Der Traum vom WM-Titel wird wahr
Weltmeisterschaften der Wurfscheibenschützen in Nicosia / Zypern
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Der Sieg von Christine Brinker im Skeet und die Bronzemedaille durch Karsten Bindrich beim Trap waren die herausragenden Ergebnisse für den Deutschen Schützenbund bei den Einzelwettbewerben der Weltmeisterschaften im Wurfscheibenschießen, die vom 3. bis 9. September 2007 zum zweiten Mal nach 2003 in Zypern auf der Nicosia Olympic Shooting Range von Latsia ausgetragen wurden. „Hier war alles da, was Rang und Namen hat“, unterstrich Bundestrainer Wilhelm Metelmann die Bedeutung der Titelkämpfe, an denen sich über 1000 Aktive aus 83 Nationen beteiligten. „So viele Länder und Teilnehmer hatten wir noch nie und auf Zypern schießt sich sehr gut.“ Zu den beiden Einzelmedaillen gewannen die DSB-Schützen in den Mannschaftswettbewerb Gold bei den Skeet-Junioren und Bronze durch die Trap-Damen.
Da gab es kein Halten mehr. Jubelnd riss Christine Brinker die Arme in die Höhe und wenige Augenblicke später verschwand sie in der Umarmung des überglücklichen Bundestrainer Wilhelm Metelmann. Die Deutsche Meisterin hatte gerade die Weltelite hinter sich gelassen und den ersten Weltmeistertitel für den Deutschen Schützenbund seit 1977 gewonnen. Dreißig Jahre zuvor hatte zuletzt Ruth Jordan im Skeet gesiegt. „Jetzt ist sie in der Weltspitze angekommen“, so Metelmann über den Erfolg der 26-jährigen Sportsoldatin. „Ist doch gar nicht so schlimm gewesen“, war die spontane erste Reaktion von Christine Brinker nach dem Wettkampf, den sie gegen 47 Konkurrentinnen mit zwei optimalen 25er Serien begonnen hatte. Nach 50 Scheiben führte die Deutsche vor einem chinesischen Trio um Olympiasilbermedaillengewinnerin Ning Wei. „Wird sie dem chinesischen Druck gewachsen sein? In der dritten Runde kam dann die Schrecksekunde. Mit dem siebten und achten Schuss verfehlte Christine Brinker auf Stand drei die Scheiben vom Hochhaus. „Die habe ich sofort abgehakt“, beschrieb sie diese Phase und beendete anschließend die Serie ohne weitere Fehler. Mit 73 Treffern behielt sie zunächst die Führung, doch hatte die gesamte Weltspitze jetzt ihre Chance, die Deutsche zu verdrängen. Zunächst scheiterten die beiden Chinesinnen Xiumin Yu und Shan Zhang mit 22er Serien, die anschließend im Shoot-Off sogar noch das Finale der besten Sechs verpassten. Auch die zweifache ungarische Weltmeisterin Diana Igaly scheiterte mit einer schwachen 20er Schlußserie ebenso, wie die Russinnen Avetisyan und Demina. Nur die italienische Weltcupsiegerin von 2006, Chiara Cainero, schaffte es mit einer optimalen 25er Serie mit der Deutschen noch gleichzuziehen. Gerade noch über den Sieg im Shoot-Off schaffte es die Olympiasiegerin von 1996, Kimberly Rhode, mit 71 Treffern das Finale als Sechste zu erreichen.
