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Einfach vierzig Zehner geschossen

Bericht vom Bundesligafinale der Luftgewehrschützen in Affalterbach

Ausschnitte aus meinen Berichten für die Deutsche Schützenzeitung

 

Die Viertelfinalbegegnungen mit dem Luftgewehr

HSG München - SG Dietzenbach 4:1

Nach 28 Minuten bringt Ferdinand Stipberger München mit 1:0 in Führung. "Das es so schwer wird, haben wir nicht gedacht", so der 29-jährige Nationalschütze nach dem umkämpften Erfolg gegen den Nord-Vierten, "es war brutal hart". Nach der Führung durch Stipberger (395:389 gegen Harbach) erhöhte Sonja Pfeilschifter auf 2:0. In nur 36 Minuten hatte die amtierende Europameisterin optimale 400 Ringe erzielt. Nach dem letzten Schuss riss die 31-jährige die Faust in die Höhe: "400 Ringe kann man nicht erwarten, ich habe einfach vierzig Zehner geschossen", so Pfeilschifter kurz nach dem einseitigen Match gegen Nadine Kraska. Im Vorjahr hatte sich an gleicher Stelle nur enttäuschende 388 Ringe erzielt und war mit dem HSG-Team chancenlos mit 0:5 gegen Buer-Bülse ausgeschieden. "Meine Leistung heute hat mit dem Vorjahr nichts mehr zu tun".

Nach dem 2:0 geriet die Münchner ins Wackeln. Nach der Hälfte der 40-Schuss-Serien gingen die Dietzenbacher sogar 3:2 in Führung. Wolfgang Heimann hoffte besonders auf Mathias Fieberling, der auf Position zwei zunächst gegen Thomas Farnik mit zwei Ringen führte. Carmen Keime lag gegen Barbara Biller vorn und Daniela

Althoff hatte auf Position fünf Michael Winter im Griff. Als zwölf Minuten vor Schluß die drei Dietzenbacher noch jeweils einen Schuss hatten, fiel die Entscheidung innerhalb von Sekunden gegen die Hessen. Carmen Keime gab ihre Führung mit einer abschließenden 9,9 ab und Mathias Fieberling verlor seinen Vorsprung gegen Farnik. Mit 394:393 gewann der Österreicher den dritten Punkt für München, bevor Daniela Althoff mit 385:384 Ringen auf 1:3 verkürzte. Schließlich besorgte im abschließenden Shoot-Off Barbara Biller gegen Carmen Keime mit 10:9 noch den vierten HSG-Punkt.

Germania Prittlbach - ABC Münster 2:3

Karin Schade begann ihren Wettkampf mit zwei Neuner, doch dann war die 22-jährige im Team von ABC Münster nicht mehr zu stoppen. Nach 26 Minuten war der Österreicher Wolfram Waibel geschlagen und Münster führte 1:0. Vier Minuten später erhöhte Dick Boschmann auf 2:0 und der Holländer ging als letzter ABC-Schütze aus dem Stand: "Schnell vorlegen, das ist unsere Taktik", so der 27-jährige Boschmann. Der amtierende Europameister freute sich über glänzende 398 Ringe, gegen die Petra Horneber auf Position eins für Prittlbach schon nach der Hälfte ihrer Serie keine Chance mehr hatte. "Die 400 Ringe von Sonja haben mich motiviert", so der Europameister. Schnell vorgelegt hatte auch Ursula Tillner, doch die 28-jährige Mutter wurde von Prittlbachs Claudia Keck gestoppt. Mit 391:389 Ringen verkürzte sich für Prittlbach auf 1:2.

Jetzt ruhten alle Blicke auf Bettina Knells. Die Bundesligarekordlerin hatte die Vorgabe von Martina Prekel (395 Ringe in 27 Minuten) zu knacken. Als Prekel vom Stand ging, hatte Bettina Knells noch 14 Schüsse zu absolvieren und durfte sich nur noch eine Neun leisten, um ein Shoot-Off zu vermeiden. Die Neun kam schnell, doch danach zeigte sich die 30-jährige Olympiateilnehmerin von 1996 voll konzentriert. "Mein Herz, mein Herz", zitterte Martina Prekel um ihren Sieg, als Bettina Knells Zehn auf Zehn schoss, "ich habe geglaubt, ich muss ins Stechen". Das diese Nervenprobe der amtierenden Kleinkaliber-Vizeeuropameisterin zu diesem Zeitpunkt erspart blieb, dafür sorgte eine 9,9 mit dem letzten Schuss der Prittlbacherin.

