zurück zur Startseite

Impressum

 

Ein Zehntel für Hilgert und das Ackermann-Comeback

 

Erster Wettkampftag der  Luftgewehr-Bundesliga Nord in Paderborn und Höhr-Grenzhausen

 

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

 

Spannende Wettkämpfe, gute Zuschauerzahlen und zwei überraschende Tabellenführer brachte der Auftakt zur zwölften Saison in der Luftgewehr-Bundesliga Nord. Vor etwa 750 Zuschauern an beiden Wettkampftagen gingen in der Dreifachturnhalle von Paderborn-Elsen die Aktiven des KKS Nordstemmen als zweifache Sieger hervor und übernahmen die Tabellenführung vor dem punktgleichen TuS Hilgert, der in der heimischen Kreisporthalle am Schulzentrum in Höhr-Grenzhausen ebenfalls beide Partien gewann.

 

Ohne den italienischen Nationalschützen, der am ersten Bundesligawochenende Gast bei der Hochzeit seines Freundes Marco de Nicolo war, glückte der Saisonstart für Hilgert mit zwei knappen 3:2 Heimsiegen über Wolthausen und Münster. „Das war ein großer Schritt in Richtung Finale“, freute sich Trainer Carsten Hees nach dem Herzschlagsieg über Münster. Am Sonntagmorgen sah es zunächst nach einem klaren Sieg von ABC Münster aus. Das Team von Trainer Ekkehard Linn begann gewohnt schnell durch Martina Rave, die auf Position zwei gegen Erich Schmul in knapp einer halben Stunde 393 Ringe vorlegte. Zu diesem Zeitpunkt zeigte die Hochrechnung das ABC-Team klar mit 4:1 vorn, doch Hilgerts Trainer Hees blieb ruhig. „Auf die Hochrechnung habe ich nicht geachtet.“ Dafür sah er, dass sich sein Team nach dem verhaltenen Beginn immer mehr steigerte.

Besonders auf Position fünf staunte Hees über die Leistungssteigerung von Tatjana Poseiner. Nach einem Jahr Pause („im Jahr 2007 war bei mir die Luft raus“), drehte die 22-jährige Nationalschützin aus dem südhessischen Roßdorf das Match gegen die erfahrene Christine Zimmermann. „Ich war Anfang der zweiten Serie noch zu langsam. Dann habe ich mich überwunden, schneller geschossen und das war das Maß der Dinge.“ Mit zwei optimalen Treffern in die 10,9 beim 33. und 34. Schuss machte sie klar, dass sie sich den Sieg gegen ihre zwölf Jahre ältere Gegnerin nicht mehr nehmen lassen wird. Nach 29 Minuten jubelte Tatjana Poseiner über ihren 391:388 Sieg und den 1:1 Ausgleich, nachdem Ursula Tillner mit 393:390 Ringen gegen Manuela Felix den ABC Münster in Führung gebracht hatte.
Von der Landesliga direkt auf Position eins in der Bundesliga traf Henri Junghänel für Hilgert auf Zoltan Balaz, konnte aber gegen den Ungarn im Team von Münster nur bis zur Hälfte des Wettkampfes mithalten. „Diese Niederlage war deprimierend“, meinte Henri Junghänel nach seiner 388:393 Niederlage. „Der Unterschied zwischen Landes- und Bundesliga ist schon heftig. Hier wird die gesamte Schießzeit angefeuert und bei jeder Zehn kommt Applaus. Das habe ich auch bei einem Finale bei Europameisterschaften noch nicht erlebt.“ Die 2:1 Führung durch Balaz glich Erich Schmul durch eine tolle kämpferische Leistung für Hilgert aus. Gegnerin Martina Rave hatte sich schon lange in die Zuschauerrolle hinter dem 38-jährigen zurückgezogen und musste mit ansehen, wie Schmul um jeden Ring kämpfte.

