zurück zur Startseite

Impressum

 

Der kurze Augenblick des Andreas Schneider

4. Wettkampftag der Luftpistole-Bundesliga Süd in Ötlingen und Ludwigsburg

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

 

Im fünften Erstligajahr hat der SV Kelheim-Gmünd erstmals den Titel in der Luftpistole-Bundesliga Süd gewonnen. „Das man als Sieger der Gruppe Süd zum Favoritenkreis zählt, wird niemand abstreiten“, unterstrich Vereinschef Rudolf Rauch die Ambitionen der Niederbayern. Im Vorjahr hatte Trainer Matthias Hahn mit seinen Schützlingen die Finalteilnahme überraschend verpasst,  doch in dieser Saison stellte das Team um den italienischen Olympiasieger Roberto Di Donna frühzeitig die Weichen in Richtung Paderborn. Ihre Leistungsstärke untermauerten die Aktiven aus Kelheim-Gmünd am letzten Wettkampftag in der Mehrzweckhalle in Ötlingen bei Weil am Rhein. Gegen den gastgebenden Deutschen Meister gewannen die Kelheimer glatt mit 4:1. Besondere Freude herrschte bei Roberto Di Donna nach seinem 380:377 Sieg über Abdullah Ustaoglu. Bei seinem dritten Saisonsieg setzte sich der Italiener nach einer durchwachsenen Saison erstmals gegen einen Topschützen durch. Nach den Siegen über Jan Brunner aus Weil am Rhein (379:371) und dem Ötlinger Achim Rieger (381:372) erhöhte Munkhbayar Dorjsuren ihre Bilanz auf 6:1 Siege und hatte den größten Anteil am Kelheimer Titelgewinn. Neben der Nationalschützin holten Sebastian Rosner und Thomas Kirchmeier jeweils fünf Punkte. „Danach hätten wir ihn fast raustragen müssen“, beschrieb Rudolf Rauch die kämpferische Leistung des 25-jährigen Kirchmeier nach dessen Sieg über den Weiler Swen Jülle. Die entscheidende Zehn zum 375:374 schoss Thomas Kirchmeier fast in der letzten Sekunde des Wettkampfes.

Ausgerechnet in der letzten Begegnung gegen Außenseiter TSV Ötlingen mussten die Kelheimer mit 1:4 ihre einzige Niederlage hinnehmen. „Diese Niederlage war wichtig“, meinte anschließend Vereinschef Rudolf Rauch, „denn sonst hätte die Mannschaft womöglich gemeint, die Bäume wachsen in den Himmel. So aber sind wir rechtzeitig vor dem Finale gewarnt.“ In Ötlingen musste Rauch auf Nationalschützin Monika Martin verzichten. Die 25-jährige erlitt einen Armbruch, doch Rauch ist zuversichtlich, das sie möglicherweise zum Finale wieder ins Team zurückkehrt. Mit 4:1 Siegen  in fünf Begegnungen gehört Monika Martin zu den festen Größen im Kelheimer Team.

Durch die Niederlage gegen Kelheim-Gmünd musste sich Titelverteidiger Weil am Rhein mit dem Vizemeistertitel im Süden zufrieden geben. Der dreifache Meister im Süden hatte zuvor in seinem neunten Bundesligajahr mit einer starken Leistung gegen die  SGi Waldenburg mit 4:1 überzeugt. Abdullah Ustaoglu, Markus Abt, Jan Brunner und Thomas Albiez hatten mit ihren Siegen die Voraussetzung zur erfolgreichen Titelverteidigung geschaffen. Doch gegen die Kelheimer konnte im letzten Match nur der Schweizer Markus Abt einen Punkt gewinnen. Mit 6:1 Siegen war der 50-jährige zusammen mit Nationalschütze Abdullah Ustaoglu der erfolgreichste Einzelakteur für Weil am Rhein. Im letzten Match gegen Roberto Di Donna musste Ustaoglu seine einzige Saisonniederlage hinnehmen.

