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Schießsportgeschichte rund um den Kreis Groß-Gerau

Auf der Basis der Chronik zum 40-jährigen Jubiläums des Schützenkreises Groß-Gerau, sowie ergänzenden Informationen aus der Chronik des Hessischen Schützenverbandes aus dem Jahr 1991 und der Chronik zum 50-jährigen Bestehen des Deutschen Schützenbundes entsteht die nachfolgende Geschichte rund um den Schießsport im Kreis Groß-Gerau.

Engagierter Richard-Karl Frey

Nach dem zweiten Weltkrieg, der Währungsreform 1948 mit Einführung der Deutschen Mark als echtes Zahlungsmittel wich die Unsicherheit einem geregelten Leben. So kamen auch wieder Gedanken an alte Schützentraditionen auf, die Schützen der Vorkriegszeit in ihren Vereinen zusammenführte. Behutsam entwickelte sich das Schützenwesen in Hessen. Erst im Oktober 1951 wurde der Hessische Schützenverband gegründet, nachdem die Verhandlungen mit der Militärregierung über die Wiederzulassung von Schützenvereinen und Genehmigung des Luftgewehrschießens erfolgreich verliefen. Richard-Karl Frey hatte die Verhandlungen geführt und richtete in seiner eigenen Wohnung in Frankfurt-Niederrad die erste Geschäftsstelle ein. Wenige Tage nach der Verbandsgründung gehörte die PSG Groß-Gerau zu den ersten neun Vereinen, die ihre Anmeldung an Frey geschickt hatten. Zu den Anforderungen gehörte, dass in den Vereinsnamen kein Hinweis mehr auf das Kaliber enthalten sein sollten. Bei öffentlichen Auftritten wurden die Vereine angewiesen auf Säbel, Helme oder Uniformen in militärischen Schnitt oder Ähnlichkeit zu verzichten. Als am 14. Oktober 1951 im Frankfurter "Siechen-Keller" der erste Hessische Schützentag stattfand, hatten sich 52 Vereine mit etwa 2.700 Mitglieder sich im neuen Verband organisiert. Einen Monat vorher hatte im Frankfurter Savoy-Hotel die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schützenverbände die Wiedergründung des Deutschen Schützenbundes beschlossen. Mit einer von eintausend Delegierten umjubelnden Rede proklamierte Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss am 18. November 1951 in Köln den Deutschen Schützenbund. Die Bereitstellung einer kostenlosen Bürowohnung für die Geschäftsstelle, einer Vier-Zimmer-Wohnung für den Geschäftsführer und dem Beschluß des Magistrats für die uneingeschränkte städtische Unterstützung führte schließlich dazu, dass der Bundessitz des Deutschen Schützenbundes nach Wiesbaden verlegt wurde. Erster Präsident wurde der im hessischen Flieden geborene Dr. Paul Wehner. Der Zahnarzt war seit 1930 Mitglied der WSG Wiesbaden und wurde mit der Freien Pistole Zwölfter bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin.

Kreisschützenmeister Herbert Schmidt - Anfänge mit dem Luftgewehr

Nach dem dritten Hessischen Schützentag in Biebrich, als der Verband bereits 8.200 Mitglieder zählte kam, es im Groß-Gerauer Gasthaus "Zum Wagenrad" am 31. Mai 1953 zur Gründung des Schützenkreises Groß-Gerau. Der hessische Landesoberschützenmeister Richard Frey hatte zum ersten Kreisschützentag eingeladen, dem Mitglieder von acht Vereinen folgten. Unter Leitung von Richard-Karl Frey wurde der erste Kreisvorstand gewählt, in dem der Groß-Gerauer Herbert Schmidt das Amt des Kreisschützenmeisters übernahm. Waldemar Hildebrand aus Walldorf wurde sein Stellverteter und zum Schriftführer wurde Heinrich Koch von der PSG Groß-Gerau gewählt. Erster Sportleiter (damals: Schießwart) wurde der Rüsselsheimer Adam Jungbecker.

