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Messerschmidt verbannt sich auf die Tribüne

Saisonauftakt der Luftpistolen-Bundesliga Süd in Weil am Rhein und Ludwigsburg am 8. und 9. Oktober 2005

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

Zum Auftakt der neunten Bundesligasaison der Luftpistolenschützen stellten in der Südliga die Favoriten früh die Weichen in Richtung Finale. Wie im Vorjahr begannen die Teams aus Waldenburg, Kelheim-Gmünd, Weil am Rhein und Ludwigsburg mit zwei Siegen und teilten die Liga. Die vier Erstplatzierten können den Blick Richtung Finale richten, während für die vier sieglosen Teams schon der Abstiegskampf begonnen hat.

Meister Waldenburg legte mit zwei 5:0 Siegen über Ötlingen und Heidelberg einen eindrucksvollen Start hin. „Wir haben da weitergemacht, wo wir im Finale aufgehört haben", wirkte Vereinschef Günter Wüstemeyer zufrieden, „zum Auftakt waren die Ergebnisse wichtig, viermal über 380 ist hervorragend." In der Mehrzweckhalle in Lörrach-Ötlingen vertraute Wüstemeyer auf sein Meisterteam, gegen das weder die höher eingeschätzten Heidelberger noch die enttäuschenden Ötlinger in keiner Phase der Begegnungen eine Chance hatten. Vor 60 Zuschauern brachte Leo Braun mit 1:0 in Führung und strahlte nach seinem 383:379 Erfolg über Claudia Verdicchio. „Nach der vermasselten DM habe ich meine Technik umgestellt, dafür war das heute ein sehr gutes Ergebnis." Mit seinem Trainer Daniel Barner will der Wirtschaftsingenieur-Student wieder zur deutschen Spitze aufschließen, „um bei der Ausscheidung wieder mitzumischen." Nach Leo Braun erhöhte Franz Möndel mit einem knappen 373:372 gegen Karl-Otto Westphalen auf 2:0 und war damit einziger Schwachpunkt im Waldenburger Team. Möndel hatte stark begonnen, doch der 46-jährige zeigte Konditionsprobleme und eröffnet dem 20 Jahre jüngeren Marcus Eichfelder Chancen. „Eichfelder soll von unten hereinkommen, auch wenn wir einen Punkt verlieren", sieht Wüstemeyer eine mögliche Veränderung des Erfolgsteams am zweiten Wettkampftag vor eigenem Publikum, „da werden wir auf jeden Fall auch Maria Grozdewa einsetzen." Die bulgarische Olympiasiegerin soll dann Vladimir Gontcharov auf Position eins bei Waldenburg ersetzen. Der Russe holte gegen Heidelberg´s ‚Daniel Barner (381:374) und den Ötlinger Stefan Scharpf (378:375) zwei sichere Punkte, doch Gontcharov wurde am ersten Wettkampftag von Patrik Lengerer im Waldenburger Team deutlich übertroffen. Mit 386:371 gegen den Ötlinger Geipel und 382:370 gegen den Heidelberger Wetzler startete Lengerer ebenso überzeugend wie Leo Braun, der beim 387:377 gegen den Ötlinger Waibel die beste Einzelleistung zeigte.

„Waldenburg hat die Favoritenrolle, doch wir wollen dagegen halten", formuliert Matthias Hahn für den SV Kelheim-Gmünd die Kampfansage an den Titelverteidiger. Die Bayern präsentierten mit Roberto Di Donna in der Ludwigsburger Sporthalle Hoheneck einen prominenten Neuzugang. Das Comeback des 37-jährigen erlebten nur wenige Zuschauer und der italienische Olympiasieger von 1996 blieb erheblich unter den Leistungen, die er vor sechs Jahren für die BSG Schweinfurt bot und noch heute den Bundesligarekord mit 394 Ringen hält. „Er ist im Aufbaustadium", erklärte Kelheim´s Trainer Hahn, „seit zwei bis drei Jahren ist Roberto in einem Formtief, aber er will international wieder den Anschluss finden." Auf Position eins im Kelheimer Team erfüllte Roberto Di Donna mit Siegen über Fürth´s Susanne Meyerhoff (383:382) und den Ulrichshögler Johannes Kröll (381:375) die Punkterwartungen der Bayern.

Hinter dem Italiener präsentierte sich ein ausgeglichenes Kelheimer Team. „Von Position eins bis sechs können alle 380 schießen", ist Matthias Hahn zuversichtlich wie im Vorjahr vor heimischen Publikum am zweiten Wettkampftag die Waldenburger besiegen zu können. Bei den 4:1 Siegen über Fürth und Ulrichshögl schob sich Sebastian Rosner in den Blickpunkt. Der 22-jährige zeigte mit 386:372 Ringen gegen den Fürther Ascherl die beste Einzelleistung. Nervenstärke bewies Rosner gegen den Ulrichshögler Matthias Laufer. Mit dem vierten Schuss unterlief ihm eine Sechs und lag früh vier Ringe im Rückstand. Danach erhöhte Rosner seinen Schießrythmus und brachte nach nur 35 Minuten sein Team mit 378:373 Ringen in Führung.

