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Rohrberg: Erst gleichgültig, dann abgeklärt

Deutsche Meisterschaften im Bogen-Fita in Oberhausen

Auschnitte aus dem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

Knapp zwei Monate nach den Weltmeisterschaften in New York wurden die Deutschen Meisterschaften der Bogenschützen in Oberhausen ausgetragen. Unter den über 700 Startern standen vom 5. bis 7. September 2003 standen auf dem Schießgelände am Haus Ripshorst im Emscherlandschaftspark die Nationalschützen im Blickpunkt. "Nach der Enttäuschung in New York wollte ich bei der Deutschen Meisterschaft erst gar nicht starten", gab Jens Pieper seine Stimmung wieder, "doch dann habe ich motiviert, um mich zu rehabilitieren."

Mit 649 von 720 möglichen Ringen dominierte Jens Pieper den 72-Pfeile-Vorkampf auf 70 Meter Entfernung und hatte damit den größten Anteil daran, dass er zusammen mit Udo Böttcher und Lars Maasjost den Mannschaftstitel für den SV Querum gewann. "Das war unser dritter Sieg in Folge", strahlte Querum´s Trainer Adolf Kemper. Aus der Spitzenposition heraus schien Pieper unaufhaltsam seinen Weg zum ersten Einzeltitel zu gehen. Mit Christoph Weber (163:138), Andreas Heuwinge (158:146), Marc Siebert (110:101) schaltete er in der Finalrunde seine Gegner mühelos aus und zog nach dem 105:100 gegen den überraschend starken Dieter Wittnebel ins Finale ein.

Im Finale führte Jens Pieper zunächst mit 26:25 Ringen, doch nach weiteren drei Pfeilen lag Sebastian Rohrberg mit 54:53 Ringen in Front. Diesen einen Ring Vorsprung hielt Rohrberg bis zum 109:108 Sieg und Jens Pieper ärgerte sich über seine verpaßte Siegchance: "Bis zum Finale habe ich alles dominiert und ich wollte meinen ersten Titel. Dann habe ich mit den letzten sechs Pfeilen nur noch Neuner geschossen." Dagegen rundete Sebastian Rohrberg seine erfolgreichste Saison nach seinen Siegen im Feldbogenbereich und dem zweiten Platz bei den Hallen-Weltmeisterschaften ab. "Mir hat das heute richtig Spaß gemachte", doch zu internationalen Ansprüchen blieb er weiter zurückhaltend. "Ich bin erst 24 Jahre alt und habe noch viel Zeit. Ich motiviere mich immer an der Spitze und so muss ich auch bei Weltmeisterschaften in der Lage sein, um vorne mitzuschießen."

 

Bei den Frauen gelang dem Team vom NJK Hannover mit dem Recurvebogen ein neuer Deutscher Rekord. Regina Dumke, Natalia Boutousova und Kathrina Freimann steigerten sich gegenüber dem Vorjahr um 32 Ringe und verteidigten ihren Mannschaftstitel mit klarem Vorsprung. Im Einzel erreichte Natalia Boutousova als beste NJK-Schützin das Halbfinale und scheiterte gegen Cornelia Pfohl mit 104:108 Ringen. Die 32-jährige Berlinerin hatte zuvor ihre Nationalmannschaftskollegin Barbara Kegelmann im Viertelfinale mit 103:101 Ringen aus dem Rennen geworfen. Nach dem Gewinn des Vorkampfes mit 638 Ringen und den sicheren Siegen in der Finalrunde hatte Cornelia Pfohl die erfolgreiche Titelverteidigung im Visier.

