Eiskalter Italiener entzaubert Deutschen Meister
Erster Wettkampftag der Luftpistole-Bundesliga Süd in Kelheim und Kirchheim
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Den besten Saisonstart seit dem Aufstieg in die erste Liga schafften die Luftpistolenschützen der SG Ulrichshögl. Das Team von Trainer Andreas Trommer übernahm erstmals die Tabellenspitze in der Südliga und machte damit die Enttäuschungen der vergangenen Jahre vergessen, als die Mannschaft aus dem Berchtesgadener Land den Klassenerhalt nur über die Relegation schaffte. Zum Auftakt der zwölften Bundesligasaison siegte Ulrichshögl besiegte zunächst die Gastgeber vom TSV Ötlingen in der Kirchheimer Sporthalle mit 4:1 und überraschte dann am Sonntagmorgen den ESV Weil am Rhein ebenfalls mit 4:1.
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Nach dem Weggang von vier Leistungsträger präsentierte sich der Titelverteidiger aus Waldenburg mit einer neuformierten Mannschaft, in der Vladimir Gontcharov auf Position eins mit Siegen über Roberto Di Donna (388:385) und Wolfgang Psenner (382:379) die Erwartungen erfüllte. Doch der Russe wurde in der Dreifachturnhalle am Städtischen Sportstadion in Kelheim von Abdullah Ustaoglu in den Schatten gestellt. „Abdullah hatte einen Einstand nach Maß“, freute sich Wüstemeyer über die glänzende Vorstellung des Nationalschützen, „er sorgt für neue Motivation in der Mannschaft.“. Nach seinem Wechsel vom ESV Weil am Rhein zum Deutschen Meister zeigte Ustaoglu mit 388:378 gegen den Kelheimer Schultheiß und dem 386:372 gegen Michael Heise aus Willmandingen seine Bestform. Doch hinter den beiden Topschützen ist Waldenburg nicht so ausgeglichen besetzt wie in den Vorjahren. |
| Wolfgang Renner war es schließlich, der in beiden Begegnungen den entscheidenden dritten Punkt für das Wüstemeyer-Team holte. „Wolfgang ist unser Stechkönig“, erklärte Wüstemeyer nach dem aufregenden Shoot-Off gegen den Kelheimer Rosner, „er ist kalt wie eine Hundeschnauze.“ Nach 374:374 Remis gingen beide Konkurrenten auf Position vier ins Shoot-Off und Renner ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Mit einer Zehn übertraf er Rosners Neun und sicherte den Waldenburger Auftaktsieg gegen die Kelheimer Gastgeber. Im zweiten Match gegen den Willmandinger Jürgen Flad hatte Renner keine Schwierigkeiten und sorgte mit 377:366 für den 3:2 Endstand. Dabei sah es für den Deutschen Meister lange nach einer Niederlage gegen den Aufsteiger aus Nach einer Viertelstunde Schießzeit führte Willmandingen mit 3:2 und zwanzig Minuten später hielt der Aufsteiger noch immer ein 2:2 Remis. |
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Für die Bolbergschützen aus der Stadt Sonnenbühl begann der Österreicher Wolfgang Psenner mit einem sensationellen Start gegen Vladimir Gontcharov. Der Russe kam nicht in den Wettkampf und begann mit schwachen 92 Ringen. Dagegen eröffnete Psenner das Spitzenduell mit 97 Ringen. Doch mit Beginn der zweiten Serie startete Gontcharov eine unwiderstehliche Aufholjagd. Bis zum 17. Schuss landete jeder Treffer in der Zehn und da zeigte der Österreicher Nerven. Eine Sieben von Psenner beim 15. Schuss leitete die Wende in diesem Duell ein. Gontcharov gelangen 99 Ringe, während Psenner mit nur 91 Ringen seine zunächst klare Führung verlor. Der Österreicher kämpfte sich in der dritten Serie mit 96:94 Ringen noch einmal an den Russen heran. Wieder war es ein Zwischenspurt von Gontcharov der kurz vor Schluss die Entscheidung brachte. Vier Zehner in Folge machten den Unterschied aus und Gontcharov siegte mit 382:379 Ringen. Damit verkürzte er für Waldenburg auf 1:2. Marco Deh (369:367 gegen Thomas Wüstemeyer) und