Feldarmbrust zwischen Lust und Frust -
Deutsche Meisterschaften im Feldarmbrustschießen in Usingen-Eschbach am 23. und 24. Juli 2005
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Optimale Bedingungen, viele Zuschauer, großes Medieninteresse und ein engagierter Verein als Ausrichter. Fast alle Voraussetzungen waren erfüllt, für eine gelungene Deutsche Meisterschaft, die zum erstenmal im Usinger Land ausgetragen wurde. „Eine Deutsche Meisterschaft, das ist schon was", strahlte Wolfgang Fechter vom Schützenverein Eschbach, der erstmals in der 2000 Einwohner zählenden Gemeinde im Hintertaunus eine große Meisterschaft ausrichten konnte. „Fünf Jahre nach unserem 100-jährigen Vereinsjubiläum ist das der Höhepunkt in der Vereinsgeschichte", so Fechter, der von vielen Helfern aus dem 116 Mitglieder zählenden Verein unterstützt wurde. Während die Organisatoren über den großen Zuspruch strahlten, herrschte bei den Aktiven Frust. „Wenn das so weiter geht, wird es bald keine Deutsche Meisterschaft der Feldarmbrustschützen mehr geben", so der ratlose Bundesreferent Edwin Hirte über die schwachen Teilnehmerzahl auf dem Sportplatz in Eschbach. „Die DSB-Sportkommission hat beschlossen, dass es im nächsten Jahr nur noch eine offene Klasse geben wird." Wieder hatten sich nur 51 Aktive zu den zweitägigen Titelkämpfen mit der Feldarmbrust auf 65,50 und 35 Meter Entfernung eingefunden. „Gemäß Sportordnung müssen pro Klasse mindestens 15 Schützen am Start sein", erklärte Hirte die bevorstehende Änderung, „und bei den Frauen und Junioren erreichen wir seit Jahren dieses Ziel nicht mehr." Edwin Hirte sieht mit der Reduzierung auf eine Wettkampfklasse das Feldarmbrustschießen vor dem Aus: „Da haben die Jugendlichen keine Perspektive mehr." Gründe am rückläufigen Interesse für den Feldarmbrustsport sehen neben dem Bundesreferenten auch eine Reihe von Aktiven. Es sind die bis zu 2.500 Euro teuren Sportgeräten und die besondere Schwierigkeit der Disziplin, die im Freien den Sportlern das gesamte Können bei wechselnden Witterungsverhältnissen abfordert. „Man muss was tun, um mit der Feldarmbrust zu treffen", meint Hirte. Treffen gelernt haben Ina Schmidt und Ralf Hillenbrand in der Juniorenklasse mit Unterstützung ihrer engagierten Eltern. „Ohne Junioren ist es der Anfang vom Ende", meint Ralf Hillenbrand und Ina Schmidt ergänzt: „Es ist halt keine olympische Disziplin und nur in den Hochburgen Kronau und Ober-Roden sind neben genügend Sportgeräte auch erfahrene Schützen vorhanden." Besonderes Engagement für das Feldarmbrustschießen zeigt Walter Hillenbrand: „Es ist das schönste Schießen", so der 56-jährige, dessen Karriere einst vor 30 Jahren begann und mit dem Gewinn des Luftgewehr-Weltmeistertitels im Jahr 1979 seinen Höhepunkt hatte. Bundesreferent Edwin Hirte will mit einer Verlegung des Austragungstermins künftig mehr Schützen für die 180-Pfeile-Disziplin begeistern. „In diesem Jahr hat schon die Urlaubszeit begonnen, wir sollten die Titelkämpfe künftig nach den Deutschen Meisterschaften in München austragen."
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Ungeachtet der Probleme durch die rückläufigen Teilnehmerzahlen zeigte sich die nationale Spitze des Feldarmbrustsports voll engagiert, nicht zuletzt ging es neben den Plätzen auf dem Siegerpodest um die Fahrkarten zur Teilnahme an den Europameisterschaften vom 11. bis 13. August 2005 im holländischen Zundert. Bei den Männern zeichnete sich schnell ein Zweikampf um den Sieg zwischen Jürgen Baumann und Ralf Hillenbrand ab. „Es bahnt sich die Wachablösung an", mutmaßte Jürgen Baumann, der als zweifacher Weltmeister im Mittelpunkt des Medieninteresse stand und schon mal ein Interview für den Hessischen Rundfunk während des Wettkampfs gab. Für den 42-jährigen Hotelier ist das Medieninteresse die richtige Motivation, nachdem er im Vorjahr schon mit Rücktrittgedanken spielte. „Ralf hat mich zwei Tage lang voll gefordert", auf dem Weg zum achten Meistertitel seit 1993 verlor Baumann zu Beginn des zweiten Wettkampftages seine knappe Führung an seinen Kronauer Herausforderer. Der 24-jährige Hillenbrand war seiner Leistungssteigerung selbst überrascht, da er seit mehr als einem halben Jahr durch seinen Beruf als Maschinenbauingenieur kaum noch Zeit zum trainieren hat. „Bis auf die letzten Pfeile über 65 Meter bin ich zufrieden." Vor den letzten 30 Pfeilen führte Hillenbrand mit drei Ringen vor Baumann, da zogen am Himmel über Eschbach dunkle Wolken auf und die Windfähnchen begannen heftig zu flattern.
