Ein Frühlingstag in Canberra
Im September 2002 war ich als Berichterstatter für die Deutsche Schützenzeitung im australischen Canberra. Während der Feldbogen-Weltmeisterschaften nutzte ich die Gelegenheit, mir die Hauptstadt von "Down Under" zu Fuß anzusehen. Zugegeben eine mutige Entscheidung, denn die vor neunzig Jahren großzügig geplante Stadt ist alles andere auf eine Besichtigung zu Fuß ausgelegt. Angeboten werden Bustouren für das "City Sightseeing", doch ich glaube halt, das man mit den Füßen der Erde näher ist.
So konzentrierte ich mich auf die Gegend rund um Capital Hill mit dem Parliament House, dem Vernon Circle in der Innenstadt und Anzac-Road mit dem Australian War Memorial.
Begonnen habe ich meinen Fußmarsch vom London Circuit über die Brücke der Commonwealth Avenue, vorbei an der imposanten Fontäne des Captain Cook Memorial Water Jet.
|
|
|
Die riesige Wasserfontäne befördert gleichzeitig bis zu sieben Tonnen Wasser in fast 150 Meter Höhe und erinnert an den Entdecker James Cook, der auf seinen Fahrten im Jahr 1770 die australische Ostküste erkundete. Doch es zog mich weiter in Richtung des Capital Hill mit dem Parlamentsgebäude, das am 9. Mai 1988 von Königin Elizabeth II eröffnet wurde. Blickfang ist zunächst der 81 Meter hohe Fahnenmast aus Edelstahl auf dem Dach, bevor ich mich dem Gebäude annähere, das für die Besucher eine symbolische Reise durch die Geschichte Australiens bietet. Bemerkenswert ist auch, das Besucher auf den Grasrampen des Gebäudes nach Belieben umhergehen können.
|
|
|
Das Gebäude wurde fast ausschließlich unter Verwendung australischer Materialen gebaut und findet Anerkennung als Leistung von internationalem Rang durch die gelungene Integration von Kunst und Architektur. Das Foyer stellt eine Verbindung zur Ankunft der Europäer in Australien dar, dafür wurde Marmor und Holz verwendet. Besiedlung und Kultivierung des Landes sind das Thema im Großen Saal, der mit dem Wandteppich seinen Blickfang hat. Er zeigt einen Eukalyptuswald und ist mit seinen Maßen von 20 x 9 Meter einer der größten Wandteppiche der Welt.
|
|
|
Politische Debatten fanden bei meinem Besuch keine statt, so lauschten die vielen Schulklassen mit ihren einheitlichen Kleidungen ihren Lehrern, die in den leeren Plenarsälen des Repräsentantenhauses und des Senats ihren Schülern die Politik des Landes näher brachten.
|
|
|
Vom Parlamentsgebäude lief ich über die Kings Avenue zurück über den Lake Burley Griffin, vorbei am "National Carillon", einem 50 Meter hohen Turm mit 53 Bronze-Glocken, die auf dem Aspen Island viele verschiedene Musikstile dem Spaziergänger präsentieren. Wenige hundert Meter weiter komme ich zu "Blundell´s Farmhouse". Das kleine Haus am Wendouree Drive wurde um 1860 gebaut im Herzen des heutigen Canberra gebaut, als es die Stadt noch nicht gab. Von Blundell´s sind es nur noch wenige Schritte zur Anzac-Road, die an die vielen Auslandseinsätze der australischen Armee erinnert.
|
|
|
| Am Ende der Anzac-Road steht das
Australian War Memorial mit einer Vielzahl von Darstellungen aus dem
ersten und zweiten Weltkrieg. Einen großen Raum nimmt die Landung der
australischen Armee im Jahr 1915 auf der türkischen Halbinsel Gallipolli
ein.
Als europäischer Besucher fiel mir auf, das viele ältere Australier die Austellungen besuchten, aber auch eine Vielzahl von japanischen Schulklassen - die allerdings weniger interessiert wirkten und scheinbar eher auf modernes flippiges Aussehen Wert legten. |
|
Zugegeben, nach den vielen Kilometern zu Fuß war ich ziemlich platt an diesem Tag. Schließlich mußte ich noch zurücklaufen ins Stadtzentrum, um wieder mit dem Bus ins nördliche Lyneham zu meinem Hotel City Getaway zu kommen. Am vorletzten Tag meines einwöchigen Trips nach Australien mußte ich aber doch noch einmal in die Stadt zurück, einfach um Canberra am Abend zu erleben. Noch einmal ging ich an der Anzac-Road an den verschiedenen Denkmälern vorbei, von denen das Vietnam-Memorial eines der beeindruckenste ist. Australische Soldaten kämpften und starben auch im Vietnam-Krieg. Ganz anders ist der Eindruck am Lake Burley Griffin, der am Abend einen romantischen Eindruck hinterläßt - besonders bei Sonnenuntergang.
|
|
|
Ich denke, ich habe Ihnen einen kleinen Eindruck von Canberra gegeben - einer auf dem Reißbrett geplanten Stadt, als Hauptstadt eines Landes, in dem die Großstädte Sydney und Melbourne rivalisieren. Es ist eine junge Stadt mit seinen etwa 320.000 Einwohnern, die ihren Besuchern neben australischer Geschichte in Museen, Kunstgallerien bietet, aber auch sehr gute Einkaufs- und Sportmöglichkeiten. Bei meinem dritten Besuch in Australien habe ich mit Canberra meinen Eindruck von diesem faszinierenden Land einen weiteren Mosaikstein anfügen können.