Brinker siegt und Metelmann hebt ab
Weltmeisterschaften der Wurfscheibenschützen in Maribor (Slownien)
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Fast wie ein Tiger auf dem Sprung saß Wilhelm Metelmann auf seinem Platz unter den Trainern der sechs Skeet-Finalistinnen, als die Titelverteidigung für Deutschland durch Christine Brinker zum Greifen nah war. „Sie ist das Stabilste, was wir im Wurfscheibenbereich haben“, hatte der Bundestrainer sich zuversichtlich gezeigt, dass die 28-Jährige in der entscheidenden Phase ihre Nervenstärke ausspielt. Vor dem letzten der 25 Schüsse hat Christine Brinker die Chance, als dritte Schützin der Skeetgeschichte den Weltmeistertitel zu verteidigen.
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Dabei hatte der Wettkampftag auf der Gaj Shooting-Range in Maribor alles andere als glücklich für die Titelverteidigerin begonnen. In der ersten Runde zwei Fehler und die deutsche Favoritin bangte um den Einzug ins Finale. Eine 24er Serie in der zweiten Runde brachten Christine Brinker wieder an die Weltelite heran und dann zeigte sie ihre Klasse beim dritten Durchgang. „Dieser Durchgang war eine Augenweide“, freute sich Roland Kant, der als Psychologe des Deutschen Schützenbundes schon am ersten WM-Titel in Zypern „mit positiven Denken“, seinen Anteil hatte. „Ihre Präsenz ist gewachsen und sie zeigt sich hier als absoluter Profi.“ Die Körpersprache der Sportsoldatin beeindruckt. Immer wieder läuft sie auf dem Wettkampffeld hin und her – voll konzentiert, den Blick gesenkt und mit den Gedanken nur beim Wettkampf. Im dritten Durchgang schießt sie fehlerlos alle 25 Scheiben vom Himmel und zieht mit 72 von 75 möglichen Treffern als Dritte ins Finale ein. Die optimale Runde war notwendig, denn Kimberly Rhode patzt im dritten Durchgang einmal und die zweifache Olympiasiegerin aus den USA kommt nur auf Rang sieben. Nicht besser erging es in der dritten Runde Svetlana Demina, die Neunte wird. Der vierfachen Weltmeisterin aus Rußland gelang zuletzt im Jahr 1983 das Kunststück, den Skeet-Weltmeistertitel bei den Frauen zu verteidigen. Die routinierte 48-Jährige hatte mit dem russischen Team zum dritten Mal seit 1998 den Mannschaftstitel gewonnen und als Zuschauerin hoffte sie jetzt auf einen Sieg ihrer Teamkollegin Olga Panarina. Die 38-jährige Europameisterin von 2001 schien im Finale nicht zu stoppen und führte nach 15 Schüssen mit 79 Treffern die Konkurrenz an. Gerade noch das Finale erreicht, patzte Christine Brinker bei der vierten und siebten Scheibe. Für die Titelverteidigerin war der Sieg mit zwei Treffern Rückstand auf die fehlerlose Panarina scheinbar nicht mehr möglich. Die Deutsche war auf Platz fünf zurückgefallen, während mit Katiuscia Spada und Chiara Cainero die Verfolgung der Russin aufgenommen hatten. Mit 73 Treffern hatte überraschend Sutiya Jeewchaloemmit den Vorkampf gewonnen. Die vom Deutschen Jan-Henrik Heinrich trainierte 22-jährige Thailänderin schoss im Finale wie Christine Brinker früh zwei Fehler und fiel nach einem weiteren Fehlschuss auf Rang drei zurück.