SV Affalterbach - BSV Buer-Bülse 2:3

Ein begeistertes Publikum in der vollbesetzten AMG-Halle und ein reges Medieninteresse bildeten den Rahmen der letzten Viertelfinalbegegnung, in dem die Gastgeber vom SV Affalterbach auf die Favoriten aus Buer-Bülse trafen. Die Anfeuerung der einheimischen Fans verstummten bald, denn nach 15 Minuten führte das Team aus Gelsenkirchen mit 4:1.

Stimmgewaltig präsentierten sich die BSV-Fans: "Steht auf wenn ihr Bülser seit", skandierten die vielen Bülse-Anhänger, die allesamt mit ihren neuen Schals in der Halle erschienen waren. Mittendrin im Fanblock feuerte BSV-Vorsitzender Klaus Lindner sein Team mit an, sah aber eine aufholende Mannschaft aus Affalterbach, die nach 25 Minuten den 2:2 Ausgleich schaffte. Eine unerwartete Schlappe zeichnete sich auf Position eins für Buer-Bülse ab. Jozef Gönci begann mit ungewohnt mäßigen 97 Ringen bei den ersten Schüssen und diese Schwäche des Slowaken nutzte Angela Kugele. Die 20-jährige Junioren-Europameisterin legte in 28 Minuten 396 Ringe vor und Gönci blieben noch 16 Schüsse, die allesamt Zehner sein mußten. Seine Weltklasse ließ Jozef Gönci in dieser schwierigen Situation aufblitzen und schoss konzentriert Zehn auf Zehn. Die Aufholjagd endete mit dem 38. Schuss, als er mit einer 9,8 die Begegnung verloren geben mußten. Doch zu diesem Zeitpunkt hatten seine BSV-Mannschaftskameraden die Begegnung schon für Buer-Bülse entschieden.

Die Halbfinalbegegnungen mit dem Luftgewehr

HSG München - ABC Münster 2:3

"Das ist eine überfallartige Attacke von ABC Münster", staunend kommentierte Moderator Helmut Hoffmann den Blitzstart der Westfalen gegen die HSG München. Nach einer halben Stunde Schießzeit standen nur noch die beiden Münchner Sonja Pfeilschifter und Thomas Farnik im Stand, doch die Entscheidung war bereits gefallen. Das ABC-Feuerwerk eröffnete Martina Prekel, die in nur zwanzig Minuten 396 Ringe erzielte und Ferdinand Stipberger nach 25 Schüssen geschlagen im Stand stehen ließ. Eine Minute nach Prekel verließ Karsten Rohweder den Stand, doch in seiner ersten Bundesligasaison konnte er gegen Barbara Biller nicht genügend Ringe vorlegen. Die Münchnerin glich mit 395:391 zum 1:1 aus. Nur 22 Minuten benötigte Ursula Tillner auf Position fünf für ABC Münster um 393 Ringe zu erzielen und die reichten, um das 2:1 gegen Michael Winter zu sichern.

Drei Minuten später standen die Westfalen wie im Vorjahr im Finale, denn Karin Schade konnte nach 25 Minuten mit 396 Ringen von Thomas Farnik nicht mehr eingeholt werden. Die Entscheidung war gefallen, doch das hochklassige Spitzenduell auf Position eins zwischen Sonja Pfeilschifter und Dick Boschmann stand im Blickpunkt der begeisterten Zuschauer. Nach ihrer optimalen Auftaktleistung gegen Dietzenbach schien Sonja Pfeilschifter eine weitere 400er Serie folgen zu lassen. Nur 18 Schüsse lang konnte der Holländer mit der überragenden deutschen Schützin mithalten, dann unterlief ihm die erste Neun. "Ich habe schon bei der Probe beobachtet, dass sie schnell schießt", beschrieb Boschmann das hochklassige Duell und der Holländer konnte entgegen seiner Gewohnheit nicht vorlegen. "Ich habe gekämpft, meinen Rhythmus geändert", Boschmann konnte Sonja Pfeilschifter nicht beeindrucken. "Das war der schönste Wettkampf, Sonja ist einfach die beste Schützin der Welt". Erst im vorletzten Schuss unterlief ihr eine 9,8, so dass der Holländer noch einmal hoffen konnte, doch die Deutsche brachte ihren 399:398 Erfolg ins Ziel.

