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Italiener ziehen Deutschland die Hosen aus

22. Weltmeisterschaften der Vorderladerschützen in Bordeaux (Frankreich) vom 7. bis 12. August 2006

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

Mit 35 Medaillen, davon 17 in Gold, haben die deutschen Vorderladerschützen ihre Spitzenposition bei den Weltmeisterschaften im französischen Bordeaux behauptet. Unter den 415 Teilnehmern aus 27 Nationen konnten 21 Aktive des 22-köpfigen Nationalteams bei den insgesamt 47 Entscheidungen Medaillen gewinnen. „Das DSB-Team war erstklassig vorbereitet", freute sich Vorderladerreferent Armin Franke, der erstmals in der Verantwortung als Delegationsleiter stand.

„Es war auch der Teamgeist, der uns erfolgreich macht", stellte der Nachfolger von Erich Illing fest. Dabei stießen die deutschen Schützen auf unerwartete Schwierigkeiten, die durch einen Protest der italienischen Mannschaft entstanden. „Vier Tage nach Beginn der Titelkämpfe, wurde dem italienischen Protest gegen die von zahlreichen deutschen Schützen verwendeten Schießhosen stattgegeben", erzählte Erich Illing, der als Vorsitzender der Technischen Kommision von der Jury-Entscheidung sichtlich überrascht wurde. Ein Prototyp der umstrittenen Schießhosen wurde vor den Weltmeisterschaften vom Generalsekretär Donald Malson nicht beanstandet, doch die Entscheidung des US-Amerikaners wurde während der laufenden Meisterschaften zurückgenommen. „Die Hosen wurden als technische Hilfe angesehen", meinte der verärgerte Illing, „dabei wollten wir verhindern, dass Schützen mit Bandscheibenproblemen sich ihre Gesundheit ruinieren." Doch die von dem italienischen Team forcierte Entscheidung konnte die deutschen Gewehrschützen nicht stoppen. In den 50- und 100-Meter Wettbewerben untermauerten die DSB-Schützen sogar mit dem Gewinn von 15 Goldmedaillen sogar noch ihre Dominanz. Einzig der Schwede Johan Karlsson hielt der deutschen Übermacht stand und wurde mit dem Gewinn von vier Einzel-Goldmedaillen der herausragende Akteur im Verlauf der viertägigen Wettkämpfe.

Schwächen zeigten die deutschen Akteure in den 25-Meter Kurzwaffenwettbewerben und bei den Wurfscheibenschützen, so dass auf dem Girondins-Standanlage in Merignac die gastgebenden Franzosen mit 32 Medaillen, davon zwölfmal Gold, im Medaillenspiegel gut mithielten. Die höher eingeschätzten Briten und Italiener erlebten herbe Enttäuschungen und mussten sich mit jeweils nur zwei Goldmedaillen begnügen. Während die Deutschen mit nur 22 Aktiven eine starke Mannschaft aufboten, herrschte bei 64 französischen und 59 italienischen Teilnehmern mehr Masse statt Klasse. Auch die zahlreichen meist älteren US-Amerikaner konnten sich nur selten in Szene setzen und standen nur einmal auf dem Siegerpodest ganz oben.