Seit drei Jahren sind die Ötlinger Schützen dem Abstieg aus der ersten Liga jeweils nur knapp entgangen. Der Südmeister des Jahres 2004 erinnerte zum Abschluss der elften Erstligasaison an seine erfolgreiche Zeiten und verpasste nur knapp die siebte Teilnahme am Bundesligafinale. Beim 2:3 gegen Waldenburg hatte Yusuf Dikec die Chance, seine Mannschaft den dritten Punkt zum Sieg zu sichern. Der türkische Weltrekordhalter unterlag dem Russen Vladimir Gontcharov knapp mit 380:382 Ringen. Das der 35-jährige sein Leistungsvermögen in diesem Match nicht ausschöpfen konnte, bewies er beim anschließenden Duell gegen den Italiener Roberto Di Donna. Mit 388:383 Ringen führte Dikec das Ötlinger zum überraschenden 4:1 Sieg und war mit 384,75 Ringen bei seinen vier Saisoneinsätzen im Schnitt der beste Einzelakteur im Süden.

 

Während in der Ötlinger Mehrzweckhalle der Titelkampf entschieden wurde, stand in der Ludwigsburger Sporthalle am Kugelberg der Abstiegskampf im Blickpunkt. Vor knapp einhundert Zuschauern beherrschte Nervosität das Abstiegsduell zwischen den Gastgebern aus Ludwigsburg und dem sieglosen Team aus Altheim-Waldhausen. „Willkommen zum Abstiegsduell“, kündigte Moderator Rolf Bopp die aus Ludwigsburger Sicht ungewohnte Situation an. In elf Bundesligajahren hatte die Mannschaft um Trainer Alfons Messerschmidt dreimal den Titel im Süden gewonnen und achtmal die Finalteilnahme geschafft. „In den letzten Jahren haben wir oft knapp gewonnen, diesmal oft knapp verloren“, begründete Messerschmidt den Ludwigsburger Sturz in den Tabellenkeller. „Christoph Schmid hat wegen der Schweizer Olympiavorbereitung öfters gefehlt und für Verstärkungen ist der Markt abgegrast. Bei uns gibt es nicht genug junge Talente.“ Während Ludwigsburg sein Saisonziel „eine Medaille im Finale“ weit verfehlte, hatten die sieglosen Gäste aus Altheim Waldhausen für ihre zweite Erstligasaison nur den Klassenerhalt als Ziel.

Fünf Jahre nach dem ersten Abstieg hatten sich die Oberschwaben nur mit dem Schweizer Paddy Gloor verstärkt. Der 31-jährige mit der markanten Frisur hatte sich bei seinen ersten Einsätzen in der Bundesliga noch nicht durchsetzen können, doch im Schweizer Duell gegen Christoph Schmid erwischte er mit 99 Ringen einen glänzenden Auftakt. Nur drei Einzelpunkte hatte die Mannschaft von Altheim Waldhausen in den vorangegangenen fünf Wettkämpfen gewonnen, doch Gloors Auftakt weckte die Hoffnungen seiner Teamkameraden, dem erneuten Abstieg noch zu entgehen. In keiner Phase des 50-minütigen Wettkampfes konnte sich eine Mannschaft einen deutlichen  Vorsprung herausarbeiten. Nervosität herrschte besonders im Ludwigsburger Lager. Alfons Messerschmidt musste immer wieder seine Schützlinge beruhigen, doch die Spannung steigerte sich von Minute zu Minute. Florian Bunner hatte gegen Holger Haile (380:372) Ludwigsburg mit 1:0 in Führung gebracht, die Paddy Gloor mit 384:378 gegen Schmid ausglich. Das wichtige 2:1 für Ludwigsburg erkämpfte Julia Hochmuth,  die in der dritten Serie durch eine Reihe von Achter ihren zunächst klaren Vorsprung gegen Günter Schwarz vergeben hatte. Die 20-jährige behielt bei den letzten Schüssen die Nerven und holte sich mit einer Zehnerserie und 376:373 Ringen den Sieg. Die Ludwigsburger Anhänger feuerten jetzt Dirk Ruiken an, der sich ein überaus nervöses Duell mit Martina Haile  lieferte. Die 32-jährige ging in der dritten Serie erstmals in Führung und beim Zwischenstand von 343:341 hatten beide Konkurrenten jeweils noch drei Schüsse vor sich. Ein Taktieren bis zur letzten Schießminute begann. Ruiken holte mit einer Zehn einen Ring auf. Martina Haile gelangen in der Schlussphase drei Neuner und Dirk Ruiken hatte mit dem letzten Schuss die Chance zum Ausgleich. Der 27-jährige setzte mehrfach an, doch seine Nerven hielten nicht. Eine Sieben ließ Martina Haile und die Mannschaft von Altheim-Waldhausen jubeln: 2:2 ! Alle Augen waren jetzt auf Franz Roth und Andreas Schneider gerichtet.

