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Die Schüsse wollten in die Mitte gehen

Neunte Weltmeisterschaft im Hallenbogenschießen in Izmir / Türkei vom 12. bis 18. März 2007

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

 

Der letzte Pfeil der neunten Weltmeisterschaften im Hallenbogenschießen flog mitten ins Gold und sicherte für Deutschland den Weltmeistertitel durch Sebastian Rohrberg mit dem Recurvebogen. Angespannt hatte Bundestrainer Martin Frederick in der Finalhalle des Kulturzentrums in Izmir verfolgt. Jetzt entlud sich die ganze Freude über den ersten deutschen Einzelweltmeister im Bogenschießen. „Das ist unsere erfolgreichste WM aller Zeiten, das hatten wir noch nie.“ Zuvor hatten die deutschen Bogenschützen in den Mannschaftswettbewerben zweimal Silber gewonnen. Eine Gold- und zwei Silbermedaillen kamen für Frederick zum richtigen Zeitpunkt: „Ich wusste, dass das Team was bewegen kann, doch von dieser Form war ich doch überrascht. Wir haben uns Respekt verschafft und gehen mit einer großen Portion Selbstvertrauen ins Freie.“

 

Am Eröffnungstag der Weltmeisterschaften in Izmir feierte Sebastian Rohrberg im zwölfköpfigen deutschen Nationalteam seinen 28. Geburtstag und vier Tage später machte sich der Niedersachse aus Langwedel selbst das schönste Geschenk. „Es hat einfach gefunkt“, beschrieb er seinen Weg zum Weltmeistertitel, „Die Schüsse wollten in die Mitte gehen.“ Vor seinem 118:116 Finalsieg über den Ukrainer Markiyan Ivashko war für Sebastian Rohrberg zunächst nicht alles nach Wunsch gelaufen. Platz 14 nach der 60-Pfeile-Vorrunde ließen eine schwierige Finalrunde erwarten, denn im Achtel- und Viertelfinale drohten die Auseinandersetzungen mit den Dauerrivalen Michele Frangilli und Viktor Wunderle. Gegen den Italiener hatte Rohrberg im Vorjahr seinen Feldbogen-Weltmeistertitel verloren und bei den Hallenweltmeisterschaften 2005 war er im dänischen Aalborg an dem optimal schießenden Amerikaner gescheitert. Zudem hatte der US-Schütze Shawn Rice mit einer 592er Runde die klare Favoritenrolle für das Finale der besten 32 übernommen.

n der ersten Runde traf Rohrberg auf den Finnen Tero Lindroos und hatte bei den zwölf Schüssen mehr Probleme als Erwartet. Der Vorkampf 19. hielt bis zum letzten Schuss mit und der Deutsche schaffte nur knapp mit 116:115 den Einzug ins Achtelfinale. Doch statt Viktor Wunderle wartete in der zweiten Runde Oleksandr Serdyuk auf den Deutschen. Der Ukrainer hatte überraschend den US-Vizeweltmeister von 2005 nach 115:115 im Shoot-Off mit 10:9 besiegt.

 

Gegen Serdyuk zeigte Sebastian Rohrberg erstmals seine Klasse. „Ich habe mich über die Tage immer mehr verbessert“, meinte er in seinem Fazit. Schnell führte Rohrberg mit zwei Ringen und zog mit einem sicheren 118:115 Sieg ins Viertelfinale ein. Im Match gegen Viktor Ruban gelang dem Deutschen nach neun Pfeilen die Vorentscheidung. Der ukrainische Vorkampfsechste hatte Frangilli-Bezwinger Kresimir Struelelj mit 118:116 besiegt und hielt gegen Rohrberg bis zum 58:58 nach sechs Pfeilen mit. Der neunte Pfeil zum 88:87 brachte die Führung, die sich Rohrberg bis zum 117:116 Erfolg nicht mehr nehmen ließ.