Der seit Jahren erfolgreichste deutsche Akteur Walter Massing schaffte seinen Titelhattrick im Wettbewerb „Vetterli" mit dem Perkussionsgewehr. Doch bevor der Altrheinschütze seinen dritten Sieg in Folge feierte, stand dem 47-jährigen und den übrigen deutschen Gewehrschützen der Ärger im Gesicht geschrieben. Durch den Protest der italienischen Mannschaft wurde vor dem 50-Meter Stehendwettbewerb mit dem Perkussionsgewehr die Regel für die Schießhosen geändert. Damit sollte die Favoritenstellung der deutschen Mannschaft ins Wanken gebracht werden und prompt blieben bei den 13 Wertungsschüssen, von denen die besten zehn gewertet wurden, zunächst die optimalen 100er Ergebnisse aus – bis Walter Massing in den Stand ging. „Ohne die Schießhose war das 8,5 Kilogramm-Gewehr zu schwer", erklärte Massing, „da fehlt dann die Stabilität für den Anschlag." Doch der Ginsheimer Maschinenbautechniker wollte unbedingt seinen dritten WM-Titel in Folge gewinnen. „Ich habe einfach den Ladestock herausgenommen, dadurch wurde das Gewehr 300 Gramm leichter. Es war die einzige Möglichkeit das Gewehr wieder steuerbar zu machen." Dennoch hielt die Teamverantwortlichen den Atem an, denn nach acht Schüssen hatte Massing mit drei Neuner bereits seine möglichen drei Streichschüsse verbraucht. Jetzt zeigte Massing seine glänzende Kondition und Konzentrationsfähigkeit. Mit fünf Zehner in Folge schaffte wieder die optimalen 100 Ringe und die geschlagene Konkurrenz ging kopfschüttelnd davon. Es war der Glanzpunkt von Massing´s fünf Starts an den drei Wettkampftagen in Bordeaux. Gleichzeitig hatte er entscheidenden Anteil daran, dass das er zusammen mit Peter Käpernick und Tordis-Arlett Nitsch den Mannschaftstitel für Deutschland mit neuer Weltrekordmarke verteidigte. „Seit 2002 bin ich in dieser Disziplin international ungeschlagen, mit 100 Ringen habe ich mein Ziel erreicht."

Galt Walter Massing mit dem Perkussionsgewehr auf 50 Meter Entfernung im Stehendanschlag als klarer Favorit, kam sein Sieg beim Auftaktwettbewerb auf 100 Meter Entfernung im Liegendanschlag mit dem Perkussions-Freigewehr „Whitworth" einigermaßen überraschend. Mit 99 von 100 möglichen Ringen gewann er vor dem ringgleichen Norbert Neumann nach Ausswertung des schlechtesten Wertungsschusses mit hauchdünnen drei Millimeter Vorsprung. Die beiden Deutschen setzten sich vor dem Schweden Johan Karlsson durch. „Seit 2002 habe ich ein neues Perkussions-Freigewehr, doch entscheidend war meine Anschlagskorrektur zu Beginn dieses Jahres. Die hat sich ausgezahlt", erklärte Walter Massing seinen Auftaktsieg, dem zwei Enttäuschungen in seinen langjährigen Spezialdisziplinen mit dem Luntenschlossgewehr folgten. Seit fünf Jahren war Massing im Tanegashima-Wettbewerb ungeschlagen, doch mit schwachen 94 Ringen landete der Titelverteidiger auf dem achten Platz. „Ich war einfach chancenlos", kommentierte er seinen Auftritt mit dem neun Jahre alten Gewehr. „Diese Leistung war in der Vorbereitung abzusehen, denn der Lauf des Luntenschlossgewehrs hielt die Trefferlage nicht. Ich habe in vor der WM mehrfach überarbeiten lassen. Zudem habe ich mit der Ladung experimentiert. Alles hat nicht gefruchtet, im nächsten Jahr schieße ich mit einem neuen Lauf." Zwei Stunden nach dem Stehendwettbewerb „Tanegashima" lief es für Massing beim Kniendanschlag der Samurai „Hizadai" besser und Ginsheimer begann stark. Nach dem siebten Schuss kam das Aus für die optimale 100er Ringzahl und immer mehr veränderte sich die Trefferlage weg von der Zehn in der Scheibenmitte. „Hier wurde ich einfach unter Wert geschlagen."

Um die Nachfolge von Massing als „Luntenkönig" stritten sich in diesem Jahr der Schweizer Hans-Peter Rüfenacht und Michael Frey aus Marnheim. Das Duell endete Remis, nachdem beide Konkurrenten jeweils einen Sieg gelang. Michael Frey setzte sich gegen den Schweizer im „Tanegashima"-Wettbewerb mit optimalen 100 Ringen durch. „Wenn die Nerven mitspielen, dann klappt´s halt", meinte der 44-jährige Pfälzer nach seinem Sieg, der erstmals bei einer internationalen Meisterschaft von seiner Familie begleitet wurde. „Es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn man sich nicht allein freut." Der Maschinenbautechniker verdankt seinen Aufstieg zur Vorderlader-Weltspitze seinem Marnheimer „Ziehvater" Lothar Schröder, mit dem er zehn Jahre zuvor erstmals im englischen Warwick an einer Weltmeisterschaft teilnahm. „Dieser WM-Titel war mein großes Ziel."