Schon drei Monate danach fand am 11. August 1953 in der Groß-Gerauer Gaststätte "Zum Weißen Roß" die erste Kreismeisterschaft mit dem Luftgewehr statt. Unter Leitung von Herbert Heyl aus Groß-Gerau begannen im Januar 1955 in zwei Gruppen mit Achter-Mannschaften die Kreisrundenwettkämpfe. Zur Gruppe 1 gehörten die Vereine 1862 Rüsselsheim, SKG Tell Walldorf, Tell Kelsterbach und Gilde Kelsterbach. In der zweiten Gruppe starteten die PSG Groß-Gerau, TGS Walldorf, SV Wallerstädten und Tell Mörfelden. Damals wurden bei den älteren Schützen die Ergebnisse noch um fünf Prozent aufgewertet. Im Nachwuchsbereich begannen die Rundenwettkämpfe mit Vierer-Mannschaften aus Groß-Gerau, Raunheim, Mörfelden und Kelsterbach.

Innerhalb eines Jahres nach der Gründung verdoppelte sich die Mitgliederzahl im Schützenkreis auf 534. Im Juni 1955 wurden die HSG Büttelborn und Tell Haßloch aufgenommen, so daß der Schützenkreis jetzt elf Vereine zählt. Größter Verein war die PSG Groß-Gerau (147 Mitglieder), gefolgt von der Gilde Kelsterbach (70), 1862 Rüsselsheim (51), Tell Kelsterbach (57), HSG Büttelborn (42), Tell Mörfelden (35), SV Wallerstädten (27), Tell Haßloch (26), Tell Walldorf (21) und TGS Walldorf (16).

Kreisschützenkönig Waldemar Schanz - nicht mehr aufgelegt

Das in den ersten Jahren noch betriebene Aufgelegt-Schießen fand 1956 bei den Aktiven keinen Anklang mehr und es wurde von da an nur noch freihändig geschossen. Die bisherigen Zwölfer-Ringscheiben wurden auf Zehner-Scheiben geändert. Bei den Kreismeisterschaften in Raunheim waren 146 Schützen am Start und mit einem 25,5 Teiler wurde Waldemar Schanz von Tell Mörfelden erster Kreisschützenkönig.

Georg von Opel übernimmt die Schützen-Führung

Im Deutschen Schützenbund wurde 1957 Georg von Opel Nachfolger des zurückgetretenen Dr. Wehner. Der Enkel von Adam Opel war in Rüsselsheim aufgewachsen und wurde zunächst in der Rhein-Main-Region und später in ganz Deutschland ein erfolgreicher Unternehmer. Als vielseitiger Sportler war Georg von Opel auch Vorsitzender des Rüsselsheimer Ruder-Klubs, für den er als erfolgreicher Leistungssportler zwischen 1928 und 1953 über einhundert Siege feierte, zuletzt im "Flörsheimer Achter". Als Großwildjäger war von Opel in Kanada und Afrika unterwegs und verfaßte über seine Abenteuer und Jagderlebnisse mehrere eindrucksvolle Bücher. 1956 entstand durch seine Initiative der "Opelzoo" im Taunus. 1957 wohnte Georg von Opel in Mainz und gehörte der dortigen Schützengesellschaft an. DSB-Geschäftsführer Ernst Zimmermann wollte einen neuen Präsidenten aus dem hessischen Raum, da die bayerischen Schützen den Sitz des Deutschen Schützenbundes nach Nürnberg und die Norddeutschen nach Hannover verlegen wollten. Im Juni 1957 wurde schließlich Georg von Opel in der Dortmunder Westfalenhalle beim sechsten Deutschen Schützentag als neuer DSB-Präsident gewählt. Mit von Opel wurde eine schillernde Persönlichkeit der damaligen Zeit Präsident der Sportschützen und sollte 13 Jahre lang die Entwicklung maßgeblich mitbestimmen.

Alles schießt, wie die Kenntnisse reichen

Im Mai 1957 wurden die Schützengaue gegründet und damit traten auch neue Bestimmungen für die Rundenwettkämpfe in Kraft. Die Mannschaftsstärke wurde auf vier Aktive reduziert, ergänzt mit einem Ersatzschützen. Nach 18 Begegnungen gewann der SV Rüsselsheim mit 32:4 Punkten die Runde.

