Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Das Konzept der Weltcupserie bei den Bogenschützen setzt auf spektakuläre Austragungsorte, um das olympische Fitaschießen attraktiver zu machen. Nach dem Auftakt in Korea traf sich die Weltcupkarawane mit 289 Aktiven vom 30. April bis 5. Mai 2007 im norditalienischen Varese. Auf der Pferderennbahn, dem Hippodrom „Le Bettole“, hatten die italienischen Gastgeber im Herzen der schönen Stadt in der Lombardei ein scheinbar optimalen Wettkampfort vorbereitet. Zudem feierte Lokalmatator Michele Frangilli am 1. Mai seinen 31. Geburtstag. Doch dann kam alles anders. Ein Tiefdruckgebiet brachte Dauerregen und einen Temperatursturz, von dem alle Aktiven überrascht wurden.
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„Der Platz ist abgesoffen“, fasste Bundestrainer Martin Frederick die Situation am ersten Wettkampftag zusammen, „die Verantwortlichen hätten vorher sehen können, was passiert, wenn es hier regnet.“ Von Sonne und hohen Temperaturen verwöhnt, mussten sich die Aktiven der Situation anpassen und die Improvisation trieb ihre Blüten. „Der Boden ist uns unter den Füßen weggeschwommen.“ Gummistiefel und Regenschirme hatten Hochkonjunktur und der Dauerregen zwang die Veranstalter dazu, das Fita-Wettkampfprogramm teilweise zu verkürzen. Hatten die Männer noch die 144-Pfeile-Runde auf 90,70, 50 und 30 Meter absolviert, so reichte es bei den Frauen nur noch zu einem 72-Pfeile-Programm auf 70 Meter.
„Die Mannschaft hat sich nicht beschwert und gekämpft“, so war Martin Frederick mit der Einstellung seines achtköpfigen Recurveteams zufrieden. „Jeder hat streckenweise etwas gezeigt.“ Nach vier Wettkampftagen war es aus deutscher Sicht aber eine erfolglose Schlammschlacht, denn mit dem Recurvebogen schaffte es kein DSB-Schütze unter die besten 16, um Weltcuppunkte zu gewinnen.
Bei den Männern hielt Hallenweltmeister Sebastian Rohrberg im Feld der Weltelite gut mit. Der Norddeutsche hatte im Vorjahr als einziger DSB-Schütze im Weltcup gepunktet. Der 28-jährige ging zunächst sogar in kurzen Hosen an die Schießlinie und schien wind- und regenerfahren der Natur zu trotzen. Doch in der Qualifikationsrunde tat sich Rohrberg auf die längeren Distanzen schwer und schloss erst auf den Runden über 50 und 30 Meter zu den Führenden auf. Es schien zu diesem Zeitpunkt eine italienische Meisterschaft mit internationaler Beteiligung zu werden. Mit Olympiasieger Marco Galiazzo, den mehrfachen Weltmeistern Michele Frangilli und Ilario Di Buo sowie Mauro Nespoli als Führenden brachten die Italiener gleich vier Aktive unter die besten Sechs der 103 Starter nach 144 Vorkampfpfeilen.