„Das ist ein ganz schwerer Brocken“, meinte Bundestrainer Martin Frederick zum bevorstehenden Duell im Halbfinale gegen Marco Galiazzo. Der 23-jährige italienische Olympiasieger von 2004 hatte die Vorrunde als Zweiter beendet und war mit einem 120:111 über den Österreicher Stefan Zangerl optimal in die Finalrunde gestartet. Auch in den nächsten Begegnungen ließ Galiazzo seinen Gegnern mit 119 und 118 Ringen keine Siegchance. Gegen Rohrberg gehörte dem Italiener die Favoritenrolle und das Duell begann bereits beim Einschießen. Während die übrigen Halbfinalisten Pfeil für Pfeil gemäß dem Trainingsprogramm absolvierten, vermieden es Rohrberg und Galiazzo sich beim Einschießen gegenüber zu stehen. Der Deutsche zog sich häufig zu einem Plausch in die Zuschauerränge mit seinen Teamkameraden zurück und Galiazzo lehnte gemütlich lächelnd auf seinem Stuhl und wechselte hie und da einige Worte mit Michele Frangilli. Beide hatten nur wenige Trainingspfeile für das Einschießen genutzt, begannen aber das Duell fehlerlos und hochkonzentriert. 90:90 Unentschieden hieß es nach neun Pfeilen. „Gegen Italiener habe ich schon oft genug verloren, diesmal nicht“, Sebastian Rohrberg gewann das nervenaufreibende Duell, als dem Italiener ein Schuss misslang. Galiazzo schoss den vorletzten Pfeil in die Acht. „Der hat deutlich zu lange gehalten“, Martin Frederick hatte den Fehler des Italieners sofort erkannt, musste aber noch den letzten Schuss von Rohrberg abwarten.

 

."Eine Neun reicht zum gewinnen“, hoffte Frederick, als der zwölffache Deutsche Meister den letzten Schuss noch einmal absetzte. Rohrberg konzentrierte sich neu und schoss den letzten Pfeil unter dem Jubel des deutschen Teams in die Zehn. Mit optimalen 120 Ringen hatte Sebastian Rohrberg das Prestigeduell gegen den sichtlich überraschten Italiener gewonnen und hatte erstmals für Deutschland den Einzug ins Einzelfinale bei den Hallenweltmeisterschaften geschafft.

Die Finalhalle im Kulturpark von Izmir war ganz auf die Ansprüche einer optimalen Fernsehübertragung ausgerichtet und fand auf einem für Bogenschützen ungewohnten von Kameras umgebenen erhöhten Podest statt. Besonders die an einem Schwenkarm befestigte Filmkamera schien einen störenden Einfluss zu haben. „Auf der rechten Seite des Finalstandes hat bisher noch keiner gewonnen“, stellte Werner Rau vor dem sechsten und letzten Finale fest. Im Blickwinkel der Sportler wurde die Kamera ständig bewegt und der langjährige FITA-Kampfrichter wies die Verantwortlichen des türkischen TRT-Fernsehteams auf diese Störmöglichkeiten hin. 

Nicht beeindrucken ließ sich Sebastian Rohrberg. Das Umfeld mit den vollbesetzten Zuschauerrängen war so richtig nach dem Geschmack des ehemaligen Feldbogen-Weltmeisters, der sich seine Chance auf einen zweiten Welttitel im Bogenschießen nicht mehr nehmen ließ. Auch nicht von dem dritten ukrainischen Schützen. „Zwei von denen habe ich schon weggemacht und Ivashko kenne ich schon“, selbstbewusst eröffnet Rohrberg das Finale gegen den 27-jährigen Ukrainer mit sechs Zehner. Ivashko hatte im Jahr 2001 den Vizeweltmeistertitel gewonnen und sechs Jahre später war für ihn wieder nicht mehr möglich. Nach sechs Pfeilen lag er schon drei Ringe hinter Rohrberg, der sich mit dem siebten Pfeil die erste Neun leistete. Doch eine Chance hatte Markiyan Ivashko nicht mehr. „Er hat zu schwerfällig begonnen“,  stellte Martin Frederick bei Ivashko fest, „und Sebastian hat sofort flüssig die ersten Zehner geschossen.“. Als Rohrberg zum letzten Schuss ansetzte, hatte der Ukrainer schon die Schießlinie verlassen und den Kampf um Gold aufgegeben. Mit einer Neun brachte Sebastian Rohrberg den Titelgewinn ins Ziel und ließ sich als neuer Weltmeister ausgiebig feiern. „Er kann sich auch in den dramatischsten Wettkampfsituationen konzentrieren“, unterstrich Bundestrainer Martin Frederick die Stärke von Sebastian Rohrberg, „er strahlt eine starke Ruhe aus und schaut immer gerade aus.“ Für Rohrberg war der Weltmeistertitel in der Halle „ein Schritt nach Leipzig“ mit Blick auf den Gewinn eines Quotenplatzes für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking 2008. „Dieser Sieg macht mich stolz, den habe ich gebraucht.“

