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Gewichtige Männer und die großen Emotionen

BSC Laufdorf gewinnt Finale der Bogen-Bundesliga in Verden an der Aller

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

Bangen, Hoffen, Zaudern, der Sieg, der Jubel und unbändige Freude – in wenigen Sekunden vereinigten sich alle Emotionen bei Siegfried Martin. Es waren die Sekunden, in dem der erste Titelgewinn für den BSC Laufdorf beim Bundesligafinale der Bogenschützen entschieden wurde. Am Ende lag der gewichtigte Vereinschef der Hessen langgestreckt auf dem Boden der Aller-Weser-Halle in Verden und konnte das Glück kaum fassen. „Damit haben wir nicht gerechnet. Das ist der größte Erfolg für unseren Verein." Aber nicht nur Siegfried Martin und sein BSC-Team waren Sieger des neunten Bundesligafinals. „So sind wir publikumswirksam", brachte es Feucht´s Trainer Klaus Schwarz am Ende auf den Punkt. Vor über 400 Zuschauern mit einer glänzenden Moderation von Hartmut Kaunen boten die acht Teams ein spannendes Finale, für das die Gastgeber vom SV Dauelsen alle Voraussetzungen geschaffen hatten. Großes Lob erntete Andreas Hehenberger, der für die gelungene Organisation stand. „Wenn sich Dauelsen wieder für ein Finale bewirbt, mit Sicherheit bekommt der Verein den Zuschlag", zeigte sich auch DSB-Sportleiter Heinz Hütter begeistert von der sechsstündigen Veranstaltung mit buntem Rahmenprogramm während der Wettkampfpausen. „Wir müssen da hingehen, wo etwas geht", ergänzte Ligaleiter Reinhold Ruhl. „Mein Ziel war es, das schönste und größte Bundesligafinale der Bogenschützen auszurichten", so Andreas Hehenberger, „Mein Traum hat sich erfüllt. Es war eine riesige Sache vor einem begeisterten Publikum und dann noch eine Medaille für unseren Verein. Einfach toll."

Vor lauter Begeisterung schnappte sich der 38-jährige ein Rhönrad und rollte unter dem Jubel der Aktiven und Zuschauer zur Siegerehrung. Als Dank für sein Engagement erhielt er von DSB-Sportleiter Heinz Hütter ein Buch mit dem Titel „Begeisterung".

Während der BSC Laufdorf als neuer Meister, Ausrichter SV Dauelsen auf Rang zwei und Titelverteidiger BS Feucht mit der Bronzemedaille sich als Sieger des neunten Bundesligafinales feiern ließen, gab es für vier Vereine herbe Enttäuschungen. Wieder einmal hatte es für den SV Querum nicht zum Sieg gereicht. Nach der Vorrunde galten die Kemper-Schützlinge als Titelfavorit, doch für den Nordmeister reichte es nur zum undankbaren vierten Rang. Als die Sieger ihre Medaillen erhielten, war die enttäuschte Mannschaft der SGi Welzheim schon auf der Heimreise. Der dreifache Deutsche Meister war in der A-Gruppe als Dritter vorzeitig ebenso ausgeschieden, wie die zweifachen Titelträger FSG Tacherting und Bergmann Borsig Berlin.

 

Begonnen hatte das Finale mit einem starken Auftritt des SV Querum. Gegen den Südvierten ATSV Oberkotzau zeigten Michael Frankenberg, Jens Pieper und Florian Floto eine souveräne Leistung und unterstrichen mit 262:248 Ringen ihre Titelambitionen. Der 17-jährige Florian Floto beeindruckte dabei mit optimalen 90 Ringen mit seinen neun Pfeilen auf der dritten Mannschaftsposition.

Gleichzeitig erlebte die SGi Welzheim ihre erste Überraschung. „Heute schießen sie alle schlecht", haderte Trainer Julius Steinheil mit den Leistungen von Sandra Sachse, Alexander Fröse und Jeff Henckels. „Das war ein Blindstart." Welzheim verlor das Auftaktmatch mit 251:254 Ringen gegen den BSC Laufdorf. Alexander Fröse hatte nur 83 Ringe erzielt und es sollten die letzten Pfeile des 35-jährigen für Welzheim sein. Der ehemalige Nationalschütze war bereits vor dem Finale nach neun Bundesligajahren aus dem Team verabschiedet werden und der ehemalige Nationalschütze wurde danach durch Anja Hitzler auf Position zwei ersetzt.

Der Wechsel im Welzheimer Team zahlte sich aus. Gegen Finalneuling Oberkotzau stellten die Württemberger den Bundesligarekord mit 266 von 270 möglichen Ringen ein und wahrten gegen den Südvierten (255) die Chance auf das Halbfinale. Die eingewechselte Anja Hitzler hatte auf Anhieb optimale 90 Ringe erzielt. „Wir können´s doch", strahlte Trainer Steinheil, „wenn wir rausfliegen, dann wenigsten mit Deutschen Rekord." Während die Welzheimer Hoffnungen stiegen, gab es lange Gesichter beim SV Querum.

