Olympische Träume und Weltmeistertitel
Rückblick auf sportliche Erfolge von Schützen aus dem Kreis Groß-Gerau
Mit Krachlederne und Gamsbart zu Olympia
Schützen aus dem Kreis Groß-Gerau spielten Mitte der 50er Jahre im sportlichen Bereich noch keine führende Rolle. In Südhessen bestimmten die Aktiven aus Wiesbaden und Darmstadt das Geschehen. Allen voran Hans-Werner Harbeck, der 1956 bei den Deutschen Meisterschaften mit dem Kleinkalibergewehr gewann. Neben dem späteren hessischen Sportleiter aus Wiesbaden schoss sich der Darmstädter Bernhard Röder mit seinem Luftgewehr-Vizemeistertitel unter die besten deutschen Schützen. Höhepunkt des Jahres 1956 waren die Olympischen Spiele in Melbourne. Der Deutsche Schützenbund wurde in Australien durch zwei Aktive vertreten. Albert Siegl und sein Sohn Rudi aus München kamen unter den 44 Olympiastartern zwar nicht über Rang neun hinaus, doch das die beiden Deutschen mit Lederhose "Krachlederne" und Gamsbart auftrat, war für die australische Presse eine Attraktion.
Ein Jahr später standen wiederum Harbeck und Blickpunkt. Deren Vereine holten die Luftgewehr-Landesklassentitel und Harbeck wurde bei den in Wiesbaden ausgetragenen Hessenmeisterschaften dreifacher Sieger. Röder wurde zweimal Vizemeister. Bei den Deutschen Meisterschaften in Hannover gelang Harbeck die erfolgreiche Titelverteidigung mit dem Kleinkalibergewehr. Derweil konzentrieren sich die Groß-Gerauer PSG-Schützen auf die Teilnahme an dem seit 1952 vom Deutschen Schützenbund ausgetragenen Fernwettkampf für Vereine. Zunächst mit vier Wettbewerben und 1.217 Teilnehmern begonnen, zählte dieser bundesweite Wettkampf 1957 schon 16 Wettbewerbe mit 3.556 Startern. Die Groß-Gerauer erreichten in der Schützenklasse den 54. und in der Jugendklasse den 62. Rang.
Erst 1958 erscheint mit der PSG Groß-Gerau erstmals eine Mannschaft in den Siegerlisten des Hessischen Schützenverbandes. Die Jugendmannschaft der PSG belegt mit dem Luftgewehr den dritten Platz. Bei den Punktrunden mit dem Luftgewehr gewinnt 1862 Rüsselsheim mit 19:1 vor der PSG Groß-Gerau (15:5). Der 1862er Kurt Gebhardt ist bester Einzelschütze.
Der Wiesbadener Hans-Werner Harbeck holt in Moskau seine erste Internationale Medaille bei den Weltmeisterschaften. Mit dem 300 Meter Freigewehr wird der 24-jährige Dritter. Bei den Junioren wird der 16-jährige Peter Kohnke Weltmeister und der Deutsche Schützenbund feiert damit nach zwanzig Jahren seine größten Schießsporterfolge
Sechs Ringe fehlen Herbert Schmidt zum Deutschen Meistertitel
1959 gelang Herbert Schmidt und Waldemar Schanz von der PSG Groß-Gerau erstmals die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften. Dem 56-jährige Schmidt schaffte die Fahrkarte nach Hannover nach seinem Sieg bei den Hessenmeisterschaften mit dem Kleinkalibergewehr. 262 Ringe hatte der Sohn eines Büchsenmachers auf Hessenebene in der Seniorenklasse zum Erfolg gereicht und bei den Deutschen Meisterschaften bestätigte er diese Leistung. Den 60-Schuß-Dreistellungskampf absolvierte Herbert Schmidt mit 524 Ringen und verpaßte als Vierter den Sieg nur knapp um sechs Ringe. Nach 195 Ringen im Liegendschießen und 178 im Kniendanschlag führte Schmidt die Konkurrenz sogar noch mit fünf Ringen Vorsprung. Schwache 151 Ringe warfen den Kreisschützenmeister im Stehendschießen aus den Medaillenrängen. Als 23-jähriger war Waldemar Schanz 1958 von Tell Mörfelden zur PSG Groß-Gerau gewechselt und auf Anhieb schaffte er mit dem Luftgewehr den Vizemeistertitel bei den Hessenmeisterschaften. 285 Ringe garantierten die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften, doch in Hannover kam Schanz mit 562 Ringen nicht über den 23. Platz hinaus. Zusammen mit Schanz hatten Hans Eckert, Wilhelm Schaffner und Friedrich Wilhelm Apitz bei den Hessenmeisterschaften den zweiten Platz belegt.
