Juni 1996 - Vierschanzentournee - Mörfelder Schützen-Familie in drei Generationen erfolgreich
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Die Vierschanzentournee auf einen Blick -
von links:
Waldemar junior, Waldemar senior, Heike und Till Schanz |
Bei den Hessenmeisterschaften der Wurfscheibenschützen sind in diesem Jahr drei Generationen der Mörfelder Schötzenfamilie Schanz an den Start. In der Disziplin "Doppeltrap" holten Vater Waldemar Schanz, Sohn Waldemar Schanz junior, Tochter Heike Schanz und deren Sohn Till insgesamt vier Gold- und eine Silbermedaille.
Die Familie Schanz genießt in der Schützengeschichte eine lange und erfolgreiche Tradition. In der vierten Generation kam der Förster Heinrich Schanz im Jahr 1939 aus Bensheim nach Mörfelden. Entsprechend der Familientradition legte Sohn Waldemar im Jahr 1953 seine Jägerprüfung ab, doch im Beruf des Försters folgte der heute 60-jährige seinem Vater nicht nach. Dafür kam er 1954 zu den Mörfelder Hubertusschützen (später: Tell Mörfelden) und begann mit dem Luftgewehrschießen. Mit Fertigstellung der Kleinkalibergewehranlage in Groß-Gerau wechselte Waldemar Schanz im Jahr 1958 zur PSG und war dort lange Jahre der erfolgreichste Gewehrschütze. Höhepunkt war die Glanzleistung mit 595 von 600 m"glichen Ringen im Kleinkaliber-Liegendkampf bei den Gaumeisterschaften. Die Liebe zum Wurfscheibensport erfüllte sich im Jahr 1968. Auf der Standanlage in Groß-Gerau begann eine erfolgreiche Schützenkarriere die bis zum heutigen Tag anhielt. Begleitet wurde Waldemar Schanz dabei von seiner im Jahr 1968 gekauften Bockdoppelflinte "Broadway", mit der seitdem alle Wettkämpfe bestritt. Seit seiner ersten Hessenmeisterschaft, bei der auf 100 Wurfscheiben 195 Patronen verbrauchte und nur 36 Treffer erzielte, bis zu diesem Wochenende holte Schanz mehr als zwanzig Hessenmeistertitel. Höhepunkt seiner aktiven Karriere war der Sieg beim Großen Preis von Gibraltar, den er mit optimalen 100 von 100 möglichen Treffern gewann. Bei den Deutschen Meisterschaften verpaßte er zweimal als Vierter knapp das Siegerpodest. Bereits 1971 begann Schanz mit der Funktionärstätigkeit im Wurfscheibensport und richtet seitdem ununterbrochen die Hessenmeisterschaften aus. Neben seiner Tätigkeit als Landesreferent im Hessischen Schützenverband war Schanz Anfang der 80er Jahre Nachwuchstrainer im Deutschen Schtzenverband. Etwas traurig ist Schanz heute ber die Entwicklung des Wurfscheibensports, dessen olympische Zukunft durch die intensive Kostenentwicklung gefährtet ist. "Durch sichtbare Treffer ist der Wurfscheibensport für Zuschauer attraktiv", so Schanz, der für die Zukunft Regeländerungen sieht, um den Sport noch spannender zu machen.
Sohn Waldemar Schanz junior wurde von seinem Vater schon früh zum Wurfscheibenschießen mitgenommen. Durch seine kräftige Gestalt begann Sohn Waldemar bereits als Elfjähriger mit dem Wurfscheibenschießen. Drei Jahre später wurde er Dritter bei den Hessenmeisterschaften und als 16-jähriger schaffte er nach dem Vierten Rang bei den Deutschen Meisterschaften den Sprung in die Nationalmannschaft. Den endgültigen Durchbruch gelang Waldemar Schanz junior im Jahr 1990, als er zweifachen Deutschen Rekord erzielte. Mit der neuen Wurfscheibendisziplin "Doppeltrap" schaffte der Mörfelder die Teilnahme an dem Olympischen Spielen in Atlanta. Seit seiner Qualilfikation träumt Waldemar Schanz von einer olympischen Medaille. Eine erfolgreiche Generalprobe gelang beim Weltcup in Suhl, den Schanz mit 185 Treffern als Zweiter abschloss und nur von dem Italiener Perra knapp um zwei Treffer übertroffen wurde. In dem Italiener, sowie zwei US-Amerikanern sieht Schanz seine Hauptkonkurrenz in Atlanta. Bis zur Olympiade trainiert er auf der Standanlage in Wiesbaden bis zu fünfmal wöchentlich. Für die Olympia-Vorbereitung verzichtet Schanz auf die Europameisterschaften. Olympia in Atlanta wird der Mörfelder von der Eröffnungs- bis zur Schlussfeier erleben. Sein grosser Tag ist am 24. Juli, wenn es für ihn gilt, das olympische Finale gegen 21.00 (MEZ) zu erreichen.
Mit den Erfolgen von Waldemar Schanz junior haben zwei weitere Familienmitglieder seit zwei Jahren mit dem Wurfscheibensport begonnen und feierten in diesem Jahr ihre ersten Siege. Die zweite Tochter, Heike Schanz, schaffte den Einzelsieg bei den Frauen und zeigt mit der intensiven Betreuung durch ihren erfolgreichen Bruder steile Aufwärtstendenzen. Die 37-jährige Heike Schanz brachte ihren 14-jährigen Sohn Till mit zum WC Wiesbaden, der sich zu einem hoffnungsvollen Nachwuchstalent entwickelt hat. Till Schanz kopiert den Schießstil seines Patenonkels eindrucksvoll und die Mimik bei Treffern und Fehlschüssen läßt seinen Ehrgeiz erkennen. "Für die Olympiade in Sydney wird es wohl noch nicht reichen", so der selbstbewußte Till Schanz, "doch dann...". Mit ihm setzt sich die Reihe der erfolgreichen Wurfscheibenschützen der Familie Schanz fort, die im Schießstand sich durch Konzentration und Schnelligkeit auszeichnen, so dass die vier Mörfelder nur wenige Scheiben fliegen lassen.
Werner Wabnitz