 

Dass die drei deutschen Männer mit dem Recurvebogen im Mannschaftswettbewerb das Finale um Gold erreichen, damit hätten nur Optimisten gerechnet. Die Vorrunde schloss das deutsche Team als Sechste ab, doch dann kam eine deutliche Steigerung in der Finalrunde, die das deutsche Trio noch von der Bundesligasaison her bestens kennt. Beim Bundesligist Dauelsen schießt Sebastian Rohrberg immer die letzten Pfeile, doch im deutschen Recurve-Nationalteam übernahm er die Führungsposition. Dahinter stellte sich Jan Christopher Ginzel auf, der mit Sherwood Herne erstmals Finalerfahrung sammelte. Die Verantwortung für die letzten Pfeile übernahm Daniel Hartmann und blieb damit auf der gewohnten Position wie beim Bundesligisten Tacherting. „Es ist eine andere Konstellation im Team, aber Hauptsache die Form stimmt“, meinte Bundestrainer Viktor Bachmann zur deutschen Aufstellung und beobachtete einen konzentrierten Auftakterfolg über Bulgarien mit 235:228 Ringe. Damit hatten die Deutschen sofort ein Zeichen gesetzt und gingen mit viel Selbstbewusstsein ins Viertelfinale gegen Russland. Die Russen wollten in diesem Jahr mehr als die Podestplätze bei den Titelkämpfen 2005 und 2001 und führten nach zwölf Pfeilen mit 116:115 Ringen. Die nächste Sechs-Pfeile-Passé brachte die Wende. „Die Russen machen uns Luft“, bemerkte Martin Frederick, als sich die Mannschaft um Evgeny Rygzenov drei Neuner leistete. Die Deutschen konterten mit optimalen 60 Ringen und brachten weitere sechs Pfeile später einen 234:232 Sieg über die überraschten Russen ins Ziel. Im Viertelfinale warteten die US-Amerikaner, die gegen Frankreich überzeugend mit 235:230 Ringen gewonnen hatten.

 

Gegen die zweifachen Hallenweltmeister von 1995 und 2001 nutzten die drei Deutschen ihre Chance in der zweiten Passé. Eine optimale 60er Serie brachte die 117:114 Führung, die bis zum sicheren 233:229 Sieg hielt. Erst das überraschende Aus im Einzel und danach das Scheitern gegen die Deutschen im Halbfinale. Victor Wunderle musste sich bei diesen Titelkämpfen mit Mannschaftsbronze nach dem glücklichen 30:29 Erfolg im Shoot-Off gegen Japan begnügen.

