Wenn die Neun zum guten Schuss wird
Saisonauftakt der Luftpistolen-Bundesliga Süd in Kirchheim und Ludwigsburg
Ausschnitt aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Wie im Vorjahr haben die Teams aus Ludwigsburg und Ötlingen die Führungsrolle in der Luftpistole-Bundesliga Süd übernommen. Beide Vereine nutzten ihren Heimvorteil und setzten sich mit jeweils zwei Siegen an die Tabellenspitze.
Ohne zwei Leistungsträger mußte der deutsche Vizemeister in der Ludwigsburger Sporthalle Hoheneck zum Saisonstart antreten. "Die Vorverlegung des ersten Wettkampftages war uns gar nicht recht", ärgerte sich Sportleiter Rolf Bopp, dessen Team auf Munkhbayar Dorjsuren und dem Schweizer Neuzugang Christoph Schmid verzichten mußte. Zudem fanden nur eine Handvoll Zuschauer den Weg in die Sporthalle. "Das war der schlechteste Besuch in sieben Jahren Bundesliga." Während die Ludwigsburger Anhänger das schöne Herbstwetter anderswo nutzten, stimmte die sportliche Bilanz der Württemberger. Gegen Aufsteiger Ulrichshögl erkämpften Jürgen Hartmann, Dirk Ruiken und Martin Böttger den glücklichen 3:2 Sieg nachdem Leo Braun und Patrik Lengerer in den Spitzenpositionen einen rabenschwarzen Tag erwischt hatten. "Da habe ich neben mir gestanden, so ein schlechtes Ergebnis habe ich schon zehn Jahre nicht mehr geschossen", kommentierte Leo Braun seine 362:367 Niederlage gegen Jan-Erik Aeply, "so eine Leistung hatte ich nicht für möglich gehalten und das eine Woche vor der EM-Qualifikation".
Völlig verwandelt kam der 25-jährige Nationalschütze am Sonntagmorgen in die Halle zum Wettkampf gegen Haiterbach. Vor knapp 50 Zuschauern schoss Braun schnell und sicher drei 97er Serien in Folge und schickte Harald Köpke schnell auf die Verliererstraße. Nach 35 Minuten brachte Leo Braun mit 386:373 Ringen seine Mannschaft in Front. "Nach dem Debakel von Gestern, war das heute Weltklasse", freute sich Ludwigburgs Sportleiter Rolf Bopp über die Leistung der Nummer eins im Team. Bis zur Hälfte des Wettkampfes konnten die Gäste aus dem Schwarzwald mithalten, doch dann zogen die Gastgeber unwiderstehlich davon. Nach dem 2:0 durch Martin Böttger gegen den unerwartet schwachen Conny Konstandin sorgten Dirk Ruiken und Jürgen Hartmann für die Entscheidung.
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Den Haiterbacher Ehrenpunkt besorgte Neuzugang Thomas Hennefarth im Shoot-Off gegen Lengerer, doch Heinz Jooss war vom ersten Auftritt seiner Mannschaft enttäuscht: "Das sieht gar nicht gut aus, jetzt geht´s darum die Klasse zu halten", meinte der Haiterbacher Vereinschef, während Bruder Siegfried das Saisonziel zurecht rückte: "Rechnerisch sind wir diesmal Außenseiter." Dabei hätten die Haiterbacher gegen Heidelberg zum Auftakt fast eine Überraschung geschafft. Beim Stand von 2:2 kam es zum Shoot-Off um den dritten Punkt zwichen Ralf Frey und dem Heidelberger Gerhard Wetzler. Frey legte eine Acht vor und Wetzler nutzte die Chance. Der 40-jährige Heidelberger Routinier setzte noch einmal ab, konzentrierte sich neu und schoss mit einer Zehn sein Team zum Sieg. |
Ihre erste Bundesligaluft schnupperten in Ludwigsburg die Aufsteiger vom SG Ulrichshögl. Jan-Erik Aeply führte das Team aus Oberbayern zum ersten Sieg durch seinen Sieg auf Position eins gegen Heidelberg. Lange Zeit hatten die Heidelberger mit 3:2 geführt, doch nach 40 Minuten kam die Wende. Alexander Riedl verpatzte den 32. Schuss mit einer Sieben und das nutzte Benjamin Kunz. Der 19-jährige zog an seinem 15 Jahre älteren Gegner vorbei und erkämpfte den 2:2 Ausgleich. "Das war ein irrsinniger Kampf", strahlte Kunz nach seinem Sieg und blickte gespannt auf Aeply.
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Der bayerische Landestrainer lieferte Daniel Barner ein spannendes Match und zitterte sich regelrecht zum 3:2. "Da war die Neun schon ein guter Schuss", so Aeply nach dem 372:369 Erfolg, "Die Bundesliga, das ist ein ganz anderes Schießen. Hier geht es mit Strategie und Psychologie. Heute habe ich meinen 45-Sekunden Rhythmus von Schuss zu Schuss strikt eingehalten." Vor Wettkampfbeginn hatte Aeply seinen Teamkameraden seine Strategie verdeutlicht: " Wir müssen schneller schießen als die Heidelberger, dann haben wir eine Chance." Besonders die jungen Talente aus Ulrichshögl setzten die Trainerweisung erfolgreich um. Der 18-jährige Tobias Steinberger hatte das Match gegen Claudia Verdicchio von Beginn an dominiert und besorgte früh die 1:0 Führung. Unzufrieden mit seiner Leistung war Daniel Barner, der seit Februar 2003 Landestrainer in Pforzheim ist und vom Meister Olympia Berlin nach Heidelberg gewechselte. In der Spitzenposition gewann er zunächst gegen den Haiterbacher Köpke, doch dann kam die Niederlage gegen Aeply. "Das war nicht mein Leistungsniveau", meinte Barner selbstkritisch.