Im zwölften Jahr erfüllt sich Waldkraiburger Abstiegsschiksal
Vierter Wettkampftag Luftgewehr-Bundesliga Süd in Waldkraiburg und Neubiberg
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
In der heimischen Gymnasium-Sporthalle erfüllte sich im zwölften Jahr der Erstligazugehörigkeit das Abstiegsschiksal für die Schützengilde Waldkraiburg. Die Oberbayern entgingen schon in den Jahren 2002 und 2005 über die Relegation dem Abstieg in die Regionalliga knapp und im Vorjahr wurde der Klassenerhalt als Tabellensechster auch glücklich geschafft, doch in dieser Saison konnte das Team um Routinier Bernd Schott keinen Punkt gewinnen. Vereinschef Dietmar Heller hatte vor den beiden entscheidenden Begegnungen am 13. und 14. Dezember bereits von „der Stunde der Wahrheit“ gesprochen. Neben Affalterbach und Der Bund München waren die Waldkraiburger eine der drei Mannschaften, die seit Beginn der Bundesliga ununterbrochen in der ersten Liga schossen, doch Dietmar Heller sah den Abstieg auf sein Team zukommen: „Wir sind im Umbruch und die jungen Schützen sind noch nicht so weit. Zudem schießt Jason Parker derzeit kein Luftgewehr und Emily Caruso hat uns in den ersten Begegnungen sehr gefehlt.“ In der leistungsstarken Südliga konnten die Waldkraiburger diese Handicaps nicht ausgleichen und Dietmar Heller macht sich für eine Doppelrunde oder die Zusammenlegung der Nord- und Südliga stark: „Im Süden muss immer eine starke Mannschaft absteigen. Doch für uns ist der Abstieg kein Beinbruch, davon geht die Welt nicht unter.“
|
Im entscheidenden Abstiegsduell gegen Germania Prittlbach sah es bei einer 3:2 Führung nach einer Viertelstunde gut für den Erstligaverbleib der Waldkraiburger aus. Nadine Roth beherrschte von Beginn an ihren Prittlbacher Gegner Alexander Obermeier und Emily Caruso dominierte auf Position fünf gegen Bettina Pfeffermann. Es schien sich gelohnt zu haben, dass die US-Amerikanerin die lange Anreise aus Colorado Springs auf sich genommen hat. Den Siegpunkt hatte Bernd Schott gegen Bernhard Oswald im Visier. Der 43-jährige Schott, mit der Erfahrung von mehr als achtzig Erstligawettkämpfen für Waldkraiburg, profitierte von der schwachen 93er Auftaktserie seines 22 Jahre jüngeren Gegners. Doch das Waldkraiburger Urgestein konnte sich nicht steigern, während Oswald mit zwei 98er Serien die Begegnung zu seinen Gunsten drehte. Gegen die Steigerung seines Gegners erhöhte Bernd Schott das Tempo, konnte aber nur 386 Ringe vorlegen. Als Oswald mit dem 36. Schuss nur eine 9,9 traf wurde es noch einmal spannend, doch der Prittlbacher behielt die Nerven und sorgte mit 388 Ringen für das entscheidende 3:0. Claudia Keck und Jamie Beyerle hatten zuvor das Germania-Team in Führung gebracht. Es herrschte eine unwirkliche Stille unter den mehr als zweihundert Waldkraiburger Fans. Daran änderten auch die Siege von Roth und Caruso nichts mehr, die auf 2:3 verkürzten. Erleichtert über den glücklichen Sieg sprach Prittlbachs Trainer Ralf Horneber von „Abstiegskrampf“ und erklärte die verpatzte Saison für den zu Beginn als Geheimfavorit gehandelten Aufsteiger: „Wenn es zu Beginn nicht läuft, wird der Druck zu groß. Die Saison ist dann gegen uns gelaufen. Mehr als der siebte Platz war nicht drin.“ Germania-Mannschaftsführer Sven Körper erinnerte sich wehmütig an die starken Regionalligaleistungen im Vorjahr: „Davon haben wir uns beeindrucken lassen. Da sind uns die Siege leicht gefallen. Dieses Leistungsniveau haben wir in diesem Jahr bei weitem nicht erreicht.“
|
|
„Der Süden ist der Wahnsinn“, freute sich Günter Reizammer über den gesicherten Klassenerhalt für den SV Petersaurach nach dem 3:2 Sieg über Brigachtal. Obwohl die Schwarzwälder die bessere Gesamtringzahl erzielten, gewannen die Mittelfranken drei Einzelbegegnungen jeweils mit einem Ring Unterschied. In der Turnhalle der Bundeswehruniversität von Neubiberg war dieses Match der Auftakt eines denkwürdigen Wettkampftages, der für die gastgebende Münchner Hauptschützengesellschaft nach zwei spannenden Begegnungen ein glückliches Ende nahm. Zunächst musste die HSG, in den Jahren 2007 und 2008 Meister im Süden, sogar um die Teilnahme am Bundesligafinale bangen, denn im ersten Match setzte sich die SG Coburg mit 3:2 durch und die Münchner standen punkgleich mit Nachbar „Der Bund“ und Petersaurach auf dem vierten Tabellenplatz. 2:1 lag die HSG in Führung, doch Jürgen Wallowsky und Adela Sykorova drehten mit Siegen im Shoot-Off gegen Thomas Farnik und Rebecca Frank das Match zugunsten des amtierenden Meisters. Besonders schmerzte im HSG-Team die Niederlage von Sonja Pfeilschifter, die auf Position eins gegen Sabrina Bär ihre dritte Saisonniederlage hinnehmen musste.