"Alles schießt in der Weise, soweit die Kenntnisse des Vereins, der Mannschaft oder des Einzelnen reichen", formulierte der Hessische Schützenverband den Grundgedanken für Rundenwettkämpfe, die jetzt in fünf Klassen von der Kreis- bis zur Landesklasse ausgetragen werden. Die Wettkämpfe werden mit 30 Wertungsschüssen ausgetragen, wobei für die Zulassung zur Gauklasse ein Limit von 260 Ringe erforderlich ist.

Kreisschützenkönigin Heidi Klink - Ende der Gründungsphase

Im November 1957 kommen die Ginsheimer Altrheinschützen zum Schützenkreis, an dessen Meisterschaften sich 178 Aktive beteiligten. Der Walldorfer Gernod Groh ist im Jahr 1959 Kreisschützenkönig, der ein Jahr später überraschend von der 15-jährigen Heidi Klink aus Groß-Gerau abgelöst wird. In diesem Jahr waren bereits 481 Aktive bei den Vereinsmeisterschaften am Start, von denen sich 250 an den Kreismeisterschaften beteiligten. Mit 208 Mitgliedern ist die PSG Groß-Gerau der stärkste Verein. Heidi Klink wird im Jahr 1961 als Kreisschützenkönig von dem Kelsterbacher Erich Schmidt abgelöst und die Teilnehmerzahlen bei den Meisterschaften steigen weiter. Bei den Vereinsmeisterschaften schießen insgesamt 523 Akteure. Dem Hessischen Schützenverband gelingt nach der Tagung in Heppenheim die lange angestrebte Aufnahme in den Landessportbund Hessen. Damit wurde die von dem engagierten Landesoberschützenmeister Richard Karl Frey betriebene Gründungsphase abgeschlossen.

Die Kreismeisterschaften werden leistungsmäßig in A, B- und C-Klassen ausgetragen und an dieser Regelung regt sich Kritik. Kreisschützenmeister Herbert Schmidt stellt fest, dass einige Vereine nur B-Mannschaften melden, obwohl aufgrund der Leistungen auch A-Schützen vorhanden sind. Während die Kelsterbacher Heinz Rothkugel 1962 und ein Jahr später Gerhard Rittgen Kreisschützenkönig werden, zählt der Hessische Schützenverband nunmehr 29.000 Mitglieder und erstmals werden Gaumeisterschaften durchgeführt. 1964 erhöht sich die Mitgliederzahl im Schützenkreis auf 744 und der Ginsheimer Werner beendete die Kelsterbacher Erfolgserie beim Wettbewerb um den Kreisschützenkönig. In diesem Jahr entfällt auch das bisher mögliche Vorschießen bei den Keismeisterschaften und bei den Rundenwettkämpfen wird die Mannschaftsstärke auf fünf erhöht, wobei die besten vier gewertet werden.

Frauen in der Vereinsarbeit - Kein Thema

"Frauen an der Vereinsarbeit beteiligen", das Thema einer Tagung für Vereinsvorsitzende in der Frankfurter Bundessportschule interessiert im Schützenkreis Groß-Gerau nur zwei Vereine. Toni Pfeiffer aus Astheim und der Raunheimer Erwin Bernhardt sind dabei. Im Hessischen Schützenverband wechselt die Führung von Karl Frey an den Dr. Wilhelm Eisenführ. Der Groß-Gerauer Herbert Heyl wird zu einem der sieben Verbandsschützenmeistern gewählt und ist für die Disziplin "Kleinkaliber" zuständig.

Der neue Landesschützenmeister Dr. Eisenführ leitet die Neuwahl des Kreisvorstandes im Jahr 1965, bei der Herbert Schmidt als Kreisschützenmeister, sein Stellvertreter Adam Jungbecker, Schriftführer Heinrich Koch, Schießwart Herbert Heyl und Jugendleiter Erwin Bernhardt bestätigt werden. Erstmals wird mit Herbert Schmidt der amtierende Kreisschützenmeister auch Kreisschützenkönig. Immer beliebter werden die Rundenwettkämpfe, die in Hessen jetzt in neun Gaubezirken, 48 Kreisen und 695 Vereinen mit 1108 Mannschaften zu je sechs Schützen ausgetragen werden. In Anpassung an die politischen Kreise ändert sich die Bezeichnung des Schützenkreises von 51 in 37, der zusammen mit den Kreisen Darmstadt, Dieburg, Odenwald und Bergstraße jetzt den Schützengau Starkenburg bildet, dem der Darmstädter Heinrich Schneider als erster Gauschützenmeister vorsteht. Erstmals werden Rundenwettkämpfe mit der Luftpistole ausgetragen, an denen sich Mannschaften aus Groß-Gerau, Mörfelden, Rüsselsheim, Astheim und Geinsheim beteiligen.

