Pino begeistert die Braunschweiger Fans
Erster Wettkampftag in der Luftpistolen-Bundesliga Nord in Braunschweig und Schleswig
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Mit einer faustdicken Überraschung begann am 27. und 28. Oktober 2007 die elfte Saison in der Luftpistole Bundesliga Nord. Die Fahrdorfer Schützen zählten in sechs Bundesligajahren meist zu den Abstiegskandidaten und nur einmal im Jahr 2004 gelang es den Norddeutschen, sich für das Bundesligafinale zu qualifizieren. Diesmal legten die Aktiven aus dem Dorf an der Schlei in der Schleswiger Sporthalle Eisteich ihren bisher besten Start hin. Mit dem Schweden Anders Bonander an der Spitze besiegten die Fahrdorfer zunächst Bremen-Bassum deutlich mit 4:1 und am Sonntagmorgen die Gäste aus Bremerhaven mit 3:2. Der 30-jährige aus Göteborg hatte mit seinen Siegen über Artur Gevorgjan (380:379) und Frans Soerensen (379:376) entscheidenden Anteil am erfolgreichen Auftakt für das Team von Trainer Karl-Heinz Wolff. Seit dem ersten Aufstieg im Jahr 1999 gehört Stefan Vollertsen zur Fahrdorfer Stammformation und der 36-jährige punktete auf Position vier mit zwei Siegen über Sasha Sandmann (373:370) und Antje Noeske (375:365).
Im zweiten Erstligajahr nach dem Aufstieg glückte der SB Broistedt in Schleswig mit zwei Siegen ebenfalls ein optimaler Saisonstart. Die Auftaktbegegnung gewannen die Schützlinge von Trainer Philip Bernard glatt mit 5:0 und vermiesten damit den Aufsteigern aus Bremerhaven ihre Bundesligacomeback. Das starke Team um Hans-Jörg Meyer ergänzte Neuzugang Thomas Hoppe auf Position zwei. Der vom Absteiger SV Bassum nach Broistedt gewechselte 28-jährige zeigte bei seinen Siegen über Thomas Lüken (374:372) und Pierre Michel (376:374) die erwartet guten Leistungen. Gegenüber dem ersten Bundesligajahr erheblich verbessert begannen Hans-Jörg Meyer und der Schweizer Martin Flury für Broistedt die Saison. Der 41-jährige Meyer besiegte zunächst Franz Soerensen mit 387:382 Ringen und ließ danach seinem um ein Jahr jüngeren Bremer Nationalmannschaftskameraden Artur Gevorgjan mit 386:381 Ringen keine Siegchance.
Wie Fahrdorf und Broistedt beim Saisonstart in Schleswig gewannen in Braunschweig die Gastgeber und Olympia Berlin beide Auftaktbegegnungen, so dass sich die Tabelle nach dem ersten Wettkampftag in vier Gewinner und vier Verlierer teilte. In zehn Bundesligajahren haben die Braunschweiger Schützen immer das Finale erreicht und gewannen in der Nordliga zwischen 2001 und 2004 viermal den Titel. Doch vor dem Start ins elfte Erstligajahr herrschte Skepsis, ob die Erfolgsserie fortgesetzt werden kann. „Ich hatte große Befürchtungen“, kommentierte Teamchef Horst Lindner das Fehlen von Maren Johann, die einen Monat nach Geburt ihres Sohnes Taylor erst wieder mit dem Training begonnen hat. Zudem hatte sich Frank Seeger einer Schulteroperation unterzogen und zwischenzeitlich 25 Kilo Körpergewicht abgespeckt. Dann stand mit Guiseppe Giordano eine neue Nummer eins im Team. Der Italiener ersetzte den erfahrenen Russen Vladimir Isakov. „Es ist schon erstaunlich, das Frank Seeger schon da ist und bei Giordano ist unklar, wie er auf die Bundesliga reagiert.“ Die Bedenken von Horst Lindner bekamen in der heimischen Schießanlage in der Hamburger Straße zu Beginn des Wettkampfes gegen den SV Kriftel schnell Nahrung. Nach zwanzig Minuten Schießzeit führten die Gäste aus Hessen mit 3:2, doch jetzt wuchs bei Lindner die Zuversicht. „Immer wenn wir zu diesem Zeitpunkt hinten liegen, gewinnen wir.“
