Ötlingen und die Frage der Zeit
Zweiter Wettkampftag der Luftpistolen-Bundesliga Süd in Haiterbach und Weil am Rhein
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Die starken Aufsteiger aus Waldenburg und Ulrichshögl sowie die immer besser in Schwung kommenden TSV-Schützen aus Ötlingen bestimmen zusammen mit dem deutschen Vizemeister Ludwigsburg das Geschehen in der Luftpistole-Bundesliga Süd.
Mit zwei 4:1 Siegen sicherten sich die Ötlinger in der Haiterbacher Kuckuckshalle die alleinige Tabellenführung. Sportleiter Joachim Poppek war ebenso begeistert von seinem Team, wie die zahlreichen Anhänger unter den 200 Zuschauern. "Wir haben uns von Jahr zu Jahr gesteigert", beschreibt Poppek das Geheimnis des Erfolges, "es war die Frage der Zeit mit einer Mannschaft in der wir auf Topschützen verzichten." Dabei mußte Poppek erstmals in sieben Bundesligajahren auf seinen Leistungsträger Michael Waibel verzichten. Den 38-jährigen bescherte eine Erkältung die ungewohnte Zuschauerrolle.
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"Jetzt müssen die Anderen einmal
ran", forderte Poppek und für Waibel fügte sich Markus Geipel
nahtlos ins Team ein. Der 40-jährige lieferte bei seinem ersten
Bundesligaeinsatz in dieser Saison eine Topleistung im Match gegen Claudia
Verdicchio. Die Heidelberger Nationalschützin hatte dem gewichtigen
Ötlinger nichts entgegenzusetzen und verlor klar mit 369:385 Ringen. Seit
zwei Jahren schießt der Ukrainer Borys Graytser für Ötlingen und der
45-jährige hat sich zu unumstrittenen Nummer eins im Team entwickelt.
"Er wird immer besser", kommentierte Sportleiter Poppek die
Leistung von Graytser beim 388:380 über Gerhard Wetzler, "bei dieser
Ringzahl ist er selbst erschrocken". Die Spitzenleistungen waren die
Grundlage zum glatten Ötlinger Sieg über Heidelberg, den Susi Horvat und
Jörg Kobarg abrundeten.
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Am Sonntagmorgen bestimmten wieder die Rasseln der Ötlinger Anhänger die Kulisse in der Kuckuckshalle, denn die Haiterbacher Gastgeber lagen schon nach einer Viertelstunde mit 1:4 chancenlos in Rückstand. Vor dem Wettkampf hatte Borys Graytser von den Spitzenleistungen der russischen Bundesligaschützen Gontcharov und Nestruey erfahren und da wollte der Ukrainer nicht nachstehen. "Das entwickelte sich fast zum Fernduell", konnte Joachim Poppek die erneute Spitzenleistung seiner Nummer eins nicht fassen.
| Graytser eröffnete mit 196 von 200
möglichen Ringen das Match gegen den Haiterbacher Hennefarth und brachte
nach 40 Minuten mit 388:376 seinen Sieg zum 1:0 für Ötlingen ins Ziel.
Der 20 Jahre jüngere Thomas Hennefarth hatte trotz seiner besten
Bundesligaleistung in keiner Phase der Begegnung eine Chance. Gegen den
Haiterbacher Sturz ans Tabellenende stemmte sich Mannschaftsführer Harald
Köpke, der gegen Stefan Scharpf mit 378:373 Ringen das 1:1 erkämpfte.
Doch die Freude von Vereinschef Heinz Jooss war nur kurz, denn wenig
später brachte Jörg Kobarg gegen die schwache Claudia Odermatt (372:355)
die Ötlinger mit 2:1 in Führung. Wenig später schaffte Susi Horvat mit
glänzenden 378 Ringen gegen Siegfried Jooss (363) die Entscheidung zum
3:1. Den Schlußpunkt zum 4:1 setzte Markus Geipel, der seinen klaren
Vorsprung gegen Conny Konstantin durch Zeitnot in der Schlußphase noch
abgab und einen glücklichen 368:367 Sieg ins Ziel rettete.