Wieder erwies sich der BSC Laufdorf als Stolperstein. Nach dem Erfolg über Welzheim setzten sich die Hessen mit 258:255 Ringen gegen einen weiteren Favoriten durch und jetzt standen die Schützlinge von Trainer Siegfried Martin im Blickpunkt. Bruno Wörlein, Stefan Kolodzeiski und Marcus Müller nutzten die Siegchance, als Florian Floto mit dem dritten Pfeil in der ersten Passé eine Sieben unterlief. Marcus Müller machte dadurch auf der dritten Mannschaftsposition mit drei Zehner den Rückstand wett und der 28-jährige ehemalige Nationalschütze hatte mit 89 Ringen den größten Anteil am Einzug ins Halbfinale der Hessen.

Der Verlierer des Favoritenduells zwischen Querum und Welzheim musste vorzeitig die Koffer packen und die Nervosität war den beiden Teams vor dem dritten Wettkampf anzumerken. Beide Trainer vertrauten trotz der vorangegangenen Niederlagen auf ihre Mannschaftsaufstellungen und mit optimalen 30 Ringen brachte Michael Frankenberg das Querumer Team schnell in Front. Der knappe Vorsprung beflügelte die Niedersachsen und in der zweiten Passé schossen Frankenberg, Pieper und Floto allesamt Zehner und mit optimalen 90 Ringen waren sie nicht mehr zu stoppen. Entnervt gaben sich die Welzheimer in der Schlussphase geschlagen und mit 265:253 war der dreifache Bundesligameister bei seiner neunten Finalteilnahme zum drittenmal vorzeitig ausgeschieden.

Der erste Finalauftritt des ATSV Oberkotzau endete in Verden mit 257:259 Ringen gegen den BSC Laufdorf. Claudia Wohlleben, Frank Fischer, Oliver Ries und Claus Nagel hatten zwar keine Begegnung gewonnen, doch mit ihren Ringleistungen bewiesen, dass sich die Oberfranken zu recht als vierte Südmannschaft für das Finale qualifiziert hatten.

Der mit Spannung erwartete Auftritt von Titelverteidiger BS Feucht endete in der B-Gruppe mit einem glanzvollen 261:252 Erfolg über Berlin. Angefeuert von den vielen Fans auf den Zuschauerrängen hatte sich Feucht´s Trainer Klaus Schwarz kurzfristig für eine Änderung der Aufstellung entschieden. Erwartet wurde Jonas Biebl, der in der Bundesligasaison nicht in der ersten Mannschaft eingesetzt wurde. Doch der 16-jährige hatte beim Einschießen den letzten Pfeil in die Sieben geschossen.

Schwarz reagierte sofort und brachte neben den gesetzten Christian Weiss auf Position eins und Daniel Hartmann auf der dritten Mannschaftsposition seine Ehefrau Manuela. Die 36-jährige rechtfertigte das Vertrauen ihres Ehemannes mit glänzenden 88 Ringen gegen das Bergmann-Borsig-Team. „Ein glückliches Händchen muss man haben", grinste der Feuchter Coach. Dagegen wirkte Andreas Hehenberger vom ersten Auftritt seiner Mannschaft vor eigenem Publikum geschockt. Dauelsen hatte das erste Match gegen die FSG Tacherting nach schwacher Leistung mit 249:251 Ringen verloren und Hehenberger suchte Erklärungen.

„Henning Lüpkemann zu aufgeregt, Holger Rohrbeck mit familären Problemen und Sebastian Rohrberg musste kurzfristig einen neuen Bogen einsetzen." Immerhin hatte Rohrberg glänzende 89 Ringe erzielt, doch zahlreiche Achter seiner Teamkollegen konnte der 26-jährige damit nicht ausgleichen. Die Niederlage brachte die Gastgeber im anschließenden Match gegen Bergmann Borsig Berlin sofort in Zugzwang Als Karina Winter, Lisa Unruh und Elena Richter nach 18 Pfeilen mit 171:169 Ringen führten saß Trainer Andreas Hehenberger ratlos auf dem Hallenboden.

