa 53 Meter entfernt und ich hatte die Sonne voll im Gesicht". Immer wieder setzte Grawinkel seinen Compoundbogen an, ohne das Ziel richtig erfassen zu können. Zudem wehte ein böiger Wind, der das Halten des Bogen zusätzlich erschwerte. „Das waren drei blinde Schüsse". Dennoch traf er das Ziel. Mit zwei Vierer und einer Drei hielt er seinen Vorsprung, hatte aber fünf von insgesamt sechs Ringen am zweiten Tag an dieser einen Scheibe abgegeben. Auf die übrigen Entfernungen, ob „Bunnies" oder „Herdplatten", Grawinkel zeigte keine Schwäche und holte sich seinen ersten Deutschen Meistertitel mit dem Feldbogen.

„Ich sehe mich nicht als Favoritin, ich bin doch keine Maschine", so Martina Schacht nach ihrem fünften Titelgewinn in Folge bei den Frauen mit dem Compoundbogen. Die 37-jährige Hamburgerin stand nach ihrem Sieg bei den World Games besonders im Blickpunkt, doch die Arzthelferin blieb in ihrer Analyse zurückhaltend, „es gehört immer ein Quäntchen Glück dazu."

Im Feldbogenparcour war von Zurückhaltung wenig zu spüren, denn Martina Schacht dominierte mit 21 Ringen Vorsprung eindeutig die Konkurrenz. Mit dem ersten Wettkampftag war sie dennoch nicht zufrieden. „In der zweiten Hälfte hatte ich einen kleinen Knall und da bin ich hibbelig geworden." Die Häufung von Schüssen, die nicht im optimalen Gold landeten zeigten Wirkung: „Das hatte ich lange nicht gehabt und habe schon Angst bekommen, die Schüsse abzugeben. Es fehlte einfach das konsequente Durcharbeiten." In dieser Phase hatte Monika Blume Thasler kräftig aufgeholt und es sah so aus, das die Hamburgerin an ihren letzten Titelgewinn im Jahr 2000 anknüpfen könnte. Umstritten war dann die Entscheidung des Kampfrichts, die beiden Konkurrentinnen aus dem gleichen Verein am zweiten Wettkampftag in unterschiedliche Gruppen aufzuteilen. Monika Blume Thasler wurde in die leistungsmäßig schwächere zweite Gruppe gesetzt und reagierte enttäuscht: „Da kann ich mich nicht an der Leistungsbesten orientieren." Als bei böigem Wind der 43-jährigen Sozialarbeiterin ein Pfeil vom Compoundbogen geweht wurde, konnte sie sich nicht mehr steigern. Monika Blume Thasler fiel auf den vierten Platz zurück, während Martina Schacht unbeirrt ihrem fünften Titelgewinn entgegenschoss. Mit 351 von 360 möglichen Ringen beherrschte sie am zweiten Tag die Konkurrenz eindeutig und verriet ihr Erfolgsgeheimnis: „Verbissenheit führt zu nichts, ich setze mir im Wettkampf keine Ziele."

Zum siebtenmal in Folge gewann Sebastian Rohrberg den Deutschen Meistertitel mit dem Recurvebogen. Der amtierende Welt- und Europameister stellte am zweiten Wettkampftag seine Konkurrenten klar in den Schatten und siegte mit 26 Ringen Vorsprung. Probleme hatte der 26-jährige nur am ersten Tag, als ihm ein Fehlschuss „durch den Klicker" unterlief. „Da habe ich vorübergehend den Faden verloren."

Doch in der zweiten Hälfte schaffte Rohrberg 168 von 180 möglichen Ringe und ging mir einem knappen Vier-Ringe-Vorsprung gegenüber Thorsten Sauter in den zweiten Tag. Der Mittenwalder ist nach seinem Ausflug zum Ski-Biathlon wieder in den Kreis der Feldbogen-Nationalmannschaft zurück gefunden. Der 36-jährige blickt auf zwanzig Jahre Erfahrung im Feldbogensport zurück und gewann 1986 seine ersten internationalen Titel. Auf nationaler Ebene siegte Thorsten Sauter mit dem Recurvebogen bei den Männern zuletzt 1995 und 1997. Der selbständige Kommunikationstrainer schaffte in diesem Jahr wieder den Anschluss zur nationalen Spitze und überzeugte mit Rang drei knapp hinter dem unerwartet starken Münchener Igor Popov. Von seinen Verfolgern hatte sich Sebastian Rohrberg am zweiten Tag auf dem Parcour mit Scheiben in unbekannten Entfernungen weit abgesetzt, doch noch immer wurmte ihn der verpasste Sieg bei den World Games: „Das hätte besser laufen Können", so Rohrberg über seinen vierten Rang und der blonde Norddeutsche richtet seine Ziele für die nächsten Jahre deutlich aus: „In sechs Wochen will ich meinen Europameistertitel verteidigen und danach wird´s interessant." Rohrberg hat sich die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2008 zum Ziel gesetzt: „Dafür will ich 2006 in den Fita-Kader und an den Weltmeisterschaften 2007 in Leipzig teilnehmen."

