Die Generalprobe der Olympiasieger und Weltmeister
Grand Prix der Bogenschützen in Wyhl vom 15. bis 19. Juni 2004
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Zum letzten ernsthaften Test vor den Olympischen Spielen in Athen fanden sich die weltbesten Bogenschützen im südbadischen Wyhl ein. Im kleinen Städtchen am Kaiserstuhl entwickelte sich die olympische Generalprobe vom 15. bis 19. Juni 2004 zu einem Stelldichein von Olympiasiegern, Welt- und Europameistern, bei dem die deutschen Aktiven schnell zu Zuschauern wurden. Unter den 245 Startern aus 43 Nationen spielten die Schützlinge von Bundestrainer Viktor Bachmann keine entscheidende Rolle in den Einzelwettbewerben.
| Die beste Leistung aus deutscher Sicht bot im Recurvebogen-Einzelwettbewerb Frank von Dincklage, der den Einzug ins Viertelfinale nur knapp verpaßte. Ein Platz unter den besten Acht war die Bedingung zur Aufnahme im Olympiakader und der 19-jährige Berliner scheiterte an der letzten Hürde durch eine 158:167 Niederlage gegen den Chinesen Xue. Zuvor hattte der Berliner mit Rang zwölf unter 89 Startern im Vorkampf überrascht und eröffnete mit einer starken Leistung die Finalrunde. Der Inder Kerai war mit 166:157 Ringen ebenso eine leichte Hürde wie der Pole Proc, den von Dincklage mit 161:151 Ringen besiegte. Zu diesem Zeitpunkt gehörte der amtierende Weltmeister Michele Frangilli durch die 162:164 Niederlage gegen den Luxemburger Jeff Henckels genauso zu den Zuschauern wie der australische Olympiasieger Simon Fairweather, der an dem Chinesen Liu mit 157:158 scheiterte. |
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Damit war der Weg frei zu einer klaren Dominanz der asiatischen Bogenschützen. "Die Asiaten werden immer stärker", musste Bundestrainer Bachmann anerkennen, "unsere Konkurrenz hat ein sehr gutes Niveau, da müssen wir uns noch mehr steigern."
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Unbeeindruckt von den teilweise
schwierigen Windbedingungen auf dem Sportgelände des BSSF Wyhl holte sich
der Koreaner Jang den Sieg. Im Finale schaltete er die beiden Chinesen Xue
und Chen aus und zeigte in der entscheidenden Phase mit 115 von 120
möglichen Ringen seine Weltklasse.
Neben von Dincklage schaffte nur Matthias Hummel einen Sieg in der Finalrunde. Der 19-jährige von Bergmann Borsig Berlin hatte den Russen Masyutin mit 158:153 Ringen besiegt, wurde dann aber von dem späteren zweitplatzierten Chinesen Chen mit 158:166 Ringen gestoppt. Mit Platz 61 in der Vorrunde und dem Aus in der ersten Runde gegen den Briten Roy Nash (154:158) begnügte sich Alexander Fröse. "Ziel war eine gute Platzierung", meinte der 33-jährige Fachinformatiker, "doch in der letzten Passé war ich im Kopf k.o." Für die bevorstehende Olympiaausscheidung hatte Fröse vor dem Wyhler Grand Prix viel trainiert: "Da hat mein Körper darauf reagiert." Zum Vergleich mit Michael Frankenberg kam es in Wyhl aber nicht, da der 26-jährige Hagener aus beruflichen Gründen auf eine Teilnahme am Grand Prix verzichten musste.
