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Auf den Spuren von König Artus

Am 24. Mai 1986 begann für mich uns Silvia eine Reise, die in eine Welt führte, die so scheint, als wäre die Zeit stehengeblieben. Gefährliche Klippen, wild ziehende Wolkenbänke, meerumtoste Felsen, einsame Moore, dazwischen immer wieder grüne Täler, kleine Waldstücke, Fischerorte, geduckt an die schützenden Häfen geschmiegt - ein magisches Land mit sichtbaren Zeugnissen einer jahrtausendealten Vergangenheit - es ist das Land zwischen den Meeren

Cornwall

Cornwall präsentiert sich heute wie zu König Artus´ Zeiten als Urlandschaft par excellence. Ein sagenhaftes Land, voller Märchen, Legenden und Mythen, die bis heute lebend geblieben sind. Lanzelot und Ginevra, Merlin und die weisen Frauen von Avalon, Parzival und Mordred, König Artus und seine Getreuen.

Die Stimmung des Landes erzielt am besten die ausdrucksstarke Schwarzweißfotografie. Es war die erste Fotoreise "in Schwarzweiß" und es gelangen eindruckvolle Erinnerungen.

Wer Cornwall und seine Einwohner verstehn will, muß sich ihre Vorstellungskraft aneignen und in die Zeiten zurück wandern (Daphne Du Maurier)

Verfolgen sie jetzt unsere Reise nach und in Cornwall.

In einem zum Wohnmobil umgebauten VW Bus fuhren Silvia und ich zunächst nach Calais, um mit der Fähre der Townsend Thoresen-Linie nach Dover über den Ärmelkanal nach England überzusetzen. Es war spät geworden, als wir um 23.00 Uhr abends in Dover ankamen und mit unserem VW Bus auf die ungewohnte linke Straßenseite fahren mußten. Noch im Hafengebiet ließen wir unser kleines Wohnmobil stehen und verbrachten die erste Nacht auf englischen Boden.

An der Südküste fuhren wir am frühen Morgen in Richtung Westen von der Grafschaft Kent auf der A 259 und machten einen Abstecher nach Rye.

Rye und Winchelsea, zwei kleine Orte in East Sussex, waren im elften Jahrhundert noch Ausgangspunkte für Schiffe zum europäischen Festland. Doch die Versandung führte dazu, dass der Hafen inzwischen drei Kilometer vom Meer entfernt ist. Ein schöner Einstieg in England

Weiter in Richtung Westen war "Beachy Head" zwischen Eastbourne und Seaford unser nächstes Ziel. Es ist ein landschaftlich reizvoller Küstenabschnitt mit weißen Kalksteinklippen, die steil ins Meer abfallen.

Wenige Kilometer weiter im Westen fuhren wir durch das bekannte Seebad Brighton, wo einst ein König (Georg IV.) bei reiner Seeluft Erholung suchte. An warmen Tagen sind heute meist Massen von sonnenhungriger Londoner zu sehen, die in altehrwürdigen Hotels wohnen, die ihre Existenz einem vergangenen Boom verdanken.

Es war für uns nicht der Ort sich länger aufzuhalten. Wir wollten ja nach Cornwall.

Nach der Hafenübernachtung in Dover fanden wir bei Sidmouth an der A3052 einen wunderschönen Campingplatz. Erstmals lernten wir die Gemütlichkeit eines Wohnmobils kennen. Den späten Abend hat Silvia wohl richtig genossen (Bild rechts).

Da die Engländer in dieser Gegend wohl keine Deutschen vermuteten, hielten sie uns für Holländer (weil wir so leisen sprechen würden). Etwas lauter wurde dafür unser VW Bus. Zu Fuß sind wir in den Ort gelaufen und haben uns ein schönes Abendessen gegönnt. Als wir in seeliger Stimmung zurückkamen, herrschte helle Aufregung, denn die Diebstahlwarnanlage des VW Bus unterhielt den ganzen Campingplatz. Naja, wir mußten den VW-Bus halt noch kennenlernen.

 

In Porthmouth machten wir einen Abstecher in den Marinehafen, denn dort kann man das Flaggschiff "HMS Victory" von Lord Nelson besichtigen. Sie stammt aus der Schlacht bei Trafalgar im Jahr 1805. Wer kennt die Geschichte nicht?

Ganz in der Nähe ist ein interessantes Schiff zu besichtigen, das 1982 gehoben wurde und in einem Trockendock ausgestellt ist. Es ist das Tudorkriegsschiff "Mary Rose".

Geschichte zum Anfassen gibt es auch in Plymouth. Viel altes gibt´s zwar nicht, aber historische Orte. So sieht man hier noch den "Mayflower-Step", von dem aus die Pilgerväter 1620 nach Amerika in See stachen. Historisch belegt ist auch "The Hoe", einem hochgelegenen Promenadenpark. Da spielte Sir Francis Drake 1588 Bowls, als man ihm meldete die feindliche spanische Armada sei in den Ärmelkanal eingelaufen. "Das hat Zeit bis wir unser Spiel beendet haben". In Ruhe spielte der berühmte Admiral - ganz Bilderbuch-Engländer - das Spiel zu Ende und besiegte dann mit seinen Kriegsschiffen die viel stärkere spanische Flotte.

Wir verließen die Küste, um einen Tag im Dartmoor zu verbringen. Es ist ein Nationalpark mitten in Devon in dem die Straßen kaum breiter als ein Auto sind, beiderseit begrenzt von hohen Hecken. An das Fahren auf der linken Straßenseite hatten wir uns schnell gewöhnt, so dass bei Gegenverkehr das Ausweichen über die linke Seite keine Probleme mehr machte. Es führen nur wenige Straßen durch diese rauhe Landschaft in der nur wenige Menschen leben. Wer sich für archäologische oder prähistorische Touren interessiert ist hier richtig. Wir bevorzugten die "Lydford Gorge", eine 20 Meter tiefe Schlucht, die sich der Lyd-Fluß gegraben hat. Es führen drei Kilometer lang schmale Pfade durch die Schlucht.

Der erste Ort, den wir in Cornwall sahen, war gleich ein ganz malerischer. Polperro ist ein Dorf mit 1000 Einwohnern und manche behaupten, es sei der romantischste und am schönsten gelegenste Ort in Cornwall. Das Dorf liegt am Ende eines engen, langen Tals, das sich durch die hohen Klipen frist. Ein kleiner Hafen mit uralten Hafenmauern und kein Autoverkehr. Wir hatten außerhalb einen Campingplatz und liefen zu Fuß ins Ortszentrum, das wir am Abend erreichten. Früher hatten die Schmuggler hier eine große Tradition, als wir da waren, mußten wir eine ganz andere Erfahrung machen. Erstmals genossen wir ein Abendessen in England beim "Inder". Dieses "Curry-Chicken" habe ich nie mehr vergessen, besonders die Schweißausbrüche danach (very hot!!!).

Die Reise in den Südwesten Englands ging weiter nach St. Mawes. Der Küstenort an der Mündung des Fal River wird häufig mit einem Hafen an der Riviera verglichen. Hier herrscht mildes Klima und es wachsen viele subtropische Pflanzen.

Zurück über Truro war das Ziel unserer Reise durch Cornwall danach der südlichste Punkt Englands.

 

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