zurück zur Startseite

Impressum

 

Kämpferische ABC-Schützen und Abstiegsangst in Hamm

3. Wettkampftag der  Luftgewehr-Bundesliga Nord in Münster und Hamm

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

 

Auch in der elften Erstligasaison haben die ABC-Schützen aus Münster nichts von ihrer kämpferischen Einstellung eingebüßt und sich in der heimischen Sporthalle im Sportpark Gievenbeck sich mit zwei Siegen in der Luftgewehr-Bundesliga Nord vorzeitig die Teilnahme am Finale in Paderborn gesichert. „Das war heute ein Riesenschritt ins Finale“, strahlte Trainer Ekkehard Linn nach dem 4:1 Auftaktsieg über die bis dahin ungeschlagenen Aktiven von TuS Hilgert. Dabei sah es zunächst gar nicht nach einem Sieg für ABC Münster gegen die Gäste aus dem Rheinland aus. Vor knapp einhundert Zuschauern führte Hilgert nach zwanzig Minuten Schießzeit mit 3:2. Besonders Erich Schmul hatte gegen Martina Rave im Spitzenduell für Hilgert mit 298 von 300 möglichen Ringen stark begonnen. Im ABC-Team verpatzte Ursula Tillner ihre Auftaktserie mit 95 Ringen und Christina Rommel lag schnell gegen Sabrina Sena klar in Rückstand. Die 22-jährige Italienerin brachte Hilgert auch mit 391:380 Ringen in Führung, doch dann drehte sich das Match zugunsten der Gastgeber. Während sich die einheimischen ABC-Schützen gegen Ende des Wettkampfes steigerten vergab die Mannschaft von Trainer Carsten Hees ihren Vorsprung. Pirkko Endler glich mit 395:391 Ringen gegen Manuela Felix für Münster aus und dann scheiterte Sebastian Schubach an Ursula Tillner. „Das war ein kämpferischer Einsatz“,  lobte Trainer Linn die 34-jährige, „sie hat hintenraus keine Miese mehr gemacht.“ Ursula Tillner beendete ihre Serie mit optimalen 100 Ringen,  während Sebastian Schubach mit dem 37. und 38. Schuss die entscheidenden Neuner unterliefen. Mit 391:390 Ringen brachte Ursula Tillner das ABC-Team mit 2:1 in Führung und dann stand Zoltan Balaz im Blickpunkt. Die hochspannende Schlussphase verfolgten nur wenige Zuschauer. „Nur die Hälfte der Plätze ist besetzt, das ist einfach enttäuschend“, stellte Moderator Uwe Knapp fest. Thomas Hoche hatte für Hilgert 394 Ringe vorgelegt und der Slowake im Team von Münster musste seine letzten sechs Schüsse alle in die Zehn bringen, um den Punkt zu gewinnen. Es folgte eine Serie mit 10,6, 10,7, 10,5 und dann ging ein Raunen durch die Halle. Der vorletzte Schuss reichte knapp für eine 10,0, doch eine Minute später jubelte das ABC-Team. Mit einer 10,6 holte sich Balaz den 395:394 Sieg und den dritten Punkt für Münster. Zuvor hatte Erich Schmul seinen Vorsprung auf Martina Rave eingebüßt. Zwei Neuner mit dem 36. und 38. Schuss und eine abschließende 9,7 führten zum 394:394 Ausgleich. Mit 3:1 lag ABC Münster uneinholbar in Front,  doch ein Shoot-Off mit Martina Rave barg besondere Spannung, denn die 26-jährige hatte bisher noch nie in einem Stechen gewonnen. Diesmal klappte es auf Anhieb und Martina Rave jubelte über ihren 10:8 Erfolg und bescherte dem ABC-Team einen unerwartet deutlichen 4:1 Endstand. Einziger Wermutstropfen für Trainer Linn war die Niederlage von Christine Rommel: „Sie hatte eine Operation am Abzugsfinger. Da ist das Gefühl noch nicht da“, erklärte Linn die mäßigen 380 Ringe er 30-jährigen.