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Während Alexander Fröse seine Vorbereitung ganz auf den Kampf um das begehrte Olympiaticket ausgerichtet hatte, überraschten seine Teamkameraden mit einer starken Leistung im Mannschaftswettbewerb. Nach Rang zehn in der Qualifikation glückte ein knapper 235:234 Sieg über Taiwan. Dem glücklichen Einzug ins Viertelfinale ließen Frank von Dincklage, Jens Pieper und Udo Böttcher einen sensationellen 243:240 Sieg über China folgen. Nach den ersten neun Pfeilen lagen die favorisierten Chinesen mit 82:80 Ringen vorn, doch mit dem glänzend aufgelegten Frank von Dincklage erkämpfte sich das deutsche Trio in der zweiten Passé einen 160:158 Vorsprung, der bis zu letzten Pfeil reichte. "Wenn man die Leistung bringt und der Gegner es zuläßt, dann können wir gegen jede Mannschaft gewinnen", strahlte anschließend Bundestrainer Viktor Bachmann, der ein voll motiviertes Team ins Halbfinale gegen Australien schickte. Jetzt kam Stimmung unter den Zuschauern auf und das deutsche Team führte nach neun Pfeilen mit 79:77.
| Gegen die Favoriten mit Olympiasieger
Simon Fairweather und dem WM-Dritten David Barnes hielten die drei
Deutschen das Match bis zum 158:158 offen, bevor die Australier mit den
letzten Pfeilen das Match mit 241:237 für sich entschieden. Im zweiten
Halbfinale hatten die Koreaner mit 258:252 Ringen die tapfer kämpfenden
Russen ausgeschaltet, bevor starker Regen einsetzte. Die Witterung stoppte
den koreanischen Siegeszug und die kämpferischen Australier holten sich
mit 250:244 Ringen den Sieg. Im kleinen Finale war die Anspannung aus dem
deutschen Team gewichen und die Begegnung gegen Rußland ging nach
beiderseits mäßigen Leistungen mit 223:230 Ringen verloren.
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Der Frauen-Wettbewerb stand ganz im Zeichen der amtierenden Olympiasiegerin und Weltmeisterin Mi-Jin Yun. Die Koreanerin wurde ihrer Favoritenrolle mit dem 108:104 Finalsieg über die chinesische Olympiazweite von 1996, Xing He, eindrucksvoll gerecht. Während die Asiatinnen auf den ersten vier Plätzen im Einzel unter sich waren, hatten die sechs deutschen Starterinnen keine Chance, das Viertelfinale zu erreichen. Cornelia Pfohl, Anja Hitzler, Veronika Haidn-Tchalova und Barbara Kegelmann schieden jeweils in der zweiten Finalrunde aus, während Sabine Striegl und Wiebke Nulle schon in der ersten Runde scheiterten. "Die Olympiaausscheidung war immer präsent", meinte Anja Hitzler nach ihrem 155:159 Aus gegen die Ukrainerin Palekha, "ein paar wenige Pfeile haben das Ergebnis nach unten gezogen." |
Mit dem Abschneiden der Frauen war Bundestrainer Bachmann alles andere als zufrieden. "Sie haben sich mit dem Wind verschätzt", erklärte Bachmann die oft schwachen ersten Pfeile. So waren Cornelia Pfohl und Barbara Kegelmann in der zweiten Finalrunde früh deutlich in Rückstand geraten, den sie nicht mehr aufholen konnten. Im Mannschaftswettbewerb schienen die deutschen Frauen gut mithalten zu können und belegten in der Vorrunde einen guten siebten Rang. Doch ausgerechnet Anja Hitzler leitete mit einem Patzer das frühe Aus im Achtelfinale gegen Japan ein. "Ich wollte zügig und sauber schießen", erklärte sie ihren Fehler, "ich war zu zügig". Eine Drei beim ersten Pfeil in der zweiten Passé bedeutete den entscheidenden Rückstand für Deutschland. Die Vizeweltmeisterinnen aus Japan nutzten die Gelegenheit und zogen mit 232:229 in die nächste Runde ein. Das schnelle deutsche Aus war schnell vergessen, denn die Koreanerinnen hatten sich in den Mittelpunkt des Interesses geschossen. Beim 258:231 gegen Weißrußland hatten sie ihren eigenen sieben Jahre alten Weltrekord um fünf Ringe übertroffen. Auch bei den folgenden Siegen über Taiwan (255:231) und Indien (256:237) übertrafen die Olympiasiegerinnen von 1996 und 2000 die alte Bestmarke und bezwangen im Finale die Chinesinnen deutlich mit 249:241 Ringen.