„Dieses Gold widme ich meiner Friseuse", jubelte Tania Heber nach ihrem Weltrekord im „Walkyrie"-Wettbewerb der Frauen. Mit Schwarz, Rot und Gold in den Haaren verbesserte die Daisendorferin kurz vor ihrem 40. Geburtstag ihre eigene vor vier Jahren aufgestellte Weltbestmarke auf optimale 100 Ringe. „Der fünfte Einzeltitel für das silberne Lorbeerblatt war mein Ziel", unterstrich sie ihre Ambitionen, mit denen sie sich ganz auf den 100-Meter-Wettbewerb mit dem Perkussions-Freigewehr konzentrierte. „Ich bin verbissen ehrgeizig und habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich einmal einen Tag nicht trainiere." Tania Heber profitiert dabei von der Unterstützung ihres Arbeitgebers ETO Magnetic KG in Stockach. „Hier habe ich die volle Unterstützung, denn ich lebe für den Schießsport. Wenn die Nationalhymne nur für einen alleine gespielt wird, macht das süchtig." Die Weltrekordmarke der Frauen kann Tania Heber jetzt nicht mehr steigern und so formuliert sie ein neues Ziel: „Die Herren, da ist noch der 100er Weltrekord offen." Dabei setzt sie auf ihr Baumkircher-Perkussionsfreigewehr Kaliber 40 „Da ich relativ kurze Arme habe, wurde der Schaft extra für mich angefertigt." Ihr erster Schuss beim „Walkyrie" war eine Mouche: „Das wusste ich, das läuft!"
Als echte Mannschaftsschützen präsentierten sich Wolfgang Wehle und Günter Kunz. Seinen ersten Einzel-Weltmeistertitel holte sich Wolfgang Wehle im Maximilian-Wettbewerb mit dem Steinschlossgewehr, stand aber zudem dreimal in den Mannschaftswettbewerben auf dem Siegerpodest ganz oben. Dafür hat der 47-jährige vom SV Nordstetten in diesem Jahr auf das Fahren mit seiner Harley-Davidson verzichten müssen. „Ohne das viele Training hätte ich das nicht geschafft." Ebenfalls viermal mit Gold dekoriert, davon einmal im Einzelwettbewerb „Minie" mit dem Perkussions-Dienstgewehr wurde Günter Kunz. Der 45-jährige Chemotechniker aus dem südhessischen Dreieich gilt als Spezialist in den 100-Meter Liegenddisziplinen und gewann zehn Jahre nach seinem ersten Sieg im englischen Warwick wieder einen Weltmeistertitel im Einzel. Die starke Vorstellung der deutschen Gewehrschützen rundete Thomas Baumhakl ab, der als zweifacher Titelverteidiger in Bordeaux in den Einzelwettbewerben leer ausging, aber an vier Mannschaftssiegen beteiligt war.

Eckhard Stark, mit 68 Jahren der älteste deutsche Schütze, konnte sich über drei Mannschafts-Goldmedaillen freuen, verpasste aber seinen vierten WM-Einzelsieg seit seinem ersten Erfolg vor sechs Jahren im australischen Adelaide knapp. Der Schwede Karlsson verhinderte, dass der Augenoptikermeister die deutsche Erfolgsserie im Maximilian-Wettbewerb mit Original-Steinschlossgewehren fortsetzte.

Zu den Pechvögeln im deutschen Team gehörte Peter Käpernick, der ohne seinen „Spezi" Josef Mayr mit zwei Vizemeisterschaften zufrieden sein musste. Als Trostpflaster blieben dem 41-jährigen Kraftfahrzeugmechaniker vom FSG Schliersee zwei Mannschafts-Goldmedaillen.

