Impressum

Holländer verhindert das Wunder von Winsen

4. Wettkampftag der Luftgewehr-Bundesliga Nord in Winsen an der Aller

Ausschnitte aus  meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

Vor dem vierten Wettkampftag der Luftgewehr-Bundesliga Nord stand nur eines fest - der BSV Buer-Bülse ist im neunten Ligajahr zum sechstenmal Meister im Norden. Hinter dem amtierenden Bundesligameister in der Sporthalle am Friedhofsweg in Winsen an der Aller entwickelten die übrigen Vereine Rechenspiele um die Platzierungen für die Finalteilnahme und dem Kampf um den Klassenerhalt. Für Spannung war gesorgt und das lockte über 400 Zuschauer an, die eine lebhafte Kulisse für ein tolles Saisonfinale im Norden bildeten. Mit Philipp Bernhard und Heini Wussow hatte der SV Wolthausen als Ausrichter zwei Moderatoren gewonnen, die das Geschehen zwischen den beiden Standanlagen schwungvoll kommentierten und erheblichen Anteil an der Stimmung auf den Rängen hatten.

Zu den Vereinen der ersten Stunde in der Bundesliga gehört die SG Hamm, dessen Team sich noch geringe Chancen auf die Teilnahme am Finale ausrechnen konnte. Doch dazu benötigte das Team von Trainer Rudolf Jendrejewski einen glatten Erfolg über Wetzdorf-Rockau. Doch die Ausgangsposition für die Westfalen war durch das Fehlen von Laurence Brize denkbar ungünstig.

Jendrejewski wechselte für die Französin den jungen Alexander Klitzsch ein, der bisher nur im Oberligateam eingesetzt wurde. "Damit steht erstmals ein Hammer Eigengewächs auf Position eins in der ersten Liga", gewann Sportleiter Guido Gentek dem Wechsel einen positiven Gedanken ab, "In den nächsten Jahren werden uns die Nachwuchstalente nach vorn bringen und die stehen bereit." Für die erste Liga war Alexander Klitsch noch überfordert und eine 94er Auftaktserie besiegelte früh seine Niederlage. Thomas Hoche absolvierte in nur 25 Minuten seine Serie und brachte mit 394 Ringen Wetzdorf-Rockau in Front.

Hamm´s Hoffnungen wurden genährt durch den 1:1 Ausgleich von Anja Duczek, die auf Position fünf ihre beste Saisonleistung zeigte und mit 392:384 Ringen klar gegen Mirko Dierschke gewann. Wenig später besorgte Rolf Söthe mit 390:385 Ringen gegen Manuela Felix das 2:1 für Hamm. Den dritten Punkt zum Sieg hatte Christian Middrup im Visier, die gegen die schwächste Saisonleistung von Tino Mohaupt gut mithielt. Als der Thüringer beim 37. und 38. Schuss knapp die Zehn verfehlte, hatte Middrup die Chance zur Führung, doch ihr glückte nur eine 9,8. Tino Mohaupt behielt die Nerven und glich mit zwei Zehner zum Abschluss mit 388:387 Ringen zum 2:2 aus. Dem Siegpunkt konnte Wetzdorf-Rockau´s Trainer Michael Weingärtner gelassen entgegen sehen. Für Hamm hatte Melanie Kunz gegen David Kroll schnell 391 Ringe vorgelegt, doch der 18-jährige schoss unbeeindruckt 24 Zehner in Folge.

Mit 396:391 Ringen gewann Kroll den entscheidenden Punkt und ließ sich von seinen Teamkameraden umjubeln. "Im Juniorenbereich ist er in Deutschland derzeit das Maß der Dinge", freute sich Trainer Michael Weingärtner über Kroll´s Leistung, "seine Stärken sind Geduld und Ehrgeiz. Zudem hat im die Medaille bei den Europameisterschaften Auftrieb gegeben." Nach dem Wiederaufstieg vor drei Jahren hatte Weingärtner den Klassenerhalt als Saisonziel ausgegeben: "Jetzt haben wir zum zweitenmal das Finale erreicht." Als entscheidende Verstärkung wirkte sich für Wetzdorf-Rockau die Rückkehr von Tino Mohaupt aus.

Der 22-jährige fügte sich mit einem Durchschnitt von 391,4 Ringen nahtlos ins Team der Ostthüringer ein. "Bei uns fühlt er sich wohl und durch regelmäßiges Training hat er sich stabilisiert", erklärte Michael Weingärtner, der seit einem halben Jahr als Thüringer Landestrainer im Gewehrbereich wieder regelmäßig mit dem Suhler trainiert. Beeindruckt von Mohaupt´s Leistung zeigte sich Uwe Linn. "Tino zeigt bei Wetzdorf das, was wir von ihm erwartet haben, er ist sicher eines der größten Talente", so der Trainer von Meister BSV Buer-Bülse, der in dem Thüringer Team eine starke Konkurrenz sieht. "Noch eine gute Verstärkung, dann ist das die Mannschaft der Zukunft."

