Broistedter Jubel und Dasbacher Falken im Sturzflug
Vierter Wettkampftag der Luftpistole Bundesliga Nord in Lengede und Idstein
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Mit einer aufregenden Schlussphase endete die elfte Saison in der Luftpistole Bundesliga Nord. Der stimmungsvollen Höhepunkt waren die Begegnungen in der Sporthalle Woltwiesche in Lengede, bei denen die Gastgeber des SB Broistedt ihren ersten Titelgewinn im Norden feierten. In der Idsteiner Sporthalle am Hexenturm endete der Sturzflug der Dasbacher Falken mit zwei Heimniederlagen und dem Abstieg in die Regionalliga. Dafür feierten in der Taunusgemeinde die Fahrdorfer Schützen, die völlig überraschend zum zweiten Mal den Finaleinzug schafften.
Zwei Jahre nach dem Aufstieg in die erste Liga dominierten die Broistedter Schützen und holten sich ungeschlagen den Meistertitel im Norden. „In dieser Mannschaft steht man zueinander, egal was am Stand passiert“, begründete Trainer Philip Bernhard die überlegene Vorstellung der Niedersachsen, die eine Spezialität zum Erfolg geführt hat: „Das gemeinsame Zusammenfinden aller Teammitglieder vor jedem Wettkampf im Kreis und der gemeinsame Abgesang zum Schluss. Dieses sehr wichtige Element gibt Vertrauen und Sicherheit.“ Trainer und Coach Philip Bernhard steht mit seiner Begeisterung auch für die lautstarke Unterstützung durch die Fans: „Das ist unser sechster Mann und zu Hause sind die Fans einfach Spitze.“ Knapp 400 Zuschauer füllten die Plätze am letzten Wettkampftag in der heimischen Sporthalle im Lengeder Ortsteil Woltwiesche und die sorgten für ein stimmungsvolles Derby gegen Braunschweig. „Im letzten Jahr haben wir verloren, daher war es für uns ein Kampf um die Ehre“, so Bernhard über die besondere Motivation der Gastgeber, „das Fanduell war supergeil.“ Zunächst setzten sich die Braunschweiger Fans in Szene, denn nach zwanzig Minuten lag der vierfache Nordmeister mit 3:2 in Front. Philip Bernhard hielt es nicht mehr auf seinem Stuhl und verordnete gleich drei seiner Schützlinge einer Pause. „Da wirst du richtig alt“, doch Bernhards Eingreifen zeigte Wirkung. Nach einer halben Stunde führten die Gastgeber und die Fans skandierten lautstark: „Broistedt, Broistedt, Broistedt…..“
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Doch die Braunschweiger gaben sich nicht geschlagen. „Wir haben dagegen gehalten“, so Horst Lindner, der mit Braunschweig in elf Bundesligajahren immer die Finalrunde erreicht hat. Moderator Uwe Knapp ließ sich von der Fanbegeisterung beim Zwischenstand von 2:2 mitreißen: „Spannender kann es nicht sein.“ Mit einem Luftsprung feierte Hans-Jörg Meyer das 1:0 für die Gastgeber. Nach einer frühen Acht des Broistedter Nationalschützen lag zunächst Giuseppe Giordano für Braunschweig in Führung. Eine umjubelte 100er Serie drehte das Match zugunsten von Meyer, der mit 389:383 Ringen gegen den tapfer kämpfenden Italiener das Spitzenduell gewann. Angespornt von den Worten seines Trainers steigerte sich Andreas Keune auf Position fünf für Broistedt und ließ in der Schlussphase Carmen Seeger mit 375:366 Ringen keine Siegchance. „Carmen hat Probleme, sie trainiert so viel, doch kann es nicht umsetzen“, bedauerte Horst Lindner die mäßige Vorstellung der 38-jährigen. Besser lief es für Ehemann Frank Seeger, der nach dem 1:2 Anschluss durch Marco Hanse (374:364 gegen Thomas Hoppe) mit einer starken Leistung gegen Florian Ullrich mit 379:371 Ringen für Braunschweig zum 2:2 ausglich. Gleich zweimal wurde Martin Flury von Trainer Bernhard von der Schießlinie geholt. Der Schweizer hatte gegen den erfahrenen Valerij Samojlenko gut begonnen, doch allmählich ließ der 23-jährige nach und nach einer Acht mit dem 29. Schuss hatte der Braunschweiger die Führung übernommen. „Man muss sie aus ihren Gedanken holen“, begründete Bernhard sein häufige Eingreifen und der Erfolg gab dem Broistedter Trainer recht. Flury brachte mit 373:371 Ringen den Sieg der Gastgeber mit 3:2 ins Ziel. „Wir haben etwas für die Fans geboten“, Horst Lindner konnte die Derbyniederlage verschmerzen, denn am Sonntagmorgen sicherte sich das Braunschweiger Team mit einem glatten 4:1 über Bremerhaven den dritten Tabellenplatz und den erneuten Einzug ins Bundesligafinale. Für Carmen Seeger kam Maren Johann ins Team, die mit 372 Ringen nach ihrer Babypause ein ordentliches Comeback zeigte. Insgesamt blieben die Braunschweiger aber unter ihren Vorjahresleistungen und profitierten von den guten Leistungen des italienischen Neuzugangs Giuseppe Giordano, der als Einziger im Durchschnitt über 380 Ringe erzielte.
