Impressum

Oktober 1995 - Olympia 1996 - mit Waldemar Schanz

Waldemar Schanz im Jahr 1995

Mit "Waldemar Schanz" findet sich ein im Schießsport klangvoller Name gleich zweimal in der Mitgliederstatistik der Privilegierten Schützengesellschaft Groß-Gerau. Besonders klangvoll ist der Name Schanz nachdem Waldemar junior in diesem Jahr die Norm für die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta erfüllt hat. Der 26-jährige Waldemar Schanz junior hat die Qualifikation in der Disziplin "Doppeltrap" beim Wurfscheibenschiessen geschafft. Bei den Weltmeisterschaften auf Zypern hat er im Juni 187 von 200 möglichen Wurfscheiben getroffen und mit der Silbermedaille das Soll erfüllt. Als Zugabe kam anschließend bei den Europameisterschaften im finnischen Lahti der fünfte Rang.

Begonnen hatte die Geschichte des heutigen Weltcupsiegers, der für den WC Wiesbaden startet und in Mörfelden wohnt auf der Standanlage in Groß-Gerau. 1981, als das Wurfscheibenschiessen in Groá-Gerau noch in voller Blüte stand, wurde Waldemar Schanz junior Mitglied in der Privilegierten Schtzengesellschaft. Sein Vater, Waldemar Schanz senior, war zu diesem Zeitpunkt Vorsitzender des WTC Groß-Gerau, dem 1975 gegründeten Wurfscheibenclubs, der auf der PSG-Standanlage schoss. Schanz senior selbst gehörte der PSG bereits seit 1958 an. Er war Anfang der 60er Jahre einer der besten Gross-Gerauer Gewehrschützen. Sein besonderes Engagement galt dann aber dem Wurfscheibenschiessen, das in Gross-Gerau 1959 begann. Die Wurfscheibenanlage wurde stetig modernisiert und immer mehr auswärtige Schützen kamen nach Gross-Gerau, bis 1975 der WTC Gross-Gerau als reiner Wurfscheibenclub gegründet wurde. Bis 1986 dominierten Aktive des WTC das Wurfscheibenschiessen im Hessischen Schützenverband. In dieser Zeit schaffte Waldemar Schanz junior den Sprung in die Deutsche Nationalmannschaft.

Die Suche nach einem geeigneten Gelände für das Wurfscheibenschiessen blieb im Kreis Gross-Gerau erfolglos, nachdem der Schießstand auf dem PSG-Gelände (das heutige Bogensportgelände) aus Umweltgründen geschlossen wurde und sich der WTC Gross-Gerau im Jahr 1989 auflöste.

Waldemar Schanz senior, heute Wurfscheibenreferent im Hessischen Schützenverband, wechselte zum SSV Viernheim und sein Sohn Waldemar junior schloss sich dem WC Wiesbaden an, der über eine optimale Standanlage verfügt. Mit seiner 11.000 Mark teuren Flinte findet Waldemar Schanz für sein umfangreiches Training im Vorfeld der Olympiade optimale Bedingungen.

Treu geblieben sind Vater und Sohn Schanz der PSG Gross-Gerau als Mitglieder. Vielleicht kann die PSG im nächsten Jahr eines ihrer Mitglieder als Medaillengewinner bei der Olympiade in Atlanta feiern. Wenn's klappt, dann wär's ein echter "Knaller".

Werner Wabnitz für die Info-Zeitung der PSG Groß-Gerau

 

November 1997 - Schanz: Einziger Deutscher in der Weltspitze

Weltmeisterschaften der Wurfscheibenschützen in Peru

Einen seinen größten Schießsporterfolge feierte der Mörfelder Waldemar Schanz bei den Weltmeisterschaften der Wurfscheibenschützen in Lima (Peru). als einziger Medaillengewinner der Deutschen Nationalmannschaft kehrte Schanz von den Welttitelkämpfen zurück. "Ich habe diesen Vizeweltmeistertitel ganz intensiv erlebt" beschrieb Schanz sein Glücksgefühl. Der Mörfelder hatte in Peru den Gewinn der Silbermedaille in der Disziplin "Doppeltrap" aus dem Jahr 1995 auf Zypern wiederholt. Damals war das der erste große Erfolg für den Mörfelder, der für den WC Wiesbaden startet. "Die WM war aber kein Vergleich mit der Olympiade", so Schanz, dem in Atlanta keine vordere Plazierung gelang.