der starke Andreas Heise (382:377 gegen Andreas Reger) hatten Willmandingen mit 2:0 in Führung gebracht. Als Gontcharov die Schlüsselbegegnung auf Position eins gewonnen hatte, zeichnete sich der Favoritensieg für Waldenburg ab. Abdullah Ustaoglu glich aus und Wolfgang Renner besorgte den dritten Punkt für den amtierenden Meister. „Diese Siege waren wichtig, denn am nächsten Wettkampfwochenende fehlen uns alle Ausländer“, meinte Günter Wüstemeyer mit Blick auf die Heimbegegnung in Waldenburg, „gegen Ulrichshögl und Ötlingen werden wir da wohl verlieren.“ Wüstemeyer hatte aber auch aus familiärer Sicht Grund zur Freude: „Besonders freue ich mich aber als Vater, denn Thomas ist nach fünf Jahren Pause wieder ins Team zurückgekehrt.“ |
Enttäuschung herrschte in der Kelheimer Dreifachturnhalle nicht nur nach der unglücklichen Auftaktniederlage gegen Waldenburg. „Das Wetter war zu schön“, suchte Kelheims Vereinschef Rudolf Rauch die Gründe für die schwache Zuschauerresonanz. „150 Zuschauer sind viel zu wenig. Von der Werbung her hatten wir auf wesentlich mehr Besucher gehofft. Nach dem Gewinn der Olympiamedaille hatten wir einen tollen Empfang von Munkbayar Dorjsuren. Davon hatten wir uns auch etwas für den Bundesligawettkampf versprochen.“ So blieben viele Stühle leer in der großzügigen Sporthalle.
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Die Zuschauer, die gekommen waren, erlebten neben spannenden Schießsport auch eine tolle Moderation durch Eva-Maria Oberloher. Die Landesjugendsprecherin des bayrischen Sportschützenverbandes begeisterte mit flotten Sprüchen und zeigte, das sie sich im Schießsport und der Bundesliga glänzend auskennt. Sprachgewandt im feschen Dirndl feuerte sich sowohl Zuschauer wie auch die Aktiven im Stand an und ganz besonders hatte es ihr Roberto Di Donna angetan. Die Nummer eins bei den Gastgebern stand am Sonntagmorgen beim Kelheimer 3:2 Sieg über Ludwigsburg im Blickpunkt und als er den frischgebackenen Deutschen Meister Frederic Dzierzon mit einer 99er Serie davonzog war Moderatorin Oberloher nicht mehr zu halten. „Robert, Du bist der Beste“, „Unser Olympiasieger enttäuscht uns nicht“ oder in Richtung Zuschauer: „Hier sehen sie einen eiskalten Italiener.“ Roberto Di Donna fand sichtlich gefallen an der Unterstützung und steigerte sich von Serie zu Serie. Vor knapp einhundert Zuschauern war er im Spitzenduell von Dzierzon in keiner Phase schlagbar und leistete sich sogar noch eine Acht mit dem letzten Schuss. Am klaren 386:371 Sieg des Italieners änderte das nichts mehr. Es war die vorentscheidende 2:1 Führung für die Kelheimer und Frederic Dzierzon konnte anschließend seine klare Niederlage kaum fassen. „Ich bin mit meiner Leistung überhaupt nicht zufrieden. Das war Aufregung pur und ich war mehr mit mir selbst beschäftigt. Zunächst habe ich die Begegnung zu leicht genommen und mich dann unter Druck gesetzt.“ |
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Nach seiner glänzenden Vorjahressaison beim Zweitligisten Fraulautern war der 25-jährige Dzierzon nach Ludwigsburg in die erste Liga gewechselt. „Doch das ist eine ganz andere Konstellation. Hier kann man nicht so befreit schießen. In der zweiten Liga haben 380 Ringe meist zum Sieg gereicht.“ Dzierzon hatte sein Ziel bei seiner Bundesligapremiere gegen den Willmandinger Wolfgang Psenner fast erreicht. Mit 379 Ringen war er die erhoffte Verstärkung bei Ludwigsburg, obwohl er das Match gegen den Österreicher mit 379:380 Ringen verlor. Dafür punkteten Christoph Schmid, Andreas Schneider, Florian Brunner und Reinhard Zintel für Ludwigsburg gegen die auf den hinteren Mannschaftsplätzen überforderten Aufsteiger.
