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Feucht macht die Favoriten nass

Finale der Bogen-Bundesliga in Waiblingen

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

Mit dem sensationellen Sieg der Bogenschützen Feucht endete am 19. Februar 2005 in der Waiblinger Rundsporthalle das achte Finale der Bogen-Bundesliga. "Wahnsinn, unglaublich, wir haben sie alle nassgemacht", jubelte Feucht´s Sportleiter Bernd Bachmann nach dem 259:250 Finalsieg über die Favoriten vom SV Querum. Vor 300 Zuschauern mussten sich die Gastgeber von der Sgi Welzheim mit dem vierten Platz zufrieden geben, konnten sich aber das Lob für die Ausrichtung freuen. "Das war ein super Finale", meinte Querum´s Trainer Adolf Kemper, "es war ein faires Publikum, das die richtige Stimmung gemacht hat."

Das mit den Feuchter Bogenschützen an diesem Tag zu rechnen ist, zeigte die Auftaktbegegnung der Franken gegen den BSC Laufdorf.

Zunächst noch mit 87:88 im Rückstand steigerten sich Manuela Schwarz, Jonas Biebl und Daniel Hartmann bei den nächsten zwei Neun-Pfeile-Passén und landeten mit 259:252 Ringen einen überraschenden Auftaktsieg. "Das ist ein Ring unter unserem Vereinsrekord", kommentierte Sportleiter Bachmann den Erfolg. Dem überraschten Publikum erklärte Vereinschef Klaus Schwarz: "Wir setzen auf unsere Nachwuchstalente. Unsere 200 Mitglieder haben ein Durchschnittsalter von 23 Jahren." Besonders auffällig agierten im Match bereits der 15-jährige Jonas Biebl und der 17-jährige Daniel Hartmann. Während die Feuchter Bogenschützen ihren Auftakterfolg feierten, hatte der SV Querum mit 259:252 Ringen gegen Freiburg im ersten Match der Gruppe A seine Favoritenrolle erfüllt. Michael Frankenberg, Jens Pieper und Florian Floto ließen den Breisgauern in keiner Phase der Begegnung eine Siegchance.

Doch die Freiburger gaben sich im Kampf um den Einzug ins Halbfinale noch nicht geschlagen. Maik Herrmann, Viktor Popov und Martin Cornils zeigten dem frühen Feuchter Höhenflug seine Grenzen auf. "Wir haben in der Saison nicht gegen Freiburg verloren", die Feuchter Verantwortlichen waren sich sicher, dass mit einem weiteren Sieg über Freiburg der Finaleinzug geschafft ist. Das Feuchter Trio startete forsch mit einer 85:81 Führung, doch dann kämpften sich die Freiburger mit einer 88er Passé ins Match zurück. In der Schlußphase setzten sich die Freiburger knapp mit 251:249 Ringen durch und machten das Rennen um den Einzug ins Halbfinale wieder offen. Auch der BSC Laufdorf konnte noch hoffen. Zwar hatten die Schützlinge von Trainer Siegfried Martin trotz starker Leistung gegen Querum mit 257:258 verloren, doch mit einem Sieg im dritten Match gegen Freiburg und der erwarteten Feuchter Niederlage gegen Querum wäre der Weg für die Hessen in Richtung Halbfinale frei gewesen.

Für das entscheidende dritte Match kam bei Laufdorf Marcus Müller für Bruno Wörrlein, während Trainer Martin weiter auf den 18-jährigen Stefan Kolodzeiski und den 25-jährigen Thilo Koch vertraute. Nach 18 Pfeilen führte der BSC Laufdorf mit 173:170 Ringen, doch als Freiburg´s Viktor Popov drei Zehner gelangen war das Match wieder offen. Jetzt lagen die Nerven bei den letzten beiden Aktiven blank. Martin Cornils patzte mit einer Acht und Marcus Müller brachte Laufdorf mit einer Zehn wieder nach vorn. Doch dann stöhnte Laufdorf´s Trainer Siegfried Martin auf. Müller schoss eine Sieben und Cornils konterte mit einer Zehn. Laufdorf hatte nur noch einen Ring Vorsprung. Jetzt hielten die Nerven des Freiburgers nicht, dem eine erneute Acht unterlief. Marcus Müller ließ sich Zeit und rettete mit einer Neun den 256:254 Erfolg für Laufdorf. Zum fünftenmal in sechs Bundesligafinals waren die Freiburger vorzeitig ausgeschieden.

