Insel der Götter bringt Schanz Erfolg zurück
Es ist die Insel, wo die Götter Urlaub machen. In der Mythologie sollen die Göttinnen Aphrodite und Venus dort geboren worden sein. Der Faszination Zyperns erlegen ist Waldemar Schanz, der bei einem hervorragend besetzten Wurfscheiben-Grand Prix auf der Standanlage in der Nähe von Nicosia in die Erfolgsspur zurückkehrte. Seinen letzten großen Erfolg feierte der 31-jährige Wiesbadener 1998 mit seinem Sieg bei den Europameisterschaften in Zypern. Seitdem wartete Schanz vergeblich auf einen internationalen Sieg, auf dem Weg zur Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sydney.
"Stand und Klima liegen mir", kommentierte er sein erfolgreiches Comeback in Zypern, "es war ein wichtiger Sieg, weil im Olympiajahr". Damit untermauerte Waldemar Schanz seine "Wildcard" die ihm die Teilnahme an den Olympischen Spielen sicherte . "Ich bin auf dem richtigen Weg", so Schanz, "ich kann sie alle schlagen".
Sicherer als das Ergebnis es aussagt, gewann Schanz in seiner Spezialdisziplin "Doppeltrap". Mit einem Treffer Vorsprung erreichte er mit 137 von 150 möglichen Scheiben das Finale der besten Sechs. "Danach schoß ich 32mal fehlerlos", damit zeigte sich Schanz in seinem vierten Saisonwettkampf in bestechender Frühform, "danach bin ich leichtsinnig geworden, doch ein Treffer Vorsprung hat zum Sieg gereicht".
Nicht nur das angenehme Klima auf Zypern hat für den positiven Umschwung bei dem WCW-Schützen gesorgt. Nach dem unbefriedigenden Saisonende 1999 mit der verpaßten Olympiaqualifikation bei den Welt- und Europameisterschaften hat Schanz seine Fehler analysiert: "Ich bin zu sehr abhängig von der Elektronik", resümierte er seine unterschiedlichen Resultate. In der Winterpause wurde die Umstellung der Schießtechnik zunächst theoretisch erarbeitet, die beim Trainingslager im Februar auf der griechischen Insel Kreta praktisch umgesetzt wurde: "Erst wenn ich die Scheibe sehe, gebe ich Energie", erklärt er das Geheimnis seines Comebacks, "früher bin ich mit dem Abruf sofort in die Scheibe reingestartet".
"Schießen ist mein Lebensmittelpunkt", umreißt Schanz seine Ambitionen, weiterhin in der internationalen Spitzenklasse mithalten zu können, "in der heutigen Gesellschaft ist das ein großes Risiko, doch ich will machen, was mir Erfüllung gibt". Unterstützen soll ihn dabei auch seine neue Freundin Sandra, "sie wohnt nur zwei Minuten vom Schießstand in Wiesbaden weg". So wird der Mörfelder bald seinen Wohnsitz in die hessische Landeshauptstadt verlegen. Geändert haben sich auch die nationalen Ambitionen des erfolgreichsten Aktiven des WC Wiesbaden, der künftig in der Disziplin "Trap" für Frankfurt-Oder und im "Doppeltrap" für den SC Diana Hoppegarten Berlin starten wird. "Das ist eine neue sportliche Herausforderung", erklärt er seinen Wechsel, bleibt aber seinen Heimatverein mit der Disziplin "Skeet" verbunden. Das Skeetschießen hat Schanz in der Saison 2000 als Hobby begonnen, will sich aber für die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften qualifizieren. "Mal was anderes machen, ich flexibler in der Bewegung werden."
Optimale Trainingsbedingungen erwartet sich Schanz ab Mai 2000 in der Bundeswehr-Sportfördergruppe, der er bereits bis 1990 angehörte: "da habe ich mich damals so verbessert, dass ich meinen ersten Deutschen Meistertitel gewonnen habe".