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Wüstemeyer: Da kochen die Haare

2. Wettkampftag der Luftpistolen-Bundesliga Süd in Regensburg und Kirchheim/Teck am 29. und 30. Oktober 2005

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

Viel Stimmung unter den Zuschauern und spannende Begegnungen kennzeichneten den zweiten Wettkampftag der Luftpistole-Bundesliga Süd, aus dem Meister SGi Waldenburg und die SGi Ludwigsburg als Sieger hervorgingen.

Im Landesleistungszentrum Höhenhof in Obertraubling bei Regensburg stand das Meisterteam der SGi Waldenburg im Blickpunkt, denn die Herausforderer vom Gastgeber Kelheim-Gmünd hatten an den beiden Wettkampftagen mit etwa 350 Zuschauern eine lautstarke Fanunterstützung aufgehoten. Gegen die Kelheimer Mannschaft und deren Fans bestand das Team aus Waldenburg und verteidigte mit 3:2 gegen die Gastgeber und 4:1 gegen Ulrichshögl die Tabellenspitze. „Die Bundesliga ist eine andere Welt", stellte Waldenburg´s Vereinschef während der Begegnungen fest, „hier kochen die Haare."

Einen kühlen Kopf behielt im Waldenburger Team Leo Braun, der sich in der Auftaktbegegnung gegen den US-Amerikaner Daryl Szarenski von der SG Ulrichshögl behaupten musste. Nach 40 Minuten hatte der 27-jährige den mehrfachen US-Meister besiegt und dabei alle Register der Schießtaktik gezogen. Der zehn Jahre ältere US-Soldat führte nach 20 Schüssen mit zwei Ringen Vorsprung und Kelheim´s Trainer Matthias Hahn vermutete: „Braun spürt den Druck von hinten." Leo Braun hatte mit einem ungewohnt langsamen Schießrythmus begonnen, doch dann schoss der Waldenburger immer schneller und kam an Szarenski wieder heran. Als der US-Amerikaner mit dem 38. Schusse nur eine Acht traf war die Entscheidung zugunsten des Deutschen gefallen und mit 382:380 brachte Braun den Titelverteidiger in Führung. Doch Vereinschef Günter Wüstemeyer musste um den Sieg zittern, bis Sandra Schönmetzler im Duell mit Wolfgang Renner ein Patzer unterlief.

Die 33-jährige hatte 30 Schüsse lang gegen den Waldenburger geführt, da schoss sie eine Vier. Renner nahm das Geschenk an und besorgte mit 373:369 Ringen die Vorentscheidung zum 3:0. Zuvor hatte Vladimir Gontcharov auf ungewohnter Position vier im Waldenburger Team den Ulrichshögler Tobias Steinberger zermürbt. Der 19-jährige hatte den russischen Nationalschützen am Rande einer Niederlage, doch bei den letzten zehn Schüssen war Steinberger mit nur 87 Ringen völlig von der Rolle und hatte gegen den Schlussspurt von Gontcharov keine Chance mehr. So konnte Ulrichshögl nur einen Punkt durch Neuzugang Matthias Laufer auf Position fünf gegen Marcus Eichfelder mit 357:355 Ringen gewinnen. Günter Wüstemeyer musste auf dieser Position auf Franz Möndel verzichten und gab dem 25-jährigen Stuttgarter eine Chance Bundesligaluft zu schnuppern. Doch in keiner Phase des Wettkampfes erreichte Eichfelder das geforderte Leistungsniveau. „Vielleicht haben wir uns den Sieg nicht zugetraut", analysierte nach der 1:4 Niederlage Jan-Erik Aeply für die SG Ulrichshögl.