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Von Rang 39 aus traf Sebastian Rohrberg in der ersten Finalrunde auf den Chinesen Hao Jiang. Gegen den 26. der Vorrunde bestand Rohrberg seine Aufgabe mit 109:105 Ringen Doch die deutschen Hoffnungen beendete in der nächsten Runde Romain Girouille. Der Franzose wurde seiner Favoritenrolle als Siebter der Vorrunde mit 116:110 Ringen gerecht. In keiner Phase des 12-Pfeile-Duells hatte der Deutsche eine Siegchance. Robert Hesse, erstmals als verantwortlicher Assistenztrainer im DSB-Team dabei, diskutierte anschließend die Schwächen. „Im Wettkampf hat er Elemente vernachlässigt“, hat Hesse beobachtet, „nach gutem Beginn kamen dadurch zwei Achter und die waren entscheidend.“
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Mit Rang 19 erfüllte Sebastian Rohrberg aber das Minimalziel von Bundestrainer Martin Frederick. „Im Einzel unter die Top 20. Für uns ist hier der Einstieg ins WM-Jahr und wollen uns zunächst international reinschießen.“ Neben Rohrberg schaffte nur Florian Floto die Qualifikation für die Finalrunde der besten 64. Der Querumer hatte allerdings mit Rang 53 der Vorrunde eine denkbar schlechte Ausgangsposition und verlor die erste Finalrunde gegen den Italiener Amedeo Tonelli mit 107:114 Ringen. Auf den Vorrundenplätzen 71 und 72 hatten Christian Weiss und Jan Christopher Ginzel die Finalrunde knapp um sechs beziehungsweise zehn Ringe verpasst. „Für Floto und Weiss ist es das erste Jahr in der Männerklasse“, meinte Frederick, „Jetzt sehen sie, was zu tun ist.“ Sein Geburtstagsgeschenk machte sich Michele Frangilli dann selbst. Der Italiener gewann den Weltcup auf heimischen Boden im Finale gegen den Balijinima Tsyrempilov mit 109:107 und verbesserte sich in der Gesamtwertung auf den zweiten Platz hinter den Russen. Nicht am Start waren die beim Weltcupauftakt siegreichen Cheng Pang Wang und Cheng Wie Kuo aus Taiwan und die Koreaner brachten ebenfalls kein Männerteam nach Italien mit.
Auch bei den Frauen fehlte die erste Garnitur der Koreaner, doch es reichte für die Asiaten zum Sieg durch Yeon Hye Lee mit 112:111 im Finale gegen Natalya Erdyniyeva. Die Russin profitierte aber vom Fehlen der im koreanischen Ulsan siegreichen Sung-Hyun Park und Eun Young Choi und übernahm mit zwei Punkten Vorsprung die Weltcupführung.
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Von den deutschen Frauen erfüllte Lisa Unruh als Zwanzigste unter 76 Starterinnen die Mindestforderung des Bundestrainers. Die 19-jährige Berlinerin konnte in der Finalrunde ihren 28. Vorkampfrang durch den Sieg über die Australierin Jane Waller (109:104) verbessern. Doch die Italienerin Natalia Valeeva beendete den Auftritt der Deutschen im Wettbewerb mit 110:106 Ringen. Einen guten Eindruck hinterließ in der Qualifikation Wiebke Nulle, die mit Rang 23 ordentlich begann. Die 26-jährige enttäuschte danach in der ersten Finalrunde gegen die Estin Bessi Kasak (97:102) ebenso wie Veronika HaidnTchalova,die an der Italienerin Elena Tonetta mit 102:111 Ringen scheiterte. Große Probleme mit den Witterungsbedingungen hatte Karina Winter, die nach einem schwachen 47. Vorkampfrang ebenfalls in der ersten Finalrunde scheiterte. Die 21-jährige unterlag der Weltcupersten Natalya Erdyniyeva mit 105:108 Ringen.
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Die ersten Weltcuppunkte für Deutschland holte mit dem Compoundbogen der 20-jährige Paul Titscher. „Wir kämpfen hier gegen Profis“, stellte Compoundtrainer Falk Thiele fest, der mit dem zwölften Rang in der Einzelkonkurrenz durch Titscher die beste Leistung seiner sechs Schützlinge sah.