Der Ginsheimer Rainer Gerhard erzielt bei den Kreismeisterschaften 1966 einen 56,5 Teiler und wird damit neuer Kreisschützenkönig. Einen weiteren Ginsheimer Titel holt Gerhard Kiesel, der mit 144 von 150 möglichen Ringen das Kreispokalschießen in der A-Klasse gewinnt. Bei den Junioren erzielt der Groß-Gerauer Klaus-Dieter Kappel als Bester 143 Ringe.

Engagement in der Nachwuchsarbeit

Im Schützengau Starkenburg findet erstmals unter Leitung von Jugendleiter Bernhard Röder ein Ausscheidungsschießen mit Luft- und Kleinkalibergewehr statt. Dabei siegt der Raunheimer Rainer Konrad und wird in die Hessenauswahl aufgenommen. Die Intensivierung der Jugendarbeit ging auf das Engagement des DSB-Präsidenten Georg von Opel zurück, der 1966 durchsetzte, dass der Bundesjugendleiter Sitz und Stimme im Präsidium erhielt

Zwei Jahre nach der Gründung weiht die SG Geinsheim 1967 ihr Schützenhaus am Sportplatz ein, das später einem Brand zum Opfer fällt und das frühe Ende des Vereins bedeutet. Für Tell Mörfelden holt Georg Schultze die Kreisschützenkönigskette und 1968 zählt der Kreis 944 Mitglieder. Mit 18 Titelträgern ist die PSG Groß-Gerau bei den Kreismeisterschaften am erfolgreichsten. Rüsselsheim und Raunheim stellen sieben bzw. sechs Sieger.

Veränderung bringen die Neuwahlen im Kreisvorstand. Kreisschützenmeister Herbert Schmidt erhält mit Heinrich Koch einen neuen Stellvertreter. Der Wallerstädter Erich Knodt übernimmt die Kasse und Werner Mißkampf von der TGS Walldorf wird Schriftführer. Mit dem Sieg von Oskar Schmidt geht 1968 die Würde des Kreisschützenkönigs wieder nach Kelsterbach. Beim Kreispokalschießen erzielt der jetzt für Groß-Gerau startende Waldemar Schanz mit 145 Ringen das beste Ergebnis.

Erster Kreisschützenball im "Löwen"

Im Jahr 1969 steigt die Teilnehmerzahl an den Kreismeisterschaften auf 444 Schützen die insgesamt 55 Titelträger ermitteln und erstmals entfällt die Klasseneinteilung von A bis C. Der Schützenkreis zählt 1056 Mitglieder und in der Wallerstädter Gaststätte "Zum Löwen" findet der erste Kreisschützenball statt, in dessen Rahmen Waldemar Schanz zum Kreisschützenkönig proklamiert wird. Mit dem Hinweis auf den Referenten Arndt im Hessischen Schützenverband beginnen die ersten Aktivitäten im Bogensport. Neu kommt als Disziplin "Standardpistole" ins Wettbewerbsprogramm. Im Kreis Groß-Gerau findet erstmals eine Sitzung für Vereinsjugendleiter statt, die die Förderung der Nachwuchsarbeit zum Ziel hat.

Zum zweitenmal holt mit Freya Richter von der PSG Groß-Gerau im Jahr 1970 die Königskette des Schützenkreises, der nunmehr 1090 Mitglieder zählt. Mit Rudolf Wabnitz übernimmt ein Groß-Gerauer das Amt des Pressewarts und Waldemar Schanz wird Referent für den Tontaubensport im Schützenkreis. Erleichtert wird das Kleinkalibergewehrschießen auf 100 Meter Entfernung. Es wird die 25-Meter Pistolenscheibe für die 100-Meter Gewehrdisziplin verwendet. Bei den Pistolenschützen wird die Bezeichnung "Gebrauchspistole" durch "Sportpistole" ersetzt und bei den Gaumeisterschaften darf kein Schütze mehr als vier Disziplinen schießen.

