Zurück auf den Spuren der Vorfahren
Im Juli 2004 kehrte ich zusammen mit meiner Schwester Birgit zurück auf die Spuren unserer Vorfahren. Zum drittenmal hieß unser Ziel das Egerland in der heutigen Tschechischen Rebublik.
Erstmals reisten wir diesmal in den Geburtsort unseres Opas Franz Konheiser nach Tachovská Hut (früher: Tachauer Schmölz). Anfang des 15. Jahrhunderts kamen deutsche Bergleute in diese Gegend, um auf der Grundlage von Privilegien des Kaisers Rudolf II. hier Gruben zu erschließen. Auf etwa 600 Meter Höhe blühte der Bergbau bis ins 19. Jahrhundert. Tachovska Hut gehört heute zu der etwa 750 Einwohner zählenden Gemeinde Tri Sekery (früher: Dreihacken), in der unsere Oma Emma Konheiser (geborene Weis) aufwuchs. Sicher gingen unsere Vorfahren, die 1904 und 1906 geboren wurden, schon in die örtliche Schule, die 1898 gegründet wurde.
Überall sind ausführliche Landkarten (auch in deutscher Sprache) in den Orten angebracht, so dass wir uns gut in dieser wunderschönen Naturlandschaft und Pilzsucherparadies orientieren konnten.
Nach der Besichtigung von Tachovská Hut fuhren wir weiter in die Heimatgemeinde unserer Mutter Marianne Wabnitz (geborene Konheiser). In Drmoul (deutsch: Dürrmaul) lebte sie zusammen mit ihren Eltern (Franz Konheiser ist seit dem 17. Dezember 1942 im Raum von Millerowo in Rußland vermisst) auf dem Herrenberg. Am 25. Juli 1946 wurde sie zusammen mit ihrer Mutter Emma Konheiser nach Groß-Gerau ausgesiedelt. Den Verlust ihrer Heimat mit einem Wohnhaus und Feldern bezifferten sie damals auf etwa 20.000 Mark.
In den Erzählungen unserer Oma wurde immer wieder die Schönheit des Landes mit einer wunderbaren Ruhe, den klaren Bächen und der gesunden Luft deutlich. Dies hat sich heute für uns im Rückblick keinesfalls als übertrieben erwiesen. Birgit und ich genießen bei unseren Besuchen die Schönheit des Egerlandes rund um den bekannten Kurort Marienbad.
Aber es sind auch die freundlichen und zufriedenen Menschen, denen wir in Dürrmaul immer wieder begegnen. Es ist für uns eine Freude, wenn wir den Wirt im örtlichen Gasthaus "Styl" treffen.
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Natürlich lassen wir uns hier die böhmische Küche nicht entgehen, die uns an die Kochkünste unserer Oma so sehr erinnert. Ob die Knödel oder Palatschinken, hier fühlen wir uns zu Hause.
Stets führt unser Weg nach dem Besuch des "Styl" hinauf auf den Herrenberg, wo unsere Vorfahren im Haus Nr. 88 lebten (das heute nicht mehr steht). Wieder hatten wir das Glück, dass wir den Musiker Zdenek Stonawski trafen, der seit 25 Jahren auf dem Herrenberg lebt. "Hier möchte ich mein Leben lang bleiben", beschreibt uns der 66-jährige an seinem Geburtstag seine Liebe zu dieser Landschaft, in der wir ihn einst bei unserem ersten Besuch bei einem Waldspaziergang kennengelernt haben.
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Nur kurz ist der Weg zum nahen jüdischen Friedhof, der seit einigen Jahren von der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) gepflegt wird. Dieser Friedhof ist das einzige noch sichtbare Zeugnis jüdischen Lebens in dieser Gegend. Auf zahlreichen Grabsteinen sind die Inschriften noch gut lesbar und mehrfach stießen wir auch auf den Namen "Weis", der Geburtsname unserer Oma.
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Vom jüdischen Friedhof führt der Weg hinab zum "Säuerling", einer Bergquelle aus der wir immer einige Liter Wasser mitnehmen, um unserer Mutter zu Hause einen Geschmack ihrer ehemaligen Heimat mitzubringen. Anhand einiger alten Bilder orientieren wir uns, wo die Felder unser Vorfahren waren und prompt werden wir oberhalb von Dürrmaul in Richtung Kleinsiehdichfür fündig.
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Dürrmaul (Drmoul) mit
heute 720 Einwohnern liegt etwa drei Kilometer südwestlich von Marienbad
und wurde bereits 1366 erstmals schriftlich erwähnt.
Die Bilder links und rechts sind rund um den Dorfteich aufgenommen. |
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Wieder haben wir den Nachmittag auf dem Herrenberg und in Dürrmaul verbracht und es bleibt uns nur noch wenig Zeit zum Besuch von Marienbad. Aber es werden wieder schöne Stunden in Marianské Lázné, eine Kurstadt, die ab 1902 den Höhepunkt ihres gesellschaftlichen Lebens erreichte. Die Heilkraft der Quellen waren die Grundlage zum Aufstieg des Ortes, nachdem die Gegend durch die Sümpfe und Moore lang unbesiedelt geblieben war.
Auf 630 Meter Höhe befinden sich in Marienbad vierzig Heilquellen und die Stadt versprüht den zarten Zauber der Architektur, der Romantik von ausgedehnten Parks und der Anmut der bewaldeten Umgebung. Zum Abschluss unseres Besuchs genossen wir ein Abendessen im Hotel "Bohemia", das sich im Mittelteil der Hauptstraße "Hlavni Trida" - etwa 300 Meter von der Kolonade mit der "Singenden Fontäne" - befindet.
"Einen schöneren Kurort gibt es auf der ganzen Welt nicht", meinte einst Thomas Alva Edison, als er vor einhundert Jahren Marienbad erblickte. Folgen Sie uns heute auf einem Rundgang durch Marienbad und urteilen Sie selbst, ob der 1847 in Ohio geborene Erfinder recht hatte.
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Das war unser dritter Besuch auf den "Spuren unserer Vorfahren" - wieder hat es uns neue Eindrücke vermittelt. Für mich und meine Schwester ist es immer wieder schön, zu erleben "wer wir sind und woher wir kommen". Unsere Spurensuche ist noch nicht zu Ende und es wird die Zeit kommen, an dem wir wieder dieses schöne Land besuchen werden.