Wildcard beflügelt Christine Brinker -
Europameisterschaften im Wurfscheibenschießen – 22. bis 28. Juni 2004 in Latsia / Zypern
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Mit einer Silber- und drei Bronzemedaillen kehrten die deutschen Wurfscheibenschtzen von den Europameisterschaften in Zypern zurück. "Wir waren hier schon erfolgreicher", wirkte Bundestrainer nicht zufrieden mit dem Abschneiden des 25-köpfigen Nationalteams, das in der Nationenwertung nur den 13. Rang erreichte. Trotz einer Reihe von Rückschlägen behaupteten die Italiener mit zehn Medaillen, davon dreimal Gold, ihre Führungsposition in den drei Wurfscheibendisziplinen. Unter den 409 Aktiven aus 40 Nationen waren neben den Italienern überraschend die Schweden und Slowaken mit jeweils drei Goldmedaillen erfolgreich.
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Skeet - Brinker´s Hoffnungen auf eine
Wildcard
"Sie ist unsere Skeetfrau für die Zukunft", freute sich Bundestrainer Wilhelm Metelmann über die bisher beste Leistung auf internationalem Parkett von Christine Brinker. Die 22-jährige schaffte erstmals den Sprung ins Finale der besten Sechs bei den Frauen und hat sich damit endgültig in der europäischen Spitze etabliert. Dabei schoss die Hauptgefreite bei der Sportfördergruppe Warendorf nur knapp an einer Sensation vorbei. Ausgerechnet der letzte Schuss ging in der dritten Runde an der Wurfscheibe vorbei. Eine Bruchscheibe hatte sie in der Schlußphase aus dem Konzept gebracht und damit schaffte sie nicht die erhofften 70 von 75 möglichen Treffer. Dennoch reichte es für Christine Brinker zum Finale, das sie als Vierte begann. "Das Finale war anvisiert", im Vorjahr hatte sie die Entscheidung der besten Sechs noch im Shoot-Off verpasst, "damit habe ich die Beantragung der Wildcard für die Olympiateilnahme in Athen unterstrichen." Im Finale steigerte sie sich nochmals und kam mit 24 von 25 möglichen Treffern an die Drittplatzierte Russin Avetisian heran, die mit einem Fehler im vorletzten Schuss der Deutschen die Medaillenchance eröffnete. Doch die erfahrene Russin behielt im Shoot-Off mit 4:3 die Oberhand und Christine Brinker musste sich mit Rang vier begnügen.
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Trotz der verpassten Medaille wirkte die Deutsche zufrieden: "Im ersten Finale bekommt man eigentlich eine Klatsche." Doch für einen kurzfristige Sprung auf den Olympiazug wäre für die Nominierung ein Medaillengewinn besser gewesen, "Vielleicht wird ein Auge zugedrückt und dann bin ich dabei." Ihre Planungen hat Christine Brinker schon in Richtung 2008 ausgerichtet und sich bei der Bundeswehr weiter verpflichtet. "Mit ihrer super Technik hat sie die Grundlagen für eine Spitzenschützin", lobte Metelmann seine hoffnungsvollste Talent im Skeetbereich der Frauen.
