Vier Biergärten und der Oberwaldberg
Am 5. Juli 2008 war es wieder so weit. Gerade ein Jahr ist es her, dass ich meine alte Liebe wieder entdeckt habe: Mein Fahrrad - vor einem Jahr waren es geplante 18 Kilometer, die dann nach 50 Kilometer endeten. Das sollte sich in diesem Jahr nicht wiederholen. Dem Vorschlag, mit den Kollegen des Firmenkundencenters, wieder eine Radtour zu unternehmen setzte ich sofort einen konkreten Plan entgegen. "Wir machen eine Vier-Biergartenrallye", ein kurzer Satz mit großer Wirkung - alle waren begeistert und ich war mir sicher - da kann nichts schiefgehen. Also ziehe ich mich schon zu Beginn aus der Organisation zurück und überlasse alles unserem Bastian. Jung, dynamisch.......zum Rest kommen wir später......verfasst er seinen Routenplan, der sich sehr vernünftig anhörte: "Wir treffen uns am Niederwaldsee in Groß-Gerau, fahren zur Mönchbruchmühle, dann weiter zum Gundhof in Walldorf und zurück - über den Bachgrund in Worfelden - zum Startpunkt." Soweit der Plan des Organisators und der hielt etwa vier Kilometer.
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Ein Dutzend Kollegen fanden sich zum Treff am ersten Biergarten am Niederwaldsee in Groß-Gerau ein - die erste Enttäuschung war der geschlossene Biergarten des "Joy" - war um 10.00 Uhr morgens vielleicht doch etwas zu früh.
Nicht zu früh war es für die ersten Diskussionen um die Routenführung. "Zum Gundhof fahren wir nicht" - Bastian blieb locker und kündigte das Ende seiner Organisation im Biergarten der Mönchbruchmühle an. Egal - wir Einheimischen kennen uns ja aus, was kann da schon schiefgehen.
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Belebt von "dem guten alten Hochstädter" kamen wir bei der Weiterfahrt durch die Mönchbruchwiesen in Richtung Startbahn West schnell auf Touren. So richtig abheben wollten wir an der Startbahn West des Frankfurter Flughafens. Nicht gerade eine Augenweide: Stacheldraht und Betonpfähle erinnern an die Auseinandersetzungen vor 25 Jahren, als im Flörsheimer Wald die Gegner des Flughafenausbaus ein Hüttendorf errichteten. So mancher unserer älteren Kollegen erinnerte sich an diese Zeit zurück, als die Auseinandersetzungen Mitte der 80er Jahre ihren Höhepunkt erreichten. Heute ist die Startbahn West Normalität und mehr als die Hälfte der Flugzeuge startet in Frankfurt über diese Bahn.
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Nach der Startbahn-Pause übernahm "Zum Gundhof fahre ich nicht"-Klaus die Führung unseres zwölfköpfigen Teams und es begann eine scheinbare Irrfahrt rund um Mörfelden. Der Mörfelder schöpfte sein ganzes Können aus, unseren FKC-Kollegen die Schönheiten seiner Stadt über Abkürzungen zu zeigen. "Wo fahren wir eigentlich hin", war die viel gestellte Frage in dieser Stunde. Unser Mörfelder Klaus ließ sich nicht beirren. Schon lange hatten wir die gemütlichen Waldwege gegen die Mörfelder Straßen eingetauscht und es ging bei immer heißeren Temperaturen hinaus ins freie Feld. "Will er jetzt nach Gräfenhausen?" oder "Fahren wir zum Steinrodsee". Klaus hielt dicht - nur er wusste, heute geht es noch hoch hinaus. Dabei führte er uns zu historischer Stätte - dem Naturfreundehaus von Mörfelden-Walldorf. Nach einer wechselvollen Geschichte errichteten die Mörfelder Naturfreunde ihr heutiges Domizil am Oberwald, das einen schönen Biergarten hat. Eine wunderbare Sache, doch kurz nach der Ankunft hatte sich unsere Gruppe plötzlich aufgelöst. Während ich und einige Kollegen den Verlockungen des Biergartens nicht widerstehen konnten, machten sich sechs Kollegen zusammen mit unserem Mörfelder Klaus davon - er wollte ja hoch hinaus.
Seit den 70er Jahren entstand östlich von Mörfelden ein Müllberg. Mitte der 80er Jahre erreichte der heutige Oberwaldberg eine Höhe von 145 Meter und ist damit die höchste Erhebung im Kreis Groß-Gerau. "Von dort hat meinen tollen Ausblick bis zur Frankfurter Skyline und dem Frankfurter Flughafen hat." Damit köderte Klaus die verbliebenen Kollegen zur Auffahrt mit dem Fahrrad. Doch nicht alle FKC-Kollegen machten beim Kampf um das "Bergtrikot" mit. "Die Zielerreichung war nicht möglich", kommentierten Bastian und Timo ihre vorzeitige Rückkehr im Biergarten. Die beiden waren am steilen Anstieg gescheitert, den schließlich neben Bergführer Klaus auch Rolf, Karlheinz, Horst und Liane schafften. Die Siegerin der Damen-Bergwertung bezahlte den Gipfelsturm teuer - danach war die Schaltung an ihrem High-Tec "Kuwahara"-Trekkingrad hin.
Zwei Bier und einen Leberkäs mit Ei nach dem ersten Team im Biergarten kehrten die Gipfelstürmer zu den Mörfelder Naturfreunden zurück. Über die Ziele der Tour "vier Biergärten" hatte schon lange keiner mehr gesprochen. "Wo sind wir eigentlich und wie kommen wir zurück?" Ohne Plan und mit neuem Organisator machte sich das FKC-Dutzend auf in Richtung "Bachgrund" in Worfelden. Jetzt herrschten sommerliche Temperaturen und die Kollegen stöhnten unter der Hitze - vielleicht auch unter ein wenig zuviel Alkohol ?
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Trotz aller Probleme - insbesondere im hinteren Bereich - erreichten wir unseren vierten Biergarten und platzten im "Bachgrund" mitten hinein in eine Hochzeitsfeier. Gut feiern können wir auch und so ließen wir uns von der Hochzeitsgesellschaft nicht stören - außer vielleicht einiger Kommentare über das Brautpaar (sehr positiv: das Hochzeitauto war ein 2 CV) Eine Citroen-Ente sprach für den Geschmack des Brautpaars, den die Gäste bei ihrer Kleidung für diesen Anlass teilweise vermissen ließen. Nun, wollen wir nicht weiter lästern - oder vielleicht noch einmal kurz über unseren Auftakt-Organisator. Bastian hatte sich kurzfristig in die junge hübsche Bedienung verliebt, der seine flotten Sprüche nicht verborgen geblieben waren. Prompt suchte sie die Nähe unseres Flirt-Bastian´s, dem es genauso plötzlich die Stimme verschlagen hatte (Thema: Große Sprüche und....)
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Die letzte Etappe zurück in die Heimatgemeinden wurde noch einmal eine Herausforderung - nicht für das Material, nein für die Menschen und deren besonders empfindliche Körperteile. Gemeinsam mit Liane und Waltraud nahm ich die letzten der am Ende insgesamt über 50 Kilometer in Angriff. Die Fahrt über eine Autobahnbrücke wurde da schon zu einer Bergankunft - schließlich waren wir statt um 15.00 Uhr (wie von Bastian organisiert avisiert) gegen 19.00 Uhr zu Hause - und die Pflege der besonders beanspruchten Körperteile konnte beginnen. |