Selbst hatte der bayrische Landestrainer auf Position zwei eine glänzende Partie geboten und sich gegen Patrik Lengerer (381:381) erst im zweiten Stechschuss geschlagen gegeben. „Jeder Einzelne von uns hätte es schaffen könne, doch die Waldenburger schießen mit erhobenen Haupt und wir stapeln zu tief." Durch die flotte Moderation von Ralf Horneber waren die Aktiven in jeder Phase über die Zwischenstände orientiert. „Über einen Sieg haben wir nie gesprochen", haderte Aeply mit der vergebenen Chance, dem Titelverteidiger ein Bein zu stellen, „aber die schweren Gegner sind weg und jetzt müssen wir alles gewinnen." Mit Blick auf die Finalteilnahme schaffte Ulrichshögl den geforderten Sieg über den ESV Weil am Rhein. Deutlich verbessert gewann Daryl Szarenski auf Position eins gegen Markus Abt (385:376), Jan-Erik Aeply setzte sich gegen Christian Schebesta (378:376) durch und Sandra Schönmetzler leistete sich keinen Schnitzer und punktete mit 382:377 Ringen gegen Jan Brunner.

 

Die 2:3 Niederlage gegen Ulrichshögl leitete die Weiler Talfahrt ein, die Trainer Hans Blaschka nach dem glänzenden Auftakt mit zwei Siegen unbedingt verhindern wollte. Doch auch am zweiten Wettkampftag mussten die Südbadener auf Abdullah Ustaoglu verzichten und gegen Gastgeber Kelheim-Gmünd übernahm Markus Abt die Spitzenposition bei Weil am Rhein. Der 48-jährige Schweizer traf in der stimmungsvollen und mit 150 Zuschauern gut besetzten Halle des Schießsportleistungszentrums Höhenhof auf den Italiener Roberto Di Donna. Ruhig begann Markus Abt das Spitzenduell mit dem Olympiasieger von 1996 und ließ sich durch die Trommeln und Ratschen der Kelheimer Fans nicht irritieren. Der Schweizer hatte sich einen Vorsprung von vier Ringen erkämpft, als Di Donna ein Zwischenspurt zum 285:285 Ausgleich gelang. Die Kelheimer Fans tobten, denn der frühe 4:1 Vorsprung ihres Teams hatte sich in einen 2:3 Rückstand gewandelt. Jubel brandete auf, als Sebastian Rosner mit 375:373 gegen Christian Schebesta das 1:0 gelang, doch wenig später glich Thomas Albiez für Weil aus. Beim Saisonstart noch außer Form zeigte sich der 43-jährige gegen Monika Martin in glänzender Verfassung und ließ der Nationalschützin mit 386:376 Ringen keine Chance.

Sichtlich motiviert wirkte Munkhbayar Dorjsuren durch die Unterstützung zahlreicher mongolischer Fans, darunter die Volksmusikgruppe „Egschiglen". Angespornt von den heimatlichen Klängen brachte die zweifache Weltmeisterin ihr Team gegen Jan Brunner (384:376) mit 2:1 in Führung. Wie bei Dorjsuren wurde auch bei Roberto Di Donna jede Zehn heftig bejubelt und zwischenzeitlich schien es auch dem Italiener zu gelingen, gegen den Schweizer Markus Abt endlich in Führung gehen zu können, da unterlief dem Italiener mit dem vorletzten Schuss eine Sieben. Mit 380:379 Ringen hatte Abt für Weil den Ausgleich geschafft und alle Blicke galten jetzt der umkämpften Position fünf. Weil hatte wieder den jungen Dan Pfizenmayer aufgeboten, der gegen Thomas Kirchmeier zunächst mit drei Ringen Vorsprung führte.

Doch in der dritten Serie verlor der 20-jährige Junioren-Nationalschütze seine Linie und fiel mit 89 Ringen entscheidend zurück. Der drei Jahre ältere Thomas Kirchmeier nutzte die Chance und holte mit 374:367 Ringen für die Gastgeber den dritten Punkt zum Sieg. „Ich kann mich auf die Mannschaft verlassen", freute sich Trainer Matthias Hahn, „sie legt sich nicht hin, sondern sie beißt noch einmal von hinten."

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