Bei den Männern hatte Axel Wegner in den letzten Jahren Silber und Bronze gewonnen, doch in diesem Jahr reichte es nicht zur Finalteilnahme. Wegner, der sich mitten in der Vorbereitung auf seine vierte Olympiateilnahme befindet, verpasste den Sprung ins Finale durch eine 23er Schlussrunde. "Ein Fehler hätte es auch getan", meinte er anschließend, nachdem ihm zuvor schon drei optimale 25er Runden gelungen waren. Damit musste der Olympiasieger von 1988 ins Shoot-Off gegen den Finnen Kemppainen, der sich den Finaleinzug mit 2:1 sicherte. Am ersten der beiden Wettkampftage hatte Tino Wenzel seine Chancen auf das Finale vergeben. Zwei 23er Runden konnte der Vorjahresneunte trotz glänzender 49 von 50 möglichen Treffern am zweiten Tag nicht mehr ausgleichen und musste sich als Achter mit einem Treffer Rückstand zu den Finalisten begnügen. Das Finale schien zu einer skandinavischen Angelegenheit zu werden, denn der Norweger Watndal und der Däne Winther führten das Feld mit jeweils 123 Treffern an. Als die Sonne am Abend den Akteuren bei den letzten Schüssen direkt in die Augen schien, setzte sich die Routine von Ennio Falco durch. Als einziger der Finalisten schaffte es der Italiener, eine Scheibe direkt gegen die Sonne zu treffen. Damit machte er seinen Hattrick mit dem dritten Sieg in Folge bei den Europameisterschaften komplett. Im Mannschaftswettbewerb waren die Norweger am ersten Tag mit optimalen 150 Treffern gestartet und hatten damit die Grundlage zum Überraschungssieg geschaffen. Weder die Italiener noch die als Titelverteidiger angetretenen Deutschen konnten die Norweger noch von Platz eins verdrängen.
| Neben Axel Wegner und Tino Wenzel stand
erstmals Ralf Buchheim im deutschen Männerteam und konnte sich über die
Mannschafts-Bronzemedaille freuen. Buchheim schoss im Vorjahr noch im
Juniorenteam, das den Vizemeistertitel gewann. Altersbedingt steht
Junioren-Bundestrainer mit seinen Schützlingen vor einem Neuaufbau, so
dass mit den Neulingen Tino Eckhardt und Uwe Trobsch neben Mark Kometer
mehr als er siebte Rang nicht möglich war.
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Trap - Bindrich und Kirchstein im Olympiafahrplan
Mit dem Sieg des Türken Kizilsu endete der Trap-Wettbewerb bei den Männern mit einer faustdicken Überraschung. Kizilsu gewann einen hochklassigen Wettkampf, wobei Bundestrainer Metelmann von dem Leistungsniveau überrascht wurde. "122 Treffer für das Finale ist stark, die sind schon alle gut vorbereitet". Die deutschen Hoffnungen hielt bis zur letzten Serie Karsten Bindrich. "An diesem Ort wollte ich gerne ins Finale", ärgerte sich der amtierende Weltmeister über die verpaßte Finalteilnahme. "In der Spitze musst du immer am Ball bleiben", meinte er selbstkritisch, "drei Scheiben habe ich zu leicht genommen.
Wie im Skeet-Bereich bot Bundestrainer Metelemann neben den erfahrenen Bindrich und Kirchstein mit René Damme einen Neuling im Team auf. "Sie müssen sich ranschießen", erklärte der Bundestrainer den Einsatz der ehemaligen Junioren. Damme. Das neuformierte deutsche Team schaffte wie im Vorjahr den Sprung auf das Siegerpodest und wurde mit Bronze belohnt. Überraschend gewannen die Briten Gold, während Titelverteidiger Frankreich mit Silber zufrieden sein musste und die favorisierten Italiener über den enttäuschenden fünften Platz nicht hinaus kamen.
"Es waren immer die gleichen technischen Fehler und ich habe die Scheiben z spät gesehen", erklärte Susanne Kiermayer ihre schwache 17er Serie, mit der sie alle Medaillenchancen einbüßte, "Unter 20 Treffer, das ist nichts". Für Kiermayer war die Europameisterschaft in Zypern als Aufbauwettkampf geplant, doch: "wenn man auf der Platte steht, will man auch treffen." Mit einer 24er Auftaktserie hatte sie vielversprechend begonnen und zunächst das Starterfeld angeführt.