Während die Thüringer Anhänger mit ihrer Mannschaft feierten, suchten die Verantwortlichen der SG Hamm Gründe über das schlechteste Abschneiden in neun Bundesligajahren. Vereinschef Wolfgang Tönjann sieht die Schwächung durch den Ausfall von Valerie Bellenoue: "Sie war eine Nummer eins, die 95 Prozent ihrer Punkte geholt hat." Für Sportleiter Guido Gentek war "der Klassenerhalt schwieriger, als wir gedacht haben. Wir haben unsere Punkte nur gegen Mannschaften geholt, die in der Tabelle oben stehen." Trainer Jendrejewski trauerte dem im Vorjahr abgestiegenen SV Deiringsen nach: "Gegen die haben wir nie verloren und immer gepunktet."

Die erwartet einseitige Begegnung entwickelte sich zwischen Meister Buer-Bülse und der SSG Bramgau und nach 15 Minuten führten die Favoriten aus Gelsenkirchen schon mit 5:0. "Wir brauchen einen Punkt, um zumindest die Relegation sicher zu haben", hatte Bramgau´s Trainer Peter Ilic ausgerechnet, doch seine Schützlinge schienen in allen Begegnungen chancenlos. Nach einer halben Stunde besorgte Alexandra Christ das 1:0 für Buer-Bülse mit 396:392 Ringen über Pamela Ilic. Danach folgten die Siege von Jozef Gönci mit 395:389 gegen Ulrike Budde, dem erstmals eingesetzten Sebastian Höfs mit 386:379 Ringen gegen Vera Arping und das 4:0 durch Dorothee Bauer mit 393:386 Ringen gegen Caroline Oehns.

Einzig Peter Hellenbrand lehnte sich im Zweikampf mit Torsten Krebs gegen die Niederlage auf. Die Nummer drei des Meisters hatte schon lange die Zuschauerrolle übernommen und beobachte den Holländer beim Versuch die Vorgabe von 395 Ringen auszugleichen. Nach 30 Schüssen hatte der 20-jährige schon fünf "Miese" auf seinem Konto, doch mit einer 100er Schlußserie schaffte er den nicht mehr geglaubten Ausgleich. Beflügelt von dieser Aufholjagd ließ er Torsten Krebs im Shoot-Off mit 10:9 keine Chance und hatte damit den Punkt gewonnen, der im weiteren Verlauf des Abends "das Wunder von Winsen" verhinderte. Für Bramgau´s Trainer Ilic hatte der Ersatz für den Dänen Peter Thuesen die Hoffnungen erfüllt, haderte aber mit dem Ergebnis: "Mit unseren Ringzahlen hätten wir gegen jede Mannschaft im Norden gewinnen können, nur gegen Bülse nicht."

Der Meister hatte verlustpunktfrei die Saison im Norden beendet, doch Trainer Uwe Linn wirkte alles andere als zufrieden. "Soviel Stechen wie in diesem Jahr hatten wir noch nie", relativierte er die sieben Saisonsiege. "Souverän ist was anderes, in dieser Saison fehlen und zwei oder drei 398er Ergebnisse. Wir haben nicht das Leistungsniveau wie im Vorjahr." Uwe Linn führt die schwächere Vorstellung seiner Mannschaft auf den Ausfall der schwangeren Nadine Masuth zurück. "Sie hat durch ihre Schnelligkeit dem Team immer Sicherheit gegeben." Linn sieht aber auch, "das die Anderen näher gerückt sind. Wenn es dumm läuft, sind wir im Finale gleich raus."