Doch ein Patzer von Karina Winter leitete die Wende ein. „Ich habe lange gezielt, im letzten Moment habe ich gemerkt das es der falsche Spot ist, doch der Pfeil löste sich", erklärte die 20-jährige Berlinerin ihren Fehlschuss. Statt auf den unteren hatte sie den dritten Pfeil wieder auf den mittleren Spot geschossen. Diese Nullwertung kostete das Berliner Damenteam die Führung und mit 245:257 Ringen war der zweifache Deutsche Meister bei der neunten Finalteilnahme zum zweitenmal vorzeitig ausgeschieden. Gleichzeitig hatte Vorjahresmeister BS Feucht die FSG Tacherting mit 252:249 Ringen besiegt und sich vorzeitig den Einzug ins Halbfinale gesichert. „Meine Mädels sind heute Achter-Königinnen", haderte Klaus Schwarz mit den Leistungen von Manuela Schwarz und Eva Müller, die sich auf der Einschießscheibe nicht für einen Einsatz im Team empfehlen konnte. Die Tachertinger Siegchancen vergab auf Position zwei Elisabeth Schöttner in der Schlussphase. Zwei Achter und eine Neun mit den letzten drei Pfeilen waren zu wenig und konnten von Armin Garnreiter und Robert Blum nicht mehr ausgeglichen werden. Anschließend verloren die Bayern mit 253:258 Ringen gegen Berlin und schieden wie im Vorjahr als Gruppenletzter aus.

„Der Schwarz ist ein Schlitzohr", vermutete Ligaleiter Reinhold Ruhl beim anschließenden Auftritt der Feuchter Mannschaft gegen Dauelsen. Bereits für das Halbfinale qualifiziert, mussten die Franken mit mindesten sieben Ringen verlieren um den stark eingeschätzten SV Querum auf dem Weg ins Finale nicht zu begegnen. 250:257 hieß der Endstand und zwei Wünsche hatten sich erfüllt. Im Halbfinale traf Feucht auf die schwächer eingeschätzten Laufdorfer und Dauelsen hatte mit dem SV Querum seinen Wunschgegner.

Das Prestigeduell der beiden Niedersachsenteams wurde früh entschieden. Jens Pieper schoss seinen dritten Pfeil an der Scheibe vorbei und diese unverhoffte Chance zum Sieg ließen sich die Gastgeber nicht mehr nehmen. Bei ihrer siebten Finalteilnahme wollte Adolf Kemper mit dem Querumer Team unbedingt erstmals den Titel gewinnen, doch der Pieper-Patzer verdarb alle Hoffnungen. Mit 258:248 Ringen zog Dauelsen ins Finale ein und die Zuschauer skandierten: „Zugabe, Zugabe, Zugabe." Adolf Kemper haderte mit der verpassten Titelchance: „Jens war bei diesem Schuss nicht zielorientiert. Da kommt man nicht mehr heran und die ganze Vorrunde kann man vergessen. Im Finale wird alles wieder neu gemischt. Nächstes Jahr nehmen wir den Titelgewinn wieder in Angriff."

 

Die Hoffnungen auf den Finaleinzug von Titelverteidiger Feucht zerstörten die Laufdorfer BSC-Schützen mit 256:254 Ringen und Siegfried Martin war begeistert: „Die Jungs sind heiß, jetzt ist alles drin." Bruno Wörlein entwickelte sich zum Laufdorfer Leistungsträger. Auf Position eins brachte der erfahrene 45-jährige Linksschütze seine Mannschaft immer wieder in Führung. Aber Laufdorf wackelte in der Schlussphase durch eine Acht von Stefan Kolodzeiski und Daniel Hartmann kämpfte sich für Feucht mit drei Zehner noch einmal heran. Eine 29er Passé von Marcus Müller sicherte den knappen 256:254 Sieg und die Hessen hatten zum drittenmal nach 2002 und 2003 den Finaleinzug geschafft.

Im Bronzefinale gegen den SV Querum wechselte Feucht´s Trainer Klaus Schwarz erstmals den jungen Jonas Biebl ein, der zusammen mit Christian Weiss und Daniel Hartmann den 258:257 Sieg schaffte. „Das war unser Minimalziel", war Schwarz trotz der verpassten Titelverteidigung mit seinem jungen Team zufrieden.

 

Gelassenheit demonstrierte Sebastian Rohrberg vor dem Goldfinale gegen den BSC Laufdorf. „Fangt schon mal an, ich komme gleich", der Nationalschütze war die Ruhe selbst, doch auf Position eins war Henning Lüpkemann der Belastung nicht gewachsen. Der 22-jährige stand dem in Topform schießenden Bruno Wörlein gegenüber und das entschied um den Meistertitel. Lüpkemann eröffnete mit einer 26er Passé und Wörlein setzte optimale 30 Ringe dagegen.

 

In der zweiten Runde schoss Lüpkemann zwei Achter und eine Neun während Wörlein wieder optimal ins Gold traf. Das war die Grundlage zum klaren 259:246 Finalsieg für Laufdorf. „Da tun sich die anderen schwer. Mit der Wörlein´s Gelassenheit und Erfahrung waren wir von Anfang an konzentriert", erklärte Trainer Siegfried Martin den ersten Titelgewinn. Auf Position drei hatte Marcus Müller die fünf Laufdorfer Siege ins Ziel gebracht und hatte dabei teilweise für drei Schüsse nur 30 Sekunden Zeit: „Druck ist ein Element das mich reizt. Aber der entscheidende Mann war Bruno Wörlein, er hat den Gegnern Respekt verschafft."

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