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Ihren ungeschlagenen Meistertitel holte sich der Broistedter Schützenbund mit einem glatten 4:1 über Berlin. Auf fast allen Mannschaftspositionen konnten sich die Broistedter gegenüber der Vorjahressaison verbessern. Überragend agierte dabei Hans-Jörg Meyer, der in sieben Begegnungen mit 385,7 Ringen im Schnitt der beste Einzelakteur in der Nordliga war. Neuzugang Thomas Hoppe patzte gegen den Braunschweiger Hanse, doch beim 380:379 gegen die Berlinerin Stefanie Thurmann zeigte der Neuzugang vom SV Bassum die Klasse, mit der sich der neue Nordmeister entscheidend verstärkte.
Mit fünf Siegen ist Olympia Berlin Rekordmeister in der Luftpistole-Bundesliga, doch in der Nordliga holten die Adlershofer Füchse nur vier Mal den Titel. In Lengede mussten die Berliner erheblich ersatzgeschwächt antreten, doch mit dem 4:1 über Bremerhaven sicherte sich die Mannschaft den zweiten Tabellenplatz. Dabei sah es zunächst alles andere als nach einem klaren Sieg aus. Krankheitsbedingt fehlte Routinier Uwe Potteck und zudem musste der Pole Wojciech Knapik durch Probleme an seinem Fahrzeug kurzfristig absagen. „Ich habe erst hier erfahren, dass ich schießen muss“, Robert Loke sollte sich eigentlich um die „Wackelkandidaten“ im Berliner Team kümmern und stand unversehens selbst auf der fünften Mannschaftsposition. „Ich habe kaum ernsthaft trainiert“, so der 38-jährige Berliner Reservist nach seinem ersten Saisoneinsatz. „Ich habe schnell und mit viel Risiko geschossen.“ Robert Loke gewann in der wichtigen Schlüsselbegegnung den Punkt zum 2:0 für Berlin gegen Antje Noeske. In nur einer halben Stunde Schießzeit legte Loke seiner 16 Jahre jüngeren Gegnerin 367 Ringe vor, die ihre Siegchance durch eine Serie von Neuner in der Schlussphase nicht nutzte. „Bei ihr ist der Druck besonders groß gewesen“, nahm Trainer Uwe Knapp die 22-jährige in Schutz, „wenn man sich das Schußbild ansieht, ist das eine Katastrophe.“ Knapp haderte mit den vergebenen Siegchancen gegen die geschwächten Berliner: „Wir bekamen die Punkte auf dem Tablett serviert und haben sie nicht angenommen.“ Nur Rainer Barden hatte für Bremerhaven auf Position vier gegen den starken Torsten Rexin mit 360:378 Ringen keine Siegchance. „An ihn geht kein Vorwurf“, doch Trainer Knapp blickte leidgeprüft auf die Ergebnisse auf den Positionen zwei und drei. Stefanie Thurmann hatte für Berlin mit dem 21. Schuss eine „Fahrkarte“ geschossen, doch die Null konnte Christian Bredehorn nicht nutzen. Die 88er Schlußserie des 26-jährigen nutzte die junge Berlinerin und machte mit einer 96er Serie ihren Patzer wieder wett und holte den Schlusspunkt zum 4:1 für Berlin. Zuvor hatte Thomas Lüken den Ausgleich für Bremerhaven vergeben. Florian Schmidt hatte 380 Ringe vorgelegt, doch der 21-jährige war auf der Siegesstraße, von dem ihm eine Sieben mit dem 37. Schuss kurz vor Schluss abbrachte. Nach der 378:380 Niederlage von Lüken gegen Schmidt wusste Trainer Uwe Knapp: „Jetzt geht es für uns gegen den Abstieg. Wir haben in dieser Saison auf unsere Routiniers verzichtet, das rächt sich jetzt.“ So blieb der Däne Franz Soerensen die einzige feste Größe im Team von Bremerhaven. Der 38-jährige hatte gegen Holger Buchmann mit 375:373 Ringen auf 1:2 verkürzt und damit seinen vierten Saisonsieg im Einzel geschafft.
