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Jürgen Baumann

Im März 1992 habe ich Jürgen Baumann bei einem Luftgewehr-Aufstiegskampf in Groß-Gerau kennengelernt. Mit dem Odenwälder Team des KSG Hetschbach schaffte Baumann auf Anhieb den Aufstieg zur Gauliga Starkenburg. Mit seiner Leistung (389 Ringe) war er der überragende Aktive des Wettkampfes und das war der Grund für mein erstes Interview und die beiden folgenden Bilder:

Zu diesem Zeitpunkt gehörte Jürgen Baumann zur Armbrust-Nationalmannschaft in den Disziplinen 10 und 30 Meter. 16 Jahre vorher hatte der in Höchst wohnende Baumann mit dem Sportschießen begonnen und eine eindrucksvolle Erfolgsserie gestartet. Von 1980 bis 1991 gewann er in den Gewehr- und Armbrustdisziplinen allein 53 Mannschafts- und Einzeltitel. 1981 gelang der Sprung in die Junioren-Nationalmannschaft. Als 20-jähriger schaffte er 1984 nahtlos den Sprung in die Schützenklasse und wurde sofort für die Armbrust-Nationalmannschaft nominiert. MIt dem Standardgewehr gelang der erste Deutsche Meistertitel. Im österreichischen Rohrbach gelang der erste Karrierehöhepunkt mit dem Gewinn des Mannschafts-Weltmeistertitels im 30-Meter Wettbewerb. Ein Jahr später trat Baumann aus der Gewehr-Nationalmannschaft zurück und konzentrierte sich ausschließlich auf den Armbrustsport. 1988 gelang mit neuem Weltrekord der erste Einzel-Europameistertitel mit der 30-Meter Armbrust. Im französischen Bully de Mines gelang Jürgen Baumann ein weiterer Titelgewinn, bevor er eine Wettkampfpause bis 1991 einlegte.

Im Jahr 1992 konzentrierte er sich mit Trainingsseminaren verstärkt wieder auf das Luftgewehrschießen  und im Juli 1992 hatte ich Gelegenheit mit einer Reihe von Aktiven der PSG Groß-Gerau an einem Seminar in Höchst teilzunehmen.

Auszüge aus meinem Bericht vom 22. Juli 1992:

Für die Groß-Gerauer offenbarte er bereits bei der Bekleidung die ersten Überraschungen. Für den erfolgreichen Schützen ist es erforderlich, daß Unterkleidung, Hose, Schießjacke, Handschuhe und Schuhe eine Verbindung herstellen um eine Stabilisierung von Ober- und Unterkörper zu erreichen. Diese Grundstabilisierung ist Ausgangspunkt für den Anschlag des Gewehrs. Dabei zeigten alle Groß-Gerauer Schützen Schwachstellen, so daß sie jetzt in Zukunft durch eine Anschlagsänderung auf bessere Ringzahlen hoffen.

Baumann bezeichnete das Sportschießen als permanente Selbsterziehung mit konsequenter Trainingsarbeit beginnt. Bereits im Training ist es erforderlich, Streßsituationen zu erzeugen, um im Wettkampf nicht an der Angst vorm Versagen zu scheitern. Angst vorm Abziehen, Nervosität, unerklärliche Ausreißer, schlechte Schußpassagen und sogar Angst vor guten Ergebnissen sind Erscheinungen, die einSchütze während eines 40-Schuß-Wettkampfes durchlebt.

1993 wurde Jürgen Baumann Deutscher Meister in der noch jungen Disziplin "Feldarmbrust" - Grund genug, um einmal den herausragenden Sportschützen des Schützengaus Starkenburg in seinen Lieblingsdisziplinen zu fotografieren.

mit dem Luftgewehr

mit der 10-Meter Armbrust

mit der 30 Meter Armbrust

Die konstanten Topleistungen von Jürgen Baumann führten zur Wahl des Sportler des Jahres 1993, die von den Lesern der Hessischen Schützenzeitung durchgeführt wurde.

Ein Jahr später wurden Baumann´s Hoffnungen auf einen Feldarmbrust-Weltmeistertitel enttäuscht. In Wiesbaden war die deutsche Mannschaft mit dem Gewinn von fünf der vergebenen sieben Goldmedaillen unter 138 Aktiven aus 23 Nationen das überragende Team, doch die Herren wurden überraschend von Taiwan geschlagen. Alles andere als gut gelaunt wirkte Jürgen Baumann, der als Zehnter der Gesamtwertung das Finale der besten Acht verpaßt hatte.