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Die Wende im Finale kam mit dem ersten Fehler von Olga Panarina. Danach riss bei der Russin der Faden und drei weitere Patzer bedeuteten das Aus im Kampf um die Medaillenränge. In der Schlussphase schoss auch Chiara Cainero vier Fehler und die amtierende Olympiasiegerin aus Italien wurde auf Rang fünf durchgereicht. Nervenstark in der Schlussphase holte Christine Brinker nach 18 Treffern in Folge auch die letzte Scheibe vom Himmel, doch erst nach Blickkontakt mit Bundestrainer Metelmann war sie sicher – es reicht! Als die letzte Scheibe sich in Staub auflöste riss es Wilhelm Metelmann aus seinem Sitz heraus. Dem deutschen Bundestrainer schienen in diesen Sekunden Flügel zu wachsen. Mit ausgebreiteten Armen stürmte er zunächst in Richtung des DSB-Teams auf der Tribüne und herzte wenig später die Titelverteidigerin aus Ibbenbüren. „Ich bin stolz, den Titel verteidigt zu haben. Dieses Ergebnis hatte ich nicht erwartet, nachdem es in diesem Jahr nicht so gut gelaufen war“, meinte Christine Brinker, die zwei Jahre nach ihrem Erfolg auf Zypern mit der Titelverteidigung für Deutschland erneut Schießsportgeschichte geschrieben hat.
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Im Schatten des Erfolgs von Christine Brinker sammelte Karen Lange erste internationale Erfahrungen. „Wir wollen sie langsam aufbauen“, meinte Bundestrainer Metelmann zum Auftritt der Wolfburgerin, die nach Platz fünf im Vorjahr bei den Deutschen Meisterschaften die WM-Qualifikation mit 67 Treffern erfüllt hatte. Ihrer Unerfahrenheit musste Karen Lange noch viel Tribut zollen. Nach zahlreichen Fehlern bei den Doubletten auf den Ständen vier und sechs war mehr als ein Platz auf den hinteren Rängen nicht möglich. „Sie ist noch nicht schnell genug, doch das kommt noch.“
Seit 22 Jahren warten die deutschen Skeetschützen auf einen Erfolg bei den Weltmeisterschaften. Im Siegerteam von 1987 stand bereits Axel Wegner, der ein Jahr später bei den Olympischen Spielen für die DDR eine Goldmedaille gewann. Der 46-jährige aus Brandis hatte wie seine Teamkameraden Thorsten Hapke und Ralf Buchheim keine Chance in die Entscheidung einzugreifen. Dabei hatten Wegner und Buchheim mit jeweils 25 Treffern im ersten Durchgang optimal begonnen, doch für beide sollten es die besten Runden bleiben. Danach konnte sich nur noch Thorsten Hapke steigern, doch bei dem 34-Jährigen aus Altona kam die optimale 25er Serie im vierten Durchgang zu spät. Mit vier Treffern Rückstand zu den Finalplätze kam Hapke als bester Deutscher auf Rang 29.
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Trotz der schwachen Vorstellung des Männerteams herrschte Freude im deutschen Lager, denn Daniel Wiesemann hatte bei den Junioren völlig überraschend die Bronzemedaille gewonnen. 18 Jahre mussten die DSB-Verantwortlichen warten, bis nach Karsten Bindrich im Jahr 1991, wieder ein deutscher Junior bei den Weltmeisterschaften auf dem Siegerpodest stand. „Du hast hier geschossen wie ein Alter“, freute sich Junioren-Bundestrainer Axel Krämer über den starken Auftritt seines Schützlings. Nach Rang elf am ersten Wettkampftag steigerte sich der 19-jährige Suhler am zweiten Wettkampftag und verfehlte nur eine der 50 Scheiben. Damit erreichte er das Shoot-Off um die Bronzemedaille gegen den Portugiesen Pedro Parreira. „Am ersten Tag war ich schon gut drauf und bin den zweiten Tag locker angegangen“, erzählte Wiesemann nach seinem Erfolg, „Ich wusste, das es geht und habe es einfach gemacht.