Hessenkader - Gerhard Hartmann mit Lizenz zum nützlich machen

Mit Fritz Klink, Gerhard Voigt und Werner Wabnitz gehören 1971 drei Groß-Gerauer Nachwuchsschützen der Hessenauswahl unter den Trainern Heinrich Hafemeier und Kurt Trautmann an. Erstmals finden im Deutschen Schützenbund Meisterschaften im Jugendbereich statt und im Kreis Groß-Gerau erwirbt Gerhard Hartmann die Trainer-Lizenz. Der Groß-Gerauer PSG-Schütze "will sich nützlich machen", schreibt Kreisjugendleiter Erwin Bernhardt in seiner Einladung zur Jugendleitertagung. Eingeführt werden Schußlochprüfer für Luftgewehr und -pistole, jetzt mit Negativwertung. Der Schützenkreis zählt 1198 Mitglieder und mit Norbert Bardonner wird ein 1862er aus Rüsselsheim Kreisschützenkönig. Im Kreisvorstand übernimmt Werner Mißkampf die Kasse von Erich Knodt, während das Amt des Schriftführers unbesetzt bleibt. Später übernimmt Brigitte Fingerle von der PSG Groß-Gerau diese Aufgabe. Jakob Pons aus Walldorf wird zweiter Pistolenfachwart und mit Toni Pfeiffer aus Astheim und Fritz Sturm aus Kelsterbach kommen zwei weitere neue Gesichter in den Kreisvorstand. Die Rundenwettkämpfe leitet der Rüsselsheimer Heinz Judisch und bei den Kreismeisterschaften werden erstmals Waffen- und Kleiderkontrollen vorgenommen. Im Schützengau Starkenburg wechselt das Amt des Gauschützenmeisters von Erich Henrici an den Michelstädter Karl Eckhart.

Alfred Michaelis - Präzision und Ringzahl sind fundamentale Werte

"Die Schützen und ich haben die gleiche Blutgruppe", war das Schlußwort Georg von Opels beim Deutschen Schützentag in Saarbrücken, der im August 1971 im Alter von 59 Jahren durch einen Herzinfarkt überraschend verstarb. Nachdem auch Vizepräsident Fritz Raddatz im Sommer 1971 verstarb, übernahm Alfred Michaelis die Führung des Verbandes. Die Schwerpunkte in der Arbeit des Bayern lagen in der Breiten- und Jugendarbeit, der Förderung von Rundenwettkämpfe und erstmals wurde die Einführung einer Bundesliga als Krönung und Möglichkeit der Popularisierung des Schießsports genannt. Im Gegensatz zu den fast noch romantischen Ideen seines Vorgängers Georg von Opel wurde mit dem Straubinger der Leistungssport in den Vordergrund gestellt. "Präzision und Ringzahl, sind fundamentale Werte.....sie bilden den Maßstab für das Geschehen im Verein", so Michaelis in seiner Ansprache beim Deutschen Schützentag in Baden-Baden.

Bei den Olympischen Spielen 1972 in München sind Gerhard Hartmann und Heinz Judisch für den Schützenkreis Groß-Gerau als Mitarbeiter des Deutschen Schützenbundes dabei. Sprunghaft steigt die Mitgliederzahl im Schützenkreis auf 1422, ausgelöst durch ein neues Waffengesetz, das den Waffenerwerb bei Mitgliedschaft in einem Schützenverein erleichtet. "Neue Mitglieder sollen neben einem polizeilichen Führungszeugnis zwei Bürgen nennen", empfiehlt der Deutsche Schützenbund. Bei den Kreismeisterschaften starten 418 Aktive, die 63 Titelträger ermitteln.