Die deutschen Männer hatten erstmals den Einzug ins Goldfinale geschafft und damit die bisher beste Platzierung mit dem dritten Rang im Jahr 1999 übertroffen. Im Finale standen sie den hochmotivierten Italienern gegenüber, die seit 1995 bei Weltmeisterschaften immer eine Mannschaftsmedaille gewonnen hatten. Die Weltmeister von 2003 wurmten noch die Niederlagen in den Einzelwettkämpfen und präsentierten sich als kämpferisches Team. Doch Amadeo Tonelli leistete sich als Neuling im italienischen Team immer wieder Neuner und davon profitierten die Deutschen. Ein Zwischenspurt mit drei Zehner in Folge hielt das Match nach zwölf Pfeilen mit 116:116 offen. Michele Frangilli war eine Neun unterlaufen, doch es sollte der letzte Patzer bleiben. Daniel Hartmann und Jan-Christopher Ginzel trafen bei den folgenden Pfeilen nur Neuner und diese Vorlage nutzten die Italiener. Mit einer beeindruckenden Zehnerserie zogen sie unter dem Jubel ihres lautstarken Anhangs davon und holten sich mit 235.228 Ringen ihren zweiten Weltmeistertitel. Dem deutschen Trio blieb am Ende nur noch die anerkennende Zuschauerrolle, doch Sebastian Rohrberg zollte seinen Teamkameraden viel Anerkennung: „Unsere Mannschaft hat professionell gearbeitet und voll überzeugt.“

 

Die deutsche Frauenmannschaft stand den Männern nicht nach und gewann nach einer tollen Finalrunde die zweite Silbermedaille. Zehn Jahre nach dem Mannschaftssieg in Istanbul feierten die Frauen ihren größten Erfolg bei den Hallentitelkämpfen. Ausgangspunkt war eine starke Vorkampfleistung, die Anja Hitzler, Lisa Unruh und Karina Winter als Zweite in die Finalrunde brachte. Als erste Gegnerinnen wurden die Frauen der USA im Viertelfinale mit 232:226 Ringen besiegt. Mit Karina Winter an der Spitze, Anja Hitzler auf Position zwei und Lisa Unruh zum Schluss agierte das deutsche Team in der Aufstellung, wie sie es in den Bundesligateams von Bergmann Borsig Berlin und der SGi Welzheim gewohnt sind. Die Erfahrung von vielen Ligawettkämpfen zahlte sich aus und wie beim Sieg über die USA fiel im Halbfinale gegen das Team der Ukraine die Vorentscheidung in der dritten Passé. Die vierte Finalteilnahme der Weltmeisterinnen von 1995 und 2003 verhinderten die jungen deutschen Frauen mit 227:225 Ringen.

 

Dem Griff nach der Goldmedaille standen jetzt die französischen Titelverteidigerinnen im Weg. Das französische Team um Berengere Schuh zeigte bis zum 18. der 24 Finalpfeile immer wieder Schwächen. Besonders Cyrille Delamare wirkte nervös, nachdem ihr eine Sieben und eine Acht unterlaufen waren. Die drei Deutschen konnten die französischen Patzer nicht nutzen. Anja Hitzler und Karina Winter schossen früh zwei Achter und wenig später schloss sich Lisa Unruh an. Mit 137:144 Ringen lag das deutsche Team zurück, da schaffte es das Trio, mit einer Zehnerserie noch einmal auf 167:170 Ringen zu verkürzen. Doch der Zwischenspurt reichte nicht, denn die Französinnen hatten mit der fehlerlosen Berengere Schuh ihre Form wieder stabilisiert und gewannen mit 229:224 Ringen ihren dritten Weltmeistertitel. Der verpassten Goldmedaille trauerte Lisa Unruh mit dem deutschen Team nicht lange nach: „Es ist schön, sich während des Wettkampfes im Fernsehen zu sehen“, beschrieb sie das Finalschießen mit großen Leinwänden, über die die Aktiven und deren Treffern auf dem Podium optimal den Zuschauern präsentiert wurden.

Die Silbermedaille im Teamwettbewerb entschädigte das deutsche Damentrio für das vorzeitige Aus im Einzelwettbewerb. „Ich hätte mir viel mehr zugetraut“, meinte Lisa Unruh, die erst im dritten Shoot-Off an der späteren Weltmeisterin Nami Hayakawa gescheitert war. Die 18-jährige deutsche Juniorenmeisterin hatte vom achten Vorkampfplatz aus die Finalrunde mit einem sicheren 115:112 über die Amerikanerin Jennifer Comedy-Holmes begonnen.