Mehr kann man von einem Schützenkönig nicht erwarten
1960 weihte die PSG Groß-Gerau ihre damals vorbildliche Schießstandanlage ein und die Aktiven feierten gleich drei Hessenmeistertitel. Herbert Schmidt verteidigte seinen Titel im Kleinkaliber-Dreistellungskampf und holte zudem noch einen Sieg mit dem Zimmerstutzen. "Mehr kann man von einem Schützenkönig nicht erwarten", schrieb seinerzeit die Lokalpresse in der Groß-Gerauer Heimat-Zeitung über die vorbildlichen Leistungen des Kreisschützenmeisters, der 1936 das Kleinkalibergewehrschießen in Groß-Gerau eingeführt hatte, nachdem es zum Zusammenschluß zwischen der PSG und Tell Groß-Gerau gekommen war. Die PSG-Erfolge im Jahr 1960 rundete Friedrich Wilhelm Apitz mit seinem Zimmerstutzen-Sieg bei den Hessenmeisterschaften in der Schützenklasse mit beachtlichen 268 Ringen ab.
Gold für Peter Kohnke und 10.000 sind begeistert
Höhepunkt des Jahres 1960 sind die Olympischen Spiele in Rom. In Italien gelingt Peter Kohnke aus Bremervörde die Sensation. Nach seinem Olympiasieg mit 590 von 600 möglichen Ringen im 60 Schuß-Liegendkampf nimmt DSB-Präsident Georg von Opel den 18-jährigen auf die Schultern, hatte der doch nach 24 Jahren wieder eine Olympiamedaille für den Schützenbund gewonnen. In Bremervörde wurde Kohnke wenige Tage später von 10.000 begeisterten Menschen empfangen.
Der Kelsterbacher August Dreilich hatte vergeblich um die Fahrkarte zu den Olympischen Spielen in Italien gekämpft. Der 33-jährige Kfz.-Mechaniker zählte später dennoch die Olympiaausscheidung in Leipzig zu einen seiner größten Erfolge, nachdem er mit der Schnellfeuerpistole mit 292 Ringen nach der Hälfte des 60-Schuss-Programms noch geführt hatte. Dreilich war Mitglied bei der Gilde Kelsterbach, bestritt aber die Meisterschaften stets für die PSG Darmstadt.
Biathlon - die Schützen sind skeptisch
Während der Olympischen Spiele in Squaw Valley wird Biathlon als neue Sportart vorgestellt. Es tritt den 1924 in Chamonix erstmals ausgetragenen Militär-Patroullienlauf an. Die Schützen stehen der neuen Kombinationsportart aus Skilanglauf und Schießen skeptisch gegenüber, "es erinnere zu viel an militärische Ausbildung"
Hatten bisher Groß-Gerauer Schützen für vordere Platzierungen gesorgt, traten 1961 erstmals Rüsselsheimer und Raunheimer Aktive in den Vordergrund. Die Rüsselsheimer belegten bei den Gaurundenwettkämpfen mit dem Luftgewehr den fünften Rang (Gruppe I) und die Raunheimer wurden in der Gruppe II Zweiter. Mit Klugmann hatten die Tellschützen den drittbesten Einzelschützen in ihren Reihen. Die Groß-Gerauer mußten sich mit Rang drei begnügen. Unter den 2.674 Mannschaften, die sich am Vereinswettkampf des Schützenbundes in diesem Jahr beteiligten, belegten die Raunheimer Rang 62 und Groß-Gerau Rang 64.
