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Schumann: Es geht um die perfekte Kontrolle

- Internationale Schnellfeuerwoche in Wiesbaden vom 9. bis 11. März 2007

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

 

Die 14. Auflage der Internationalen Schnellfeuerwoche im Hallenschießstand in der Wiesbadener Brunhildenstraße war für das zwölfköpfige deutsche Nationalteam die alljährliche Standortbestimmung zu Saisonbeginn. „Wie sind wir über den Winter gekommen“, die Antwort erhielt Bundestrainer Peter Kraneis von seinem Schnellfeuernationalteam auf unterschiedliche Weise. „Es war der typische erste Wettkampf im Jahr, da kommt noch viel Respekt dazu“, so der deutsche Nationalcoach, der nur mit den Leistungen seiner Spitzenathleten Ralf Schumann und Marco Spangenberg zufrieden war. „Alle anderen müssen noch zulegen. Wir haben für diese Saison Normen gesetzt und wer die nicht erfüllt, fährt nirgendwo hin.“ So erfüllten Schumann und Spangenberg in Wiesbaden auf Anhieb die Norm für die Teilnahme am ersten Weltcup in Fort Benning (USA).

 

Die Siege in Wiesbaden holten sich aber die deutschen Dauerrivalen aus Russland, die neben dem klaren Mannschaftserfolg auch den Einzelsieger mit Sergey Poljakov stellten. Der russische Silbermedaillengewinner von Athen 2004 verdrängte im 20-Schuss-Finale die nach den 60-Schuss-Vorkampf führenden Deutschen noch vom ersten Platz. Grundlage von Poljakovs Sieg war die erste Finalserie. Der 39-jährige Soldat aus Ekaterinburg schoss neunmal Treffer zwischen 10,2 und 10,8. Eine 10,5 zum Abschluss des Finales sicherte ihm schließlich endgültig den Sieg, als Ralf Schumann der letzte Schuss mit einer 7,9 misslang. „Das war ein Kindergartenfehler“, beschrieb der dreifache Olympiasieger aus Stockheim seinen Patzer. Dadurch verpasste der 44-jährige um 1,1 Ringe den Sieg und muss seit drei Jahren auf einen erneuten Erfolg bei der Wiesbadener Schnellfeuerwoche warten. „Dennoch bin ich zufrieden, mit dem was ich gezeigt habe“, so Schumann, „Ziel war es die Technik umzusetzen, dass ist zum größten Teil gelungen.“

 

In der ersten 30-Schuss-Serie hatte Schumann 288 von 300 möglichen Ringen erreicht und war mit einem 46er Ergebnis bei einer Sechs-Sekunden-Serie unzufrieden. „Da habe ich nur auf den Körper und nicht so sehr auf das Visier geachtet“, analysierte er, „Hier geht es um die perfekte Kontrolle.“ Mit einem glänzenden 296er Ergebnis in der zweiten Runde des Einzelwettkampfes und einer mit 587 Ringen guten Leistung im Mannschaftswettbewerb sieht Ralf Schumann „ein Jahr mit vollem Druck“ mit dem Saisonhöhepunkt bei den Europameisterschaften in Granada.

 

Die Einschätzung von Bundestrainer Peter Kraneis, „das am zweiten Wettkampftag die Ergebnisse immer besser werden“, bestätigten insbesondere die russischen Spitzenschützen Sergey Alifirenko und Sergey Poljakov mit jeweils 589 Ringen im Mannschaftswettbewerb. Gemeinsam mit 585 Ringen von Alexei Klimov war das russische Trio an diesem Tag dem deutschen Team mit Ralf Schumann und den Brüdern Marco und Mario Spangenberg deutlich überlegen.