1973 zählt der Schützenkreis 1481 Mitglieder, davon 279 in Groß-Gerau, 275 in Rüsselsheim und 178 bei Tell Haßloch. Für den erkrankten Herbert Heyl übernimmt der Kelsterbacher Fritz Sturm im Kreisvorstand das Amt des Sportleiters. Rundenkampfleiter ist Anton Junker aus Raunheim und bei der Wahl des Jugendleiters kommt es zur Kampfabstimmung zwischen Erwin Bernhardt und Gerhard Hartmann. Der Raunheimer Bernhardt wird mit 16:12 im Amt bestätigt. Bei den Rundenwettkämpfen wird die Mannschaftsstärke in den Grundklassen von sechs auf vier reduziert.

2222 Kreisschützen und Goldenes Ehrenkreuz für Herbert Schmidt

Anton Junker von der TGS Walldorf wird 1974 Kreisschützenkönig und zwei Jahre später zählt der Schützenkreis 1650 Mitglieder. Premiere bei den Meisterschaften haben die Vorderladerschützen und bei den Neuwahlen im Kreisvorstand kommt es zum Wechsel im Amt des Jugendleiters. Der Groß-Gerauer Gerhard Hartmann löst Erwin Bernhardt ab. Zuvor wurde nach 23 Jahren Amtszeit Herbert Schmidt als Kreisschützenmeister verabschiedet und sein bisheriger Stellvertreter als Nachfolger gewählt. Für sein Engagement erhält Herbert Schmidt 1976 beim 25. Deutschen Schützentag in Baden-Baden das Goldene Ehrenkreuz des DSB.

1977 kommen mit dem SV Dornheim, BSC Rüsselsheim, WTC Groß-Gerau und Hubertus Gernsheim vier neue Vereine zum Schützenkreis, der jetzt 2175 Mitglieder zählt. Brigitte Fingerle wird nach neun Jahren als Schriftführerin verabschiedet und ein Jahr später scheidet Toni Junker aus. Sein Nachfolger als Schatzmeister wird der Dornheimer Horst Kölbl. 1978 kommt mit Dieter Hoffmann der Kreisschützenkönig aus Stockstadt und ein Jahr später wird Werner Wabnitz von der PSG Groß-Gerau sein Nachfolger.

2222 Mitglieder zählt der Schützenkreis im Jahr 1980 und an den Titelkämpfen beteiligen sich 800 Schützen. Im Kreisvorstand übergibt Rudolf Wabnitz das Amt des Pressewarts an seinen Sohn Werner und als Fachwart für Bogenschießen wird Horst Pauli vom BSC Rüsselsheim neu gewählt. Als erster Schütze des Kreises Groß-Gerau erhält der Kelsterbacher Kurt Späth das Deutsche Schießsportabzeichen.

Mit der Sgi Nauheim wird der 18. Verein im Schützenkreis aufgenommen, der 1981 insgesamt 2352 Mitglieder zählt. Ernst Bochnig von der PSG Groß-Gerau wird Kreisschützenkönig und ein Jahr später übernimmt Wolfgang Fuchs von der SKG Tell Walldorf die Königskette. Im Kreisvorstand fällt der Beschluß, den Hessischen Schützentag im Jahr 1987 auszurichten.

Königin Silvia und Andreas Hartinger

Nach elfjähriger Amtszeit wurde die Nachfolge des DSB-Präsidenten Alfred Michaelis geregelt - die Sportschützen in Deutschland waren in dieser Zeit auf über eine Million Mitglieder angewachsen. Am 31. Deutschen Schützentag in Westerland/Sylt gab Michaelis die Bundeskette an Andreas Hartinger weiter. Der bayerische Landesschützenmeister hatte die Kampfabstimmung gegen den badischen Konkurrenten Walter Prokop mit 347:263 Stimmen gewonnen. Hartinger hatte sich als Manager bei den Olympischen Spielen in München einen internationalen Namen gemacht. Er arbeitete damals mit der späteren schwedischen Königin Sylvia zusammen, die zeitweise in Hochbrück Olympiahostess war.

Im Kreis Groß-Gerau steigt 1982 die Teilnehmerzahl bei den Meisterschaften auf 900 und in Hessen wird ein Jahr später der BSC Rüsselsheim der mitgliederstärkste Bogensportclub. Jetzt zählt der Kreis 2500 Mitglieder und die neue Kreisdamenleiterin Marlies Peukert aus Mörfelden ergreift die Initiative zur Einführung einer Punktrunde für Damenmannschaften.

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