Die B-Gruppe mit den drei bisherigen Deutschen Meisterteams aus Welzheim, Berlin und Tacherting sowie dem SV Dauelsen als leistungsstarker Aufsteiger wurde leistungsmäßig höher als die A-Gruppe eingeschätzt und es wurde ein spannender Kampf um den Einzug ins Halbfinale erwartet. Doch schnell wurde klar, dass Titelverteidiger Tacherting an diesem Tag keine Chance hatte. Die grippekranke Veronika Haidn-Tchalova konnte in keiner Phase bei den Bayern ersetzt werden. Zunächst setzte Mannschaftsführer Armin Garnreiter auf Sabine Striegl als Ersatz für die ehemalige russische Meisterin. Doch die 21-jährige kam mit einer 80er Serie gegen den SV Dauelsen nicht in Schwung. So lagen die Tachertinger schnell in Rückstand und gingen mit 245:256 Ringen klar geschlagen von der Schießllinie. Danach wechselte Garnreiter seinen Sohn Dominik ein und jetzt lief es besser für Tacherting. Doch die Gastgeber von der Sgi Welzheim waren im zweiten Match in Topform und warfen mit 265:258 Ringen den Vorjahresmeister aus dem Titelrennen.

Keine Finalchance hatte auch das junge Team von Bergmann Borsig Berlin. Zunächst setzte Trainerin Irene Abel den 20-jährigen Frank von Dincklage zusammen mit der 16-jährigen Lisa Unruh und der 19-jährigen Karina Winter ein. Der im Saisonverlauf starke Matthias Hummel war nicht im Berliner Team dabei und Olympiateilnehmerin Wiebke Nulle beschränkte sich nur auf das Einschießen auf den Probescheiben. Im Auftaktmatch gegen Welzheim lagen die Berliner zunächst mit 85:83 in Front, doch in der entscheidenden Schlußphase unterlief Karina Winter mit dem letzten Pfeil eine Acht und die Gastgeber siegten mit 254:252 Ringen. Das frühe Berliner Aus besiegelte ein Fehlschuss von Lisa Unruh im Match gegen Dauelsen. Den dritten Pfeil schoss die Junioren-Nationalschützin am Ziel vorbei und das Team aus Verden an der Aller ließ sich diese Chance nicht entgehen. Mit 259:250 Ringen schafften Henning Lübkemann, Holger Rohrbeck und Sebastian Rohrberg den Einzug ins Finale, nachdem die Schützlinge von Trainer Andreas Molkenthin zuvor gegen Tacherting gewonnen hatten. Nach zwei Runden war die Entscheidung in der B-Gruppe gefallen, so dass die Begegnungen zwischen Dauelsen und Welzheim (252:256) sowie Berlin und Tacherting (254:252) nur noch statistischen Charakter hatten.

Der Topform von Michael Frankenberg verdankte der SV Querum den Sieg im Halbfinale gegen den SV Dauelsen. In diesem Niedersachsen-Derby steuerte der 27-jährige Nationalschütze glänzende 89 von 90 möglichen Ringen bei und übertraf damit Dauelsen´s Leistungsträger Sebastian Rohrberg (86) entscheidend. Jens Pieper zeigte für Querum mit zwei Achter in der Schlußphase, die Holger Rohrbeck für Dauelsen nicht ausnutzen konnte. Dem 33-jährigen unterlief früh eine Sieben, zeigte aber in der Schlußphase mit drei Zehner starke Nerven. Nicht optimal lief es bei Henning Lüpkemann, der für Dauelsen mit fünf Neuner und einer Acht begann. Damit lief das Molkenthin-Team ständig einem Rückstand nach, den Rohrberg erst mit den letzten Pfeilen auf den zunächst schwachen Florian Floto aufholen konnte.

Im zweiten Halbfinale waren die Erstplatzierten der Südliga unter sich und es kam nicht nur an der Schießlinie zu einem spannenden Duell. Auf den Zuschauerrängen waren die Anhänger aus Feucht mit ihren rythmischen Trommeln unüberhörbar. Die Welzheimer Fans skandierten dagegen mit Sprechchören und die Stimmung auf den Rängen schlug sich bei den Aktiven nieder.