Wie im Vorjahr gelang dem ESV Weil am Rhein im benachbarten Lörrach-Ötlingen ein optimaler Saisonstart. In die Mehrzweckhalle kamen zwar nur knapp einhundert Zuschauer zum Weiler Saisonauftakt, die in dieser Saison auf ihren Spitzenschützen Abdullah Ustaoglu aus beruflichen Gründen verzichten müssen. „Die Mannschaft hat hervorragend gekämpft", resümierte Trainer Hans Blaschka den Saisonauftakt. "Das waren vier Punkte gegen den Abstieg, in diesem Jahr müssen wir uns ohne Abdullah Ustaoglu notgedrungen nach unten orientieren." In eigener Halle begannen die Südbadener beim Auftakt gegen Ötlingen selbstbewusst und führten nach zehn Minuten mit 4:0, doch 15 Minuten später wurde Trainer Blaschka sichtlich nervös, als die Gäste auf 2:3 verkürzt hatten.

Der erstmals in der Bundesliga eingesetzte Dan Pfizenmayer verlor seine Führung an den erfahrenen Michael Waibel und auf der Spitzenposition lieferte sich Thomas Albiez ein nervenaufreibendes Duell mit Stefan Scharpf. „Auf Position zwei schießt es sich leichter", meinte Albiez später, „im Vorjahr war Abdullah auf der Spitzenposition ein 99prozentiger Punktegarant." Der 43-jährige Albiez wirkte auf Position eins nervös, profitierte aber davon, dass es Stefan Scharpf nicht besser erging. Erst in der Schlussphase zeigte der Weiler Nervenstärke, als er mit drei Zehnern in Folge sich die Führung zurückholte und für sein Team auf 2:0 erhöhte. Mit drei Achtern bei den letzten zehn Schüssen unter einer 90er Schlußserie hatte Stefan Scharpf den Weg für Albiez frei gemacht.

Den optimalen Saisonstart für Weil am Rhein garantierten letztlich die Routiniers Markus Abt, Christian Schebesta zusammen mit dem 20-jährigen Jan Brunner. Der Schweizer Abt rückte mit seinen Siegen über den Ötlinger Rieger (379:368) und den Heidelberger Wetzler (376:371) auf die Weiler Spitzenposition. Christian Schebesta zeigte eine starke Leistung beim 380:372 über Borys Graytser und Jan Brunner überzeugte Trainer Blaschka gegen Ötlingen mit einer klaren Dominanz gegen Susi Horvat (375:361).Es ist für mich als Trainer ein tolles Gefühl, dass zwei junge Schützen die ich über Jahre mitgeformt habe, sich in der Bundesliga so hervorragend präsentieren", Blaschka schloss damit auch den 20-jährigen Dan Pfizenmayer ein. Der Deutsche Juniorenmeister feierte seinen ersten Bundesligasieg mit 364:361 Ringen gegen den 30 Jahre älteren Heidelberger Karl-Otto Westphalen.

Vor eigenem Publikum glückte auch der SGi Ludwigsburg ein optimaler Saisonstart mit zwei 3:2 Siegen über Fürth und Ulrichshögl. Doch die Nerven lagen in beiden Begegnungen blank und zeitweise verbannte sich Trainer Alfons Messerschmidt selbst auf die Zuschauertribüne. „Das ist eine Katastrophe", „Wacht endlich auf", „Wenn wir das vergeigen", leidenschaftlich feuerte Messerschmidt sein Team an und am Ende hatten die Ludwigsburger vier Pluspunkte auf ihrem Konto. 60 Zuschauer erlebten den Ludwigsburger Kampf gegen Fürth mit, in dem sich das knappe 3:2 für die Gastgeber nach einer knappen halben Stunde des 50minütigen Wettkampfes abzeichnete. Andreas Schneider hatte gegen Herbert Ascherl das 1:0 mit 375:372 Ringen erkämpft. Neuzugang Harald Köpke erhöhte mit einem leichten 370:364 gegen Christian Kelch auf 2:0, doch dann konterten die Fürther Gäste.
Die Dänin Susanne Meyerhoff hatte mit einer 99er Serie das Match gegen Florian Brunner frühzeitig entschieden und verkürzte mit 382:373 Ringen für Fürth auf 1:2. Völlig außer Form schoss für Ludwigsburg Julia Hochmuth und ermöglichte Fürth´s Volker Roth mit 367:361 den 2:2 Ausgleich. Danach galten alle Blicke Iris Kerschbaum, die als letzte Schützin die Chance zum Sieg für Fürth hatte. Ludwigburg´s Schweizer Christoph Schmid hatte nur mäßige 371 Ringe vorgelegt und sich mit den letzten Schüssen zwei Achter geleistet. Doch Iris Kerschbaum hatte zu langsam geschossen und der 25-jährigen blieben nur fünf Minuten für die letzten acht Schüsse.