Noch 13 Schüsse, jeder musste optimal in die Zehn, damit er den Punkt für sein Team holt: „Martina ist eine bekannte Schnellschützin und ich hatte einen schlechten Anfang. Daran hatte ich schwer zu knabbern“, erzählte Erich Schmul nach dem Wettkampf. „Letztes Jahr habe ich gegen Martina im Shoot-Off verloren. Einem Stechen wollte ich deshalb unbedingt aus dem Weg gehen. Die letzten fünf Schüsse waren für mich extem schwer, denn der Puls ist immer wieder hoch gegangen.“ Schmul behielt die Nerven und glich mit 394:393 Ringen zum 2:2 aus: „Ein bisschen Glück war dabei, ich hoffte manchmal nur noch auf die Zehn. Doch ich habe es mir bewiesen, das es geht.“ Trainer Carsten Hees hatte in der Schlussphase viel Arbeit, denn auf Position drei zeichnete sich ein Shoot-Off zwischen Thomas Hoche und Pirkko Endler ab. Hoche hatte 394 Ringe vorgelegt, die von der ABC-Schützin sechs Schüsse vor Schluss noch übertroffen werden konnte. „In dieser Phase habe ich Thomas Hoche schon auf das Stechen vorbereitet“. Gleichzeitig blickte er auf die letzten Schüsse von Erich Schmul: „Ich wusste aber, dass er mit Drucksituationen gut umgehen kann.“ Münsters Trainer Linn wurde dagegen unruhig, denn Pirkko Endler waren bei den letzten Schüssen schon zwei Neuner unterlaufen. Der letzte Schuss musste jetzt in die Zehn, um das Match mit einem Shoot-Off noch offen zu halten. Doch zum Entsetzen von Trainer und Manschaft leuchtete auf der Anzeigetafel die „9,9“ auf. „Ein Zehntel entscheidet den Wettkampf“, jubelte Hilgerts Carsten Hees während Ekkehard Linn dem krankheitsbedingten Ausfall von Christina Rommel nachtrauerte.

 

Vor dem Sieg über Münster hatte das Team von TuS Hilgert am Samstagabend in einer knappen Entscheidung gegen Wolthausen gewonnen. Bei der Schlüsselbegegnung in dieser Begegnung war wieder Erich Schmul für Hilgert beteiligt. Beim Stand von 2:2 beendete Schmul seine letzte Serie gegen Tobias Gauster mit mäßigen 96 Ringen und legte dem Niedersachsen nur 391 Ringe vor. „Da hat er für uns noch einmal das Tor aufgemacht“, resümierte Wilfried Knoop die unglückliche Niederlage seines Teams. „Am Ende war es bei uns eine Neun zuviel.“ Dabei konnte sich der Sportkoordinator des Vorjahressiebten zunächst die Glanzleistung von Jessica Kregel bejubeln. „Nur eine 9,8 mit dem siebten Schuss, alles andere ging in die Zehn.“ Mit 399 Ringen ließ die 24-jährige Jessica Kregel dem Odenwälder Henri Junghänel im Team von Hilgert keine Siegchance. Sie ersetzte damit überzeugend die fehlende Tejaswini Sawant. Neben Jessica Kregel gefiel bei Wolthausen Christian Stautmeister mit 393:392 Ringen gegen Thomas Hoche. „Er hat wieder seine alten Schießsachen angezogen und damit zu alter Stärke gefunden“, wusste Wilfried Knoob über den 23-jährigen, „das war gut für seinen Kopf.“