“ Mit seinem Trainer Uwe Möller hat sich Daniel Wiesemann in den letzten fünf Jahren erheblich gesteigert und bei der WM-Vorbereitung besonders das Shoot-Off trainiert. Das Los bestimmte den Portugiesen zum ersten Schützen, der prompt an der ersten Scheibe vorbei schoss. Anschließend holte Daniel Wiesemann sicher die Wurfscheibe vom Himmel und wurde Sekunden später von der begeisterten deutschen Mannschaft gefeiert. Junioren-Bundestrainer Axel Krämer freute sich über die erste Einzelmedaille seiner Amtszeit und strahlte über die persönliche Bestleistung seines Schützlings. „Er hat fünf Treffer über seinen besten Trainingsleistungen geschossen und damit ein Achtungszeichen gesetzt.“
„Sie haben sich ordentlich entwickelt“, Bundestrainer Wilhelm Metelmann war zuversichtlich, dass seine Schützlinge im Doppeltrap eine gute Leistung zeigen, „Besonders Andreas Löw hat sich stabilisiert.“ Die Erwartungen von Metelmann wurden von seiner Mannschaft in Maribor nicht erfüllt, denn nur nach der ersten Runde lagen Waldemar Schanz, Stefan Ommert und Andreas Löw in Medaillennähe. Mit 48 von 50 Treffern knüpfte Löw an seiner starke Leistung von den Europameisterschaften an, doch der 27-Jährige verpatzte den zweiten Durchgang mit nur 42 Treffern. Ähnlich erging es Waldemar Schanz. Zwei Tage nach seinem 41. Geburtstag begann der ehemalige Vizeweltmeister mit einer guten 47er Runde, doch danach blieb der Wiesbadener mit 45 und 44 Treffern unter seinen Erwartungen. „Ich bin jetzt 25 Jahre im Nationalteam dabei und spüre noch immer den gleichen Biss, wie zu Beginn“, so Waldemar Schanz, der sich mit mehreren Trainingslagern intensiv auf die Weltmeisterschaften vorbereitet hatte. „Mein Ziel ist die vierte Olympiateilnahme, denn nach 2012 werde ich wohl aufhören und langsam in die Trainerschiene wechseln.“
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Während Löw und Schanz nach gutem Beginn zurückfielen, steigerte sich der für Michael Goldbrunner ins Team gekommene Stefan Ommert nach verhaltenem Beginn. Nach einer 46er Auftaktserie und 45 Treffern in der zweiten Runde verfehlte der 30-Jährige im dritten Durchgang nur zwei Scheiben und verbesserte sich mit 139 Treffern auf Rang zwölf. Die Plätze für das Finale der besten Sechs waren zu diesem Zeitpunkt schon vergeben. „Im Doppeltrap gibt es immer mehr Innovationen und die Weltspitze wird höher und breiter“, stellte Waldemar Schanz fest, der wie beim Skeet einen Zweikampf zwischen Italien und der USA um die Weltmeistertitel sah. Die US-Schützen um Olympiasieger Walton Eller stellten den Mannschaftsweltrekord ein und holten den dritten WM-Titel seit 2001 für die USA. Trotz des überragenden Francesco D´Aniello hatten die Italiener keine Chance, ihren achten Weltmeistertitel in der Teamwertung zu gewinnen. Dafür verteidigte der 40-jährige D´Anielle erfolgreich seinen Weltmeistertitel im Einzel. Der Sieg des Olympiazweiten von 2008 stand früh fest und einen Monat nach dem Sieg bei den Europameisterschaften stand der Italiener auch bei den Weltmeisterschaften ganz oben auf dem Siegerpodest.. Walton Eller hatte mit einer optimalen 50er Serie die Konkurrenz zu Beginn geschockt, doch der 26-jährige Texaner musste sich am Ende mit dem undankbaren vierten Platz begnügen.
Unter den über 600 Teilnehmern aus 40 Nationen bestimmten in Maribor die Italiener den Medaillenspiegel. 15mal standen die Italiener auf dem Siegerpodest und holten sechs Goldmedaillen, gefolgt von den US-Amerikanern, die vier Gold- und fünf Silbermedaillen gewannen. Unter den 18 Nationen, die sich im Medaillenspiegel der Titelkämpfe eintrugen, belegte das deutsche Team mit einer Gold- und einer Bronzemedaille den achten Rang.