Weltmeister Karl Wenk und Dreilich ist dabei
Der Leistungsaufschwung im Deutschen Schützenbund setzt sich bei den Weltmeisterschaften in Kairo mit dem Sieg von Karl Wenk fort. Der 27-jährige Badener aus Brombach gewinnt den 60-Schuss-Liegendkampf mit dem Kleinkalibergewehr (594) und holt zudem noch den Titel im 40-Schuss-Kniendanschlag (388). Mit dabei in Kairo ist August Dreilich. Der Kelsterbacher erreicht mit der Schnellfeuerpistole 567 Ringe und wird 43. der Einzelwertung.
Mit der PSG Darmstadt hatte Dreilich bei den Landesmeisterschaften erwartungsgemäß dominiert, doch die Überraschung waren die Rüsselsheimer Schützen, die als Vizemeister mit 65 Ringen einen deutlichen Rückstand hatten, aber erstmals auf dem Siegerpodest bei Hessenmeisterschaften standen.
Drei Hessentitel für Tell Raunheim
Das Jahr 1963 wird das erfolgreichste Jahr für Tell Raunheim mit dem Gewinn von drei Hessenmeistertitel. In Wiesbaden gewinnt Rainer Konrad mit dem Kleinkalibergewehr auf 50 und auf 100 Meter zwei Einzeltitel und ist zudem am Mannschaftssieg in der Jugendklasse für Raunheim beteiligt. Konrad qualifiziert sich für die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften und wird mit dem Kleinkalibergewehr (499 Ringe) 23. Der Juniorenklasse. Auf Hessenebene erscheint mit Erhard Lobenstein erstmals ein Rüsselsheimer im Einzelwettbewerb auf dem Siegerpodest. Mit der Gebrauchspistole erzielt Lobenstein 286 Ringe bei den Titelkämpfen in Frankfurt-Rebstock, an denen sich insgesamt 560 Aktive beteiligen. Die Hessenmeisterschaften werden in diesen Jahren stets von den Schützen aus Wiesbaden dominiert. Allen voran Hans-Werner Harbeck, der seine Vielseitigkeit bei den Armbrust-Europameisterschaften in der Schweiz unterstreicht. Für den WSG-Schützen reicht es zu zwei Mannschaftsgoldmedaillen.
Zehn Medaillen auf Hessenebene
Ihr erfolgreichstes Jahr bei den Hessenmeisterschaften erleben die Kreisschützen mit dem Gewinn von insgesamt sieben Medaillen. Mit der Schnellfeuerpistole wird 1862 Rüsselsheim Dritter, während August Dreilich für die PSG Darmstadt mit 578 Ringen den Einzeltitel gewinnt. Dreimal Silber gewinnen die Nachwuchstalente von Tell Raunheim. Rainer Konrad wird Vizemeister mit dem Kleinkalibergewehr und ist an den Mannschaftssilbermedaillen im KK-Dreistellungskampf und mit dem Luftgewehr beteiligt. Auf Siegerpodest schießen sich auch die Groß-Gerauer Junioren. Mit dem Zimmerstutzen wird das Team Zweiter und mit dem Kleinkalibergewehr gewinnt die Mannschaft Bronze. Eine weitere Medaille nach Groß-Gerau holt Herbert Schmidt. 252 Ringe reichen in der Seniorenklasse zu Silber.