Mit den drei Siegen in der Vorrunde siegessicher, begannen die Welzheimer mit der gewohnten Aufstellung. Anja Hitzler eröffnete das Match, danach folgten die Pfeile des Luxemburgers Jeff Henckels und Alexander Fröse schießt seit acht Jahren beim dreifachen Deutschen Meister die letzten Pfeile ins Ziel. Den Welzheimer Favoriten trat Feucht´s Trainer Klaus Schwarz mit seiner neuen Formation entgegen, bei der er auf den Einsatz der 15-jährigen Eva Müller verzichtete.

Beruhigend wirkte Schwarz immer wieder auf seine Ehefrau Manuela ein, die unbeeindruckt von der Anspannung zuverlässig den Wettkampf für Feucht eröffnete. Nach der 35-jährigen brannten die Feuchter Nachwuchstalente ein wahres Feuerwerk ab, an dem die Welzheimer scheiterten.

Mit jeweils optimalen drei Zehnern brachten Jonas Biebl und Daniel Hartmann die Franken nach 18-Pfeilen mit 174:172 Ringen in Front. Kaum einer der Zuschauer auf den Tribüne glaubte, dass der Favorit sich geschlagen gibt, doch die Welzheimer zeigten Nerven. Anja Hitzler und Jeff Henckels gelang bei den letzten drei Pfeilen jeweils nur eine Zehn und nach einer weiteren Neun von Alexander Fröse war die Überraschung perfekt. Trotz einer Sieben von Manuela Schwarz schafften es die Biebl und Hartmann für Feucht die Führung zum 258:257 Sieg zu verteidigen. Der dreifache Deutsche Meister war aus dem Rennen und Welzheim musste wie im Vorjahr im Kleinen Finale um die Bronzemedaille kämpfen.

Das Team von Bergmann Borsig Berlin hatte sich Querum´s Trainer Adolf Kemper zuvor als Finalgegner gewünscht, doch während die Abel-Truppe schon lange ihre Bögen eingepackt hatte standen die Braunschweiger im Finale den unbekümmerten Feuchtern gegenüber. "Man trifft sich immer zweimal", machte Kemper seiner Mannschaft Mut, die in der Vorrunde gegen die Franken verloren hatten. "Heute haben wir unseren ersten großen Auftritt auf nationaler Ebene", zeigte sich Feucht´s Sportleiter Bernd Bachmann zuversichtlich und hoffte auf die jungen Talente, "Die schießen heute alles in Grund und Boden."

Wieder hielten die Feuchter gegen die hohen Favoriten dagegen und gingen nach neun Pfeilen mit 86:85 Ringen in Führung. Jetzt kam die Minute von Manuela Schwarz. Die Ehefrau des Feuchter Vereinschefs schoss in der heissumkämpften Phase drei Zehner und hielt gegen Michael Frankenberg die Führung. "Ich bin nicht gierig geworden und habe mich ganz auf die Technik konzentriert. So einen Wettkampf habe ich noch nie geschossen", erzählte sie anschließend über ihren großen Auftritt, als sie die jungen Biebl und Hartmann mitzog. Daniel Hartmann schien mit zwei knappen Neunern erste Schwächen zu zeigen, doch die Treffer reichten, um die Führung auszubauen. Florian Floto leistete sich eine Acht und damit geriet Querum mit 170:173 in Rückstand. Jetzt lagen die Hoffnungen von Trainer Kemper auf Michael Frankenberg, der die Querumer wieder heranbringen sollte. Fassungslos sah Kemper zu, als der Leistungsträger Nummer eins sich eine Sieben leistete und Querum vor den letzten sechs Pfeilen mit 195:202 Ringen in Rückstand lag. Manuela Schwarz hatte mit einer 29er Passé für die Vorentscheidung zugunsten von Feucht gesorgt. Jetzt war der 259:250 Erfolg für die Mannschaft von Klaus Schwarz nur noch Formsache und jubelnd fiel sich der Feuchter Anhang in die Arme. "Deutscher Meister, Deutscher Meister, ich kann es nicht fassen", stammelte Sportleiter Bernd Bachmann, "jetzt ist unser Verein in Aufruhr."

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