Im Achtelfinale begann die Japanerin Hayakawa mit einer 30er Passé stark und hielt bis zum 88:86 einen Zwei-Ringe-Vorsprung. Eine 30er Schlussrunde brachte Lisa Unruh zum 116:116 Ausgleich heran und es folgte ein dramatisches Finale. Nach der dritten Zehn im Shoot-Off entschied die Auswertung der Entfernung der Pfeile zur Scheibenmitte um einige Millimeter für die Japanerin. „Ich war nicht schlechter, es waren nur eineinhalb Millimeter“, haderte die Berlinerin mit ihrem Pech. Die siegreiche Nami Hayakawa wurde anschließend zum französischen Alptraum. Nach dem Sieg über Laura Barczynski (118:112) besiegte sie im Finale Berengere Schuh mit 113:111 Ringen und verhinderte damit den zweiten Titelgewinn der 22-jährigen Weltmeisterin von 2003. Auf dem Weg ins Finale hatte Berengere Schuh im Achtelfinale Anja Hitzler mit 117:110 sicher besiegt. Die 24-jährige Welzheimerin hatte zuvor ein aufregendes Duell gegen Khatuna Narimanidze gewonnen. Nach 114:114 Remis ging es über drei Stechschüsse im Shoot-Off, bei dem Anja Hitzler den letzten Pfeil näher zur Scheibenmitte als ihre Gegnerin aus Georgien schoss. „Sie wird immer stabiler“, lobte Bundestrainer Frederick das Stehvermögen der Sportsoldatin.

Für die Überraschung zum Auftakt der neunten Weltmeisterschaften hatte aus deutscher Sicht die 21-jährige Karina Winter gesorgt. Die frischgebackene Deutsche Meisterin aus Berlin erzielte in der ersten Runde 295 von 300 mögliche Ringe und übernahm die Führung des Vorkampfes der 43 Teilnehmerinnen im Recurvebogenbereich.

Weitere 290 Ringe in der zweiten Runde sicherten ihr mit Rang fünf eine glänzende Ausgangsposition für das Finale. „Das war hier ihre persönliche Bestleistung“, freute sich Bundestrainer Frederick, der danach das Aus im Achtelfinale miterlebte. Gegen die Französin Cyrille Delamare reichte es nach einer starken Leistung zum 118:115 Sieg, doch dann beendete Tetyana Dorokhova die deutsche Hoffnungen auf einen erneuten Podiumsplatz nach der Bronzemedaille durch Christina Schäfer zwei Jahre zuvor im dänischen Aalborg. Die Ukrainerin war mit 119:114 Ringen nicht zu schlagen. Die Vizemeisterin von 2005 scheiterte schließlich an der Japanerin Hayakawa und holte sich mit 115:112 gegen die Engländerin Folkard die Bronzemedaille.

 

 „Wir können nicht zufrieden sein“, zog Viktor Bachmann sein Fazit für das Abschneiden im Juniorenbereich. „Es gab schießtechnische Probleme, die konnten wir hier nicht lösen.“ Für eine positive Überraschung sorgte Simon Nesemann: „Sein siebter Platz ist eine sehr gute Leistung“, lobte Bachmann den jungen Nürnberger, der in der zweiten Bundesliga für den GS Boxdorf eine glänzende Saison absolviert hatte. Im Vorkampf war ihm ein Fehlschuss unterlaufen und erreichte als 31. knapp die Finalrunde, die er mit einer Sensation begann. Gegen den Vorkampfzweiten Dmytro Shamatrin aus der Ukraine setzte er sich mit 115:112 Ringen durch und zog anschließend mit glänzenden 117 Ringen gegen den Belgier Ivan Denis (111) ins Viertelfinale ein. Danach stoppte der Russe Alexey Belov den 16-jährigen Franken mit 115:111 Ringen. Als Nesemann die ersten Neuner des Russen nicht zum Ausgleich nutzte, stellte Bachmann fest: „Der Russe hat ihm die Chance gegeben, doch er ist noch jung. Es ist sein erster internationaler Wettkampf.“