Für Boschmann war die Niederlage kein Grund zum trauern: "Ich bin stolz auf die Mannschaft, allein schaffst Du es halt nicht".

Der Bund München - BSV Buer-Bülse 2:3

"Ein westfälisches Finale wäre schön, doch der Bund als Gegner wäre mir lieber", ahnungsvoll blickte Münster´s Vereinschef Manfred Prekel nach dem erneuten Finaleinzug des ABC-Teams auf die zweite Halbfinalbegegnung. Die Ausgeglichenheit beider Mannschaften verdeutlichten die Zwischenstände. Nach zehn Minuten stand es noch 1:1, 15 Minuten später führte Buer-Bülse mit 3:2 und wenig später wechselte die 3:2 Führung nach München. Den ersten Punkt für den Bund hatte Norbert Ettner erkämpft. "Er ist der schnellste Schütze der Bundesliga", hatte Moderator Helmut Hoffmann angekündigt und der 24-jährige Olympiateilnehmer von 2000 rechtfertigte seinen Ruf. In nur 22 Minuten hatte Etner das Duell gegen Alexandra Schneider mit 396:391 Ringen für sich entschieden. Buer-Bülse konterte auf Position fünf durch Nadine Masuth, die mit 392:388 gegen Johann Riederer ausglich. Die 2:1 Führung für die Westfalen besorgte der wiedererstarkte Jozef Gönci. Nach seiner unerwarteten Auftaktniederlage zeigte sich der Slowake gegen die kampfstarke Rebecca Frank erheblich verbessert und punktete nach einer halben Stunde mit 398:396 Ringen. Die Bund-Spitzenschützin gab sich erst durch eine knappe 9,9 im 34. Schuss geschlagen. Auf verlorenen Posten stand für Bülse´s Schießsportidol Maik Eckhardt. Der Olympiavierte von Sydney hatte gegen den glänzend aufgelegten Frank Dobler (395) keine Siegchance. Die entscheidende Begegnung um den Finaleinzug entwickelte sich auf Position drei. Joachim Vogl hatte in knapp einer halben Stunde gegen Torsten Krebs für den Bund München 392 Ringe vorgelegt, haderte aber mit einer knappen 9,9 beim letzten Schuss. Torsten Krebs hatte zu diesem Zeitpunkt noch sechs Schüsse zu absolvieren: "Immer wieder der gelbe Punkt (Anmerkung: zeigt im Monitor dem Schützen die Führung an), ich habe Zehn auf Zehn geschossen und plötzlich war er wieder weg", erzählte Krebs über den spannenden Zweikampf, "Vogl hat schnell geschossen, da konnte ich nicht mithalten". Der Weltschütze des Jahres 1995 zeigte seine ganze Routine und wartete das Ergebnis seines Gegners ab: "Danach habe ich meinen Rhythmus geschossen und ich wußte, was ich zu schießen habe". Die Taktik von Torsten Krebs ging auf und mit 394:392 Ringen holte er den entscheidenden dritten Punkt: "Die Vorrunde der Bundesliga war schon aufregend, doch das Finale ist noch eine Klasse besser", freute sich Krebs über seinen erfolgreichen Wechsel aus der zweiten Liga zum Bundesligisten Buer-Bülse.

Die letzten Schützen des Luftgewehrfinals stehen im Schießstand - wer von den drei Aktiven des BSV Buer-Bülse den entscheidenden Schuss abgab, lesen Sie auf der Internet-Seite des

Deutschen Schützenbundes

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