Vor dem Finale zog sich Christine Brinker zur Vorbereitung mit Roland Kant zurück. „Ich muss eine positive Gedankenführung anbieten“, so der Sportpsychologe aus Frankfurt/Oder über seine Aufgabe, „das verändert auch das Körpergefühl.“ Für Christine Brinker war diese Unterstützung wichtig. „Er denkt positiv, das kann ich gut übernehmen.“ Kant´s einfache Erklärung ist: „Wer keine Fehler macht, gewinnt.“ So wurden die beiden Fehler der dritten Runde eingehend besprochen und die Ausgangsposition für das Finale gestärkt: „Du bist die, die es kann. Du hast die Fähigkeit.“ Für Roland Kant ist Christine Brinker ein Phänomen: „Sie lernt und setzt es um.“ Die Finalrunde brachte dann Assistenztrainer Axel Krämer zum Staunen: „Die Treffer waren alle 10,5 und besser“. Ohne Fehler absolvierte die Deutsche ihre 25-Schuss-Runde, während Chiara Cainero sich auf Stand vier zwei entscheidende Fehler leistete. „Dieser Stand ist der schwerste“, wusste Roland Kant, „doch oft kommen danach nochmals Fehler.“ Diesen Patzer leistete sich die US-Schützin Haley Dunn und damit war der Weg frei für Christine Brinker. „Ich habe insgeheim davon geträumt und dann ist es passiert.“
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Von der Torfrau zur Skeet-Weltmeisterin
Der Weg zum Weltmeistertitel begann für die Westfälin im Jahr 2001, nachdem sie mit ihren Freund Tino Wenzel eigentlich nur den Jagdschein machen wollte. Sieben Jahre lang hatte sie zuvor als Torfrau Fußball gespielt. „Doch dann bin ich bei den Schützen hängen geblieben.“ Für Bundestrainer Metelmann setzte eine kontinuierliche Entwicklung über die Sportfördergruppe der Bundeswehr ein: „Das hat sich ausgezahlt. Sie ordnet alles dem Sport unter und neben ihrem Trainingsfleiß schießt sie eine fantastische Technik.“ Aber auch die Trainingsarbeit im Heimatverein ist für Bundestrainer Metelmann vorbildlich: „In Schale wird eine gute Arbeit gemacht. Dieser Stützpunkt verdient es, gefördert zu werden.“ Christine Brinker sieht mit ihrem Heimtrainer Bernhard Veerkamp „er organisiert das Ganze“ und das fast tägliche Training mit ihrem Freund Tino Wenzel als Grundlage des Erfolgs. „Tino sieht genau wohin ich schieße und merkt, wenn etwas nicht stimmt.“ Für Sportpsychologe Roland Kant „ist Hochleistungssport Teamwork in dem der Sportler im Mittelpunkt steht. Wir marschieren zielgerichtet nach Olympia.“
Das bei Olympia in Peking mit den heimischen Schützinnen zu rechnen ist, bewiesen Xiumin Yu, Shan Zhang und Ning Wei mit einem eindrucksvollen neuen Weltrekord im Mannschaftswettbewerb. Einen tollen Erfolg als Trainer feierte Jan-Erik Henrich. Der ehemalige deutsche Weltklasseschütze arbeitet mit der Thailänderin Sutiya Jiewchaloemmit zusammen. Die 21-jährige erreichte überraschend als Fünfte das Finale und holte sich damit den Quotenplatz für die Olympiateilnahme.
Der letzte Schlager der Skeet-Junioren
Einen Tag nach dem Sieg von Christine Brinker strahlte Junioren-Bundestrainer Axel Krämer über den Erfolg seiner Skeet-Schützlinge. Der 20-jährige Frank Dittmer erzielte zusammen mit dem 18-jährigen Gordon Gosch und dem 16-jährigen Frank Cordesmeyer mit 353 Treffern einen neuen Junioren-Weltrekord. Damit verwies das DSB-Trio die Junioren der USA mit einem Treffer Vorsprung auf den zweiten Platz. „Wir haben den Anschluss zur Weltspitze wieder hergestellt“, so Axel Krämer, „doch es war der letzte Schlager. Dieses Team wird es in dieser Besetzung nicht mehr geben. Frank Dittmer wechselt in der nächsten Saison zu den Erwachsenen und empfahl sich mit starken 120 von 125 möglichen Treffern im Einzelwettbewerb. Zwei Jahre nach dem Gewinn der WM-Bronzemedaille verfehlte er den erneuten Sprung auf das Siegerpodest durch die Niederlage im Shoot-Off mit 2:3 gegen den Amerikaner Blanchard. Ein spannendes Shoot-Off um den fünften Platz entschied Frank Cordesmeyer gegen drei Konkurrenten für sich. „Er schießt erst seit zwei Jahren Skeet“, lobte Axel Krämer die Nervenstärke seines jüngsten Schützlings. Der Schüler aus Rheine behauptete sich nach dem frühzeitigen Ausscheiden des Tschechen Nydrle und des Italieners Polidori mit 8:7 gegen den Ägypter Mehelba.