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Es waren die Minuten, in denen Baumann das Duell für sich entschied. Mit 28er und 29er Serien zog er seinem Gegner unwiderstehlich davon: „Diese Ringzahlen bei dem Wind, ich bin von mir begeistert", strahlte Baumann nach seinem Sieg. Von den Erstplatzierten des Vorjahres konnte weder Titelverteidiger Karl-Ernst Weissmann, noch die höher eingeschätzten Karl-Heinz Blumtritt und Ralf Jäger mithalten. Das Führungstrio des Vorjahres landete abgeschlagen auf den Plätzen sieben, neun und zehn. Dafür schob sich Benjamin Bessert in den Blickpunkt, der zuletzt vor sechs Jahren in der Juniorenklasse auf dem Siegerpodest gestanden hatte. Der 24-jährige Hüttenthaler zeigte ein gelungenes Comeback und lieferte dem routinierten Walter Hillenbrand einen leidenschaftlichen Kampf um den dritten Platz für die Teilnahme an den Europameisterschaften.
| „An Walter´s Routine bin ich ganz knapp gescheitert", zollte er seinem 32 Jahre älteren Kronauer Konkurrenten Anerkennung. Am ersten Tag hatte sich Hillenbrand einen Patzer erlaubt und eine Zehn auf die Nachbarscheibe geschossen. Doch der mehrfache Welt- und Europameister kämpfte sich wieder heran und ging mit einem Ring Vorsprung gegenüber Benjamin Bessert in den zweiten Tag. Die Teilnahme an den Europameisterschaften behielt Hillenbrand fest im Visier, denn: „In Zundert kann ich meine 30. internationale Meisterschaft bestreiten." Als der Wind heftig wehte, wirkte Benjamin Bessert ratlos: „Wie ich auch anhalte, die Pfeile fliegen nicht in die Mitte." | ![]() |
Als dem jungen Odenwälder endlich drei optimale Zehner in der vorletzten Passé gelangen, war Walter Hillenbrand bereits zu weit enteilt und hatte sich die EM-Fahrkarte gesichert. Gleichzeitig holte er zum neuntenmal in Folge den Deutschen Meistertitel in der Herren-Altersklasse.
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Zwar waren nur sieben Frauen am Start,
doch der Titelkampf bezog seine Brisanz aus dem glänzenden Comeback von
Elke Poth. Die 37-jährige Laubacherin kehrte nach zwei Jahren Pause
wieder an die Schießlinie zurück und die Weltmeisterin von 1994 beendete
den ersten Wettkampftag mit einer neuen Bestleistung. „Ich habe mir
immer wieder abgerufen, wie man es machen soll", Elke Poth
profitierte von ihrer zweijährigen Tätigkeit als hessische
Landestrainerin, „Gott sei Dank, dass ich nicht meinen Abschied vom
aktiven Sport eingereicht hatte." So lieferte sie Ina Schmidt einen
tollen Zweikampf, der erst mit dem letzten Pfeil entschieden wurde. Nach
180-Pfeilen hatte die 22-jährige Biologiestudentin aus Babenhausen mit
vier Ringen Vorsprung gewonnen und den Titelhattrick geschafft. Die
Zweitligaschützin von Diana Ober-Roden führt ihre gute Form auf das
Luftgewehrtraining im Winter zurück und setzt sich für dieses Jahr mit
der Feldarmbrust ein ehrgeiziges Ziel: „Entweder Elke oder ich, eine
soll Branka Pereglin in Zundert schlagen". Die mehrfache kroatische
Weltmeisterin ist im Feldarmbrustsport der Frauen das Maß der Dinge. Das
deutsche Frauentrio in Zundert ergänzt Barbara Metz, die wie im Vorjahr
sicher die Fahrkarte als Drittplatzierte löste.
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Bei den Junioren setzten sich die Favoriten mit der erfolgreichen Titelverteidigung von Tim Lewerth aus Ober-Roden durch. Unter dem Jubel der über 200 Zuschauer zum Abschluss der Titelkämpfe holte sich der Eschbacher Lokalmatator Sebastian Kral die Bronzemedaille, musste den zweiten Platz aus dem Vorjahr dem ringgleichen Kronauer Benjamin Butz überlassen.
In der Mannschaftswertung setzte sich erwartungsgemäß das Team von Diana Ober-Roden mit Ina Schmidt, Elke Poth und Jürgen Baumann durch. In die Hochburg des deutschen Feldarmbrustsports ging der Mannschaftstitel zum elftenmal seit 1994. Nur vor zwei Jahren wurde die Diana-Siegesserie vom SV Dietersweiler unterbrochen. Das württembergische Trio mit Karl-Ernst Weißmann, Andreas Henne und Markus Lück musste sich mit 121 Ringen Rückstand deutlich geschlagen geben.