Höhepunkt ist die Juniorenentscheidung mit dem Kleinkalibergewehr auf 100 Meter Entfernung. Tell Raunheim gewinnt die Goldmedaille (899 Ringe) vor der PSG Groß-Gerau (843) und im Einzel wird Tellschütze Wagner mit 254 Ringen Vizemeister. Das gute Abschneiden runden vordere Platzierungen von Wolfgang Schweikhardt aus Groß-Gerau mit der Luftpistole (271 Ringe Platz 5), dem PSG-Schützen Waldemar Schanz mit dem Zimmerstutzen (263 Ringe Platz fünf) und ein sechster Platz des Rüsselsheimer Schnellfeuerschützen Helmut Meixner (549 Ringe) ab. Die Rüsselsheimer festigen ihre ansteigende Form mit den Rägnen vier und sechs in den Disziplinen Gebrauchspistole und Freie Pistole.
Für die Deutschen Meisterschaften in Wiesbaden qualifiziert sich nur Herbert Schmidt. In der Altersklasse wird Schmidt Fünfter mit dem Kleinkalibergewehr (497 Ringe) und Zwölfter mit dem Luftgewehr (531).
Eine Enttäuschung erlebt der Deutsche Schützenbund bei den Olympischen Spielen in Tokio. In Japan bleiben die deutschen Aktiven ohne Medaille und mit Rang sieben erreicht der Westdeutsche Karl Wenk die beste Einzelplatzierung.
Hessentitel für Konrad und Schmidt
Zwei Gold- und vier Bronzemedaillen setzen die Erfolgsstatistik der Schützen aus dem Kreis Groß-Gerau bei den Hessenmeisterschaften fort. 1965 gewinnen der Raunheimer Konrad mit dem Zimmerstutzen in der Juniorenklasse und Herbert Schmidt gewinnt einen weiteren Titel für die PSG Groß-Gerau in der Seniorenklasse beim Wettbewerb mit dem Scheibengewehr auf 100 Meter. Schmidt holt zudem Bronze mit dem Luftgewehr und im Kleinkaliber-Dreistellungskampf. Die Junioren der PSG Groß-Gerau werden Dritter mit dem Zimmerstutzen, ebenso holen die Rüsselsheimer mit der Gebrauchspistole Bronze mit 1097 Ringen in der Schützenklasse.
Der spätere Olympiasieger von 1972, Konrad Wirnhier, wird im Jahr 1965 Schütze des Jahres. Mit 199 von 200 möglichen Treffern hatte Wirnhier überraschend bei den Weltmeisterschaften im Wurfscheiben-Skeet in Chile gewonnen.
Gary Anderson in Wiesbaden im Mittelpunkt
Die 39. Weltmeisterschaften der Sportschützen stehen im Blickpunkt des Jahres 1966. In Wiesbaden werden die Titelkämpfe mit Aktiven aus 49 Nationen ausgetragen, unter denen Gary Anderson zum Star avanciert. Der US-Amerikaner gewinnt drei Goldmedaillen und steht im Mittelpunkt des Interesses. Für Deutschland holen die Stuttgarter Wurfscheibenschützin Gräfin von Soden Gold und nach seinem Luftgewehrsieg wird der Kronacher Gerd Kümmet zum Schütze des Jahres gewählt. Mit im deutschen Team steht Lokalmatator Hans-Werner Harbeck, der bei seinen beiden Starts die Plätze 23 und 40 belegt.
Bei den Deutschen Meisterschaften ist erstmals Willi Luft dabei. Der Groß-Gerauer Busfahrer schießt mit der Schnellfeuerpistole 560 Ringe und wird 40. Der Einzelwertung.