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Bronze für Bindrich, doch: „The Boss is back“
Der zweifache Olympiasieger Michael Diamond war beim Gewinn seines vierten Weltmeistertitels im Trapschießen der überragende Akteur. „The Boss is back“, lobte Karsten Bindrich die Vorstellung des 35-jährigen aus Sydney. Dabei hatte es zunächst in einer hochklassigen Konkurrenz nicht nach einem Titelgewinn für den Australier ausgesehen, der zuvor zwei Jahre lang keine vordere Platzierung bei einer internationalen Meisterschaft erreicht hatte. Zunächst bestimmten die Männer aus Kuwait bei fast 40 Grad Hitze auf der Standanlage das Geschehen. Der 25-jährige Naser Mequlad führte nach vier Runden mit optimalen 100 Treffern vor seinem vier Jahre älteren Landsmann Khaled Almudhaf, der bis dahin ebenso eine Scheibe verfehlt hatte wie Karsten Bindrich. Der 34-jährige Deutsche aus Eussenhausen hatte vier Jahre zuvor auf Zypern den Weltmeistertitel gewonnen. „In Schale konnte ich mich super auf die WM vorbereiten“, so Bindrich, „Ich habe speziell die verschärften Winkel und das Ein-Schuss-Finale trainiert.“ Der Oberfeldwebel bei der Sportfördergruppe in Oberhof hielt in der Weltelite mit und zeigte in der letzten Runde bei den schwieriger werdenden Bedingungen mit aufkommenden Winden seine Klasse. „Da habe ich alles gegeben, denn es war sehr wacklig“, kommentierte er seine optimale 25er Schlussrunde, mit der er die Führung im Gesamtklassement der 145 Starter im Trapbereich übernahm. Als Einziger hatte Bindrich 124 Treffer vor dem abschließenden Finale auf seinem Konto, während seine fünf Konkurrenten jeweils einen Fehlschuss mehr aufwiesen. Im Finale wurde schnell deutlich, dass die beiden Kuwaitis Mequlad und Almudhaf nicht im Medaillenkampf mithalten können. Auch Karsten Bindrich schoss bereits an der dritten Scheibe vorbei, hielt aber zunächst die Führung vor Michael Diamond und dem unerwartet starken Philip Murphy. Der 49-jährige Ire war völlig überraschend ins Finale gekommen und schoss bis zur 18. Scheibe fehlerlos. Zu diesem Zeitpunkt war Karsten Bindrich durch zwei weitere Fehler auf Rang drei zurück gefallen. „Ich habe den Fehler von Murphy bemerkt und danach prompt einen Doppelfehler gemacht“, beschrieb Karsten Bindrich die Phase, in der er den Kampf um den Vizemeistertitel gegen den Iren verlor. Völlig ungefährtet agierte dagegen Michael Diamond, der fehlerlos das 25-Scheiben-Finale absolvierte und mit seinem Sieg unter dem frenetischen Jubel seiner Landsleute zusätzlich einen Quotenplatz zur Olympiateilnahme für Australiern sicherte. Als der Slowake Mario Filipovic mit dem 21. Schuss zum dritten Mal einen Fehler machte, war die Bronzemedaille für Karsten Bindrich sicher. „In den letzten beiden Jahren bin ich immer wieder als Erster ins Finale gegangen und habe dann keine Medaille gewonnen, deshalb freue ich mich über Bronze zum Jahreshöhepunkt.“ Gleichzeitig rückt Bindrich in die Eliteförderung auf: „Das ist die Grundvoraussetzung, um in der Weltspitze mitzuhalten.“
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Zum Auftakt der Weltmeisterschaften auf Zypern standen die drei deutschen Doppeltrap-Schützen im Blickpunkt, die bisher noch keinen Olympiastartplatz erreichen konnten. Besonders Waldemar Schanz wirkte zuversichtlich, der seine letzte Chance zu seiner vierten Olympiateilnahme nutzen wollte. Doch nach dem siebenstündigen Wettbewerb auf 150 Wurfscheiben hatten die Deutschen ihr Ziel verfehlt. „Wir haben den Anschluss, doch ganz vorne können wir nicht mitspielen“, zog Bundestrainer Wilhelm Metelmann sein Fazit, „doch Doppeltrap wird olympisch bleiben und so versuchen wir es mit unseren Spitzenleuten weiter.“
