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Unter Millionen mit Dirndl und Bundhosen

Am 22. September 2006 war es wieder so weit. 16 Kollegen der Sparkasse, das Gros aus dem Firmenkundencenter, machte sich auf zum 173. Münchner Oktoberfest. Ein Jahr zuvor fand die Premiere des Wies´n-Besuchs statt und bei der zweiten Auflage wollten wir alles noch besser und stimmungsvoller machen. Beibehalten wurde die Anreise am Freitagabend mit dem ICE und der Abschluss am Sonntagmorgen im Englischen Garten. Die turbulente Stimmung im Löwenbräu-Festzelt am „Italienerwochenende" wollten wir wieder erleben, diesmal aber im „Hippodrom". Mit zwei Übernachtungen in einem Hotel in der Nähe des Hofbräuhauses sollten sich weitere Alternativen für drei Tage München mit Oktoberfeststimmung eröffnen.

Am Biertisch einmal so richtig auf die Pauke hauen, ist ein Motto des Oktoberfestes, dessen Tradition bis ins Jahr 1810 zurück geht. Bei einem Preis von 7,50 Euro für das Maß Bier zog das diesjährige Oktoberfest über 6,5 Millionen Besucher an. Angefacht von der guten Stimmung nach der Fußball-Weltmeisterschaft erlebten die Sparkassen-Kollegen, meist stilecht mit Dirndl oder Bundhosen gekleidet, ein tolles Wochenende. So wunderte es nicht, wenn der Wies´n-Hit diesmal 54,74, 90 und 2010 von den Sportfreunden-Stiller hieß und die Dauerbrenner „Viva Colonia" und „Ab in den Süden" bei dem internationalen Publikum auf die Plätze verdrängte. Mittendrin, statt nur dabei, war das Motto der Sparkassen-Kollegen und die legten sich schon am Freitagabend nach der Ankunft in München kräftig ins Zeug. Vorarbeit in Sachen „Bier" wurde schon im ICE mittels mitgebrachten Minifässer geleistet – nicht unbedingt zur Begeisterung der Berufspendler auf der Heimfahrt ins Wochenende.

Erste Gesangsproben im Zugabteil wurden gegen Mitternacht im „Weißen Brauhaus" vertieft. Im Brauhaus auf Alt-Münchner Boden wunderten sich die zahlreichen italienischen Gäste nicht schlecht, für welche Stimmung die um Mitternacht erschienenen deutschen Gäste fähig waren. Es entwickelte sich unter reger Verköstigung der „Schneider Weisse Spezialitäten" ein deutsch/italienischer Gesangswettbewerb, der im Gegensatz zum Fußball mit einem klaren deutschen Sieg endete.

„Ob Marmor, Stein und Eisen bricht", war letztlich nicht mehr die Frage, Hauptsache war, dass die meisten Sparkassen-Kollegen recht textsicher den Drafi-Deutscher-Hit imitierten. Beseelt davon, die übrigen Gäste aus der den „Bürgerstuben" gesungen zu haben, sollte es ein denkwürdiger Morgen werden.

Einen „Lurch" in Bestform erlebten am frühen Morgen auf dem Marienplatz nicht nur die Kollegen sondern auch eine Reihe der vorbeikommenden Passanten. Plötzlich stand da ein Partybus vor den Sparkassen-Kollegen, in dem die Stimmung hochkochte. Kurzentschlossen nutzten Einige die Chance, sich in den Bus zu drängen und los ging die nächtliche Fahrt mit dem Cityliner durch München.

In drangvoller Enge und schwungvoller Musik brachen in den Morgenstunden so manche Dämme, bis plötzlich unser „Lurch" verschwunden war. Es war ein menschliches Bedürfnis, was die Anzahl der Sparkassen-Kollegen im „Cityliner" reduzierte. „Er wird wohl wieder einmal vorbei kommen", dachte unser Lurch und wartete vergebens bis in den frühen Morgen. Wenn man dann den Namen des eigenen Hotels vergessen hat (oder: sich nicht gemerkt hat), kann sich ein ortsfremder Wies´n-Besucher auf die Kreativität der einheimischen Taxifahrer verlassen. Selbst gestammelte „Hotel Krone und Hofbräuhaus" reichten, um unseren „Lurch" sicher ins „Alcatron" zurückzubringen. Derweil fuhr der FKC-Rest fröhlich durch die Münchner Nacht und fand sich erst am frühen Morgen im Hotel ein, nicht ohne auf einige Kollegen zu treffen, die mangels Zimmerschlüssel und einer fehlenden Rezeption im Flur geschlafen hatten.

Etwas angeschlagen, doch voller Tatendrang starteten die vollzähligen (!!!) Sparkassenkollegen am Samstagmorgen zunächst in Richtung Marienplatz, um sich umgehend einer Bierprobe im „Augustiner" zu unterziehen. Der Berichterstatter und der „Lurch" beließen es an diesem Morgen bei einem Mineralwasser, zum Ärgernis und Unwillen der Bedienung: „Es ist Wies´n-Zeit, da gibt´s kein Wasser."

Während die Männer des Firmenkundencenters bei einem Betrachter schon etwas Mitleid erwecken konnten, hatten sich die Frauen bestens auf das vorbereitet, was von einer Wies´n-Besucherin erwartet wird. Da fehlte der bayerische Halsschmuck ebenso wenig, wie die blütenweiße Bluse mit Puffärmeln, und dem Dirndl mit Schürze – kurz: Eine Augenweide !