Vor dem drohenden dritten Abstieg seit dem ersten Aufstieg im Jahr 1999 hat beim SV Wolthausen Trainer Uwe Schrader seinen Rücktritt angekündigt. "Ich habe hier 21 Jahre erfolgreich gearbeitet, doch jetzt erreiche ich die Mannschaft nicht mehr." Für den langjährigen Trainer der Niedersachsen übernahm Co-Trainer Sven von der Osten Fabeck gegen die SG Dietzenbach die Verantwortung für das Team und präsentierte dem begeisterten Publikum eine motivierte Mannschaft, die sich vorgenommen hatte, "das Wunder von Winsen" noch zu schaffen. Durch die 1:4 Niederlage von Bramgau musste Wolthausen gegen die Südhessen 5:0 gewinnen und hätten dann die Relegation erreicht. Dem motivierten Gegner und der lautstarken Unterstützung durch Rekordkulisse in der Sporthalle hatten die Dietzenbacher in der Anfangsphase nichts entgegen zu setzen. "Die Mannschaft weiß, dass es um nichts mehr geht", haderte Vereinchef Wolfgang Heimann mit dem schwachen Beginn seines Teams. Durch den Sieg von Wetzdorf-Rockau waren die vier Finalplätze vergeben und durch die Niederlagen von Bramgau und Hamm hatten die Dietzenbacher den fünften Tabellenrang sicher. Nach einer Viertelstunde führte Wolthausen zwischenzeitlich mit 4:0 und die Hoffnungen der Fans stiegen. Nach knapp einer halben Stunde fanden die Dietzenbacher ihre gewohnte Form und das Match drehte zur 3:2 Führung der Südhessen. Immer wieder holte Sven von der Osten-Fabeck seine nervösen Schützlinge von der Schießlinie und seine engagierte Arbeit zeigte Wirkung. Marion Müller besorgte das 1:0 mit 390:389 Ringen gegen Daniela Althoff und Christian Stautmeister hatte keine Probleme zum 2:0.

Auf Position eins kämpfte Dietzenbach´s Louise Minett mit Rückenschmerzen und hatte mit 377:390 Ringen gegen den Junioren-Europameister keine Siegchance. Doch jetzt zeigte sich, dass der glückliche Punktgewinn des Holländers Hellenbrand gegen Bülse´s Torsten Krebs entscheidend im Abstiegskampf sein sollte. Als Mathias Fieberling auf 1:2 für Dietzenbach verkürzte stand der dritte Abstieg von Wolthausen fest. Birthe Jakob hatte nicht an ihre zuletzt guten Leistungen anknüpfen können und verfehlte mit 388 Ringen die Vorgabe von Fieberling um zwei Ringe.

Nervenstärke bewiesen dafür Ina Gümmer und Carmen Hafner, die die Vorgaben ihrer Dietzenbacher Gegner in der Schlußphase noch ausglichen und im Shoot-Off jeweils mit 10:9 den 4:1 Endstand für Wolthausen herstellten. Während die Aktiven und Verantwortlichen bei Wolthausen der Chance auf den Klassenerhalt nachtrauerten feierten die Fans die couragierte Leistung ihres Teams. "Wir kommen wieder", skandierten sie unter Trommelwirbel und Vereinschef Wilfried Knoob wirkte gerührt: "Diese Mannschaft muss zusammen bleiben und mit der Unterstützung kommen wir zurück." Zum drittenmal war Knobb gescheitert, den SV Wolthausen als feste Größe in der ersten Liga zu etablieren: "Wir haben die stärksten Niedersachsen zusammen, einen Boschman oder Gönci können wir uns aber nicht leisten." Knoob führt den erneuten Abstieg darauf zurück, "das wir mental nicht die geforderten Leistungen bringen konnten."

Zeitgleich mit dem Sieg der Gastgeber geriet der Kampf um den zweiten Tabellenplatz zwischen ABC Münster und Hubertus Elsen in den Hintergrund. Besonders durch die lautstarken Anhänger aus Elsen erregte das Match Aufmerksamkeit, das mit einem sicheren 3:2 für das Hubertus-Team endete. Zunächst stand auf ABC-Seite Dick Boschman im Blickpunkt. Der frischgebackene Vater präsentierte sich in Topform, obwohl er alles andere als ausgeschlafen war. "Ich habe die Nacht nicht geschlafen", erzählte er über seine väterlichen Erfahrungen mit Sohn Tim. Nur einmal, beim 17. Schuss mit einer 9,7, traf der Holländer nicht die Zehn und erzielte damit gegen den tapfer kämpfenden Damian Kontny mit 399:396 Ringen das 1:0 für Münster. Doch Vorjahresvizemeister Elsen verteidigte seinen zweiten Tabellenplatz durch Siege von Andre Knop (391:390 gegen Christine Zimmermann), Dirk Leiwen (390:388 gegen Ursula Tillner) und Gaby Bühlmann, die gegen Karsten Rohweder glatt mit 389:380 Ringen gewann. Eine beherzte Schlußphase von Christina Rommel stellte mit 394:392 gegen Eva Schmitz den 2:3 Endstand her. Trotz der Niederlage steht das Allgemeine Bürgerschützen Corps aus Münster zum achtenmal in neun Bundesligajahren im Finale.

zurück zu Aktuelles