Im Bild links - Jürgen Baumann während der Weltmeiterschaften in Wiesbaden

Dafür begeisterte Baumann bei den Starkenburger Meisterschaften auf der Standanlage in Groß-Gerau beim Wettbewerb mit dem Kleinkalibergewehr auf 100 Meter Entfernung und bei den Hessenmeisterschaften führte er sein Team aus Hetschbach zum Vizemeistertitel. In den Armbrust-Disziplinen schoß Jürgen Baumann auf 30-Meter Entfernung zusammen mit seinem Nationalmannschaftskameraden Gebhard Fürst für die SGi Stuttgart und gewann die Bronzemedaille bei den Deutschen Meisterschaften.

Im November 1994 gelang dem im Odenwalddorf Hummetroth lebenden Baumann das Kunststück, der dienstälteste Schütze im Armbrust-Nationalteam zu sein. Nach dem Qualifikationsschießen gehörte Baumann 14 Jahre dem Armbrust-Team an.

Öffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiger Bestandteil für Jürgen Baumann. Nach einem Auftritt im Sportjournal des Hessischen Fernsehens, folgten Interviews bei einer Sportgala zusammen mit Nationalmannschaftskollegen und eine Feldarmbrust-Demonstration mit anschließender Autogrammstunde in einer Groß-Gerauer Schule

"Unsere Schützen haben es geschafft, sich wirklich professionelle Geräte und Pfeile anzueignen. Mieser materialmäßige Vorsprung vor anderen Schützen fällt nicht vom Himme. Die untersuchen und messen ohne Ende - und das Ergebnis sieht man hier" Bundesreferent Edwin Hirte war begeistert von dem starken Auftritt der deutschen Feldarmbrustschützen bei den Europameisterschaften in Portugal. In Aldaia überragte Jürgen Baumann, der sich den Einzeltitel mit 1777 von 1800 Ringen nach 180 Pfeilen holte.

Im Jahr 1996 kündigten sich Jürgen Baumann´s Ambitionen mit dem Gewinn des Deutschen Meistertitels im Feldarmbrustschießen im westfälischen Ennigerloh an. Als Titelverteidiger lag der für Diana Ober-Roden startende Odenwälder am ersten Tag überraschend nur auf Rang sieben. Doch als amtierender Europameister zeigte er am frühen Morgen des zweiten Wettkampfstages wie man Rückstände wettmacht. Während der führende Jürgen Moch mit 259 von 300 möglichen Ringen einen Leistungseinbruch hatte, übernahm Jürgen Baumann mit 277 Ringen auf 65 Meter Entfernung die Führung und brachte bei strömenden Regen den Sieg ins Ziel. Der Sieg bedeutete gleichzeitig die Qualifikation zur Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Taiwan vom 7. bis 15. November 1996.

Baumann räumt ab

Für die taiwanesischen Medien schoß Baumann "in einer anderen Dimension" - so begann mein Bericht über die Weltmeisterschaften der Feldarmbrustschützen in Taiwan. Jürgen Baumann war der überragende Akteur mit dem Gewinn des Einzeltitels mit 29 Ringen Vorsprung und der Aufstellung von vier neuen Weltrekorden.

 

Saisonarbeiter mit professioneller Einstellung  Nach dem Gewinn des Weltmeistertitels in Taiwan zeigte der Fernsehsender SAT 1 großes Interesse an Jürgen Baumann. Bei der Produktion des Fernsehbeitrages war ich zu Gast bei SAT 1-Redakteur mit seinem Kamerateam, der den Höchster beim Training begleitete. Das Geheimnis seines Erfolgs stand dabei im Mittelpunkt des Interesses für den Regional-Report. "Gewinnen ist normal", erzählte der damals 32-jährige Jürgen Baumann, "ich habe zwar eine professionelle Einstellung .... bezeichne mich aber als Saisonarbeiter in meinem Sport. Das heißt ich setze mir im Jahr maximal drei Schießsporthöhepunkte" Durch seine berufliche Selbständigkeit kommt es oft vor, dass Baumann morgens von fünf oder sechs bis neun Uhr oder in der Mittagspause trainiert, manchmal sogar Nachts um ein Uhr wenn die Scheibe mit den Autoscheinwerfern beleuchtet wird.

Die Geschichte um Jürgen Baumann wird fortgesetzt