Einen Tag später entzauberte das ABC-Team die chancenlosen Gäste vom BSV Buer-Bülse mit 5:0. Für Christine Rommel wechselte Ekkehard Linn auf Position fünf den 21-jährigen Guido Göcking ein, der das Vertrauen seines Trainers mit 386:384 Ringen gegen Yvonne Dohnert rechtfertigte.

Für die in allen Belangen unterlegenen Aktiven des BSV Buer-Bülse war es ein vorläufiger Tiefpunkt, der sich ein Tag zuvor beim glücklichen 3:2 Sieg über Schlußlicht Wolthausen angekündigt hatte. „Das heute war Not gegen Elend“, kommentierte BSV-Vereinschef Klaus Lindner den glücklichen Erfolg seiner Mannschaft. „Es war spannend aber grottenschlecht. Wir sind mit den dunklen Lichtverhältnissen einfach nicht zurecht gekommen.“ Besonders Alexandra Christ und Nadine Kuhlmann kamen auf den Spitzenpositionen für Buer-Bülse nicht zurecht und hatten mit schwachen 386 und 384 Ringen keine Siegchance. Der erfahrene Maik Eckhardt hatte dagegen weniger Probleme und holte mühelos gegen Ina Gümmer mit 390:380 Ringen seinen Punkt für Buer-Bülse. Spannung herrschte dafür auf den Positionen drei und vier. Der Norweger Are Hansen rettete einen glücklichen 388:387 Erfolg gegen Marion Müller ins Ziel, doch dann hatte es Wolthausen selbst in der Hand, den ersten Saisonsieg einzufahren. Christian Stautmeister lag gegen Torsten Krebs knapp in Führung, vergab aber seinen Vorsprung mit den letzten Schüssen. Mit 391:389 Ringen gewann Krebs den dritten Punkt für Wolthausen.

Das Pech blieb Wolthausen am Sonntagmorgen gegen TuS Hilgert treu und die Niedersachsen haben nach der erneuten 2:3 Niederlage kaum noch eine Chance dem Abstieg zu entgehen.

„Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen“, hatte Mike Becker für TuS Hilgert die erste Niederlage nach dem 1:4 gegen Münster kommentiert. „Wir haben bis zum 30. Schuss geführt, doch dann ist uns das gleiche passiert wie im Vorjahr.“ Im zweiten Bundesligajahr zeigen sich die Rheinländer durch die Neuzugänge Thomas Hoche und Manuela Felix aber wesentlich gefestigter und für Mike Becker war am Sonntagmorgen das Match gegen Wolthausen entscheidend: „Mit einem Sieg haben wir das Finale in greifbarer Nähe.“ Den Wunsch des Pressechefs erfüllten Thomas Hoche, Sebastian Schubach uns Sabrina Sena mit ihren drei Einzelpunkten zum Sieg für Hilgert.

 

Ungeschlagen in den ersten fünf Begegnungen hat sich Hubertus Elsen vorzeitig das Finalticket gesichert. Im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Hamm gelang den Paderbornern der entscheidende Schritt mit den beiden Siegen über Nordstemmen und Düsseldorf. Trotz der glatten 0:5 Niederlage war Aufsteiger Nordstemmen für Elsen aber ein gleichwertiger Gegner.