Den Weg in die Relegation muss die Sportschützenabteilung des Geestemünder Turnverein aus Bremerhaven nach der 1:4 Niederlage gegen Braunschweig antreten. Im fünften Erstligajahr droht den Norddeutschen der zweite Abstieg in die Regionalliga.
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Von den beiden 1:4 Niederlagen des GTV Bremerhaven profitierte der SV Kriftel, der sich mit dem glücklichen 3:2 über Bremen-Bassum auf den sechsten Tabellenplatz verbesserte. Vor nur 50 Zuschauer in der Idsteiner Sporthalle am Hexenturm gab sich Kriftels Trainer Detlef Glenz zunächst selbstsicher: „Vor der Relegation haben wir keine Angst.“ Vor zwei Jahren hatten die Südhessen diese Prüfung erfolgreich bestanden und im dritten Erstligajahr schien der Klassenerhalt wieder nur über die Relegation möglich. „Das war ein Elfmeter ohne Torwart“, haderte Detlef Glenz nach der 2:3 Niederlage am Samstagnachmittag gegen Fahrdorf. Oliver Borgmann hatte den Sieg der Taunusstädter auf Position fünf mit 354:358 Ringen gegen Daniel Knuth vergeben. Zudem wurde die beste Bundesligaleistung von Dirk Heinen mit 378:379 Ringen gegen Erich Moll nicht belohnt. Der 23-jährige schoss in dieser Saison hauptsächlich in der zweiten Mannschaft und konnte zur letzten entscheidenden Begegnung gegen Bremen-Bassum nicht mehr eingesetzt werden. Glenz entschied sich für eine taktische Einwechslung von Thomas van der Burg: „Auf Position drei hat er gegen Gevorgjan keine Chance.“ Dadurch wurde Juniorennationalschütze Dominik Sänger auf Position vier zurück versetzt und so rechnete sich Glenz eine Siegchance gegen die favorisierten Gäste aus. Die Norddeutschen hatten die erste Begegnung gegen die Dasbacher Falken erwartungsgemäß glatt mit 4:1 gewonnen und konnten mit einem Sieg über Kriftel ihre fünfte Finalteilnahme seit dem Erstligaaufstieg im Jahr 2003 ins Ziel bringen. Gegen die Dasbacher Gastgeber hatte nur Torsten Schwarz auf Position fünf mit 351:352 gegen Jens Kosmann enttäuscht und so kam es zu einem Bundesligacomeback von Achim Braje, das der 51-jährige so schnell nicht vergessen wird. Nach einer Viertelstunde Schießzeit zeichnete sich bereits ab, dass die Entscheidung auf der fünften Mannschaftsposition zwischen Achim Braje für Bremen und Ferenc Kantor für Kriftel fallen wird. Im Spitzenduell ließ Olena Kostevych mit 381:375 Ringen Christian Reitz keine Chance und Artur Gevorgjan dominierte erwartungsgemäß für Bremen gegen Thomas van der Burg mit 378:369 Ringen. Doch die Bundesligabestleistung von Thomas Rink und der taktische Wechsel auf Position vier von Dominik Sänger hielten das Match für Kriftel offen. Der 42-jährige Rink besorgte das 1:0 für Kriftel mit 383:371 Ringen gegen Günter Hettig und Dominik Sänger erhöhte wenig später auf 2:0 mit 375:372 Ringen gegen Sascha Sandmann. Der 32-jährige Bremer hatte zwar seinen anfänglich klaren Rückstand aufgeholt, doch durch zwei Achter mit den letzten beiden Schüssen den Sieg vergeben. Die wenigen Fans und die Verantwortlichen beider Mannschaften blickten jetzt auf das Duell auf Position fünf. Zur Hälfte des Wettkampfes hatte sich Achim Braje einen kleinen Vorsprung erkämpft: „Ich habe innerlich gezittert und einfach keine Ruhe gefunden“, beschrieb der ehemalige Trainer des SV Bassum sein Erstligacomeback. „Diese ganze Atmosphäre stürzt auf einen ein und ich kam nicht annähernd an meine zuletzt guten Ergebnisse heran.“ Nicht viel anders erging es Ferenc Kantor: „Es ist immer wieder aufregend, da gewöhne ich mich nie dran. Dieses Match war unglaublich nervenaufreibend.“ Zur Hälfte des Wettkampfes holte Trainer Glenz seinen 21-jährigen Schützling aus dem Stand: „Er wollte, das ich ruhiger schieße und das hat mit in der dritten Serie geholfen.