In Lima profitierte Waldemar Schanz von seiner guten körperlichen Verfassung. "Viele Schützen hatten Probleme mit Durchfall" beschrieb Schanz die Situation vor seinem Wettkampf. "In der Anfangsphase war ich zu hektisch, erst in der zweiten Runde war ich gut drauf", so Schanz, der bei den ersten fünfzig Schüssen fünf Wurfscheiben verfehlte. In der zweiten 50-Schuá-Runde verfehlte nur eine Wurfscheibe und kam damit bis auf zwei Treffer an den australischen Olympiasieger Mark Russell heran. Der schnelle Wettkampf lag dem Mörfelder: "Das war schon eine Rennerei von Schuss zu Schuss. In der dritten Runde habe ich dann kurz den Faden verloren", erinnert sich Schanz an die fünf Fehlschüsse, die ihn klar hinter Russell zurückwarfen. Gleichzeitig zogen die beiden Italiener Cenci und Di Spigno mit dem Deutschen gleich. Im Kampf um die Goldmedaille war der Australier nicht zu schlagen. Nach 145 von 150 Treffern in der Vorrunde brachte der Olympiasieger mit 44 Finaltreffern seinen Sieg sicher ins Ziel. Im Finale kämpfte Waldemar Schanz lange mit dem Italiener Cenci um Silber. Mit dem letzten Schuss verfehlte Cenci die Wurfscheibe und damit hatte der Mörfelder seinen Vize-Weltmeistertitel verteidigt.

Mit dem letzten Schuss der WM in Peru beginnt für Waldemar Schanz eine viermonatige Wettkampfpause. Nur zum Training wird der Mörfelder immer wieder nach Wiesbaden fahren: "Es muss halt knallen", so Schanz, der im Jahr 1998 bereits sein nächstes Ziel im Visier hat: "Ein Weltmeistertitel in Barcelona".

 

Februar 1998 - Neues von der Schanz-Familie

"Hier in Deutschland kannst du vom Schießsport allein einfach nicht leben", so der Titel eines vierspaltigen Berichts des Wiesbadener Kuriers. Der Kurier berichtete von den Wechselabsichten des Mörfelder Wurfscheiben-Vizeweltmeisters Waldemar Schanz junior in die USA.

Wiesbaden verliert mit Vizeweltmeister Waldemar Schanz einen seiner prominentesten Sportler, so der Kurier ber das Thema, dass beim Deutschen Schützenbund wie eine Bombe eingeschlagen haben dürfte. Schanz wird vom Kurier entsprechend zitiert und ergänzt: "...das Land und die Menschen reizen mich und ich freue mich auf eine neue Herausforderung."

Nicht nur der Wiesbadener Wurfscheibenclub bedauert den USA-Wechsel des Mörfelders. Mit dem Namen Waldemar Schanz ist auch bei der PSG Groß-Gerau eine lange und erfolgreiche Tradition verbunden. Vater Waldemar Schanz und sein Sohn sind beide PSG-Mitglieder. Wenn der Kurier-Bericht sich bestätigt, ist der Weggang von Waldemar Schanz junior auch ein Verlust für den Verein.

Sicher wird Schanz weiterhin der Deutschen Nationalmannschaft zur Verfügung stehen, denn: "die olympischen Spiele im Jahr 2000 in Sydney sind noch im Hinterkopf. Bis dahin kann allerdings noch viel passieren".

Waldemar Schanz im Jahr 1998

April 1998 - Waldemar Schanz: Im Westen was Neues - Vize-Weltmeister setzt sich neue Ziele

Der Auftritt des amtierenden Vizeweltmeisters im Wurfscheiben "Trap", Waldemar Schanz aus Mörfelden, stand im Mittelpunkt des Medieninteresses beim neunten Internationalen Trap-Meeting in Wiesbaden. Der 29-jährige Olympiateilnehmer hatte vor einigen Wochen mit der Ankündigung für Furore gesorgt, dass er seinen Wohnsitz in die USA verlegen will. "Du musst Spaß haben am Leben", erzählte Schanz über seine Absichten, die ihn in den Westen der USA nach Oregon führen sollen. Zusammen mit seiner künftigen Ehefrau Trish und der Familie seiner Schwester Heike Schanz hat der zur Zeit erfolgreichste Wurfscheibenschütze Deutschlands bereits ein Wohnhaus in Bend angemietet. Schanz sucht in Amerika eine neue Herausforderung, nachdem den angehenden Zahnmediziner Zweifel an seinem künftigen Beruf kamen. Der Mörfelder sucht seine neuen Ziele im schießsportlichen Bereich, doch: "Vielleicht wird´s was ganz anderes", so Schanz. Immerhin hat der in Oregon unbekannte Vizeweltmeister in der Nähe seines neuen Wohnsitzes bereits eine erste Trainingseinheit absolviert. Schmunzelnd berichtet er über die anerkennenden Worte der anwesenden US-Schützen, während seines Trainings: "Aus ihm könnte mal ein guter Schütze werden."

