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Wallo begeistert 1000 Fans in Coburg

Luftgewehr-Bundesliga Süd im November 2007

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

 

Über eintausend Zuschauer erlebten die stimmungsvolle Erstligapremiere der Coburger Luftgewehrschützen in der Bundesliga Süd. „Heute wird Sportgeschichte geschrieben, auf diesen Moment haben wir elf Jahre gewartet“, brachte Moderator Hans-Joachim Roos die Fans in der vollbesetzten Angerturnhalle vor dem ersten Schuss in Stimmung, „wir erleben hier das größte Sportereignis im nordbayrischen Raum in diesem Jahr.“ Die prächtige Kulisse sprang mit ihrer Begeisterung auf die Sportler an der Schießlinie über und nach 50 Minuten hatten die Zuschauer den ringmäßig hochwertigsten Wettkampf in der Bundesligageschichte erlebt.

Die Coburger Gastgeber empfingen das Team der HSG München und für beide Teams galt es, sich in der Spitzengruppe der Südliga zu etablieren. Optimale 100er Serien reihten sich dicht hintereinander und Moderator Roos nutzte jede Gelegenheit, den Zuschauern die Begegnung spannend zu kommentieren. Trotz der einheimischen Begeisterung führten die Gäste aus München nach zehn Minuten mit 4:1 und die Anfeuerung kam ins Stocken. 15 Minuten später herrschte Begeisterung in der Halle, denn die gastgebenden Coburger hatten das Match zum 3:2 gedreht. Für die Wende zur Hälfte des Wettkampfes sorgte Jürgen Wallowsky auf Position vier, der gegen Rebecca Frank zunächst in Rückstand geriet. Gegen die schnelle Schießweise der 29-jährigen Münchnerin behielt der erfahrene Wallowsky die Nerven. 392 Ringe hatte Frank für die HSG vorgelegt, aber der 44-jährige „Wallo“ begeisterte seine Fans mit einer tollen 100er Schlußserie, übertraf seine Gegnerin um drei Ringe und brachte Coburg mit 1:0 in Führung. „Ich hatte Probleme in den Wettkampf reinzukommen, doch gegen Rebecca hatte ich eine Chance und die habe ich genutzt“, so Wallowsky nach seiner besten Erstligaleistung. „In der Bundesliga herrscht viel mehr Trubel, aber es macht eine Riesenfreude“, kommentierte er seinen ersten Start vor eigenem Publikum nach zehn Regionalligajahren. „Besonders freut mich, wie professionell unser Verein hier die Veranstaltung vorbereitet hat.“

Die Coburger Führung egalisierte Michael Winter für die HSG München auf Position mit 394:393 Ringen gegen  Claudia Huber. Zur Enttäuschung der einheimischen  Fans scheiterte die 23-jährige Coburgerin an der Vorgabe des Münchners. Nach drei 99er Serien sah sie wie die sichere Siegerin aus und verlor das Match am Ende durch eine 96er Serie. Auf Position eins kam es nicht zum erhofften Duell der Weltmeisterinnen Katerina Emmons (vormals: Kurkova) auf Coburger Seite und der Münchnerin Sonja Pfeilschifter. Für die Tschechin stand bei den Gastgebern Michaela Wagner auf Position eins und die 26-jährige führte nur bis zum neunten Schuss gegen Sonja Pfeilschifter. Danach beherrschte die Münchnerin das Spitzenduell und brachte ihr Team mit 397:393 Ringen in Front. Bei den übrigen Begegnungen herrschte Spannung pur. „Wo gibt es noch so eine Spannung“, Moderator Roos sah zehn Minuten vor Ende das Match auf dem Siedepunkt. Auf Position drei hatte Katerina Emmons nach anfänglichen Problemen zwei Ringe Rückstand auf Thomas Farnik aufgeholt und auf Position fünf hatte es Sabrina Bär geschafft, einen Ring Rückstand gegen Silvia Rachl zum 395:395 Remis auszugleichen. In den letzten Minuten wechselte Thomas Farnik seinen Schießrythmus. Nach einer 98er Serie schoss der Österreicher wieder fünf Zehner in Folge, doch dann unterlief dem 40-jährigen eine weitere Neun. Jubel brandete im Coburger Lager auf, denn Katerina Emmons war jetzt im Vorteil. Noch zwei Zehner und die 24-jährige Tschechin hat das hochklassige Duell gewonnen. Doch beim vorletzten Schuss leuchtete die „Neun“ auf und die Coburger Fans stöhnten auf. Mit 396:396 Ringen musste das zweite Match im Shoot-Off entschieden werden.