Für die SG Coburg bedeutete der glückliche Sieg die sichere Finalteilnahme und gleichzeitig hatten die Oberfranken Schützenhilfe für den SV Affalterbach geleistet.
|
|
Vor der Saison hatte Vereinschef Knut Boettig das Ziel „nur nicht absteigen“ ausgegeben, nachdem der dreifache Bundesligameister seit 2005 nicht mehr die Finalrunde erreicht hatte und vor zwei Jahren den Klassenerhalt nur über die Relegation schaffte. Mit dem Inder Gagan Narang kehrte der Erfolg nach Affalterbach zurück und mit 396,6 Ringen im Schnitt der sieben Begegnungen war der 25-jährige bester Akteur im Süden. Gegen Benjamin Aicher vom Bund München hatte Narang mit 397:393 Ringen keine Probleme. „Mit diesem Sieg habe ich gerechnet“, so Knut Boettig nach dem 3:2 Erfolg seiner Mannschaft über die Münchner. Beate Gauß rechtfertigte auch das Vertrauen von Boettig mit einem glatten 397:392 Ringen über Frank Dobler. Den dritten Punkt hatte sich der Affalterbacher Vereinschef von Frank Köstel erhofft, der gegen Mario Knoegler mit einer 100er Serie optimal startete. Doch der Österreicher konterte und besorgte den 2:2 mit 395:393 Ringen. Den ersten Bund-Punkt hatte Joachim Vogl gewonnen, der wie Norbert Ettner im zwölften Bundesligajahr für die Münchner schießt. „Sie ist mir mit Siebenmeilenstiefel entgegen gekommen“, kommentierte Vogl seinen glatten 391:380 Sieg über Sandra Koch, blieb aber dennoch selbstkritisch. „Ich habe wohl für die Armbrust-Weltmeisterschaften zuviel getan“, doch neben dem 35-jährigen konnten auch die übrigen Bund-Schützen nicht ihre Bestform abrufen. „Die haben wir in dieser Saison alle nicht erreicht.“ Ausgerechnet Norbert Ettner patzte gegen Affalterbach auf Position zwei gegen Karin Schade. Mit 388 Ringen kam er nicht über seine schwächste Saisonleistung hinaus. „Damit habe ich nicht gerechnet“, freute sich Knut Boettig über den Sieg von Karin Schade. „Wenn Ettner nicht in den Wettkampf reinkommt, dann geht es manchmal gar nicht bei ihm. Heute war so ein Tag.“ Mit dem Rückenwind vom Sieg gegen Bund München rundeten die Affalterbacher ihre beste Südsaison seit 1999 als Vizemeister ab. Zum Abschluss erzielte Gagan Narang zum zweiten Mal mit 400 Ringen das optimale Ergebnis und führte gegen Jamie Beyerle (397) seine Mannschaft zum fünften Saisonsieg. Beim sicheren 4:1 gefiel neben dem Inder Beate Gauß bei ihrem 396:393 Erfolg gegen Claudia Keck.
|
Belastet von der Niederlage gegen Affalterbach durfte sich das Team vom Bund München gegen Absteiger Waldkraiburg im letzten Match keinen Ausrutscher leisten. „Unser Ziel bleibt das Finale“, hatte Trainer Hans Riederer nach der dritten Saisonniederlage seine Mannschaft wieder aufgebaut, „Die Ergebnisse waren nicht schlecht, doch heute ist es nicht gelaufen und jetzt hängt es auch von den anderen Mannschaften ab.“ In einem wahren Herzschlagfinale retteten die Münchner ihren vierten Tabellenplatz mit dem glatten 4:1 gegen Waldkraiburg. Entscheidend war dabei der 3:2 Erfolg im direkten Vergleich mit den punktgleichen Brigachtalern.