Der Ludwigsburger hatte in nur 19 Minuten seinem Gegner 377 Ringe vorgelegt und dann begann für Andreas Schneider das lange Warten. Immer wieder hatte sich Franz Roth neu konzentriert und in der Schlussphase wurde sein Kampf belohnt. Den anfänglichen Rückstand machte der 37-jährige wett und hatte mit dem letzten Schuss durch eine Zehn die Chance, das Match zu gewinnen. Eine Zehn und der erste Saisonsieg für Altheim Waldhausen wäre perfekt und Roth wusste um seine Chance. Er zielte lange, setzte ab und zielte wieder. 9,6 ! Enttäuschung bei den Oberschwaben und Erleichterung im Ludwigsburger Lager. Die Entscheidung musste  im Shoot-Off fallen und es folgte der Auftritt von Andreas Schneider, der sich eine besondere Taktik einfallen hat lassen. Fast provokant wartete er den ersten Stechschuss mit verschränkten Armen ab. „Da habe ich gepokert. Ich wollte, dass er vorschießt. Im Stechen ist eine Zehn selten.“ Zweimal legte Franz Roth dem Ludwigsburger eine Neun vor, der jeweils nur egalisieren konnte. Roth hatte Schneiders Taktik erkannt und ließ sich beim dritten Stechschuss selbst lange Zeit:  9,8. Jetzt war die Zehn bei Andreas Schneider gefordert: „Da hat alles bei mir gezittert. Ich hatte noch etwa 30 Sekunden Zeit und als ich einen kurzen Augenblick ruhig war, habe ich abgedrückt.“ Mit einer 10,1 entschied Schneider das Shoot-Off für sich und sicherte den zweiten Ludwigsburger Saisonsieg. „Endlich haben wir einmal Glück gehabt, jetzt wendet sich das Blatt“, jubelte Schneider. Den Rückenwind vom glücklichen Erfolg nahm das Ludwigsburger Team gegen die SG Ulrichshögl mit und gewann  sicher mit 4:1. Andreas Schneider steigerte sich gegen  Regina Altbauer mit 381:370 Ringen zur Saisonbestleistung und mit dem Sieg über die Bayern entledigten sich die Ludwigsburger aller Abstiegssorgen.

Altheim Waldhausen verabschiedete sich dagegen sang- und klanglos zum zweiten Mal aus der ersten Liga. Chancenlos gingen die Oberschwaben im letzten Wettkampf gegen Fürth mit 0:5 unter.

 

Enttäuschung herrschte auch im Lager der SG Ulrichshögl. Statt ins Finale  nach Paderborn müssen die Schützen aus dem Berchtesgadener in die Relegation nach München-Hochbrück. „Es sollte einfach nicht sein, wir hatten ein schweres Jahr.“ Trainer Andreas Trommer musste auf den langjährigen Leistungsträger Daryl Szarenski ebenso verzichten, wie auf Neuzugang Vigilio Veit und dem Österreicher Johannes Kröll. Zudem fiel Jan-Erik Aeply durch seine Schulterverletzung für die gesamte Saison aus. „Daryl hat vom US-Verband Startverbot im Ausland, Veit hat durch eine italienische Qualifikation kurzfristig abgesagt und Kröll ist mit dem österreichischen Nationalteam in Pilsen“, begründete Trommer das Fehlen aller Ausländer. „Nach Ludwigsburg sind wir mit einer Notbesetzung gefahren.“ Doch das letzte Aufgebot aus Ulrichshögl hielt gegen Dynamit Fürth glänzend mit. „Wir waren auf der Zielgeraden, doch dann das.“ Trommer musste fassungslos mit ansehen, wie beim Stand von 2:2 Matthias Laufer seinen Vorsprung gegen Christian Kelch verspielte. Eine 84er Schlußserie von Laufer bescherte dem Fürther den glücklichen 362:358 Sieg und den dritten Punkt für das Dynamit-Team. Damit hatten die Fürther ihr Saisonziel erreicht. Im elften Erstligajahr fahren die Franken zum sechsten Mal zum Bundesligafinale. Überragende Akteurin war dabei Susanne Meyerhoff. Die 33-jährige dänische Nationalschützin gewann alle sieben Einzelbegegnungen auf Position eins. Zum Abschluss besiegte sie zunächst Tobias Steinberger von der SG Ulrichshögl mit 382:373 und einen Tag später den Schweizer Paddy Gloor mit 380:371 Ringen.

 

zurück zu Aktuelles