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Guiseppe Giordano kam von Serie zu Serie immer besser in Schwung. Als der 33-jährige Italiener aus Neapel eine 98er Serie abschloss steigerte sich die zunächst zaghafte Anfeuerung der Braunschweiger Fans in lautstarke „Pino, Pino, Pino“ Rufe. Giordano setzte sich gegen Christian Reitz mit 382:374 Ringen durch und besorgte das 1:0 für Braunschweig, doch die übrigen Begegnungen blieben bis zum letzten Schuss spannend. Thomas Rink hatte für Kriftel mit einer 97er Serie stark begonnen und hatte damit Marco Hanse sichtlich beeindruckt. Der Braunschweiger verlor mit schwachen 364 Ringen und Rink glich mit 377 Ringen zum 1:1 für Kriftel aus. „In der Landesliga hat er gezeigt, was er drauf hat“, freute sich Kriftels Trainer Detlef Glenz über die Leistung des 42-jährigen, der für Klaus Tamm eingesetzt wurde. Die 2:1 Führung erkämpfte Carmen Seeger, trotz eines schwachen Beginns mit zwei 91er Serien. Detlef Glenz hatte für Kriftel mit der Nominierung von Dominik Sänger überrascht, doch der 19-jährige Junioren-Nationalschütze war bei seinem ersten Bundesligaauftritt noch überfordert. „Er muss erst einmal reinkommen“, kommentierte Glenz die 366:371 Niederlage seines Schützlings gegen Carmen Seeger, die ihre schwachen Treffer mit einer Sieben und Sechs beim zehnten und zwölften Schuss wegsteckte. Die vorzeitige Entscheidung für Braunschweig vergab Ehemann Frank Seeger, der gegen Ferenc Kantor ab dem 17. Schuss mit sieben Zehnern einen Zwischenspurt eingelegt hatte und vor der letzten Serie mit drei Ringen führte. In der Schlussphase schoss Seeger vier Neuner hoch in Folge und beendete den Wettkampf mit einer Acht. Die Vorlage des Braunschweigers nutzte Ferenc Kantor und glich jubelnd mit 372:369 Ringen zum 2:2 aus.
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Die knapp einhundert Zuschauer fieberten jetzt der Entscheidung auf Position drei entgegen. Oliver Borgmann hatte für Kriftel das Match gegen Valerij Samojlenko ausgeglichen gestaltet und erhöhte gegen Ende der Serie das Schießtempo und legte seinem Braunschweiger Gegner 374 Ringe vor. Der erfahrene Samojlenko ließ sich von der Taktik des Kriftelers nicht beeindrucken. Die anfängliche Führung von Kantor hatte der 52-jährige mit einer Serie von sechs Zehner gekontert. Jetzt stand er allein an der Schießlinie und konzentrierte sich auf seinen letzten Schuss. Eine Acht zum Remis, eine Neun zum Sieg. Dahinter bangten die Braunschweiger Anhänger um die Nerven von Samoljenko und die Krifteler Anhänger hofften auf einen Patzer. Der Braunschweiger konzentrierte sich lange und behielt die Nerven. Mit einer umjubelten 10,8 holte er den dritten Punkt zum Sieg seiner Mannschaft. „Sie haben gewackelt, aber sind nicht gefallen“, kommentierte Detlef Glenz die unglückliche Niederlage seiner Mannschaft. „Wir mussten heute nicht gewinnen, doch wir haben die Chance jeden zu schlagen. Wir werden uns steigern, denn Christian Reitz schießt seit den Europameisterschaften auf Sparflamme und beginnt erst im November wieder mit dem Training.“ Glücklich über den Sieg lobte Horst Lindner die lautstarke Unterstützung durch die Fans: „Sie haben unsere Mannschaft gepuscht.“
Am Sonntagmorgen zeigten sich die Braunschweiger im zweiten Wettkampf erheblich verbessert und ließen den Dasbacher Falken mit 4:1 keine Siegchance. Guiseppe Giordano hatte gegen Erwin Schmidt mit 385:364 Ringen die von ihm erwartete Leistung gebracht und nach den Niederlagen am Vortag überzeugten Frank Seeger und Marco Hanse mit 379 und 378 Ringen. Dagegen gab es für den SV Kriftel eine deftige 0:5 Pleite gegen Berlin. Die Steigerungen der Junioren-Nationalschützen Christian Reitz und Dominik Sänger auf 378 und 372 Ringen reichten gegen die glänzend aufgelegten Adlershofer Füchse nicht, um zu punkten.