 

 

Für Marco Spangenberg begann die 14. Schnellfeuerwoche in Wiesbaden mit 296 von 300 möglichen Ringen. „Das ist ein Traumziel, es jedes Mal zu schießen“. Doch nach dem furiosen Auftakt fiel er in der zweiten Runde durch eine schwache 92er Serie über Vier-Sekunden auf 290 Ringe ab. „Meine Form ist noch nicht stabil“, erklärte der 26-jährige Weltmeister von 2002, „denn ich arbeite derzeit an meiner Schießtechnik.“ Das Hochziehen der Schnellfeuerpistole in einem Linksbogen hat sich im Vorjahr zu einem Problem entwickelt. „Ziel ist es, die Pistole gerade hochzuziehen. So wie es alle machen.“ Im abschließenden Finale verlor Marco Spangenberg seine Führung nach dem Vorkampf. „Elf Ringe zu verlieren, da war ich einfach schlecht. Wenn es nicht passt, dann merkt man das besonders im Finale.“ In der ersten Finalrunde traf er nur fünfmal die Zehn und leistete sich eine 8,4. Dann folgte in der zweiten Runde eine 7,6. „Das war ein glatter technischer Fehler, ich habe zu früh angehalten.“ Bundestrainer Kraneis hatte die entscheidende Phase beobachtet: „Er hat die Hand aufgemacht.“ Für den Sportsoldat aus Oberwallmach liegen die Saisonziele auf einem Medaillengewinn bei den Europameisterschaften und guten Ergebnissen bei drei Weltcupteilnahmen. „Da sind 581 Ringe das Ziel für den Einzug ins Finale.“ Bevor er mit seinem Studium beginnen will, hat er sich die Olympiateilnahme 2008 in Peking „als festes Ziel“ vorgenommen.

Für den fünf Jahre älteren Bruder Mario Spangenberg hat das Studium zum Maschinenbautechniker bereits begonnen. „Da wird es mit dem Training schwieriger“, so der 31-jährige. „Der Saisonauftakt mit 291 Ringen war gut, doch dann hat die Konzentration und die Energie gefehlt. Es reichte einfach nicht, bei der Sache zu bleiben.“ Beim derzeitigen Trainingsstand sind für Mario Spangenberg zwei Wettkampfprogramm an einem Tag noch zuviel. Seine Ziel, „über 580 Ringe“, hat er in Wiesbaden um zwei Ringe verfehlt und verpasste als Zwölfter das Finale der besten Sechs deutlich. Ähnlich erging es Torsten Moses, der im Jahr 2004 noch bei den Junioren die Schnellfeuerwoche gewonnen hatte. Der 22-jährige aus Bad Sobernheim begann mit 293 Ringen stark, verpasste aber mit einer schwachen 92er Vier-Sekunden-Serie in der zweiten Runde den Einzug ins Finale und landete auf dem 14. Rang.

 

Die Schwächen im Vier-Sekunden-Bereich erklärte Bundestrainer Peter Kraneis damit, dass bisher der Trainingsschwerpunkt auf den Acht- und Sechs-Sekundenserie lag. „Die Viersekunden sind noch nicht stabil.“ Mit der Stoppuhr kontrollierte Kraneis stets die Zeitabläufe seiner Schützlinge. „Der erste Schuss muss innerhalb von 1,4 bis 1,6 Sekunden kommen. Der bestimmt die restliche Serie und wirkt auf das Rythmusgefühl.“

 

 

Gegenüber den Vorjahren war die Konkurrenz bei den Junioren mit nur acht Startern schwach besetzt. Die deutsche Siegesserie vor den russischen Nachwuchstalenten setzte in diesem Jahr Philipp Wagenitz fort. Der 19-jährige Sportsoldat aus Löbau dominierte von Beginn an die Juniorenkonkurrenz und zeigte in der zweiten Runde mit einer 96er Viersekundenserie eine starke Leistung. Den klaren Acht-Ringe-Vorsprung aus dem Vorkampf erhöhte er im Finale gegen den Russen Dmytri Brayko nochmals und siegte mit komfortablen zwölf Ringen Unterschied. Vorjahressieger Thorsten Fleischmann musste sich diesmal mit dem fünften Rang zufrieden geben.

 

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