Dick Boschmann und Damian Kontny holten für Elsen zwei Einzelpunkte erst durch 10:9 Siege im Shoot-Off gegen Kirsten Möller und David Kroll. Auch Daniel Butterweck, Nadine Schüller und Eva Schmitz konnten sich nur knapp gegen ihre Gegner durchsetzen. Am Sonntagmorgen sah es gegen Post Telekom Düsseldorf wieder nach einem deutlichen Sieg aus. Nach 15 Minuten führte Elsen mit 4:1 und Trainer Heinz Reinkemeier konnte gelassen die Aktionen seiner Schützlinge verfolgen. Nadine Schüller und Eva Schmitz brachten den  Meister des Jahres 2006 mit 2:0 in Führung, doch dann gerieten die Favoriten in Schwierigkeiten. Zehn Minuten vor Schluss vergaben Dick Boschmann und Damian Kontny die Chancen zum entscheidenden dritten Punkt für Elsen. Dabei hatte der Holländer bis zum 30. Schuss eine Klasseleistung geboten. Zweimal verfehlte Dick Boschmann die Zehn mit 9,9 äußerst knapp und sah gegen Jessica Mager wie der sichere Sieger aus. „Für mich habe ich gefühlte 400 Ringe geschossen“, kommentierte Boschmann seine Leistung, der seinen Schießrythmus in Elsen gegenüber den Jahren bei ABC Münster deutlich verlangsamt hat. „Ich habe technische Probleme und arbeite an meiner Fußstellung. Daher schieße ich langsamer und nicht mehr im Rhythmus der Münster-Taktik.“ Für den Holländer liegt die Konzentration auf den bevorstehenden internationalen Wettkämpfen. „Ich will von Februar bis April 2008 meine letzte Chance zur Olympiateilnahme nutzen.“ Im Match gegen Jessica Mager verfehlte Boschmann in der Schlussphase immer wieder knapp die Zehn und schloss seinen Wettkampf mit einer 96er Serie ab. Die Düsseldorferin hatte mit einer starken Schlussphase in 28 Minuten 396 Ringe vorgelegt und verkürzte auf 1:2. Den 2:2 Ausgleich für Düsseldorf feierte Melanie Großmann gegen Damian Kontny. Die 17-jährige hatte in nur 19 Minuten 392 Ringe vorgelegt und der 22-jährige Baunataler scheiterte an dieser Vorgabe. Nach einem optimalen 100er Start und zwei 98er Serien sollte der dritte Punkt für Elsen nur Formsache sein, doch dann häuften sich die Neuner bei Kontny und dessen Nerven hielten nicht. Eine Acht mit dem vorletzten Schuss besiegelte die überraschende 391:392 Niederlage. Damit hatten die Verantwortlichen bei Elsen nicht gerechnet, denn im Duell zwischen „Romeo und Julia“ kam es zu einem Shoot-Off. Julia Palm hatte für Düsseldorf den bei Elsen scherzhaft „Romeo“ genannten Daniel Butterweck 30 Schüsse lang sicher im Griff und führte mit vier Ringen Vorsprung. Bis sechs Schüsse vor Schluss hatte die 21-jährige ihren Vorsprung gehalten, doch dann folgte eine Neunerserie, die mit einer abschließenden 9,7 zur Enttäuschung von Düsseldorfs Vereinschef Manfred Welbers zum 391:391 Remis führte. Umstritten waren dabei die letzten Schüsse der Düsseldorferin, als sie fünf Minuten allein als letzte Schützin im Stand war. Mit Rasseln und Tröten versuchten die Fans aus Elsen die Konzentration zu stören. „Das ist kein Wettkampf, wie ich ihn mir vorstelle“, ärgerte sich Welbers, als sein Schützling die klare Führung vergab. „sie ist niedergebrüllt worden, das muss nicht sein.“ Ganz anders sah Hamm´s Sportchef Guido Gentek als neutraler Zuschauer die entscheidende Phase: „Das ist Bundesliga, es war meiner Meinung nach nicht unfair und ein Schütze muss das abkönnen.“ Der Düsseldorfer Ärger fand seinen Höhepunkt, als Daniel Butterweck im Shoot-Off die nicht mehr geglaubte Siegchance nutzte und das Stechen mit einer 10,1 gegenüber der 9,9 von Julia Palm für Elsen gewann. „Jetzt geht es nur noch um den Klassenerhalt“, zog Manfred Welbers sein enttäuschtes Fazit, „zumindest die beiden Einzelpunkte werden uns dafür helfen.“