„Es war heiß, viel zu heiß“, beschrieb Michael Goldbrunner seinen ersten WM-Auftritt bei den Erwachsenen. „Ich bin zum vierten Mal in Zypern, doch das war im ersten Moment ungewohnt.“ Dabei waren für den 21-jährigen Oberbayern die Bedingungen ähnlich wie bei seinem glänzenden Abschneiden im spanischen Granada, als er überraschend den fünften Platz bei den Europameisterschaften belegte. Eine Woche nach Gewinn des Deutschen Meistertitels hatte Goldbrunner mit zwei Problemen zu kämpfen. Als Eishockey-Tormann beim EC Bad Tölz hat er sich einige Fuß- und Knieverletzungen zugezogen. „Die muss ich jetzt erst einmal auskurieren.“ Auch der steile Aufstieg im Doppeltrapsport hinterließ in Zypern seine Spuren. „Mir fällt es schwer, mich zu konzentrieren. Ich habe schon viel mehr erreicht, als ich je geglaubt hätte.“ Mit einer mäßigen 45er Runde begann der gelernte Koch den Wettkampf und lag damit als 44. weit zurück. In der zweiten Runde lief es mit 48 Treffern glänzend und Goldbrunner hatte sich als 16. bis auf wenige Treffer an das Finale der besten Sechs herangeschossen. In der letzten Runde der Weltmeisterschaften keimten die deutschen Hoffnungen auf den Gewinn des Quotenplatzes wieder auf, doch Michael Goldbrunner unterlief bei der neunten Doublette ein entscheidender Doppelfehler. Nach drei weiteren Fehlern kam Goldbrunner auf insgesamt 138 Treffer und fiel auf den 19. Platz zurück. „Ich muss damit zufrieden sein“, so Goldbrunner nach der verpassten Finalteilnahme, „nach den schlechten Trainingsergebnissen hatte ich hier nicht mit dieser Leistung gerechnet.“
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„Er kam nicht in den Rhythmus rein, da war es schon passiert“, kommentierte Bundestrainer Metelmann das frühe Aus von Waldemar Schanz im Kampf um den Quotenplatz. Der Wiesbadener hatte den Wettbewerb mit einer schwachen 43er Runde eröffnet. „Ich habe versucht, mich auf mein Körpergefühl zu konzentrieren und mich dabei viel zu sehr um mich selbst gekümmert und die Scheiben vernachlässigt“, erklärte der zweifache Vize-Weltmeister seinen verpatzten Auftakt. „Das Bild zum Treffen habe ich nicht gefunden. Das wurde erst in der zweiten und dritten Runde besser.“ Vom 52. Rang der ersten Runde verbesserte sich Schanz mit einer 47er Serie auf den 33. Rang und steigerte sich in der Schlußrunde auf 48 Treffer. Ausgerechnet der letzte Schuss vorbei und so blieb für Waldemar Schanz nur der 16. Platz. „In diesem Jahr laufe ich mir ständig hinterher“, so sein Fazit, doch der neunfache Deutsche Meister haderte auch mit der Unterstützung durch den Munitionshersteller. „Die konnten hier nicht liefern und so musste ich die Munition selbst mitbringen. Fünf Kilo reichen halt für eine Meisterschaft nicht. Es waren nicht genug Achteinhalber da.“ Die weit fliegenden Schrotkugeln fehlten Schanz, der in der ersten Runde allein sieben Fehler auf die zweite Scheibe hatte. „Da hat offensichtlich die Durchschlagskraft gefehlt.“
Mit Blick auf den verpassten Quotenplatz für die Olympiateilnahme bleibt Waldemar Schanz dennoch optimistisch. „Die offizielle Chance ist weg, doch ich sehe noch die Möglichkeit einer Wildcard.“ Dabei setzt Schanz auf eine Spitzenplatzierung im Jahr 2008 beim Weltcup in Suhl oder bei den Europameisterschaften auf Zypern. „Meine vierte Olympiateilnahme ist noch möglich, ich bleibe optimistisch.“ Dagegen bleibt Bundestrainer Metelmann skeptisch. „Wir haben bereits sechs Quotenplätze, ob wir da noch eine Wildcard für Doppeltrap dazu bekommen ist fraglich?“
Während die drei Deutschen mit ihrer geschlossenen Teamleistung im Mannschaftswettbewerb mit Rang sechs einen Achtungserfolg erreichten, dominierten die Italiener eindeutig die Titelkämpfe und brachten alle drei Starter ins Finale der besten Acht. Der vierfache Weltmeister Daniele DiSpignio hatte mit 145 von 150 möglichen Treffern die überragende Vorkampfleistung gezeigt und es schien nur eine Formsache auf dem Weg zum fünften Titel zu sein. Doch bei dem am späten Nachmittag starken Wind leistete sich der Favorit im Finale schnell eine Reihe von Fehler und wurde auf den fünften Platz durchgereicht. Plötzlich führten der Chinese Hu und der US-Schütze Joshua Richmond. Doch beide wurden in der Schlußphase noch von dem Italiener Francesco D´Aniello überholt, der sich mit einer 48er Finalrunde überaschend den Weltmeistertitel sicherte. Den begehrten Quotenplatz gewann der Engländer Steven Scott, der den vierten Platz belegte.