„Wir sind zufrieden, in dieser Form erreichen wir unser Ziel – eine Medaille im Finale“, meinte Berlins Trainer Michael Wischnewsky nach dem 3:2 Auftakterfolg über Falke Dasbach, dem sich am Sonntagmorgen der klare Erfolg über Kriftel anschloss. Dabei fehlte im Team des fünffachen Deutschen Bundesligameisters mit Uwe Potteck einer der Leistungsträger. „Ansonsten sind wir mit dem stärksten Team da.“ Doch die Falken aus dem Idsteiner Vorort im Taunus machten den Füchsen aus der Hauptstadt zunächst mehr Probleme als erwartet. Hans-Peter Gugger und Jens Block gingen gegen Stefanie Thurmann und Torsten Rexin schnell in Führung und holten überraschend zwei Punkte für die Hessen. Vor nur 50 Zuschauern in Braunschweig dominierten die Berliner deutlich auf den Spitzenpositionen. Der Pole Woiciech Knapik hatte mit Erwin Schmidt (386:366) keine Probleme und besorgte nach 35 Minuten das 1:0 für die Berliner.
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Neuzugang Florian Schmidt begann gegen Halil Karaca auf Position zwei mit einer 97er Serie stark und hatte damit die Grundlage 2:0 mit 378:370 Ringen nach 43 Minuten geschaffen. Für Uwe Potteck rückte Holger Buchmann auf die fünfte Mannschaftsposition, der sich in der Regionalliga mit überzeugenden Leistungen empfohlen hatte. „Der erste Wettkampf ist schwer, doch Holger war heute sehr gut“, freute sich Trainer Wischnewsky über den hohen 382:372 Erfolg des 39-jährigen gegen Heiko Litterscheid. Dasbachs Vereinschef Erich Georg war nach der erwarteten Niederlage zufrieden: „Es war keine Blamage, kein 0:5. Wir haben unsere Schwierigkeiten zu Beginn, doch wir werden noch unsere Punkte holen.“
Besonders Erwin Schmidt auf der ersten Dasbacher Mannschaftsposition fand nicht zu seiner gewohnten Form: „Die Pause war für mich zu lang, Wettkampfpraxis ist durch nichts zu ersetzen. Ich wollte locker schießen, doch ich war wohl zu nervös“, kommentierte der 54-jährige seine deutliche Niederlage gegen den Polen Knapik, dem am Sonntagmorgen das 364:385 gegen Braunschweigs Italiener Giordano folgte.
Das die hessischen Teams aus Dasbach und Kriftel zusammen mit Aufsteiger Bremerhaven um den Klassenerhalt kämpfen, war vor Saisonbeginn zu erwarten. Doch der Fehlstart des Vorjahresvierten Bremen-Bassum mit Niederlagen gegen Fahrdorf und Broistedt kam überraschend. Dabei präsentierten die Bremer mit Olena Kostevych den herausragenden Neuzugang in der Nordliga. Die 22-jährige Ukrainierin kommt als amtierende Olympiasiegerin mit der Luftpistole von Dinamo Kolos und gab auf Position fünf einen überzeugenden Einstand. Kostevych bezwang zunächst den Fahrdorfer Daniel Knuth (382:361) und dann den Broistedter Kutzeck mit 379:372 Ringen. Damit holte sie zwei der drei Einzelpunkte für das Bremer Team, das damit der Verlierer des ersten Wettkampftages im Norden war.