Lange hatten Sabrina Bär für Coburg und Silvia Rachl für München auf die Shoot-Off-Entscheidung warten müssen und jetzt standen zwei Schützinnen im Blickpunkt, die ihre erste Bundesligabegegnung in dieser Saison bestritten. Die 18-jährige Coburgerin war aus Waldkraiburg wieder zu den Oberfranken zurückgekehrt und legte ihrer Münchner Gegnerin eine Zehn mit dem ersten Schuss vor. Silvia Rachl blieb ruhig, konterte mit einer Zehn und beim nächsten Stechschuss holte sich mit 10:9 den umjubelten Punkt zum 3:1 für die HSG München. „Das war normal wie immer“, wirkte sie nach dem spannungsgeladenen Shoot-Off völlig gelassen. „Coburg verliert immer gegen  mich, ich habe schon mal gegen Jürgen Wallowsky gewonnen.“ Dabei kam Silvia Rachl nur als Ersatz für den am ersten Wettkampfwochenende enttäuschenden Ferdinand Stipberger ins HSG-Team. „Mit 395 Ringen bin ich zufrieden, mein Ziel sind aber die 400.“

Durch den Sieg von Silvia Rachl hatte das zweite Shoot-Off zwischen Katerina Emmons und Thomas Farnik nur noch für die Statistiker Bedeutung und nach dem ersten Schuss gewann der Österreicher mit 10:9 zum Endstand von 4:1.

Zwei Wochen zuvor hatten die Coburger Aufsteiger ihren ersten Bundesligauftritt in der Schulturnhalle von Petersaurach gegen die Gastgeber mit 4:1 gewonnen. Vor 200 Zuschauer überraschten die Coburger ihre Gegner mit einem Blitzstart und führten bis zur 20. Minuten mit 5:0. „Dieses Leistungsvermögen habe ich erwartet, unsere Truppe passt jetzt zusammen“, kommentierte Coach Hans-Joachim Roos die überlegene Vorstellung der Coburger. „Wir sind bis Platz acht gleichmäßig besetzt und haben damit mit der Finalteilnahme eine hohe Zielsetzung. Seit zwei Jahren konzentrieren  wir uns auf die Talentförderung und haben mehr Kameradschaft im Team erreicht. Das 1:0 nach knapp einer halben Stunden Schießzeit besorgte Michaela Wagner mit 394:393 Ringen auf Position drei gegen Sebastian Hahn. Die zunächst klare Führung geriet dabei noch zu einer Zitterpartie, als die Coburgerin ihre 96er Schlußserie mit einer glücklichen Zehn beendete. Danach erhöhte Jürgen Wallowsky gegen Michaela Klein mit 392:390 Ringen auf 2:0. Die Entscheidung zum 3:0 besorgte Claudia Huber trotz eines dicken Patzers beim vorletzten Schuss. Der 23-jährigen Coburgerin war eine Sieben unterlaufen. Dennoch beendete sie ihre Schlußserie mit 97 Ringen und gewann sicher mit 395:386 Ringen gegen Kathrin Arnold. Nachdem Katerina Emmons gegen Christian Planer mit 395:394 Ringen auf 4:0 erhöht hatte, gelang Petersaurach der Ehrenpunkt. Julia Ziegler hatte gegen  Sabrina Bär ständig in Rückstand gelegen, doch eine 9,9 der Coburgerin mit dem letzten Schuss nutzte die 24-jährige Petersauracherin zum 394:393 Sieg. „Für uns geht es in dieser Saison nur um den Klassenerhalt“, kommentierte Günter Reizammer die glatte Petersauracher Niederlage. „Der Auftakt mit einem Heimkampf ist besonders schwer und wir mussten mit dem letzten Aufgebot antreten.“ Die Stammschützen Cordula Scherzer und Matthias Weißkopf konnten aus dem Regionalligateam nicht gleichwertig ersetzt werden. „Wunder gibt´s zwar, aber heute hat es nur bei Julia geklappt.“ Einen Tag später blieb das Petersauracher Wunder gegen die HSG München wieder aus. Trotz eines überragenden Christian Planer, der auf Position eins Sonja Pfeilschifter mit 398:396 Ringen besiegte, wurden die Münchner ihrer Favoritenrolle mit 4:1 gerecht. Dabei überzeugte besonders die 17-jährige Isabella Straub, die auf Position fünf von Trainer Hubert Bichler für Ferdinand Stipberger eingewechselt wurde. Mit 393:389 Ringen gegen Michaela Klein gelang der Deutschen Jugendmeisterin von 2005 ein glänzender Einstand im HSG-Team.