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„Die Hände sind kalt, der Körper friert und das Material reagiert anders“, beschrieb Thiele die schwierigen Bedingungen für die Aktiven, „diese Ergebnisse haben nichts mit einem Wettkampf zu tun, das war Wettkrampf. In Deutschland würde bei diesen Umständen kein Wettbewerb stattfinden.“ Paul Titscher absolvierte den 72-Pfeile-Vorkampf als Zwölfter unter 70 Startern und der Glindower hielt seinen Rang in der Finalrunde. Nach dem 113:111 Auftakterfolg über denNorweger Thomas Sandberg bewies Titscher starke Nerven gegen Dejan Sitar. Nach 111:111 Remis bestand der Deutsche gegen den Slowenen ein dreimaliges Shoot-Off mit der Auswertung des dritten Zehners im Abstand zur Scheibenmitte. Der US-Amerikaner beendete den Auftritt von Paul Titscher in Varese mit 118:115 Ringen im Achtelfinale. Eine Runde zuvor waren bereits Thomas Hasenfuss gegen den Kroaten Villi mit 113:115 und Lars Klingner mit 112:115 gegen den Amerikaner Logan Wilde ausgeschieden. Die zweite Finalrunde bedeutete auch das Aus für die drei deutschen Frauen, die im Vorkampf sich mit Plätzen zwischen 29 und 33 nicht in den Vordergrund schieben konnten. Dorith Landesfeind scheiterte an der Französin Bouillot (111:116), Anja Baumgarten war der späteren Zweitplatzierten Amerikanerin Jamie van Natta mit 105:115 Ringen nicht gewachsen und Sabrina Jagemann unterlag der Belgiern Gladys Willems mit 112:115. |
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Im Mannschaftswettbewerb sorgten Sebastian Rohrberg, Jan Christopher Ginzel und Florian Floto zum Auftakt der Finalrunde für eine faustdicke Überraschung. Vom 14. Vorkampfrang aus traf das deutsche Trio auf Russland, das in der Qualifikation den dritten Platz belegt hatte. Das von den Bedingungen sichtlich beeindruckte russische Team erwischte gegen die Deutschen einen schwachen Start. Mit 52:45 gingen die deutschen Männer nach sechs Pfeilen in Führung, die sie über 107:94 zur Hälfte des 24 Pfeile-Wettkampfes entscheidend ausbauten. Zu spät begannen die Russen ihre Aufholjagd und das deutsche Trio zog mit 213:204 ins Viertelfinale ein. „Wir wollen um den Einzug ins Halbfinale mitmischen“, war die Erwartung von Bundestrainer Frederick für die Mannschaftswettbewerbe. Doch die trotz schlechtester Bedingungen unerschrockenen Australier waren für die drei Deutschen nicht zu schlagen. Das Trio aus „Down Under“ begann die Regenschlacht mit einer sicheren 54:46 Führung, die sich nach 18 Pfeilen auf zwölf Ringe Vorsprung ausbauten. Zu spät kam die 58er Schlußpassé der Deutschen, die den Rückstand nur noch auf 193:200 verkürzte.
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Mit Rang zwölf hatten Veronika Haidn-Tchalova, Karina Winter und Lisa Unruh eine denkbar ungünstige Ausgangsposition aus dem Vorkampf für die Finalrunde geschaffen und prompt erwiesen sich die Polinnen im Achtelfinale wieder einmal als Angstgegner der Deutschen. Zwar führten die Deutschen nach sechs Pfeilen mit 54:52, doch mit den ersten deutschen Schwächen drehten die Polinnen das Match. Nach zwölf Pfeilen stand es 106:105 und diese Führung gab Polen bis zum 216:212 Sieg nicht mehr ab.
Freude herrschte bei den deutschen Compoundbogen-Männern, die als Vorkampfsiebte in der ersten Finalrunde gegen Slowenien gewannen. „226 Ringe, das ist neuer Deutscher Mannschaftsrekord“, freute sich Lars Klingner über die bei schwierigen Bedingungen zusammen mit Thomas Hasenfuss und Paul Titscher erzielte Leistung. Doch die deutsche Freude währte nur bis zum Viertelfinale.
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Gegen Frankreich lag das Trio schnell mit 53:56 zurück, kämpfte sich nach zwölf Pfeilen auf 108:109 heran, doch am Ende stand nach 24 Pfeilen das Aus mit 223:224 Ringen. „Mit dieser Leistung bin ich sehr zufrieden, wir sind an den Franzosen dran“, zog Falk Thiele ein positives Fazit. Entscheidende Fehler sah Thiele beim Wettkampf des deutschen Damenteams: „Anja Baumgarten hat zweimal ins Blaue geschossen.“ Schon die Ausgangsbasis mit Rang sieben unter acht gestarteten Mannschaften war schwierig für das deutsche Damentrio und gegen die Russinnen kam erwartungsgemäß mit 204:215 Ringen das Aus in der ersten Finalrunde. „Das war für uns der erste Wettkampf in dieser Saison. Aus finanziellen Gründen konnten wir uns kein Trainingslager leisten“, bedauerte Falk Thiele für den Compoundbereich.