Im Finale wartete Wiebke Nulle, die den Vorkampf auf Rang sieben beendete hatte. "Ich bin erst von der Universiade aus Korea zurückgekommen und habe noch immer mit der Zeitumstellung zu kämpfen", erklärte die 23-jährige deutsche Hallenmeisterin ihre Leistung, "Nach der Weltmeisterschaft in New York und den Turnieren in Athen und Korea war es ein Problem, sich zu motivieren. Ich mußte mir ganz schön in den Hintern treten." Doch den vielen Wettkämpfen gewann die Berlinerin auch etwas Gutes ab: "Dadurch habe ich die ganzen Diskussionen nach den Weltmeisterschaften in New York nicht mitbekommen." Nach dem sicheren Auftakt in der Finalrunde gegen Claudia Heddram (157:142) schaltete Wiebke Nulle im Achtelfinale unerwartet deutlich mit 153:138 Ringen Jutta Schneider aus, die von 1998 bis 2000 dreimal in Folge den Deutschen Meistertitel gewonnen hatte. "Jetzt ist es total aufregend geworden, mein Herz hat wie verrückt geschlagen", beschrieb Wiebke Nulle ihren Weg ins Goldfinale. Mit 108:97 Ringen ließ sie Veronika Haidn-Tchalova ebensowenig eine Chance wie Sabine Gutsell (104:101). Im Finale führte Cornelia Pfohl nach sechs Pfeilen mit drei Ringen, doch dann drehte Wiebke Nulle das Match und holte sich mit 104:102 ihren ersten Titel bei den Frauen.

Bei den Compoundbogenschützen gelang dem Berliner BS der sechste Mannschaftssieg seit 1996. Mit fünf Ringen Vorsprung verwiesen Rainer Voss, Stefan Griem und Markus Groß ihre schärfsten Konkurrenten aus Herne erneut auf den zweiten Platz. Für die Sherwood-BSC-Schützen revanchierte sich im Einzel André Grawinkel mit seinem Finalsieg über Rainer Voss.

Seinen dritten Sieg innerhalb von vier Jahren führte Grawinkel auf seine erfolgreiche Umstellung in der Schießtechnik zurück. "Ich habe auf die Ranglistenturniere verzichtet und hatte zwei Monate Zeit zum Testen.", erklärte der Feldbogenspezialist, der zugunsten seines Vereinskameraden eine internationale Pause macht. "Das Fitaschießen trainiere ich nur, wenn ich Lust dazu habe. Es ist die einfachste Form des Schießens. Es geht immer geradeaus und die Entfernung ist bekannt." In Oberhausen gelang André Grawinkel seine beste Leistung im Fita-Bereich. "695 Ringe in der Finalrunde sind gigantisch", strahlte der 30-jährige dessen kleine Veränderung in der Handhaltung sich deutlich auswirkte. Auf seinem Weg ins Finale schaltete er nach Frank Thasler (174:169) mit Stefan Griem im Shoot-Off nach 115:115 Gleichstand einen der Berliner Favoriten aus. Danach wartete Andreas Franzen, der zuvor Titelverteidiger Hans Pfeffer mit 116:113 ausgeschaltet hatte. Nach sechs Pfeilen dominierte Grawinkel das Halbfinale gegen Franzen und zog mit 116:112 ins Goldfinale gegen Rainer Voss ein, dass er glatt mit 115:113 Ringen gewann.

Den zweiten neuen Deutschen Rekord erzielte in Oberhausen das Compoundbogen-Damenteam des Schönower SV. Bei ihrer erfolgreichen Titelverteidigung steigerten Andrea Weihe, Bettina Thiele und Erika Rakel die bisherige Bestmarke um sechs Ringe und verwiesen die starken Freiburgerinnen um Christina Knöbel auf den zweiten Platz.

Bis zum Finale mußte die Meisterin von 2000 und 2001 erstmals vier Runden bestreiten, bevor sie im Kampf um Gold Petra Dortmund gegenüber stand. "Es war heute sehr aufregend. Die Erwartungen an mich selbst waren sehr hoch, denn ich wollte nicht nur international gut sein, sonder auch national.", untermauerte die Vize-Europameisterin aus Hamm ihre Ambitionen. Petra Dortmund beherrschte das Finale gegen die schwächer werdende Hamburgerin vom ersten Pfeil an. Nach zwölf Pfeilenhatte sie mit 113:107 Ringen klar ihren ersten Deutschen Meistertitel gewonnen.

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