 

Einen Tag zuvor hatte es im Münchner Lager enttäuschte Gesichter gegeben. „Dieses Match hätten wir gewinnen müssen“, ärgerte sich Hubert Bichler nach der 2:3 Auftaktpleite gegen Affalterbach. „Stipberger ist völlig außer Form und die eine Acht von Rebecca Frank hat es ihrer Gegnerin leicht gemacht.“ Bichler´s Ärger konzentrierte sich auf die Positionen drei und fünf, als die HSG mit 1:3 entscheidend in Rückstand geriet. Zuvor hatte Michael Winter mit 395:386 gegen Frank Köstel problemlos das 1:0 besorgt und in den übrigen Begegnungen lagen die HSG-Schützen auf drei Positionen in Front. Den Ausgleich für Affalterbach besorgte Gagan Narang mit 396:389 Ringen gegen Thomas Farnik. „Vor zwei Wochen ist er indischer Meister mit  600 Ringen geworden“, unterstrich Knut Boettig die Klasse des Neuzugangs im Affalterbacher Team. „Vielleicht kommt er ins Fahrwasser unserer Russinnen, dann haben wir mit dieser Verpflichtung richtig entschieden.“ Die Wende zugunsten von Affalterbach begann auf Position fünf. Sandra Koch lag gegen Ferdinand Stipberger zunächst in Rückstand, doch die schwache Schlussphase des Münchners mit 94 und 95 Ringen machten es der 24-jährigen für Affalterbach leicht, mit 385:380 Ringen den zweiten Punkt zu gewinnen. „Damit darf man in der ersten Liga nicht gewinnen“, schmunzelte Knut Boettig anschließend. Ins Jubeln kam der Affalterbacher Vereinschef, als Beate Gauß mit einer optimalen 100er Serie auf Position drei gegen Rebecca Frank gewann. Eine Acht mit dem letzten Schuss hatte der 23-jährigen Affalterbacherin die nicht mehr geglaubte Siegchance eröffnet. Mit 394:391 Ringen war der dritte Punkt für Affalterbach gesichert und Knut Boettig strahlte: „Unser Zwei-Punkte-Ziel am ersten Wettkampftag haben wir damit schon erreicht.“ Sonja Pfeilschifter konnte auf Position eins gegen Karin Schade mit 397:393 Ringen nur noch auf 2:3 verkürzen.