600 von 600 möglichen Ringe
Ein Jahr später ist Herbert Schmidt weiter Garant für Erfolge. Erneut siegte er als nunmehr 64-jähriger bei den Hessenmeisterschaften mit dem Kleinkalibergewehr. Weitere Titel für die PSG Groß-Gerau gewannen 1967 mit der Kleinkaliber-Sportpistole Wolfgang Schweikhardt und erstmals machte Fritz Klink junior auf sich aufmerksam. Als 15-jähriger gewann der spätere PSG-Oberschützenmeister seinen ersten Hessenmeistertitel mit dem Zimmerstutzen. Bei den Deutschen Meisterschaften wird Herbert Schmidt 19. Mit 515 Ringen und der Groß-Gerauer Wolfgang Schweikhardt erreicht 566 Ringe mit der Gebrauchspistole und wird 47. Die Sensation der Deutschen Meisterschaften ist die optimale Leistung von Karl Wenk. Der Weltmeister von 1962 erzielt im Kleinkaliber-Liegendkampf 600 von 600 mögliche Ringe. Bei den Weltmeisterschaften in Bologna verteidigen Konrad Wirnhier (198 Treffer im Skeet) und Gräfin von Soden (86 Treffer im Trap) ihre Titel.
Nachwuchstalente im Blickpunkt
Im Blickpunkt des Jahres 1968 stand eine neuformierte Juniorenmannschaft der PSG Groß-Gerau mit dem Luftgewehr. Die Groß-Gerauer Klaus-Dieter Kappel und Gerd Leiß wurden durch den Mörfelder Walter Dickhaut verstärkt und dieses Trio siegte auf Anhieb bei den Landesrundenwettkämpfen der Junioren und belegte mit nur neun Ringen Rückstand zu den Medaillenplätzen beim Luftgewehr-Fernwettkampf des Deutschen Schützenbundes den 17. Rang. Dem guten Auftakt im ersten Jahr sollte 1969 der Höhepunkt folgen und die erste Hürde auf dem Weg zu den Deutschen Meisterschaften nahm das PSG-Trio bei den Hessenmeisterschaften souverän. Mit 829 Ringen wurden Kappel, Leiß und Dickhaut hessische Titelträger der Junioren, doch auf Bundesebene erfüllten sich mit dem 13. Mannschaftsrang die Erwartungen nicht. Einen weiteren Hessentitel holen die PSG-Junioren in der Mannschaftswertung mit dem Scheibengewehr auf 100 Meter Entfernung. Walter Dickhaut wird zudem Einzelsieger und erstmals wird im Team Werner Wabnitz aufgestellt.
Im Jahr 1970 gelingt Gudrun Diegisser von 1862 Rüsselsheim in der Damenklasse bei den Hessenmeisterschaften mit der Kleinkaliber-Sportpistole der Einzelsieg, bevor ein Jahr später vier Kreisschützen bei den Hessenmeisterschaften auf dem Siegerpodest ganz oben stehen. Werner Wabnitz von der PSG Groß-Gerau holt sich in der Juniorenklasse zwei Titel mit dem Scheibengewehr 100 Meter und dem Zimmerstutzen, verfehlt aber die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften.
Der Wechsel von Schanz und erste Becker-Erfolge
Waldemar Schanz war von den Gewehr- zu den Wurfscheibenschützen gewechselt und holte mit 96 von 100 möglichen Treffern im "Trap" den Hessenmeistertitel in der Schützenklasse. Sein Sohn Waldemar junior war damals drei Jahre alt und sollte 25 Jahre später den Namen Schanz zu den olympischen Spielen nach Atlanta tragen. 1971 mußte sich der Vater noch mit Rang 31 bei den Deutschen Meisterschaften begnügen. Im gleichen Jahr schiebt sich erstmals Elke Becker für die PSG Groß-Gerau in den Blickpunkt. In der Damenklasse wird sie zweimal Vizemeisterin bei den Hessenmeisterschaften und überrascht bei den Deutschen Meisterschaften in Wiesbaden mit dem sechsten Einzelrang im Luftgewehrschießen. Beim zweiten Start mit dem Kleinkaliber-Standardgewehr belegt sie Rang 28. Zwei Startplätze in Wiesbaden hatte sich Norbert Lang in den Pistolendisziplinen gesichert, nachdem der Rüsselsheimer Hessenmeister mit der Freien Pistole auf 50 Meter Entfernung geworden war. Bei den Deutschen Meisterschaften belegt Lang die Plätze 26 und 28.