Als Neuling ging der 52-jährige Norbert Neumann im Nationalteam erstmals bei einer internationalen Meisterschaft an den Start. „Mit meiner Medaillenausbeute bin ich mehr als zufrieden, das habe ich nicht erwartet", zog der Vorsitzende von 1862 Rüsselsheim sein Fazit. „Seit zwei Jahren habe ich mich ernsthaft auf die WM-Teilnahme vorbereitet. Ich war bei meinen Starts überhaupt nicht nervös, denn schon viermal war ich als Begleiter dabei und kannte das Umfeld."

Mit dem Vizemeistertitel bei Ringgleichheit hinter Walter Massing erlebte Norbert Neumann im Whitworth-Wettbewerb einen starken Einstand. „Ich habe zwei technische Fehler beim Schultereinsatz gemacht", erklärte der Systemingenieur seine beiden Achter in dem Liegendwettkampf, „da hätte ich neu ansetzen müssen. Die hohe Neun war ein Zielfehler und die eine Sechs resultierte aus einem Geschossfehler. Ich hatte ein super Schußbild und der Weltrekord mit optimalen 100 Ringen wäre drin gewesen." Vor seinem Start hatte Norbert Neumann den Wettkampf von Walter Massing beobachtet, mit dem er vor den Titelkämpfen oft gemeinsam trainiert hatte. „Im Training haben wir beide 100 Ringe geschossen, dass hat mir für die WM einiges gebracht." Neumann haderte letztlich mit seinen insgesamt sieben Starts an drei Tagen. „Das war einfach zuviel, künftig werde ich mich auf die Disziplinen konzentrieren, die ich gut kann." Gemeinsam mit seiner Ehefrau Friederike hatte Norbert Neumann insgesamt zehn Vorderladergewehre für die Weltmeisterschaft nach Bordeaux mitgenommen. Das ihr Ehemann nicht wie gewohnt als Begleiter, sondern als Aktiver dabei ist, war für Friederike Neumann eine ungewohnte Erfahrung. „Ich musste mehr Koffer schleppen." An die 43-jährige Bischofsheimerin wurde auch ansonsten viel körperliche Fitness verlangt. „Ich hatte an einem Tag vier Starts in drei Stunden, das muss man erst einmal körperlich durchhalten." Vor den Weltmeisterschaften hat die amtierende Europameisterin gemeinsam mit ihrem Ehemann fünfmal in der Woche jeweils acht Stunden am Tag trainiert und der Fleiß wurde bei ihrem dritten WM-Auftritt seit 2002 wieder belohnt.

Zwei Bronzemedaillen in den Einzelwettbewerben und die erfolgreiche Verteidigung der Mannschafts-Goldmedaille im Amazons-Wettbewerb waren der ehrgeizigen 1862erin aber nicht genug. „Ich hatte mir mehr erhofft. Hier ist einiges schief gelaufen und zudem hat sich die Standaufsicht noch unfair verhalten." Völlig unnötig ein Funktionär im Training fotografiert und ihr dabei voll ins Gesicht geblitzt. „Als Deutsche wird man hier besonders gestrietzt. „ Für den Frauen-Wettbewerb „Walkyrie" hatte sich Friederike Neumann den Weltmeistertitel als Ziel vorgenommen und dabei auf das Kaliber 45 erhöht. „Auf einmal habe ich so geschwitzt, dass die Brille angelaufen ist und ich hatte Nebel vor den Augen"., erzählte sie über ihren Wettkampf um die Mittagszeit, bei dem sie sich ihre acht Neuner nicht erklären konnte. „Vielleicht habe ich auch beim Putzen oder beim Laden Fehler gemacht. Das Gewehr hat funktioniert, doch für 100 Ringe hätte alles passen müssen."

Starke Österreicher und Franzosen verhinderten die Erfolge der deutschen Kurzwaffenschützen, die sich nur zweimal in Einzelwettbewerben durch Karl Hammann und Martin Kloke in Szene setzen konnten. Die bittersten Niederlagen setzte es für die Deutschen mit der Perkussionspistole. Die „Kuchenreuter"-Wettbewerbe hatte das deutsche Team in den vergangenen Jahren stets bestimmt, doch in diesem Jahr gelang keinem Aktiven ein Medaillengewinn. Ähnlich schwach war der Auftritt mit der Steinschlosspistole. Die Cominazzo-Einzelwettbewerbe sahen keinen deutschen Schützen unter den besten Drei und auch im Teamwettbewerb „Wogdon" landete das DSB-Team abgeschlagen auf Rang sieben.