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Der Kampf gegen den Abstieg hatte für Haiterbach bereits am Samstagabend begonnen, denn die Schwarzwälder waren nach dem 1:4 gegen Aufsteiger Waldenburg ans Tabellenende zurückgefallen. In der einseitigen Begegnung konnte nur Claudia Odermatt einen Punkt für die Gastgeber holen. Mit einer kompakten Leistung auf hohem Niveau ließen die Waldenburger Vladimir Gontcharov (383), Wolfgang Renner (378), Andreas Schneider (379) und Franz Möndel (380) keine Chance. "Sie können alle noch zulegen", ist Trainer Günter Wüstenmeyer vom Leistungsvermögen seiner Mannschaft überzeugt,
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"Vladimir Gontcharov ist das Vorbild für die Mannschaft. Er ist der wichtige Pol und gibt dem Team das Rückgrat." Der 26-jährige Offizier aus Sankt Petersburg hat schnell die Erwartungen von Wüstenmeyer erfüllt: "Ich habe ihm bewußt die Ergebnisse von Dumoulin und Nestruey in der Nordliga vom Samstagabend gesagt" und der Trick des Trainers zeigte Wirkung. Am frühen Sonntagmorgen gegen Heidelberg war Gontcharov nicht zu stoppen und ging vor nur fünfzig Zuschauern mit glänzenden 391 Ringen vom Stand. "Jetzt ist der Knoten bei ihm geplatzt", strahlte Wüstenmeyer über die Topleistung seiner Nummer eins, der mit Jan Claussen nur in der Anfangsphase einen ernstzunehmenden Gegner hatte. Nach fast zwei Jahren kehrte der ehemalige Nationalschütze ins Bundesligageschehen zurück. Nach 15 Schüssen machten sich bei dem 51-jährigen seine Schulterprobleme bemerkbar und war auf Position eins bei Heidelberg hauptsächlich eine taktische Lösung. "Ich habe keine Kondition mehr", ärgerte sich Claussen über seine chancenlose Leistung mit 363 Ringen, mit der er den kurzfristig ausgefallenen Gerhard Wetzler auf Position eins ersetzte. |
Gegen Waldenburg hatten die Heidelberger ihre Siegchance, doch Claudia Verdicchio konnte sich in der Schlußphase gegen Andreas Schneider (376:379) nicht mehr entscheidend steigern und nach 34 Minuten führte der Aufsteiger mit 1:0. Wenig später hatte Gontcharov das 2:0 gegen Claussen besorgt und dann blickten die Zuschauer auf den spannenden Kampf auf Position fünf.
| Franz Möndel schien für Waldenburg mit
einem Acht-Ringe-Vorsprung gegen Karl-Otto Westphalen den dritten Punkt
schon sicher zu haben, doch dann leistete sich der 44-jährige eine Reihe
von Achter. Drei Schüsse vor Ende seiner Serie legte Möndel eine lange
Pause ein und wartete die Ringzahlen seines Heidelberger Gegners ab. Als
der Ausgleich greifbar schien, kehrte Möndel in den Stand zurück und
konterte erfolgreich. Mit 374:371 sicherte er den dritten Punkt für
Waldenburg. "Damit ist das Abstiegsgespenst vom Tisch", Teamchef
Günter Wüstenmeyer blieb noch zurückhaltend, obwohl seine Mannschaft
damit einen wichtigen Konkurrenten im Kampf um die Finalteilnahme
geschlagen hatte. Zu spät kamen die Heidelberger Siege durch Neuzugang
Daniel Barner, der beim 382:374 Wolfgang Renner stets beherrschte und
Alexander Riedl, der beim 380:373 über Thomas Wüstenmeyer eine
überraschend starke Leistung zeigte.
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Im fünften Jahr nach dem Aufstieg in die erste Liga steht der ESV Weil am Rhein vor einer unerwarteten Situation. Nach den 2:3 Heimniederlagen gegen Ludwigsburg und Ulrichshögl stehen die Südbadener sieglos am Tabellenende. "Mit dem Thema Relegation muss man sich in Weil zumindest gedanklich schon mal auseinandersetzen", meint Holger Blaschka nach dem zweiten Wettkampftag für den Südmeister des Jahres 2001.
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