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Spangenberg-Brüder setzen die Glanzpunkte

Internationale Schnellfeuerwoche in Wiesbaden vom 9. bis 13. März 2006

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

Ein Jahr nach Einführung der neuen Sportpistole für das olympische Schnellfeuerprogramm kam es zu einer Standortbestimmung zwischen den deutschen und russischen Spitzenschützen bei der Internationalen Schnellfeuerwoche in Wiesbaden. „Die Russen haben uns den Rang abgelaufen", so Bundestrainer Peter Kraneis, der das deutsche Team in der Paradedisziplin international derzeit auf Rang drei noch hinter den Chinesen sieht. „In diesem Jahr wollen wir wieder die Nummer eins werden." Hinter den deutschen Gastgebern und den russischen Favoriten blieb unter den 60 Startern für die Aktiven aus den übrigen 14 Nationen in Wiesbaden nur eine Statistenrolle.

Den ersten Schritt schafften die deutschen Schnellfeuerschützen auf dem unterirdischen Hallenstand im Wiesbadener Berufschulzentrum. Mario Spangenberg gewann in einem spannenden Finale den Einzelwettbewerb und einen Tag später übertraf sein Bruder Marco beim Mannschaftswettbewerb erstmals die 590-Ringe Marke.

Das neunköpfige deutsche Schnellfeuernationalteam traf in Wiesbaden auf die russische Spitzenklasse, angeführt von Olympiasieger von Sydney Sergei Alifirenko und dem Olympiazweiten von Athen Sergei Poliakov. „Keiner weiß wo er steht", beschrieb Bundestrainer Peter Kraneis den Reiz des ersten internationalen Wettkampfes in der neuen Saison, „Alle haben sechs Monate getestet und trainiert." Eine Vielzahl von Problemen hatten die Schnellfeuerschützen zu lösen, um die neue Sportpistole zu optimieren. „Ein Jahr haben wir für die Waffentechnik gebraucht, damit alles einhundertprozentig funktioniert", beschreibt Kraneis die intensive Entwicklungsarbeit, die von den Pistolen- und Munitionsherstellern unterstützt wurde.

Im Vorjahr noch klarer Verlierer gegen die Russen, trug die Entwicklungsarbeit des deutschen Teams beim Saisonauftakt erste Früchte. Mit 582 und 581 von 600 möglichen Ringen erreichten jeweils drei russische und deutsche Schützen das Finale der besten Sechs im Einzelwettbewerb. Den besten Start hatte Mario Spangenberg erwischt, der mit 292 Ringen in der ersten Runde die Führung übernommen hatte. Sergei Poliakov testete unterschiedliche Pistolen und lag zunächst mit 287 Ringen noch deutlich zurück. 290 Ringe hatte Sergei Alifirenko erzielt, der ebenfalls eine neue Pistole testete. Die deutschen Aktiven vertrauten weitgehend auf ihre Pardini-Sportpistolen, wobei Mario Spangenberg ein mechanisches Abzugssystem gegenüber den elektronischen Abzügen seiner Mannschaftskameraden bevorzugte. „Er kommt damit gut zurecht", stellte Peter Kraneis fest und der 30-jährige Sportsoldat schob sich damit erstmals in den Blickpunkt. In der zweiten 30-Schuss-Runde mit Fünf-Schuss-Serien über acht, sechs und vier Sekunden steigerten sich die russischen Konkurrenten. Poliakov und Klimov schlossen ringgleich zu den führenden Mario Spangenberg auf. Nur ein Ring dahinter folgten der 25-jährige Spangenberg-Bruder Marco, der im Jahr 2002 den Weltmeistertitel gewonnen hatte und der dreifache Olympiasieger Ralf Schumann sowie der 47-jährige russische Routinier Sergei Alifirenko.

Im 20-Schuss-Finale schoss Mario Spangenberg als einziger Finalist fehlerfrei. Eine Serie von acht Zehner zwischen 10,1 und 10,6 Ringen zum Auftakt schafften die Grundlage zu seinem Sieg. Alle fünf Konkurrenten patzen mit Achtern und Sergei Poliakov leistet sich sogar eine 6,9. Davon profitiert Mario Spangenberg und siegte mit über vier Ringen Vorsprung: „Das ist mein schönster Sieg seit mehr als zehn Jahren. Im Einzel ging ich bisher immer den Bach runter."

„Erfahrung, Routine und die Steuerung im Kopf, das ist das Entscheidende", so Bundestrainer Peter Kraneis über das Erfolgsgeheimnis eines Schnellfeuerschützen. Trotz des Sieges von Mario Spangenberg war der Bundestrainer zurückhaltend: „Es war ein typischer erster Wettkampf, mit den Ergebnissen bin ich nicht zufrieden. 585 Ringe hätten erreicht werden sollen."

Einen Tag später stand der zweite Spangenberg-Bruder im Blickpunkt. Marco Spangenberg legte im Mannschaftswettbewerb eine glänzende 297er Serie vor. Zwei Stunden später rückten die Zuschauer hinter dem Dietzenbacher zusammen und sahen in der zweiten Runde einen optimalen Auftakt. 100 Ringe in den Acht-Sekunden-Serien, ließ Marco Spangenberg glänzende 98 Ringe über Sechs-Sekunden folgen. Mit der Stoppuhr verfolgte Bundestrainer Peter Kraneis die Serien und zuckte bei der abschließenden Vier-Sekunden-Serie kurz zusammen. Im Vorjahr hatte Marco Spangenberg den Einzelsieg durch einen Fehlschuss vergeben, in diesem Jahr landete der einzige Patzer in der „Sieben". „Er hat zu locker gelassen", Kraneis hatte den Fehler sofort erkannt, aber es blieb der einzige Patzer. Mit 591 von 600 möglichen Ringen übertraf Spangenberg erstmals die 590-Ringe Marke. „So nervös war ich schon lange nicht mehr, ich habe genau gewusst wo ich stehe", erzählte Spangenberg nach seiner Bestleistung, „Die Sieben ist sehr ärgerlich, die Vier-Sekunden-Serien sind noch labil, doch das Finale war für mich sehr lehrreich." Erstmals hatte Marco Spangenberg trotz der kurzen einminütigen Vorbereitungszeit Trockenübungen gemacht. „Das ist neu bei mir und gut für die Psyche." Die Bestleistung von Marco Spangenberg war die Grundlage zum deutschen Mannschaftssieg mit neun Ringen Vorsprung vor dem russischen Trio.

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