Die magere Bilanz hellte die erfolgreiche Titelverteidigung von Karl Hammann mit der Luntenschlosspistole auf. Der 46-jährige Schmied aus Neustadt an der Weinstraße erfüllte sich mit der Verbesserung seines eigenen Weltrekords im Wettbewrb „Tanzutsu" sein persönliches WM-Ziel. „Karl Hammann ist für mich ein Ausnahmetalent", meinte Martin Kloke, der mit einem Original-Colt „Roger & Spencer" aus dem Jahr 1850 völlig überraschend die Goldmedaille gewann. „Im Mai, kurz nach der erfolgreichen Qualifikation für die Weltmeisterschaften, habe ich mir beim Trampolinspringen die Wirbelsäule gebrochen." Nach seiner internationalen Premiere bei den Europameisterschaften 2003 schien für den 41-jährigen Industriekaufmann der WM-Traum geplatzt. „Meine Stärke ist es, Leistung auf den Punkt genau zu bringen", so Kloke über seinen Sieg, den er mit Stabilisatoren im Rücken errang. Obwohl er sich nicht bücken konnte, bestritt Martin Kloke in Bordeaux fünf Wettbewerbe. Neben seinem Erfolg mit dem Colt zeigte er sich überrascht vom fünften Rang mit der Luntenschlosspistole. „Mit der habe ich vor der WM noch nie geschossen. Sie hat auf Anhieb funktioniert. Hier sehe ich noch viel Potential."

Von den Neulingen im Kurzwaffenbereich war Jörg Klock bei seinen vier Einsätzen in Bordeaux nur mit seiner Leistung im Wettbewerb „Colt" auf 25 Meter Entfernung zufrieden. „Durch die Nationalhymnen bei den Siegerehrungen ist das hier eine ganz andere Atmosphäre", zeigte sich der Reinheimer beeindruckt von der Veranstaltung in Bordeaux, „Es ist etwas anderes, als zu Hause auf dem eigenen Stand.". Auf der Girondins-Standanlage sammelte Jörg Klock internationale Erfahrung: „Die Waffenkontrollen waren hier sehr genau, die Aufsichtspersonen sprachen nur französisch und manchmal fragte ich mich, was wollen die von mir." So erlebte er die peinlich genaue Überprüfung seiner Wettkampfpistole für den Cominazzo-Wettbewerb, die der Prüfer nach mehreren Minuten mit einem unerwarteten „wonderful" abschloss. Im deutschen Nationalteam fand sich Jörg Klock auf Anhieb zurecht: „Hier herrscht der Teamgedanken, jeder hilft dir wenn du ein Problem hast. Das bist du einfach dabei."

Ohne deutschen Sieg endeten die sechs Wurfscheibenentscheidungen in Bordeaux. Lediglich Franz Lotspeich konnte mit der Weltspitze mithalten und der zweifache Titelverteidiger schaffte in den Einzelwettbewerben zumindest den Sprung auf das Siegerpodest. „Die Franzosen haben auf ihrem Heimstand ihre Vorteile und alles aufgefahren, was sie haben", meinte der 44-jährige Lotspeich. „Bei den Weltmeisterschaften zählt die internationale Erfahrung und bei uns ist Werner Pahl viele Jahre eine feste Größe gewesen." Der Rücktritt des Emsländers aus dem Nationalteam konnte in Bordeaux nicht ausgeglichen werden. „Bei Weltmeisterschaften bist du vier Tage unter Strom, das zehrt an den Kräften." Während Franz Lotspeich bei seinem 14. Einsatz seit 1989 im Nationalteam mit der ungewohnten französischen Standanlage kaum Probleme hatte, erfüllten Martin Seder, Edgar Samstag und Armin Grübl nicht die Erwartungen. „Ich habe keinen Zug reinbekommen, „meinte Armin Grübl zu seinem verpatzten Auftritt, „ich war einfach nicht sicher."