|
|
|
Die Schwarzwälder um ihren engagierten Trainer Andreas Wiest schienen nach dem dritten Wettkampftag mit 8:2 Punkten und Platz eins in der Tabelle erstmals den Einzug ins Bundesligafinale geschafft zu haben. Den ersten Dämpfer gab es in Neubiberg durch die überraschende 2:3 Niederlage gegen Petersaurach. Am Sonntagmorgen sahen in der Sporthalle der Bundeswehruniversität knapp einhundert Zuschauer eine an Spannung nicht zu überbietende Begegnung der Brigachtaler gegen Coburg. Gegenüber dem Vortag hatte Trainer Wiest das Brigachtaler Team auf zwei Positionen geändert. Mit der Einwechslung des ehemaligen Coburgers Achim Weber und Claus Hildebrand auf den Positionen vier und fünf für Armin Rothmund und Alexander Effinger versprach sich Wiest eine besondere Motiviation und der Trainer bewies damit eine glückliche Hand. Beide Einwechslungen stachen nachdem Weber und Hildebrand gegen die Coburgerinnen Claudia Huber und Adela Sykorova die Begegnungen unentschieden hielten und im Shoot Off zwei Punkte holten.
|
|
Das Match begann mit Vorteilen für die Coburger. Sabrina Bär war auf Position eins hoch motiviert gegen Peter Sidi und legte dem Ungarn drei 100er Serien vor. Erst in der Schlussphase zeigte die 19-jährige Schwächen, brachte aber mit einem Ring Vorsprung das 2:0 für ihr Team ins Ziel. Davor hatte in nur 26 Minuten Michael Wagner den amtierenden Meister mit 395:390 gegen Eva Friedel in Führung gebracht. Doch danach gingen die übrigen drei Begegnungen remis aus und nach den ersten beiden Siegen im Shoot-Off schienen die Brigachtaler die schon verloren geglaubte Begegnung noch drehen zu können. Als letzte Paarung für das Shoot-Off wurden Tino Mohaupt für Brigachtal und der Coburger Jürgen Wallowsky aufgerufen. Unterschiedlicher hätten die Ausgangpositionen nicht sein können. Tino Mohaupt, seit April 2007 im Brigachtaler Team, hatte das Duell gegen den 17 Jahre älteren Wallowsky lange dominiert, bevor der Coburger mit einer 100er Schlußserie noch den Ausgleich schaffte. Wallowsky hatte sich die Niederlagen seiner Mannschaftskameraden im Shoot-Off ruhig angesehen, war sich seiner Sache aber sicher. „Ich habe ruhig geschossen und gegen Ende gemerkt, das Tino unter Druck gerät“, erklärte er seine Aufholjagd zum Unentschieden. Für das Shoot-Off blieb er seinem Erfolgsgeheimnis treu: „Ich stelle mir vor, nicht zu wackeln und im ersten besten Moment in der Mitte abzudrücken. Damit kann ich alles auf das Wesentliche reduzieren und schieße im Stechen generell schnell.“ Tino Mohaupt hatte mit einer 9,8 beim vorletzten Schuss die Entscheidung zum 3:2 für seine Mannschaft vergeben. Im Shoot-Off gelang ihm auf die vorgelegte Zehn von Wallowsky nur eine Neun und die Coburger Mannschaft umjubelte ihren Routinier. Der 42-jährige gewann in zwei Bundesligajahren 13 seiner 14 Begegnungen und verriet sein Erfolgsrezept: „Ich schieße einfach gern. Da habe ich meine Ruhe“, so der Einzelhändler für Sportschützenbedarf in Oberkotzau, „in Coburg haben wir eine super Mannschaft und ich liebe das Schießen in der Bundesliga.“ |
Während die Coburger feierten, warteten die Brigachtaler Aktiven und Verantwortlichen auf die Ergebnisse aus Waldkraiburg. „Heute haben wir ein Wechselbad der Gefühle“, meinte Trainer Wiest, „Noch haben wir eine hochmotivierte Gelassenheit. Insgesamt bin ich mit dieser Saison zufrieden, denn wir sind mit unserer Schießweise kein Ligafavorit. Schnelligkeit ist in der Bundesliga von Vorteil und die haben hauptsächlich Mannschaften mit vielen Mädchen.“ Andreas Wiest setzt dafür bei seinen Schützlingen auf eine zielorientierte Aufbauarbeit. Der Brigachtaler Trainer musste dann mit ansehen, wie die gastgebenden HSG-Schützen gegen Petersaurach mit 3:2 gewannen und damit die Schwarzwälder auf den fünften Tabellenplatz verdrängten. Die Münchner waren furios in die Begegnung gestartet und führten nach einer Viertelstunde schon klar mit 5:0. Am Ende machten es die Reizammer-Schützlinge doch noch einmal spannend, als Philippe von Känel und Miriam Markart ihre Wettkämpfe gegen Thomas Farnik und Isabella Straub noch drehten. Schließlich profitierte das HSG-Team um Trainer Hubert Bichler von seinem Blitzstart. Sonja Pfeilschifter bestand die Aufholjagd von Maren Prediger mit 398:397 und Silvia Rachl behauptete sich mit 392:392 gegen Nicolas Schallenberger. Über ihre beste Saisonleistung freute sich Rebecca Frank, die schon zur Hälfte des Wettkampfes als klare Siegerin gegen Matthias Weißkopf (395:383) feststand.