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Gegen Kelheim konnten für Ludwigsburg nur Christoph Schmid und Andreas Schneider punkten. Nach einer halben Stunde hatte Andreas Schneider das 1:0 gegen Munkbayar Dorjsuren gesichert und Kelheim´s Trainer Matthias Hahn wirkte nahezu versteinert. „Nicht schon wieder so eine Saison wie vor zwei Jahren“, haderte der aus Finnland eingeflogene Trainer nach der unglücklichen Auftaktniederlage gegen Waldenburg. Doch die Miene von Matthias Hahn entspannte sich, als Thomas Karsch auf Position fünf für Kelheim gegen Harald Köpke zum 1:1 ausglich. Die Führung von Roberto Di Donna egalisierte für Ludwigsburg der Schweizer Christoph Schmid mit 377:368 Ringen gegen Christoph Schultheiß. Im Kampf um den entscheidenden dritten Punkt behielt Sebastian Rosner die Nerven. Florian Bunner hatte in einer halben Stunde Schießzeit 375 Ringe vorgelegt, doch Rosner leistete sich keinen Fehler. Sicher, Schuß für Schuß verteidigte er seine Führung und siegte mit 380:375 Ringen. „Jetzt sind wir pari“, wirkte Matthias Hahn nach dem Sieg für Kelheim erleichtert, „Dieser Sieg war schon wichtig, denn die Leistungen an diesem Wochenende waren auf hohem Niveau.“
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Trotz der beiden Auftaktniederlagen ließen die Aufsteiger aus Willmandingen die Köpfe nicht hängen. „In beiden Partien war Pech dabei“, meinte Sportchef Frank Bahnmüller nach den Niederlagen in Kelheim. „Bei Wolfgang Psenner war mehr drin. Doch im Heimkampf am nächsten Wettkampftag erwarten wir ein volles Haus und da wird die Hütte brennen.“ Nach dem überraschenden Aufstieg konnten neben dem Österreicher Wolfgang Psenner nur die beiden Neuzugänge Andreas und Michael Heise bei Willmandingen überzeugen. „Die bisherigen Stammschützen mussten der ersten Liga Tribut zollen.“
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Für frischen Wind in der ersten Liga sorgte Willmandingen mit den beiden Junioren-Nationalschützen Andreas und Michael Heise. Im Blickpunkt stand dabei der 16-jährige Andreas Heise, der gegen den Waldenburger Andreas Reger seinen ersten Sieg mit glänzenden 382 Ringen landete. „Die Bundesliga ist extrem toll“, freute sich Andreas Heise nach seinem Sieg, „Jeder gute Schuss findet beim Publikum Resonanz. Das macht richtig Spaß.“ Der Deutsche Juniorenmeister gilt als Spezialist mit der Luftpistole und der Freien Pistole und hat seine Ziele fest fixiert. „Ich will zur Weltmeisterschaft im Jahr 2010.“ Zusammen mit seinem Bruder Michael war Andreas Heise auch beim Meister Waldenburg als Neuzugang im Gespräch, doch dann blieben sie bei ihrer Zusage und wechselten vom SV Ermgerst nach Willmandingen. Den Werdegang seiner Söhne unterstützt Jürgen Heise und dabei wollte der Vater die Schießbegeisterung zunächst sogar verhindern. „Ich wollte ihnen das erst abgewöhnen, jeden Euro habe sie auf dem Jahrmarkt in die Schießbude investiert.“ Darauf hin ging Jürgen Heise vor knapp vier Jahren mit seinen Söhnen zum Schützenverein und es folgte „ein Beispiel für perfekte Jugendarbeit.“ Über den Vereinstrainer Andreas Vogler wurde das Talent der Heise-Brüder erkannt und sofort zum Gudensberger Stützpunkttrainer Manfred Glatt weiter gegeben. Die konzentrierte Trainingsarbeit wurde sofort mit der Qualifikation zu den Deutschen Meisterschaften belohnt und von da an übernahm Bezirkstrainer Herbert Barthel die Aufbauarbeit für die jungen Talente, die wenig später in die Betreuung von Landestrainer Jan-Erik Aeply wechselten. Damit war klar, dass die erfolgreiche Zeit der Brüder im Kartfahren vorbei war. „Sie sind aber dafür auch zu groß geworden“, stellt Vater Jürgen Heise fest, der den Elan seiner Söhne im Schießsport heute voll und ganz unterstützt.