Doch die Punkte von Kregel und Stautmeister reichten nicht zum Sieg über Hilgert. Dafür lief es am Sonntagmorgen rund für die Niedersachsen im Match gegen Aufsteiger Deiringsen. Stautmeister brachte Wolthausen nach einer halben Stunde mit 394:390 Ringen gegen Daniela Werling in Führung. Auf Position fünf glich Deiringsen durch Nina Koop gegen Erstliganeuling Carsten Jung erwartungsgemäß mit 388:379 Ringen aus. Danach durchlitten Wilfried Knoob und Trainer Sven von der Osten-Fabeck mit dem Team von Wolthausen alle Höhen und Tiefen. Im Blickpunkt stand das  Duell zwischen Ina Gümmer und Kerstin Appelbaum. Die 33-jährige Nummer vier bei Wolthausen führte zunächst klar mit 99:94 Ringen, nachdem der neun Jahre jüngeren Appelbaum mit dem zehnten Schuss eine Sieben unterlaufen war. In dieser Phase nach zwölf Minuten Schießzeit schüttelten Trainer und Zuschauer die Köpfe über die Nervosität der Aktiven. Auf sieben der zehn Schießstände leuchtete gleichzeitig ein blauer Punkt für eine Acht oder schlechter auf. „Das habe ich in der Bundesliga noch nie gesehen“, winkte Sven von der Osten Fabeck ab, der dennoch eine knappe Führung seines Teams in der Hochrechnung sah. Als Ina Gümmer vom 34. bis 38. Schuss nur Neuner schoss, drehte Kerstin Appelbaum die Begegnung zu ihren Gunsten, doch noch hatten beide Konkurrentinnen die letzten Schüsse zu absolvieren. „Ich habe Zeitprobleme bekommen und musste die Neuner riskieren“, erzählte anschließend Ina Gümmer über die spannende Schlussphase, „ich habe Zeit gebraucht für die letzten beiden Schüsse.“

Die Rechnung ging auf, denn jetzt schoss Katrin Appelbaum mit den letzten Schüssen drei Neuner und das nutzte Ina Gümmer aus. Mit zwei Zehner zum Schluss sicherte sie die vorentscheidende 2:1 Führung mit 387:386 Ringen für Wolthausen. „Ich hatte blaue Daumen“, meinte der sichtlich geschaffte Wilfried Knoob nach dem Sieg von Ina Gümmer, denn auf Position eins war das 3:1 durch Jessica Kregel gegen Denny Nikkelen mit 391:386 Ringen Formsache. Ergebniskosmetik gelang für Deiringsen zum Abschluss Philipp Deimann, der nach Ringgleichheit mit Tobias Gauster, das Shoot-Off mit dem zweiten Stechschuss 10:9 gewann. „Das erste Wochenende lief besser als erwartet“, freute sich nach dem Sieg Wilfried Knoob, „Jetzt müssen wir nur noch einmal punkten.“ Mit der Rolle des Abstiegskandidaten Nummer eins scheint sich das Soester Vorortsteam aus Deiringsen nach dem Wiederaufstieg frühzeitig abgefunden zu haben. „Eine Mannschaft für das Finale können wir uns nicht erlauben“, meinte Coach Erwin Deimann. „Aus dem Abstiegsjahr sind noch drei Schützen dabei. Das Team versteht sich gut und wollte so auch zusammen bleiben.“

 

 