Einen Tag zuvor hatten die Düsseldorfer mit 3:2 über die Gastgeber der SG Hamm ihren ersten Saisonsieg gefeiert. Jessica Mager, Julia Palm und Melanie Großmann hatten dafür gesorgt, dass die Gastgeber im elften Erstligajahr in akute Abstiegsgefahr gerieten. Das Fehlen der französischen Spitzenschützin Laurence Brize wirkte sich entscheidend aus. „Mit ihr hätten wir gewonnen“, so Guido Gentek, „doch sie ist zu einem Trainingslager in den USA.“ Constanze Rotzsch war auf der Spitzenposition für Hamm mit 390:394 Ringen gegen Jessica Mager ebenso überfordert wie Sarah Henkelmann, die auf Position vier gegen Julia Palm mit 381:395 Ringen chancenlos war. Mareike Ostkamp und Fabian Niesmann hatten für Hamm gepunktet, bevor die 350 Zuschauer auf einen Sieg von Melanie Kunz hofften. Doch eine Neun der 18-jährige mit dem letzten Schuss besiegelte die 389:390 Niederlage gegen Melanie Großmann und Guido Gentek haderte mit dem Saisonverlauf: „Wir kriegen einfach die Kurve nicht.“

 

Den Befreiungsschlag im Abstiegskampf hatte sich Trainer Rudolf Jendrzejewski für die SG Hamm gegen Aufsteiger Nordstemmen vorgenommen und seine Schützlinge begannen erfolgsversprechend. Die frühe 3:1 Führung für Hamm drehte Nordstemmen nach 20 Minuten und es folgte in der nächsten halben Stunde eine spannungsreiche Partie, die bei allen Beteiligten Spuren im Nervenkostüm hinterließ. Melanie Kunz brachte mit 391:384 gegen den enttäuschenden David Kroll die Gastgeber mit 1:0 in Führung, doch dann herrschte Freude bei Nordstemmen. Henrik Borchers glich gegen die schwache Christina Middrup mit 386:382 Ringen aus. „Er hat seine Chance genutzt“, jubelte Trainer Frank Pohl über den Sieg des 24-jährigen, „doch er hat noch viel mehr Potential.“ Das 2:1 für Nordstemmen besorgte Anja Korf, die einen Tag zuvor ihren 25. Geburtstag gefeiert hatte. „Ihre 398 Ringe sind sensationell. Diese Leistung hat sich in den letzten Wochen angekündigt.“ Wenig später war Frank Pohl aus dem Häuschen, als Kirsten Möller gegen Constanze Rotzsch das vorentscheidende 3:1 gelang. Hamm´s Nummer eins hatten beim 32. Schuss die Nerven versagt und eine Sieben entschied das Match. „Sie hat die Nummer eins gespürt und die Vorlage ihrer Gegnerin nicht genutzt“, analysierte Hamms Vereinschef Wolfgang Tönjann die 388:392 Niederlage von Constanze Rotzsch. „Jetzt müssen wir auf Laurence Brize hoffen und planen mit ihr in Düsseldorf. Da geht es dann um alles.“ Das die SG Hamm in die prekäre Situation geriet führt Tönjann darauf zurück, dass „uns die zweite Nummer eins fehlt.“ Das 4:1 für Nordstemmen vergab Sylwia Bogacka auf Position drei. Die 26-jährige Polin vergab ihren Vorsprung durch eine 9,9 mit dem letzten Schuss gegen Fabian Niesmann. Nach dem 390:390 Remis verkürzte der 26-jährige für Hamm mit 10:9 im Shoot-Off auf 2:3. „Wenn´s dumm läuft, war das für lange Zeit der letzte Bundesligaschuss in Hamm“, konnte sich Wolfgang Tönjann über den Erfolg seines Schützlings nicht mehr freuen. „Wir haben 15 Jahre Aufbauarbeit hinter uns, da werden wir auch in der Regionalliga nicht zusammenbrechen.“ Während in Hamm die Abstiegsangst umhergeht kann Frank Pohl mit Nordstemmen nach oben blicken: „Dieser Sieg war eine guter Grundstein für den Klassenerhalt.“

 

zurück zu Aktuelles