Einen starken Einstand im internationalen Bereich, der zum vierten Mal im Rahmen der Hallenmeisterschaften seine Weltmeister ermittelte, gab Rafael Poppenborg. Der Warendorfer führte nach 30 der 60 Vorrundenpfeile mit 293 Ringen die Juniorenkonkurrenz an  und ging als Vierter der 50 Starter in die Finalrunde. Doch die erste Runde brachte das Aus für den Westfalen mit 110:113 Ringen gegen den Usbeken Jamshid Sodikov. „Er hat ungleichmäßig geschossen“, meinte Bundestrainer Viktor Bachmann, „Einen Tag nach den Deutschen Meisterschaften zu den Weltmeisterschaften, das war für die Jungen zuviel.“ Gemeinsam mit dem für Bastian Neusius nachnominierten Berliner Jan Schmerling belegten Simon Nesemann und Rafael Poppenborg in der Mannschaftskonkurrenz den sechsten Platz. Nach dem Erstrundensieg im Finale gegen Schweden kam das Aus mit 225:229 Ringen gegen die Polen. Ähnlich erging es den deutschen Mädchen, die im Viertelfinale ebenfalls an den Polen scheiterten und auf dem siebten Platz im Endklassement landeten. Fünf Tage nach ihrem 17. Geburtstag zeigte Ann-Kathrin Knupfer die beste Leistung in der Einzelkonkurrenz für das deutsche Mädchentrio. Die Reutlingerin hatte zunächst die Schweizerin Tamara Strasser mit 110:108 besiegt, verlor dann aber gegen die Vorkampferste Ming-Chia Pan aus Taiwan mit 113:116 Ringen. Schon in der ersten Runde kam das Aus für die beiden Berlinerinnen Sarah Schwadtke und Elena Richter. Dabei war die 112:114 Niederlage von Elena Richter gegen die Türkin Gul Esen Cebi nach einem guten zehnten Vorkampfplatz eine Enttäuschung.

Ohne deutsche Beteiligung wurden die Wettbewerbe mit dem Compoundbogen ausgetragen. Ihre seit 1995 anhaltende Dominanz unterstrichen die Aktiven aus den USA, die überlegen in den Mannschaftswettbewerben gewannen. Gegen Frankreich gewannen die US-Männer zum fünften Mal den Weltmeistertitel und feierten einen Titelhattrick.

Im Halbfinale gegen die Holländer gelang Dave Cousins,  Reo Wilde und Braden Gellenthien mit 239 von 240 möglichen Ringen ein eindrucksvoller Weltrekord. Ebenfalls zum fünften Mal gewannen die US-Frauen mit dem Sieg über Russland (227:226) den Weltmeistertitel. Im Einzel überraschte Braden Gellenthien seinen favorisierten Teamkameraden Reo Wilde im Viertelfinale mit 119:118 Ringen und besiegte im Finale den Spanier Jose Duo mit 116:114. Bei den Frauen warf die Italienerin Eugenia Salvi die favorisierte Dänin Camilla  Soemod mit 115:114 aus dem Rennen und gewann das Finale um Gold gegen Fatima Agudo mit 117:113. Die spanische Weltmeisterin von 2001 musste sich wie vor zwei Jahren mit dem Vizemeistertitel begnügen.

 

Durch die Erfolge ihrer Nachwuchstalente belegten die russischen Schützen in der Medaillenwertung mit vier Goldmedaillen den ersten Platz vor den US-Amerikanern, die durch ihre Compoundbogenschützen ebenfalls viermal erfolgreich waren. Mit sieben Medaillen, davon dreimal in Gold, folgen die Italiener auf Rang drei. Zehn Jahre nach dem Gewinn des ersten Weltmeistertitels in Istanbul wirkte Bundestrainer Martin Frederick mit den drei Medaillen in Izmir mehr als zufrieden. „Die Türken können jedes Jahr eine Meisterschaft ausrichten“, meinte Frederick schmunzelnd, war aber von den optimalen Bedingungen für die 319 Aktive aus 45 Nationen sehr beeindruckt: „Eine Vorkampfarena mit 87 Scheiben in einer Halle, das hatte schon die Dimension einer Fita-Weltmeisterschaft im Freien.“

 

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