Eine Neun zuviel mit dem vorletzten Schuss für die Entscheidung und die Fürtherin gab mit 369 Ringen den Punkt zum Ludwigsburger Sieg ab. Während die Zuschauer jubelten, wirkte Trainer Alfons Messerschmidt nachdenklich. „In diesem Match hatte keiner den Sieg verdient. Wir haben vier Punkte gegen den Abstieg geholt." Einen Tag zuvor hatten sich die Ludwigsburger gegen Ulrichshögl den Sieg wahrlich erzittert. Beim Stand von 2:2 hatte es Johannes Kröll für Ulrichshögl in der Hand den dritten Punkt gegen Florian Brunner zu holen. Eine Neun mit dem letzten Schuss hätte gereicht, doch der 44-jährige Österreicher verpatzte seine Bundesligapremiere durch seine Unerfahrenheit mit der deutschen Liga. Ausgerechnet in die Zeitansage des Kampfrichters schoss Kröll seinen letzten Schuss und zum Entsetzen von Trainer Trommer und der Ulrichshögler Mannschaft leuchtete nur eine Sieben auf und der Punkt ging mit 377:375 Ringen an den Ludwigsburger Brunner.

„Für das Finale wird es jetzt eng, in erster Linie zählt für uns aber der Klassenerhalt", resümierte Trainer Andreas Trommer den verpatzten Ulrichshögler Saisonauftakt. Irritiert zeigten sich die Bayern zudem über die veränderte Anfangszeit der Begegnung gegen die Gastgeber. „Den Beginn um 18.00 Uhr statt 19.00 Uhr hatten wir nicht registriert." Prompt wirkte die Ulrichshögler Mannschaft, die mit drei Neuzugängen antrat, völlig verunsichert. Entscheidend war gegen die Ludwigsburg die Schwäche von Jan-Erik Aeply. „Er war für uns eine Bank, doch er ist komplett runtergefallen." Nachdem die Bayern auf ihren US-Amerikaner Daryl Szarenski verzichten mussten, kam der 38-jährige Aeply nur auf 370 Ringe und verlor gegen Christoph Schmid (372). Ein schwerer Sprung aus der Regional- in die Bundesliga wurde es für Matthias Laufer, der mit 353:382 Ringen gegen Andreas Schneider eine deprimierenden Einstand hatte. „Unsere Neuzugänge haben kein Ligaerfahrung und die 50-minütige Schießzeit ist eine Barriere gewesen", begründete Trainer Trommer den Fehlstart seiner Mannschaft. Positiv wertete Trommer nur den Einstand von Sandra Schönmetzler. „Mit 377 und 375 Ringen hat sie eingeschlagen." Jan-Erik Aeply rehabilierte sich nach seinem schwachen Auftakt und holte mit glänzenden 384:375 Ringen gegen den Kelheimer Thomas Kirchmeier den einzigen Punkt für Ulrichshögl.

„Ich bin spachlos", so Ötlingen´s Joachim Poppek nach der 1:4 Auftaktniederlage gegen Weil am Rhein, „wir haben die Weiler Geschenke nicht angenommen. Was ich heute gesehen haben, da wird es nicht leichter." Im Vorjahr war der Vizemeister des Jahres 2003 nur knapp dem Abstieg entgangen und wieder begann das Team aus Kirchheim/Teck die Saison mit zwei Niederlagen. Die Ötlinger hatten mit ihrem Neuzugang Yusuf Dikec auf eine bessere Saison gehofft, doch der Türke weilte mit seiner Nationalmannschaft bei den Mililtär-Weltmeisterschaften in der Schweiz. So fehlte den Ötlingern gegen Weil am Rhein fast auf allen Positionen die Bundesligareife. Allein Michael Waibel überraschte mit starken Leistungen, nachdem er im Vorjahr völlig außer Form war und nicht mehr weiter in der Bundesliga schießen wollte. Der 40-jährige ist ein Ötlinger Bundesliga-Urgestein und steht seit 1997 im Team. „2005 ist meine letzte Saison, das ist sicher", meinte er nach dem 381:371 über den Weiler Pfizenmayer. „Es waren schöne Jahre in der Bundesliga und die Mannschaft wird mir fehlen. Doch ich möchte einmal für andere Dinge Zeit haben. Aber ich möchte gut aufhören und nicht mit Wald- und Wiesenergebnissen." In die neunte Bundesligasaison ging der sympatische Waibel nach guten Trainingsleistungen und erzielte zum zweitenmal ein Resultat über 380 Ringe. „Besser kann es nicht gehen, ich habe lange ruhig gehalten." Doch an dem wiedererstarkten Waibel konnte sich das Ötlinger Team nicht aufrichten. Der 1:4 Pleite gegen Weil folgte ein chancenloses 0:5 gegen Waldenburg und wieder war Michael Waibel mit 377 Ringen (gegen 387 von Leo Braun) bester Akteur seiner Mannschaft. Sportchef Poppek hatte für die zweite Begegnung drei Schützen ausgewechselt und fand zumindest mit Markus Geipel und Roland Preissler zwei positive Akzente gegenüber den schwachen Vorstellungen von Susi Horvat und Achim Rieger gegen Weil.

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