Olympische Initiativen fördern Elke Becker
Im olympischen Jahr 1972 bestimmte der Münchner Gottfried Kustermann als fünffacher Deutscher Meister das Geschehen im deutschen Spitzensport der Schützen, doch auf der heimischen Schießstandanlage in Hochbrück erfüllten sich die Medaillenträume nicht. Die Goldmedaille des Skeetschützen Conny Wirnhier "in letzter Minute" überdeckten die Schwächen der deutschen Olympiaschützen nicht. Von den Initiativen für den Spitzensport profitierte aber Elke Becker. Die Groß-Gerauer PSG-Schützin hatte zwar keine Möglichkeit an der Olympiade teilzunehmen, doch bei einem hochklassigen Vorbereitungswettkampf in München schoss sie sich in die deutsche Frauen-Elite. Elke Becker gewann den zweitägigen Wettkampf und bewies anschließend ihre Klasse bei den Deutschen Meisterschaften. Mit dem Luftgewehr schoss sie 572 von 600 möglichen Ringen und wurde Vizemeisterin. Diese Leistung hätte auch bei den Männern zu Rang zwei gereicht. Die Plätze fünf und acht mit dem Kleinkalibergewehr im Dreistellungs- und Liegendkampf bestätigten endgültig ihren Anspruch auf einen Platz im Nationalteam.
Im Wurfscheibenbereich verteidigt Waldemar Schanz seinen Hessenmeistertitel im "Trap" und hat mit 98 von 100 möglichen Treffern den größten Anteil am Mannschaftssieg für die PSG Groß-Gerau. Bei den Deutschen Meisterschaften verfehlt Schanz 19 der 150 Wurfscheiben und bleibt als 31. hinter den Erwartungen zurück. Pech für das PSG-Team, dass mit zwei Treffern Rückstand als Vierter den Sprung aufs Siegerpodest verfehlt. Wolfgang Vogel erreicht die Endrunde und wird mit 180 von 200 möglichen Treffern 17.
Deutsche Meisterin und internationale Erfolge
Ihre internationalen Ambitionen unterstreicht Elke Becker im Jahr 1973 zunächst mit dem vierfachen Titelgewinn für die PSG Groß-Gerau bei den Hessenmeisterschaften, darunter auch den Männerwettbewerb 120 Schuß-Dreistellungskampf mit glänzenden 1157 Ringen. Einen weiteren PSG-Sieg steuert Gerhard Voigt mit 262 Ringen im Junioren-Wettbewerb mit dem Zimmerstutzen bei.
Bei den Deutschen Meisterschaften gewinnt Elke Becker ihren ersten Einzeltitel mit 559 Ringen im Kleinkaliber-Dreistellungskampf. Im Liegendwettbewerb wird sie Vierte. Bei den offenen rumänischen Meisterschaften in Bukarest belegt sie im Team der Nationalmannschaft die Plätze fünf und sieben mit dem Kleinkalibergewehr. Mit dem Luftgewehr verpaßt Elke Becker bei den Europameisterschaften im österreichischen Linz eine Medaille denkbar knapp. Eine Sieben und eine Acht mit den letzten beiden Schüssen verhindern den Sprung aufs Siegerpodest. Mit 377 Ringen wird sie Sechste. Von der Klasse der deutschen Spitzenschützin profitiert die PSG Groß-Gerau auch bei den Rundenwettkämpfen. In der Standardgewehr-Gauliga gewinnt die PSG mit 16:4 Punkten und steigt erstmals in die Regionalliga auf. Der Kelsterbacher Ludwig Dreilich überrascht mit der Olympischen Schnellfeuerpistole bei den Deutschen Meisterschaften als 14.
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