 

Mit drei Siegen an den ersten beiden Wettkampftagen übernahm das Team „Der Bund“ München die alleinige Tabellenführung in der Südliga. Der zweifache Meister eröffnete die elfte Bundesligasaison mit der erfolgreichen Revanche gegen den amtierenden Meister Post SV Plattling. Im heimischen Tennis-Center Allach gewann das Bund-Team die Neuauflage des Finales von 2007 überlegen mit 4:1. Mario Knoegler (395), Joachim Vogl (395), Norbert Ettner (392) und Frank Dobler (392) hatten ihre Plattlinger Gegner sicher im Griff und nur Sylvia Aumann verlor das Duell auf Position eins gegen Barbara Lechner knapp mit 393:394 Ringen. Auf gleichem Leistungsniveau präsentierten sich die Münchner einen Tag später beim 3:2 über Waldkraiburg. Mario Knoegler und Norbert Ettner hatten mit 394 und 395 Ringen keine Schwierigkeiten gegen die Waldkraiburger Gegner und der für Frank Dobler eingewechselte Benjamin Aicher erfüllte mit 392:391 Ringen gegen Nadine Roth die Erwartungen. Die 30-jährige US-Amerikanerin Emily  Caruso gewann für Waldkraiburg das Spitzenduell mit 393:390 Ringen gegen Sylvia Aumann und Stephanie Bauer punktete nach 394:394 Remis gegen Joachim Vogl mit 10:9 im Shoot-Off.

Zwei Wochen später sah es in der vollbesetzten Coburger Angerturnhalle zunächst nicht nach dem dritten Saisonsieg der Bund-Schützen aus. Die Schützlinge von Trainer Hans Riederer lagen gegen die stark beginnenden Brigachtaler zunächst im Rückstand. Die Wende leitete Joachim Vogl mit einer optimalen 100er Serie gegen schwache 95 Ringe von Tino Mohaupt ein. „Tino steht derzeit in Prüfungen und hat keine Zeit zum Training“, nahm Brigachtals Ehrenoberschützenmeister Max Hirt seinen Neuzugang in Schutz. Nach einer halben Stunde hatte Vogl das 1:0 für den Bund mit 393:390 gesichert und danach erhöhte Sylvia Aumann auf 2:0. Die 26-jährige war von der ersten Position des Auftaktwochenendes auf Platz fünf im Bund-Team gerutscht und konnte sich zunächst gegen Alexander Effinger nicht absetzen. Bis zur Hälfte des Wettkampfes hielt der 22-jährige Brigachtaler mit, als er mit zwei 94er Serien einen Leistungseinbruch hatte. „Er schaut noch zuviel  auf die Gegner“, wusste Max Hirt nach der klaren 385:393 Niederlage. Die anfängliche 3:1 Führung von Brigachtal war dahin und Hirt sah die Niederlage für seine Mannschaft kommen: „Wenn es beim Bund läuft, setzen sie ihre Gegner unter Druck.“ Zwar verkürzte der Ungar Peter Sidi im Spitzenduell gegen den Österrreicher Mario Knoegler, das er mit einer 9,9 begonnen hatte, mit hochklassigen 399:396 Ringen auf 1:2, doch danach stand Norbert Ettner für das Bund-Team im Blickpunkt. Der 30-jährige hatte mit zwei mäßigen 97er Serien gegen Armin Rothmund begonnen. „Ich war etwas nervös und hatte eine leichte Verspannung in der Schulter“, beschrieb der Olympiafünfzehnte von Sydney 2000 seine Anfangsphase. „Doch das Alter und die Erfahrung machen es aus“, erklärte er seine anschließenden 100er Serien, „wenn´s richtig läuft, dann geht es auch mit guten Zehnern.“ Zehn Minuten vor Schluss entschied Ettner mit 394:392 Ringen das Match gegen Brigachtal. Claus Hildebrand konnte nach glänzender Leistung gegen Benjamin Aicher mit 397:392 Ringen nur noch auf 2:3 für Brigachtal verkürzen. „Auf den Positionen zwei (Mohaupt) und drei (Rothmund) hätten wir gewinnen müssen“, haderte Max Hirt für Brigachtal nach der Niederlage mit Blick auf die Finalteilnahme: „Jetzt stehen wir schon unter Druck.“ Ganz anders München´s Trainer Hans Riederer: „Wir sind gut drauf und glücklich. Die letzten drei Wettkämpfe gegen Brigachtal haben wir verloren. Jetzt sind wir für die Finalteilnahme vor dem Ziel.“

 

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