Trotz seines Wohnsitzwechsels will Waldemar Schanz seine internationale Karriere in der Deutschen Nationalmannschaft fortsetzen: "Mein Ziel ist Sydney 2000", macht Schanz sein Ziel fest: "Im deutschen Team stimmt das Umfeld" ist der Mörfelder zuversichtlich alle wichtigen Wettkämpfe bestreiten zu können.

Probleme seinen hohen Leistungsstandard in den USA halten zu können, sieht Schanz nicht: "Dort gibt es viele Wurfscheibenschützen mit einer hohen Leistungsdichte". Erst nach den Weltmeisterschaften in Barcelona wird Waldemar Schanz wieder in die USA reisen. "Ich will mir meiner Sache erst sicher sein", kommentierte Schanz verfrühte Medienberichte über seinen Wohnsitzwechsel. "Da kam einiges negativ rüber", bedauert der Mörfelder, dessen sportliche Karriere stark durch die Förderung bestimmt ist: "Ohne die Sporthilfe hätte ich schon aufgehört".

 

Mai 1998 - Waldemar Schanz: Drei Treffer fehlen zum Olympiaquotenplatz
Weltcup der Wurfscheibenschützen in Brunei

"So einen Luxus haben wir noch nicht erlebt", einhellige Begeisterung herrschte unter den deutschen Teilnehmern nach dem ersten Wurfscheiben-Weltcup im Sultanat Brunei. "In Brunei schiessen nur die Prinzen der königlichen Familie", erzählt Bundestrainer Rudi Hager über das Engagement für den Wurfscheibensport im 230.000 Einwohner zählenden Sultanat. Sieben Stände wurden in Brunei errichtet für das Ziel, im Jahr 2006 die Weltmeisterschaften auszutragen. "Das ist die beste Anlage der Welt", so der weitgereiste Bundestrainer, der gemeinsam mit Norbert Knick und vier Aktiven den 18-stündigen Flug nach Brunei für den DSB unternahm. Während des Weltcups vom 30. April bis 9. Mai 1998 war das Team sogar zum Abendessen beim Deutschen Botschafter eingeladen.

Bei den Weltcupentscheidungen gingen insgesamt 230 Starter in drei Disziplinen in den Stand. Für das herausragende deutsche Resultat sorgte Vize-Weltmeister Waldemar Schanz aus Mörfelden im Doppeltrap. Nach dem 150 Scheiben-Vorkampf lag Schanz nur zwei Treffer hinter dem führenden Italiener Daniele DiSpigno. Die Hoffnungen mit einem Sieg den ersten Quotenplatz für Olympia 2000 in Sydney zu holen, verpaßte Waldemar Schanz im Finale nur knapp. Mit fünf Fehlschüssen konnte er nicht mit dem Italiener mithalten und er verpaßte den Sieg um drei Treffer. Den zweiten Platz sicherte sich Schanz im Stechen gegen den Amerikaner Dominic Grazioli. Der 34-jährige US-Schütze hatte bisher nur durch Spitzenresultate im Trap-Bereich sich in den Blickpunkt geschoben. Waldemar Schanz behauptete sich gegen den Amerikaner mit 6 : 5 im Stechen. "Waldemar ist im Augenblick super drauf und hat sich mit diesem Ergebnis schon fest für die Weltmeisterschaft in Barcelona im Juli qualifiziert", zeigte sich Bundestrainer zufrieden mit der Leistung des 29-j"hrigen Hessen.

Bei seinem zweiten Start im "Trap" vergab Waldemar Schanz durch eine 20er Auftaktserie früh seine Chance auf einen Spitzenplatz. Zwar verfehlte er bei den weiteren 100 Schssen nur noch vier Scheiben, doch er mußte sich mit Rang 22 begnügen. Die spannende Entscheidung um den Weltcupsieg gewann der US-Schütze Dominic Grazioli, der seinen Erfolg von 1996 in Peru wiederholte.

Bilder oben: April 1999 - Waldemar Schanz junior - beobachtet beim Internationalen Trap-Meeting in Wiesbaden

Schanz junior und senior auf einen Blick -

Sohn und Vater Waldemar Schanz auf dem Schießstandgelände des WC Wiesbaden

im April 2000

zurück zu Schanz