“ Während der Pause seines Gegners riss bei Achim Braje der Faden. Mit drei Achter in Folge vergab er seinen Vorsprung und Ferenc Kantor spürte seine Chance: „Es steht 2:2, das muss ich jetzt schaffen.“ Der routinierte Braje erhöhte das Schießtempo und ging wieder in Führung, doch er letzte Schuss landete in der Acht. Wieder hatte Kantor seine Chance und mit einer umjubelten Zehn glich er mit dem letzten Schuss zum 366:366 aus. Entsetzen herrschte jetzt im Lager von Bremen-Bassum. Bedenklich blickte das Team dem bevorstehenden Shoot-Off entgegen, dass jetzt um den Einzug ins Bundesligafinale entscheiden sollte. Ganz anders dagegen Ferenc Kantor: „In der letzten Zehn-Schuss-Serie sind mir die Nerven durchgegangen, doch für das Stechen war ich mir sicher. Es war mein Wille, den Punkt zu holen und damit der Mannschaft den Klassenerhalt zu sichern.“ Das Selbstbewusstsein zahlte sich für Kantor aus. Sein Gegner verriss seinen Stechschuss in die Acht und mit einer sicheren Neun holte er den dritten Punkt zum Sieg für Kriftel. „Bisher hat uns immer das Quäntchen Glück gefehlt, jetzt können wir ohne Stress in die neue Saison gehen“, strahlte Ferenc Kantor nach seinem Sieg. Geschockt wirkte dagegen das Team von Bremen-Bassum, nachdem erstmals die Finalteilnahme verpasst worden war.
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Dem Abstiegsschiksal hatten sich die Dasbacher Falken vor eigenem Publikum mit zwei enttäuschenden Vorstellungen ohne Kampfgeist ergeben. Kopfschüttelnd hatte Vereinschef Erich Georg die nicht erstligatauglichen Ergebnisse seiner Schützlinge bei den 1:4 Niederlagen gegen Bremen und Fahrdorf verfolgt. „Wir hatten uns für diese Saison so viel vorgenommen. Es ist alles in die Hose gegangen“, so der frustrierte Erich Georg. „Im Training schießen sie wie die Weltmeister und können es dann nicht umsetzen. Der zweite Bundesligaabstieg erfüllte sich ohne Punktgewinn. „Die Leistungen waren einfach nur enttäuschend.“ Bei dem Falken-Sturzflug in die Regionalliga konnte keiner der Leistungsträger an die Vorjahresergebnisse anknüpfen und die Neuzugänge blieben weit hinter den Erwartungen zurück: „Die Neuen schießen nur in der zweiten Mannschaft gute Ergebnisse.“ Erich Georg setzt trotz der enttäuschenden Saison auf den direkten Wiederaufstieg. „Wir bekommen eine neue elektronische Standanlage. Dann haben wir bessere Trainingsbedingungen und es wird auch Neuzugänge anziehen.“
Strahlende Sieger des Wettkampfwochenendes in Idstein waren die Fahrdorfer Schützen, deren über 600 Kilometer weite Anreise mit zwei Siegen und dem Einzug ins Bundesligafinale belohnt wurde. „Die Finalteilnahme war für uns nur theoretisch möglich, jetzt haben wir es geschafft“, strahlte Stefan Vollertsen nach dem 4:1 Sieg über die Dasbacher Falken. Im Vorjahr hatten die Norddeutschen noch 0:5 gegen die Südhessen verloren und den Klassenerhalt erst über die Relegation geschafft. Im sechsten Erstligajahr haben die Fahrdorfer Schützen zum zweiten Mal den Einzug ins Finale geschafft. Zu den langjährigen Leistungsträgern gehört der 36-jährige Stefan Vollertsen, der mit konstanten Ergebnissen seine Durchschnittsleistung um mehr als sechs Ringe gegenüber dem Vorjahr steigerte. „Wir hatten die Mannschaft umgebaut und keine große Erwartungen für diese Saison“, meinte Vollertsen nach dem Einzug ins Finale, „doch unsere konstante Schießweise und etwas Glück hat uns einen der größten Erfolge beschert.“ Die Beständigkeit der Fahrdorfer untermauerte der Schwede Anders Bonander, der erneut über 380 Ringe im Schnitt erzielte, sowie die soliden Leistungen des 21-jährigen Erich Moll.