Eine feste Größe im deutschen Feldbogensport ist Hedi Mittermaier, die in Wehen ihren elften Meistertitel seit 1992 feierte. „Beim letzten Pfeil wusste ich gar nicht auf welchem Platz ich war." Die bayerische Frohnatur hatte in einer spannenden Entscheidung bei den Frauen mit dem Recurvebogen das glückliche Ende für sich. Am ersten Tag schien sie mit sechs Ringen Rückstand zur führenden Hildesheimerin Ute Fleischer fast geschlagen. Im schwierigen Gelände des zweiten Tages holte Hedi Mittermaier dann Ring für Ring auf. „Der nächste Schuss ist immer das Wichtigste", meinte sie zu ihrer persönlichen Stärke, „das ist meine Motivation." Nach 72 Pfeilen hatte sie mit der führenden Ute Fleischer gleichgezogen und gewann den Titel aufgrund der mit 66:62 mehr erzielten Fünfer. Titelverteidigerin Manuela Kaltenmark musste sich trotz einer guten Aufholjagd am zweiten Tag mit dem dritten Rang begnügen, während die zunächst starke Martina Schulte in der Schlussphase vom zweiten auf den vierten Rang zurückfiel.

Unerwartete Probleme hatten die Blankbogenschützen im bewaldeten Parcour, in dem die Pfeile oft dicht stehende Baumreihen geschossen wurde. Zu Protesten führte die Scheibe Nummer 13, als eine Reihe von Pfeilen auf dem Weg zur Scheibe in Ästen hängen blieben. Für die mit schwächeren Zuggewicht schießenden Blankbogenschützen wurde diese Scheibe schließlich aus der Wertung genommen. Ungeachtet der Diskussionen zwischen Aktiven und Funktionären setzten sich die Favoriten durch. Im Blickpunkt stand dabei der Zweikampf bei den Frauen zwischen World Games-Siegerin Monika Jentges und Jutta Schneider-Borns.

Die beiden Konkurrentinnen bestimmen seit 1992 das Geschehen auf nationaler Ebene. Jutta Schneider–Borns hatte sich nach sieben Siegen auf den Fita-Bereich konzentriert und gehörte dem Olympiakader 2000 an. Im Jahr 2001 wurde sie von Monika Jentges im Blankbogenbereich abgelöst, die seitdem fünfmal in Folge gewann. „Die Pause habe ich gemerkt, aber ich gewinne langsam wieder an Sicherheit", so Jutta Schneider-Borns. Die Lehrerin ist im Jahr 2004 wieder in den Kreis der Feldbogen-Nationalmannschaft zurückgekehrt und überraschte am ersten Wettkampftag mit einer Drei-Ringe-Führung vor Monika Jentges. Die Entscheidung im Titelkampf fiel, als die für den FBC Hamburg schießende 46-jährige Delmenhorsterin sich neun Fehlringe auf einer Scheibe leistete: „Dafür gab es gar keinen Grund", resümierte sie die entscheidende Phase, die Monika Jentges zur erfolgreichen Titelverteidigung nutzte.

Seine Vielseitigkeit im Bogensport unterstrich Harry Wittig vom Münchner BC. Der Olympiateilnehmer von 1984 überraschte in Wehen mit seinem Sieg bei den Blankbogenschützen. Damit wiederholte er seinen Erfolg aus dem Jahr 1996 und bewies, das er mit oder ohne Visier gleichgut in der deutschen Spitze mithalten kann.

Zuletzt hatte Wittig im internationalen Bereich bei den Weltmeisterschaften im kroatischen Plitivice mit dem Recurvebogen für Deutschland geschossen. Der 44-jährige bestimmte vom ersten Tag an den Wettbewerb und führte schnell vor dem Korbacher Meik Fekeler. Die beiden Führenden zehrten ihren komfortablen Vorsprung am zweiten Tag in dem Parcour mit Scheiben in bekannten Entfernungen auf. Gegen die Verfolger verteidigte Harry Wittig einen Ring Vorsprung, während Fekeler auf den fünften Platz zurückfiel. Der zuletzt dreimal in Folge siegreiche Ernst Crome machte am zweiten Tag viel Boden gut und sicherte sich als Vierter den Platz im Nationalteam neben Karlheinz Clauter, der in der Altersklasse von dem starken Essener Josef Meyer überrascht wurde.

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