Impressum

Von der Ardeche zum toten Wasser

Während der Weltmeisterschaften im Hallenbogenschießen vom 6. bis 9. März 2003 im französischen Nimes habe ich zusammen mit Rolf einige kleine Abstecher gemacht. Gleich zu Beginn unserer viertägigen Reise überzeugte mich Rolf von der Ardeche-Schlucht, die zu der Region Rhone-Alpes gehört.

Zwischen dem Vallon-Pont-d´Arc und Saint-Martin-d´Ardeche erlebten wir auf 35 Kilometer einer der großen südfranzösischen Canyons. Im März schien es tatsächlich so, als würde es sich um eine noch weitgehend unberührte Landschaft handeln, die von den bis zu 300 Meter hohen Kalkfelsen bestimmt wird.

Die Ardeche-Schluchtenstraße verläuft 32 Kilometer lang oberhalb der Ardeche-Schlucht und bietet uns von vielen Aussichtspunkten ein majestätisches Naturschauspiel.

Während der Stunden, die wir an der Ardeche verbrachten, war nichts davon zu spüren, dass sich dieser träge dahinschleichende Fluss unversehens in einen reißenden Strom verwandeln kann. Besonders die Hochwasser am Ende des Sommer sind berüchtigt. Aber auch der Tourismus bestimmt in den Sommermonaten das Geschehen. Haben wir im März nur hier und da ein Kanu gesehen, schaukeln dann bis zu 3000 Boote auf dem Fluss. Nix mehr da, vom "grünen Tourismus".

Am Ende der Ardeche-Schlucht in Saint-Martin meinte es das Wetter besonders gut mit uns. Strahlend blauer Himmel lud uns ein zu neuen Taten, die uns mit dem letzten Tageslicht noch zum - nach Versailles und dem Eiffelturm - meistbesichtigten Baudenkmal Frankreichs führte:

Dem "Pont Du Gard" über den Henry James im Jahr 1877 schrieb:

"Seine Schönheit rührt daher, daß er nicht des Vergnügens willen, sondern der Nützlichkeit wegen gebaut wurde"

"Pont" heißt zwar Brücke, aber es handelt sich eigentlich um einen Aquädukt - eine mehrgeschossige Bogenbrücke mit Wasserleitung, die vor rund 2000 Jahren von den Römern zur Wasserversorgung von Nimes gebaut wurde. Nach über 800 Jahre intensiver Nutzung hatte das Aquädukt seine ursprüngliche Bestimmung eingebüßt und wurde im frühen Mittelalter ein Kunstwerk. Diese vollkommene Steinmetzarbeit hat 2000 Jahre fast unbeschadet überstanden.

Vom Pont Du Gard erreichten wir am Abend das "französische Rom", die Stadt Nimes mit seinem für die Ewigkeit gebauten Amphitheater "Arénes" in dem einst Gladiatorenkämpfe ausgetragen wurden. In der Römerzeit war die Arena ein riesiges Freiluftstadion für 24.000 Zuschauer, in dem auch Wagen- und Pferderennen stattfanden. An Cäsar und Kleopatra erinnert der wunderschöne kleine Marktplatz "Place du Marché".

Einer der am besten erhaltenen römische Tempel ist das "Maison carrée" in Nimes. Er wurde in den Jahren 3 bis 5 nach Christus erbaut und folgte dem Vorbild des Apollotempels in Rom. Ob Wohnhaus, Konsulat, Versammlungsgebäude für Richter oder auch als Pferdestall und schließlich zur Augustinerkirche, der Tempel hat eine seltsame Geschichte hinter sich.

In den Jahren 16/15 vor Christus erhielt Nimes als Geschenk des Kaisers Augustus eine sieben Kilometer lange Stadtmauer mit etwa 80 Türmen und zehn Toren. Zu den größten Türmen gehört der "Tour Magne", der den Gipfel des Mont Cavalier krönt. Auf dem heute noch 32,70 Meter hohen Turm hat man einen unvergleichlichen Panoramablick auf die Stadt und deren Umgebung.
Beim Bummel durch die Altstadt fasziniert das Spiel von Sonne und Schatten, aber auch die Kathedrale "Notre-Dame-et-Saint-Castor. Diese romanische Kirche wurde mehrfach zerstört und wieder aufgebaut

An einem Morgen durch die Camarque - nicht möglich, doch: Für Rolf und mich schon. Im März war nicht viel los, doch der Abstecher lohnte sich mit dem Besuch von Aigues-Mortes. "Tote Wasser" wurde diese strategisch motivierte Stadtgründung genannt, in der einst die Kruzüge begannen. Sehenswert ist heute die Festungsanlage mit 15 Türmen, zehn Toren und schachbrettartig angelegten Straßen. Der "Constance"- Turm und die 1.634 Meter lange und elf Meter hohe Stadtmauer sind noch gut erhalten und schön anzusehen.

Das war ein kurzer Ausflug nach Südfrankreich, der Lust auf mehr gemacht hat....

zurück zu Weltreisen