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Nach Kiermayer´s Patzer lagen die deutschen Finalhoffnungen auf Sonja Scheibl. Kurz vor Ende der dritten Serie unterlief ihr ein Fehler und sie schien es zu ahnen: "Mein Ergebnis und ein Treffer mehr, dass ist die Finalteilnahme." Der jungen Itzstedterin fehlte prompt der eine Treffer und sie mußte sich mit Rang acht begnügen. |
| Eine deutliche Steigerung gegenüber dem
Vorjahr gelang Silke Hüsing, die damit entscheidenden Anteil hatte, dass
das deutsche Damentrio nach Rang vier im Vorjahr wieder den Sprung auf das
Siegerpodest schaffte.
Zu den Lichtblicken im Nachwuchsbereich gehört Katrin Quooss, nachdem Junioren-Bundestrainer in diesem Jahr nur wenig Grund zur Freude über die Leistungen seiner Schützlinge hatte. Mit einer ordentlichen Leistung schaffte sie als einzige deutsche Juniorin den Sprung ins Finale und behauptete sich als Vierte achtbar.
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Doppeltrap - Beim Hochstart mit Haltepunktproblem
Die Einführung eines Timers beim Abruf der Scheiben hat im Doppeltrap zu einer neuen Schießtechnik geführt. „Beim ersten Schuss hält man die Flinte waagerecht und der Lauf bewegt sich nicht", erklärt Bundestrainer Wilhelm Metelmann die Veränderung, „Dafür braucht man einen genauen Haltepunkt, in dem die Scheibe hineinfliegt." Da die Weltspitze sich auf den „Hochstart" umgestellt hat, haben auch die deutschen Spitzenschützen ihre Technik umgestellt. Das dabei nicht alles nach Wunsch läuft, zeigte sich bei Waldemar Schanz. Der zweifache Vize-Weltmeister war mit glänzenden Trainingsergebnissen nach Zypern gekommen, doch in der ersten Runde unterliefen ihm zuviel Fehler. Nur 37 von 50 möglichen Treffern kosteten dem Wiesbadener die Finalchance. Mit 46 und 45 Treffern in den nächsten beiden Runden zeigte Schanz, dass er mit der Weltspitze mithalten kann. „Die neue Technik ist noch nicht stabil", meinte Bundestrainer Metelemann zum 15. Platz seines Schützlings, „diese EM war ein Aufbauwettkampf für Olympia." Während sich Schanz auf seine dritte Olympiateilnahme konzentriert, wurden die Europameisterschaften in Zypern für Stefan Ommert zum Saisonhöhepunkt. „Er hat gezeigt, das es geht", freute sich Metelmann über den achten Einzelrang von Ommert, „der wird ihm Kraft geben und das ist wichtig für seine Perspektive."
Eine überzeugende Doppeltrap-Vorstellung bot Susanne Kiermayer, die wie im Vorjahr die Bronzemedaille gewann. Nach Platz fünf im Vorkampf schaffte sie mit 34 von 40 möglichen Treffern im Finale den Sprung auf den dritten Rang. „Das war wichtig", kommentierte Metelmann die erste Medaille seines Teams, „seit Susanne die Olympiafahrkarte hat, ist sie ein anderer Mensch".
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Die Titelkämpfe in Zypern dürften bei
den Frauen die letzten in dieser Disziplin gewesen sein und endeten mit
einem sicheren Sieg der schwedischen Olympiasiegerin Pia Hansen. Durch die
erfolgreiche Titelverteidigung von Hakan Dahlby bei den Männern wurde die
Auftaktentscheidung in Zypern zum Tag der Schweden, die überraschend die
italienischen Favoriten auf den zweiten Platz verdrängten. Für die
Sensation des ersten Wettkampftages sorgte aber ein junger Malteser bei
den Junioren. Mit 146 von 150 möglichen Treffern im Vorkampf und 46
Treffern im Finale stellte William Chetcuti einen neuen Weltrekord auf. Er
übertraf dabei das Siegerergebnis des Schweden Dahlby um neun Treffer.
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