Für Punkt Drei Uhr war ein Tisch im „Hippodrom" reserviert. Es ist das älteste der 14 Wiesn-Zelte und oft werden dort Sport- und Filmstars getroffen. Doch im Gegensatz zum „Löwenbräu" im Vorjahr fehlten im „Hippodrom" die Italiener. Südländische Begeisterung war da Fehlanzeige, dafür eine Vielzahl von Tische, reserviert für Firmen oder Sparkassen. Nach einer Stunde zeigten sich die ersten enttäuschten Gesichter, denn so richtig in Stimmung waren nur die jungen Kolleginnen. Auf der Suche nach den Marienhof-Stars gab es immer wieder Erfolgsmeldungen. Mirco Walraf (er spielt den Raul Garcia) stand dabei im Fokus unserer begeisterten Assistentinnen und deren Fotoapparate. Dagegen entpuppte sich die Suche nach dem „gemeldeten" Jan Ullrich als vergebliche Mühe. Aber unsere „Dirndl" beklagten den fehlenden „südländischen" Charme im Hippodrom, so dass als Ersatz einige der attraktiven männlichen Bedienungen für das Fotoalbum herhalten mussten.

Irgentwann war das Fehlen der Italiener nicht mehr interessant. Hieß es doch immer wieder: „Ein Prosit der Gemütlichkeit" und „Die Gläser hoch", da wurde die meist volkstümliche Musik der Hippodrom-Kapelle bei allen zum Hit. „Einst ging ich am Ufer der Donau entlang", reichte schon zum Mitschunkeln und mit ein wenig finanzieller Unterstützung für die Bedienung wurde gegen Abend der Tisch gewechselt. Endlich war es dann so weit: Mittendrin, statt nur dabei."

Doch die Sparkassen-Kollegen waren nach einigen Stunden wieder nicht komplett. Unser „Lurch" war uns abhanden gekommen. Einmal telefonieren – außerhalb des Festzeltes – war zuviel. Die resoluten „Bodyguards" an den Eingängen gaben unserem Lurch trotz intensiven Zureden keine Chance mehr, ins schon lange „wegen Überfüllung" geschlossene Festzelt zurückzukehren.

Als die Sonne am Himmel tiefer sank, begann die Zeit auf der „Wies´n". Nach einem kräftigen Käfer-Kaffee am Fuße der Bavaria ging´s über die Festwiese mit den vielen Attraktionen, darunter das über 50 Meter hohe Riesenrad und das ebenso hohe Karussell „Star Flyer". Die älteren Kollegen hielent sich bis auf die Fahrt mit dem Riesenrad meist zurück, während die jüngeren gar nicht genug von den Attraktionen bekommen konnten.

Doch die Gruppendynamik sorgte dafür, dass wir zum Abendessen wieder in die Münchner Innenstadt zurückkehrten. Wieder waren es die „Härtesten" unter den Sparkassenkollegen, die sich vom fehlenden Schlaf des Vortages und dem Wies´n-Bier nicht beeindrucken ließen. Die „Schrannenhalle" gilt als das 15. Wies´n-Zelt. Wenn die Wies´n-Zelte um 23.00 Uhr schließen, geht die Party in der „Schranne" am Viktualienmarkt weiter. Proppenvoll und Bombenstimmung herrschte in der „Schranne", so dass an ein Tanz unter Kollegen nicht zu denken war. Dafür hieß es aber: „54,74, 90 und 2010……"

Auch unser „Lurch" hat wieder den Weg zurück ins Hotel „wie hieß das doch gleich?" gefunden und am Sonntagmorgen waren alle fit für einen Spaziergang durch den Englischen Garten in Richtung Biergarten am Chinesischen Turm.

„Hier trifft man die verrücktesten Leute" heißt es über den „Monopterus", ein im griechischen Stil erbauter Rundbau, mit einem malerischen Blick auf die Münchner Skyline. Begleitet von einigen leichten Protesten „wann kommt der Biergarten?" gelang es mir auf dem Monopterus endlich das gewünschte Erinnerungsbild von den Sparkassen-Kollegen zu machen.

Aber ich hatte auch die Uhrzeit minütlich im Blick, denn Punkt elf Uhr am Morgen beginnt am „Chinesischen Turm" die Blasmusik. Kaum kamen die Biertische ins Blickfeld konnten die Stunden bayrischer Gemütlichkeit mit volkstümlicher Musik beginnen. Jetzt hörte keine Weißwurst mehr das Zwölf-Uhr-Läuten und es konnte wieder „Maß"-genommen werden. In bierseeliger Laune hatte kaum jemand um zwei Uhr Mittags Lust, das Oktoberfestwochenende zu beenden.

Doch unerbittlich wartete um 15.00 Uhr der ICE auf die Rückfahrt, während der so mancher Sparkassen-Kollege noch einmal von den vergangenen Tagen und Stunden träumen konnte. Doch alle Kollegen des Firmenkundencenters waren sich am Ende einig. Im nächsten Jahr kommen wir wieder zum Oktoberfest, dann aber in ein Festzelt mit südländischem Charme.

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