Ohne Punkte blieb am ersten Wettkampfwochenende neben Aufsteiger Deiringsen auch das Team von Post Telekom Düsseldorf. „Das war einfach zu wenig, viel zu wenig“, kommentierte Manfred Welbers das Abschneiden der Düsseldorfer. „Vor allem ein Sieg gegen Buer-Bülse hätte ich einfach erwartet.“ Welbers hat vor der Saison die Teamleitung an Michael Schneider abgegeben und der sah die unglückliche 2:3 Niederlage gegen das wenig überzeugende Team aus Gelsenkirchen. Nur Britta Kurth zeigte bei ihrem 395:390 Erfolg über Nadine Kuhlmann eine erstligareife Leistung bei dem Vorjahresfünften, der im dritten Bundesligajahr vor einer schweren Saison steht. In der ausgeglichenen Begegnung war es schließlich Maik Eckhardt, der auf Position fünf nach 390:390 Unentschieden gegen Markus Andrzejewski im Shoot-Off mit 10:9 den dritten Punkt für Buer-Bülse holte. Trotz des glücklichen Sieges erlebten die Bülser ihren schlechtesten Saisonstart in der zwölfjährigen Bundesligageschichte. Der dreifache Deutsche Meister musste zum Auftakt gegen Nordstemmen eine bittere 1:4 Niederlage hinnehmen. Vom Vorjahresabsteiger SG Hamm war Fabian Niesmann nach Gelsenkirchen gewechselt und sein Einstand ging mit 391:392 Ringen gegen David Kroll daneben. „Die Belastung war sehr groß. Ich wollte zeigen, was ich kann und habe mir dadurch nur selbst das Leben schwer gemacht“, so der enttäuschte 27-jährige nach dem Match. „Während des ganzen Wettkampfes hatte ich Puls. Das Gewehr hüpfte, einfach Nervosität pur.“ Mit seiner neuen Mannschaft hofft Niesmann auf eine Steigerung in den nächsten Begegnungen: „Bis auf Torsten Krebs haben sich alle nicht mit Ruhm bekleckert und einfach zu wenig gezeigt. Wenn wir nicht noch mehr unter Druck geraten wollen, dann muss gegen Deiringsen ein Sieg zur Pflicht werden.“ Neben Niesmann war von der SG Hamm die Französin Laurence Brize nach Gelsenkirchen gewechselt, konnte auf Position eins trotz des knappen 388:387 gegen Jessica Mager nicht überzeugen. In der zweiten Begegnung kam Are Hansen ins Team von Buer-Bülse, konnte aber mit 389:391 gegen Kirsten Möller von Nordstemmen keine Akzente setzen.

 

Vor heimischen Publikum stand das Comeback von Dirk Leiwen ins Team von Hubertus Elsen im Mittelpunkt. Das 25-jährige Eigenwächs des Deutschen Meisters der Saison 2005/2006 war für zwei Auslandssemester im kalifornischen Fresno und erst im Juli aus den USA zurückgekehrt. „Es war vielleicht einmal gar nicht so schlecht das Gewehr für ein Jahr ganz aus der Hand zu legen“, erklärte Leiwen nach seinem überzeugenden Auftritt in der Elsener Dreifachsporthalle an der Nesthauser Straße. Mit seinem 396:388 Sieg über Carsten Feldhaus meldete sich Leiwen vor einem begeisterten Publikum zurück, doch es blieb der einzige Punkt seines Team gegen Nordstemmen. „Das war eine ganz schöne Klatsche“, so der enttäuschte Trainer Heinz Reinkemeier, der für die zweite Begegnung gegen Düsseldorf für Nadine Schüller auf Position zwei Daniel Butterweck einwechselte. Mit 4:1 gegen die Rheinländer verhinderten die Reinkemeier-Schützlinge den Fehlstart in die Saison und wieder war es Dirk Leiwen, der im Blickpunkt stand. Von den Fans liebevoll „Ackermann“ genannt, wurde er seinem Spitznamen gegen Melainie Großmann wieder einmal gerecht. Leiwen begann mit mäßigen 95 Ringen und legte danach eine Steigerung hin, die die Zuschauer auf den Rängen begeisterte. „Ich bin selbst überrascht, das es so super gelaufen ist“, meinte er nach seinem 393:388 Sieg und SSV-Vorsitzender Markus Quickstern schwärmte: „Andere hätten nach einer 95er Serie die Flinte ins Korn geworfen. Aber Dirk ist eine echte Kampfsau.“ Dick Boschman mit 396:388 gegen Jessica Mager, sowie Damian Kontny und Eva Schmitz mit 391 und 394 Ringen unterstrichen beim Sieg über Düsseldorf, dass mit Elsen im Bundesligafinale zu rechnen ist.

 

zurück zu Aktuelles