Franz Lotspeich scheiterte bei der Titelverteidigung im „Manton"-Wettbewerb mit der Steinschlossflinte an Robert Pence. Der Amerikaner hatte 1989 und 1990 zweimal den Weltmeistertitel gewonnen und feierte den einzigen US-Sieg bei den Titelkämpfen. Pence und Lotspeich hatten jeweils 44 der 50 Wurfscheiben getroffen, doch im entscheidenden Shoot-Off setzte sich der US-Schütze mit 5:2 durch. Mit der Perkussionsflinte eröffnete Franz Lotspeich den „Lorenzoni"-Wettbewerb mit optimalen 25 Treffern in der ersten Runde. Fünf Fehlschüsse in der zweiten Runde kosteten dem Söhnstettener die Titelverteidigung: „Es war ein Problem im Kopf, mir hat die Konzentration gefehlt. Du denkst 22 Treffer reichen zum Sieg und dann schießt man bei den ersten drei Scheiben drei Fehler." Danach verlor Lotspeich das Shoot-Off gegen den Australier Brian Miles und musste sich wie in den Jahren 1989 und 2000 mit dem dritten Rang begnügen.

 

„Die Annehmlichkeiten für die Schützen so gut wie möglich zu gestalten", war das Ziel des neuen DSB-Vorderladerreferenten Armin Franke. „Es ist schwierig für mich in die Fußstapfen von Erich Illing zu treten", so der 49-jährige Oberschwabe aus Mengen bei Sigmaringen. Franke ist seit zwanzig Jahren aktiver Vorderladerschütze und Oberschützenmeister der Schützengilde Ennetach. Erfahrung im Funktionärsleben sammelte er zudem als Ligaleiter in Oberschwaben und beim Württemberger Landesverband. Mit der überzeugenden Ausrichtung des Deutschland-Cups der Vorderladerschützen in Ennetach empfahl er sich beim Deutschen Schützenbund für die Nachfolge von Erich Illling. Als Teamchef der Vorderladermannschaft legte er Wert auf Abwechslung und so standen Ausflüge in die Stadt und zur Atlantikküste mit auf dem Programm: „Die Schützen brauchen den Ausgleich." Die Diskussion um die Schießhosen sah Armin Franke letztlich positiv: Wir haben gezeigt, das es auch so geht."

Bei den Wahlen im Internationalen Vorderladerverband (MLAIC) wurde Erich Illing zum Chairman der Technischen Kommission ernannt und sieht seine Hauptaufgabe in der Überarbeitung des Regelwerks: „Was ist erlaubt und was nicht", das muss in jeder Sprache gleich sein." Die Position des wiedergewählten MLAIC-Generalsekretärs Donald Malson sieht Illing durch die Entscheidungen um die deutschen Schießhosen als beschädigt an, nachdem dessen Zustimmung durch die Jury-Mitglieder revidiert wurde. Die Ausweitung des Wettkampfprogramms setzte sich durch die Einführung weiterer Mannschaftswettbewerbe in Bordeaux fort. Waren es vor vier Jahren noch 39 Mannschafts- und Einzelentscheidungen, wurden in Bordeaux bereits 47 Goldmedaillen vergeben und bei den nächsten Titelkämpfen im australischen Adelaide werden 2008 insgesamt 50 Wettbewerbe auf dem Programm stehen. Keine Probleme hat die MLAIC mit Bewerbern um die Ausrichtung von internationalen Meisterschaften. So steht mit dem italienischen Parma der Ausrichter der Europameisterschaften 2007 ebenso fest, wie Australien und Portugal für die Weltmeisterschaften 2008 und 2010. „Vielleicht werden wir die Weltmeisterschaften 2012 wieder nach Pforzheim holen", zeigt sich Erich Illing zuversichtlich, der während der Titelkämpfe von der Fairness eines Holländers besonders beeindruckt war. „Der Niederländer wurde mit Bronze ausgezeichnet, gab dann aber die Medaille zurück. Er wies darauf hin, das die Auswertung seines Ergebnisses um zwei Ringe zu hoch war." Für diese Fairness erhielt Cees Kalfsoel bei der Siegerehrung stehende Ovationen.

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